Sie sterben nicht aus...

  • als würde jemand der originalen Mona Lisa einen Schnurrbart malen


    Etwas Ähnliches hat Duchamp ja gemacht... *flirt*


    spielt man Bachs WTC auf dem Xylophon, heißt es oft "Hört mal, wie schön es auch auf dem Xylophon klingen kann...", spielt man es mit Saxofonquintett, wird es auch als Bearbeitung deklariert... im vorliegenden Fall war aber die Behauptung, daß die Clavichordwerke CPE Bachs auf dem modernen Flügel einfach "besser" klingen... gegen eine Formulierung wie "Hör mal, wie schön diese Werke auch auf dem Flügel klingen können" wäre ja kein Widerspruch erfolgt.


    Da gebe ich dir vollkommen recht.


    LG
    Tamás
     :wink:

  • Etwas Ähnliches hat Duchamp ja gemacht... *flirt*

    Duchamps Aussage war aber nicht, so sähe die Mona Lisa besser aus. Die "Verhunzung" des Originals trug bei ihm ja eine eigenständige, provokante künstlerische Aussage. Und das ist ja durchaus legitim - und etwas völlig anderes, als wenn ich sage: Die Mona Lisa sieht zwar ganz nett aus, aber damit wir sie heute mit Gewinn betrachten können, braucht sie unbedingt noch Ohrringe, damit sieht sie einfach noch besser aus.

  • Duchamps Aussage war aber nicht, so sähe die Mona Lisa besser aus. Die "Verhunzung" des Originals trug bei ihm ja eine eigenständige, provokante künstlerische Aussage. Und das ist ja durchaus legitim - und etwas völlig anderes, als wenn ich sage: Die Mona Lisa sieht zwar ganz nett aus, aber damit wir sie heute mit Gewinn betrachten können, braucht sie unbedingt noch Ohrringe, damit sieht sie einfach noch besser aus.


     *lol*


    Ja, und: Wenn Leonardo die heutigen Ohringe gekannt hätte, hätte er sie sicherlich damit gemalt....


    LG
    Tamás
     :wink:

  • Vermutlich eher mit Piercings... und gemalt? Fotografiert!

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

  • Vermutlich eher mit Piercings... und gemalt? Fotografiert!


    Klaro. *yepp* 
    Die Farbendynamik einer Fotografie ist ja auch viel breiter, als bei einem Gemälde.... *sante*


    Gut, das haben wir genug parodisiert :D... diese Art von Argumentation ist eindeutig falsch. Das kommt ja aber nicht nur bei dem "Antagonismus" Cembalo/Fortepiano - Klavier vor, sondern z.B. auch bei der Aufführung Bachscher Werke mit solistisch besetztem Chor... undzwar: innerhalb von HIP!


    LG
    Tamás
     :wink:

  • Zitat

    Nunja... wie will man denn Wq49 (Konzert für Cembalo vs. Hammerflügel) auf zwei Steinwayflügeln präsentieren? Wo ist denn dann der beabsichtigte Klangunterschied?



    Das war eigentlich eine der Ausnahmen, die ich in meinem Beitrag vergessen hatte.
    Da ist es natürlich klar, dass man hier die entsprechenden Instrumente benutzen sollte, sonst ist gerade dieses Konzert eher witzlos.



    Zitat

    Und in die Nähe von Mozart rückt CPE durch die Verwendung eines modernen Flügels klanglich natürlich dann, wenn man für Mozart auch einen modernen Flügel verwendet


    aber das wird ja auch standartmäßig gemacht – die Klavierkonzerte von Mozart auf historischen Instrumenten sind ja nicht ganz so zahlreich.
    Und natürlich ist es so, dass ich – genau wie Du – die historische Variante bevorzuge und ihr auch einen „sinnvolleren“ Stellenwert einräume – aber: wir sind die Exoten, das muss man leider einsehen.
    Viele Musikhörer haben eine andere Hörgewohnheit und können die Schönheit des Klangs der alten Instrumente, den wir wahrnehmen, so nicht nachvollziehen. Sonst gäbe es ja diese ganze Diskussion nicht.


    Ich denke dieses „gleichmachen im Klang“ ist natürlich für uns kaum ein Anreiz, aber für den Großteil der Musikhörer erleichtert es den Zugang zu dieser Musik.



    Zitat

    Ich möchte einfach die Werke in ihrem historischen Gewand erleben, so wie sie komponiert wurden.


    d'accord
    Das bevorzuge ich ebenso – ich würde ja sogar noch weitergehen und mir auch den dazugehörigen passenden historischen Kontext wünschen. Aber auch hier weiß ich, das ist mehr als exotisch.



    Zitat

    Klar. Das ist aber auch eben "nur" (ich meine das nicht abwertend) eine Bearbeitung, so wie jeder Austausch eines ursprünglich angedachten Instrumentes eine Bearbeitung ist (ja, zum Teil auch vom Komponisten selbst).


    Im Grunde ist jede Form der Interpretation gleichzeitig auch eine Bearbeitung. Es bleibt immer ein ganz persönlicher individueller künstlerischer Ausdruck.
    Wenn Du eine Oper aus dem 17. Jahrhundert nimmst, dann hast Du nur die notierte Gesanglinie, Luxus wenn auch noch die Basslinie dabei ist. D.h. alles andere: Besetzung, sowohl Sänger als auch Instrumente müssen im Grunde neu gemacht werden: eine Bearbeitung.
    z.B. Cavallis „Giasone“ – die Version die heute gespielt wird ist eigentlich eine Oper von Rene Jacobs.



    Generell glaube ich, dass die Normalhörer über konventionelle Interpretationen einen leichteren Zugang zu einer bestimmten Musik bekommen. Oft wird sich dann noch als Alternative eine HIP Aufnahme gekauft – die man erstmal als zu dünn, zu kratzig und als zu schnell empfindet. Erst nach einer Phase des Einhörens folgt möglicherweise ein Umdenken.
    Bei mir war es zuerst anders - ich habe nur HIP akzeptiert. Aber durch das Sammeln von alten LPs wurde ich dann doch überzeugt, dass es auch gute Aufnahmen mit konventionellem Instrumentarium gibt.
    Klar bevorzuge ich HIP, aber ich genieße mittlerweile die unendliche Bandbreite und finde man sollte das auch ausnutzen, das im Grunde alles möglich ist.



    Zur Mona Lisa: das Bild ist Müll - ich verstand nie, was daran so großartig sein soll.
    Aber absolut geilomat der Panzerhochsicherheitsapparatus um das Bild im Louvre - dieses monströse Gebilde halte ich für Kunst :D

  • Hallo,


    die berüchtigte CD ist nun auch für den Deutschen Schallplattenpreis nominiert. In der "Bestenliste 2-2014" heißt es:


    Zitat

    Eines der schönsten Geschenke, die Carl Philipp Emanuel Bach in diesem Jahr zum dreihundertsten Geburtstag gemacht werden konnten, ist diese Gesamtaufnahme seiner Werke für Solo-Klavier. Dem Wesen des Komponisten und seiner Musik entsprechend,


    ...sicher...


    Zitat

    Diese Edition ist da eine echte Steilvorlage.


    Ohja, das war sie...


    Mitunter ist aber auch Currentzis Figaro nominiert!

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

  • Tierisch aufregen könnt' ich mich gerade über die vor einiger Zeit gestartete Pleyel-Edition... sicher mit viel Liebe zum Detail gestaltet und auch die Marionetten-Oper "Die Fee Urgéle" ist dabei... aber bei DEM Plastik-Sound muß ich leider passen...



    *mist* - ich zervichte!

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

  • Oh, den Thread hatte ich ganz vergessen...

    "Das kann ich Ihnen genau sagen."


    [...]


    "Weil es einfach besser klingt."

    Tja, und vermutlich glaubt er auch mit Überzeugung daran.


    Ich hatte ja bereits woanders mal berichtet, daß ich inzwischen bestimmte Sachen nicht mehr anders als HIP/opi hören möchte. Ich denke, daß man irgendwann einfach selbst automatisch in selbst gewählte Präferenzen rutscht und diese schwer wieder verlassen kann. Und es hat sicherlich auch mit Wahrnehmung zu tun: wir sind Teil eines Internetforums, aber da draußen gibt es deutlich mehr Hörer Klassischer Musik als in den Foren schreiben (bzw. lesen). Was deren Auffassung von Klassischer Musik ist, kann man allenfalls erahnen... *hmmm*


    Lustig...wir reden hier von Interpretationen und verwendetem Instrumentarium, und im Geschäft trifft man jemand, der darauf überhaupt nicht reagiert. Offenbar ein Alien... *yes*


    Oder sind wir die Aliens... *yorick*


    -----


    Vor 1-2 Jahren habe ich im Saturn Hansaring mal mitbekommen, wie ein enthusiastischer Kunde vom Verkäufer erklärt bekam, daß er den gewünschten Titel nicht bestellen könne, da er nur über jpc zu beziehen sei (es war eine cpo-CD). Das Lächeln gefror auf seinem Gesicht - der Enthusiast verstand die Welt nicht mehr. Der Verkäufer mußte sich wiederholen. Auf die Frage, wie man sonst an die CD käme, antwortete der Verkäufer: "Übers Internet bestellen." Der Kunde hatte echt Probleme damit - ganz offensichtlich hatte er sich die Online-Welt nicht erschlossen. Er fragte sogar, ob man anders bestellen kann als übers Internet (man kann: Telefon-Hotline und Fax, allerdings muß man auf der Website ganz schön nach den Nummern suchen... :D ).


    Wir, die wir tagtäglich online sind, lächeln ja nur müde darüber. Bestellknopf ist schnell gedrückt, dann nur noch auf die Post warten. Den größten Streß beim Bestellen gibt es nur, wenn man den richtigen Zeitpunkt beim Cyber Monday verpaßt... *lol*



    jd *sante*

  • Ich lese Folgendes im Booklet dazu, und finde es sympathisch formuliert:



    Zitat

    Nach intensiver Beschäftigung kam ich zu der Überzeugung, dass die allermeisten Werke [von Buxtehude und Pachelbel] eindeutig für das Cembalo komponiert sind, einige jedoch hervorragend für das klavier geeignet sind. Bei den "Barockspezialisten" werde ich mit dieser Meinung sicherlich auf Ablehnung stoßen. Ich finde es sehr interessant, den Klang des modernen Flügels zu nutzen, um Stimmführungen deutlicher zu machen und einen cantableren Klang zu erzeugen als dies auf dem Cembalo möglich ist.


    Denkt man an die vielen Werke, die von den komponisten selbst sogar für andere Instrumentengattungen, transkribiert wurden, war die Wahl des jeweils verwendeten instrumentes in der Barockzeit wohl eher zweitrangig. In diesem Sinne hoffe ich, dass mein Versuch, diese wunderbare Musik auf dem klavier darzustellen kein Sakrileg darstellt.


    LG
    Tamás
     *castor*

  • und finde es sympathisch formuliert


    Du fällst bestimmt auch auf das Gelaber der Politiker herein - die machen nichts anderes: Unsinn schön reden, um ihren Kopf durchzusetzen.


    Im Falle von Kunst sind Erklärungen m. E. aber überflüssig; entweder ich erkenne es als Kunst an oder eben nicht - wenn der Künstler nicht zu seiner Entscheidung stehen kann, sich also zu einer Erklärung genötigt sieht, erübrigt sich für mich eine weitere Diskussion.


    Zitat

    Denkt man an die vielen Werke, die von den komponisten selbst sogar für andere Instrumentengattungen, transkribiert wurden, war die Wahl des jeweils verwendeten instrumentes in der Barockzeit wohl eher zweitrangig.


    Naja, soviele Alternativen gab es in der Ära Cembalo neben dem Cembalo nicht: vielleicht noch Clavichord oder eventuell Orgel... insofern ist diese Aussage eher nachrangig.
    Bei Transkriptionen wurde natürlich - sofern erforderlich - auch immer in den Notentext eingegriffen.


    Ich meide Kompromisse und Diplomatie wo es nur geht.


    So long,


    *flirt*

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

  • aber mir gefällt die Scheibe...


    Das ist ja auch nicht das Problem; mir gefallen Bearbeitungen ebenfalls - oftmals sogar besser als das Original: wie könnte sonst ein gewisser Herr Händel mein Favorit sein?


    *lol*

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

  • Ich oute mich: Das Wohltemperierte Klavier, die Goldbergvariationen, die Kunst der Fuge, die Inventionen und Sinfonien, sämtlich vom alten Bache —: ich mag sie am liebsten auf einem modernen Flügel, einfühlsam interpretiert (Schiff, Hewitt z.B.)
    So. Jetzt ist es raus. Verbannt mich. Entzieht mir meinen Moderatorenstatus. Verhängt die Damnatio Memoriae. Schändet meine Statuen....

    Lucius Travinius Potellus
    Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (B.Franklin)

  • Sie mögen das so sehen... aber ich kann das unmöglich kommentieren.
    (Francis Urquhart)


    8-)

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

  • Ich oute mich: Das Wohltemperierte Klavier, die Goldbergvariationen, die Kunst der Fuge, die Inventionen und Sinfonien, sämtlich vom alten Bache —: ich mag sie am liebsten auf einem modernen Flügel, einfühlsam interpretiert (Schiff, Hewitt z.B.)
    So. Jetzt ist es raus. Verbannt mich. Entzieht mir meinen Moderatorenstatus. Verhängt die Damnatio Memoriae. Schändet meine Statuen....


    Ich auch, freilich mit Glenn Gould und Schiff ...

    Wir sollten Karoline Stöhr aus Thomas Manns "Zauberberg" zur Schutzpatronin unseres Forums machen; auch sie liebt die "Erotika" ...

  • Ihr habt Probleme ... 8-)


    Der implizite Tenor der vor Tscha zitierten Beschreibungen ist für mich eigentlich störender Weise stets der, als müsse man beweisen, daß diese Musiken "nicht alt" sind... man muß sie nur etwas "aufpeppen", und schon "klingt's auch (wieder) gut"...


    Wieder so ein Beispiel:



    Johann Adolph Hasse (1699-1783)
    Klavierwerke ?(


    Andrea Bacchetti


    Für die Zukunft angedroht:


    Johann Sebastian Bachs Œuvre (integral) für E-Gitarre, Beethovens komplette Synthesizer-Sonaten, Mozarts Werke für Saxophon, ...

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790