Klangqualität - das nicht fassbare Mysterium?!

  • Im Unterschied zum konkreten Thread Klangqualität (am konkreten Beispiel) fiel mir heute bei T dieses Posting von Joachim Schneider auf:

    Zitat

    Bei Alfreds Statement Nr. 13 fällt mir eine Stelle aus den Tagebüchern von Thomas Mann ein. Dieser besuchte Bruno Walter in Berverly Hills, wo ihm vom Hausherren dessen neue HIFI-Anlage vorgeführt wurde. Diese representierte natürlich das Fortgeschrittenste, was seinerzeit überhaupt existierte, teilweise mit Geräten, die auf dem Markt noch gar nicht präsent waren.
    Thomas Mann war bitter enttäuscht über den "harten und grellen" Klang der Anlage und wunderte sich, daß Bruno Walter dies überhaupt aushalten könne.
    Mann war eben den dunklen, wenig frequenzreichen Klang der damaligen üblichen Abspielgeräte gewöhnt, und auch die Schallplattenaufnahmen oder Radioübertragungen wurden in diesem "Zigarrenkisten-Sound" hergestellt bzw. übertragen.
    Man vergleiche den Klang eines -auch sehr teuren- Radios der fünfziger Jahre mit einem modernen Tuner!

    Ich denke, dass im Gegensatz zu interpretatorischen Aspekten unsere Bemühungen um Aussagen zur Klangqualität in all den Foren, Fachzeitschriften und sonstigen Plattformen wenig aussagekräftig und daher wenig hilfreich sind im konkreten Fall. Das liegt schlicht an der Tatsache, dass hier zu viele Variablen hineinspielen und jede "Schallplattenästhetik" - also Musik auf Tonträgern, die nicht live vor Ort gehört wird - zu viele Unwägbarkeiten für Verallgemeinerungen und Generalisierungen enthält. Denn mehrere Teilbereiche wirken für sich und in- wie miteinander:


    1. Datenträger: Schallplatte, Tonband, MC, CD, SACD, Blue-Ray-Audio, Festplatten-Formate wie MP3
    2. Bei CDs der SPARS Code: Analog und digital (AAD, ADD, DDD)
    3. Hörraum
    4. Hörsituation
    5. Hörsozialisation
    6. Hörgewohnheiten
    7. Gesundheit des Hörers (Hörvermögen, Tinnitis, Gehirn- und Nervenprobleme etc.)
    8. Anlage: HIFI, Standard etc.

    Und da sind sicher noch mehr. Das alles aber bedeutet für mich inzwischen, dass ich Urteilen über Klangqualität(en) nur noch Leuten glaube, deren Eindrücke ich mehrfach verifizieren konnte. Ansonsten aber helfen nur die Eigentests unter standardisierten Bedingungen.

    Wir sollten Karoline Stöhr aus Thomas Manns "Zauberberg" zur Schutzpatronin unseres Forums machen; auch sie liebt die "Erotika" ...

  • Ich denke, dass im Gegensatz zu interpretatorischen Aspekten unsere Bemühungen um Aussagen zur Klangqualität in all den Foren, Fachzeitschriften und sonstigen Plattformen wenig aussagekräftig und daher wenig hilfreich sind im konkreten Fall


    Natürlich wird man sich bemühen müssen, das, was man als Hörer vernimmt, auch in klanglicher Hinsicht nachvollziehbar und plausibel zu beschreiben. Beispielsweise klingt eine gute Orgelnahme für mich so, dass ich den Eindruck gewinne, dass das was ich höre auch im Kirchenraum so klingen könnte. Kenngrößen könnten sein: Dynamik (bitte möglichst differenziert); Erkennbarkeit der Registrierung (ggf. mit Hilfe der Angaben im Booklet); Mikrophonierung - zu nahe an den Pfeifen (vielfach eng klingend, ohne Halleindruck, aber nicht immer - Gegenbeispiel: analytisch/präzise/schlank klingend - vgl. bspw. die sehr schönen Bachaufnahmen Molardis, dann gibt es da allerdings auch eine wenig befriedigende, weil sehr eng klingende und ohne bemerkbaren Hallanteil, Aufnahme der Orgelwerke Telemanns) oder anderweitig ungünstig positioniert - vielfach mulmig oder zu flächig/orchestral, kathedralisch/undifferenziert klingend, manchmal im Überwältigungsmodus (besonders schlimm, wenn eine schlampige Spielweise hinzukommt); alle Eindrücke/Vorgehensweisen, die mit zuviel verbunden sind (zuviel Baß, zuviel Hochtöniges, zuviel Hall, zuviel, nicht begründbares Organo pleno-Spiel, zu sehr aufregistriert); fehlende polychrome barocke Kernigkeit oder Strahlkraft bei bestimmten Werken (manchmal ein Problem von stumpf klingenden Mixturen); deutlich/undeutlich artikulierte Ansprache und so weiter und so fort.

  • Was du sehr schön am Beispiel der Orgelmusik beschreibst, geht aber weit über die Deskription von Klangqualität hinaus und behandelt bereits aufführungstechnische und interpretatorische Aspekte. Das ist natürlich hier auch sehr viel schwerer zu trennen, wo der Klangraum so wichtig ist.

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