555 Claviersonaten: Einspielungen auf Orgel

  • Wir wissen ja alle, daß Scarlattis 555 Sonaten für Tasteninstrumente bestimmt sind und somit auf modernem Klavier, Cembalo und vielleicht noch Hammerklavier und Clavichord realisiert werden. Aber wie sieht es mit der Orgel aus? Tatsächlich gibt es definitiv drei Sonaten (K 328, K 287 und K 288), die entweder im Namen die Orgel erwähnen (K 287 "Sonata in re maggiore, per Organo da Camera con due tastature, Flautato e Trombone") oder in der Quelle Kennzeichnungen enthalten, daß ein Registerwechsel stattfindet. Da Domenico u.a. als Organist tätig war, liegt der Gedanke nahe, daß einige seiner frühen Sonatenkompositionen auch für die Orgel spielbar waren.


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    (P) 1997 Divox "Antiqua" CDX-79607 [67:05]

    rec. 24.-25. Mai 1996 (Tempio Monumentale di San Nicoló, Treviso/Italien)


    Andrea Marcon

    [Orgel: Gaetano Callido (1778/79)]

    Disposition: 2 Manuale (59 Tasten) & Pedal (24 Tasten), 36 Register; Umfang: C'-d'''


    Marcon hat sich mit dieser Frage beschäftigt und wählte zwanzig Sonaten aus, die er auf der Orgel einspielte:

    1. d-moll K 92
    2. D-Dur K 281: Andante
    3. D-Dur K 282: Allegro
    4. a-moll K 61
    5. C-Dur K 384: Cantabile - Andante
    6. C-Dur K 159: Allegro
    7. G-Dur K 328: Andante commodo
    8. G-Dur K 153: Vivo
    9. C-Dur K 513: Pastorale
    10. g-moll K 347: Moderato e cantabile
    11. g-moll K 284: Allegro
    12. d-moll K 34: Larghetto
    13. d-moll K 391: Minuet
    14. C-Dur K 199: Andante moderato
    15. C-Dur K 79: Allegrissimo
    16. D-Dur (per Organo da Camera con due tastature, Flautato e Trombone) K 287: Andante - Allegro
    17. D-Dur K 288: Allegro
    18. G-Dur K 304: Andante cantabile
    19. G-Dur K 305: Allegro
    20. Fuga d-moll K 41: Andante moderato

    Das Erste, was mir auffällt, ist die Orgel selber: da sind Register drinne, die ich so nie gehört habe. Die Orgel entspricht einem bestimmten Typus, der so nur in Venetien des 18. Jahrhunderts gebaut wurde. Die Baumeister waren Pietro Nacchini (1694-1769), der diesen Stil kreierte, und sein Schüler Gaetano Callido (1727-1813), der als Vollender dieses Stils gilt. Zwischen 1720 und 1806 bauten sie zusammen über 900 Orgeln.


    Ich kann gut nachvollziehen, warum Marcon diese Orgel auswählte: zum Ersten konnte er eine Orgel bespielen, die doch ein sehr eigenes Klangbild erzeugt, was man nicht häufig hört, zum Zweiten funktionieren einige Register ziemlich gut, um die einzelnen Stimmen voneinander zu trennen. Sein Spiel ist sehr stetig, mit gleichbleibendem Duktus, aber recht organisch (*lachnith*) in Bezug der Präsentation der Polyphonie. Klanglich ist die Orgel wundervoll eingefangen worden: recht nah, aber mit gutem Hallanteil, geschlossen und dynamisch. Das Booklet ist übrigens sehr ausführlich (in Englisch, Deutsch und Französisch und geht auf alle Aspekte der Repertoires und des Instruments ein.


    Eine empfehlenswerte Einspielung im neuen Klanggewand. Toll... *yepp* *yepp* *yepp* *yepp*