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Ulli

Ritter vom goldenen Spott

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1

Samstag, 12. Januar 2013, 13:35

06 - Mozart-Bilder | Bilder Mozarts

Hallo,

oe24.at hat in einem kurzen Bericht "Rätsel gelüftet: So sah W.A. Mozart aus" dargelegt, daß das Portrait auf einer Tabakdose W. A. Mozart zeigen soll. Mir war dieses Bildnis bislang nicht bekannt, aber es erinnert mich doch an diverse überlieferte Mozartbilder, z.B. an das Jean Baptiste Greuze (1725-1805) zugeschriebene Portrait, das Mozart etwa 1763/64 zeigt:



Mich stört es allerdings ein wenig, wie mit dem Künstler des Bildes "Knabe mit Vogelnest" umgegangen wird:

Zitat

Das Bild stammt von einem unbedeutenden britischen Maler, es stellt irgendein englisches Adelskind dar und hat nichts mit Mozart zu tun.

So unbedeutend, daß nichteinmal sein Name erwähnt wird. So schlecht finde ich das Bild künstlerisch nicht, wenn es auch nicht Mozart, sondern "irgendein englisches Adelskind" (das natürlich niemals gleichwertig mit Mozart sein kann!) zeigt. Aber es ist ja prinzipiell alles schlecht, was nicht Mozart ist, das kennt man aus der einschlägigen Mozartliteratur des letzten Jahrhunderts: da ist die Rede von "leeren" und "ganz äußerlich nachgeahmten" Werken (KV Anh. C 14.06), von "zahlreichen Ungeschicklichkeiten" (KV Anh. C 14.04), "aus inneren Gründen kaum echt" (KV Anh. C 11.04) usw. - ich finde das leicht übertrieben.

:wink:
Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.
W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

Tschabrendeki

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2

Samstag, 12. Januar 2013, 18:46

Aber es ist ja prinzipiell alles schlecht, was nicht Mozart ist, das kennt man aus der einschlägigen Mozartliteratur des letzten Jahrhunderts: da ist die Rede von "leeren" und "ganz äußerlich nachgeahmten" Werken (KV Anh. C 14.06), von "zahlreichen Ungeschicklichkeiten" (KV Anh. C 14.04), "aus inneren Gründen kaum echt" (KV Anh. C 11.04) usw. - ich finde das leicht übertrieben.


Ja, diese Haltung kenn' ich und hass' ich...

Die witzigtsen Sories sind dann die, wo z.B. Schweitzer über Telemann sagt, er sein ein leerer Vielschreiber gewesen, und rühmt dann einen Satz aus einer Bach-Kantate, dass er sogar noch im Schaffen Bachs ein besonderer Juwel wäre - von dem dann sich herausstellt, dass er von Tellemann stammt, und Bach ihn nur kopiert hat... :D

Oder wenn bei den 6 Fugen Werners, die Haydn bei Artaria ausgebracht hat, die Einleitungen Werner ab- und Haydn zugesprochen werden, weil die ganz klar nicht die Werke dieses schnöden Kontrapunktisten sein könnten - und es stellt sich dann raus, dass doch: Haydn hat lediglich Werners Oratouriumsouvertüren für Streichquartett bearbeitet. (Eigentlich nur Continuo-Bezifferung weggelassen.)

LG
Tamás
:wink:
Alle Wege führen zum Bach,
.................................... wo der kleine Biber lebt!


der Lullist

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3

Samstag, 12. Januar 2013, 19:43

Zitat

So unbedeutend, daß nichteinmal sein Name erwähnt wird. So schlecht finde ich das Bild künstlerisch nicht, wenn es auch nicht Mozart, sondern "irgendein englisches Adelskind" (das natürlich niemals gleichwertig mit Mozart sein kann!) zeigt. Aber es ist ja prinzipiell alles schlecht, was nicht Mozart ist, das kennt man aus der einschlägigen Mozartliteratur des letzten Jahrhunderts: da ist die Rede von "leeren" und "ganz äußerlich nachgeahmten" Werken (KV Anh. C 14.06), von "zahlreichen Ungeschicklichkeiten" (KV Anh. C 14.04), "aus inneren Gründen kaum echt" (KV Anh. C 11.04) usw. - ich finde das leicht übertrieben.

Es ist erstklassig gemalt, nur frage ich mich, wieso jedes dargestellte Kind unbedingt Mozart sein muss - reiner Blödsinn! Vor allem - wen interessierts, Mozart hatte sich nie darum gekümmert, sich von guten Malern darstellen zu lassen - damit muss man leben - Schluss.

Übrigens waren die deutschen Maler zu solch einer qualitativ hochwertigen Arbeit, wie sie hier zu sehen ist, in der Regel nicht in der Lage – nicht mal bei lebensgroßen Portraits. Man muss sich nur einmal die zeitgenössischen Meinungen zu deutschen Malern ansehen - das sagt alles. Der einzige der etwas drauf hatte, war Heinrich Tischbein + Familie - und selbst da gibt es einen ganzen Batzen von richtig schlecht gemalten Bildern. Die Deutschen waren nicht in der Lage "Leben" in den Bilder zu zeigen, alles bleibt hölzern, eben totgemalt - drittklassig.

An fast allen deutschen Höfen wurden entweder französische, englische oder italienische Maler verpflichtet - und das hatte Gründe. So ist z.B. von Wilhelm VIII. Landgraf von Hessen Kassel überliefert, als er die "Bewerbungsbilder" von Tischbein sah (der bei van Loo und Nattier in Paris studierte) ausgerufen haben soll: "Ich hätte es nie für möglich gehalten, das ein Deutscher so malen kann". Wilhelm VIII. war ein absoluter Kunstkenner - die Gemäldesammlung in Kassel geht auf ihn zurück – und wird noch heute für ihre unglaubliche Qualität gerühmt - ich denke, der Mann hatte eben Ahnung.

Ulli

Ritter vom goldenen Spott

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4

Samstag, 12. Januar 2013, 20:11

Es ist erstklassig gemalt, nur frage ich mich, wieso jedes dargestellte Kind unbedingt Mozart sein muss - reiner Blödsinn!

Weil man eben "irgendein englisches Adelskind" nicht malte? :D

Der "Knabe mit Vogelnest" erinnert durchaus ein wenig an die hagere und mit eingefallenen Augenhöhlen sich präsentierende Mozartfigur (della Croce zugeschrieben) aus dem Jahre 1803... allerdings spricht natürlich das Vogelnest selbst schon gegen eine Darstellung Mozarts, ein Clavier oder ein Bündel Noten wären sicher passender gewesen.

:wink:
Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.
W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

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