01 - Kurzbiographie

  • Barbara Strozzi
    (1619 in Venedig-1677 in Padua)


    Zum ersten Mal gehört habe ich von dieser berühmten weiblichen Komponistin in einer Alte-Musik-Sendung des rbb im letzten Jahr. So richtig begann mein Interesse aber erst dieses Jahr, als ich im Frühjahr eine Einspielung einiger ihrer Werke fand. Im Rahmen einer Recherche zu weiblichen Künstlerinnen gelang es mir im Mai 2011, Ellan Rosands Artikel über sie “The Voice of Barabara Strozzi” in die Hände zu bekommen (in “Women Making Music” von Jane Bowers und Judith Tick aus dem Jahre 1986). Inzwischen ist viel geforscht worden und wir wissen über Strozzis Leben heute eine ganze Menge. Zu verdanken haben wir das nicht zuletzt Beth Glixon.


    Der Name “Strozzi” ist für den Florenz-Kenner ein Begriff und auch ich habe mich bei meinem letzten Italienbesuch gefragt, ob der Palazzo Strozzi irgendwie mit dieser Komponistin zu tun hat. Innerlich habe ich das verneint, aber es gibt doch eine Verbindung. Giulio Strozzi, Dichter, Intellektueller und Künstlerfreund in Venedig, war unehelicher Sprössling der Florentiner Familie und adoptierte die Tochter seiner Dienerin bzw. Haushälterin Barbara Valle oder Isabella Garzoni, vermutlich weil sie seine leibliche Tochter war. Dadurch und durch den künstlerischen Enthusiasmus ihres Vaters hatte die junge Barbara Möglichkeiten, von denen andere uneheliche Mädchen des bürgerlichen Standes nicht einmal zu träumen wagten: sie erhielt eine gründliche musikalische Ausbildung und durfte schon mit wahrscheinlich 14-15 Jahren vor geladenem Publikum auftreten. Ihr Kompositionslehrer war niemand Geringeres als Francesco Cavalli. Da ihr Vater zum Teil Libretti für die Venediger Opern schrieb und mit allen bedeutsamen Musikern in der Stadt bekannt war, kann man annehmen, dass Barbara Strozzi auch Monteverdi persönlich kannte. Giulio Strozzi gründete 1637 die Accademia degli Unisoni, „Zweigstelle“ der größeren Accademia degli Incogniti, um seiner Tochter regelmäßige Gesangsvorführungen zu ermöglichen. Diese war Gastgeberin der illustren Gäste und Vorführende ihrer eigenen Kompositionen, wobei die Texte teilweise aus der Feder ihres Vaters stammten.


    Es bestehen Vermutungen, dass Barabara Strozzi eine der letzten ehrenwerten Kurtisanen („cortigiana onesta”) war. Im folgenden ausführlicheren Artikel über ihn Leben mehr dazu:


    http://mugi.hfmt-hamburg.de/A_…exartikel.php?id=stro1619


    Sie hatte stets mit beißender Kritik zu leben, hatte aber auch Bewunderer... Mit einem Freund ihres Vaters, Giovanni Paolo Vidman, hatte Barbara Strozzi drei ihrer vier Kinder. Sie brachte acht Bände ihrer Werke nach der Geburt ihrer Kinder heraus. Diese Sammlungen bestehen aus Kantaten, Serenaden und Arien der Seconda Pratica. Diese acht Werke sind höfischen Persönlichkeiten gewidmet. Vielleicht erhoffte sie sich dadurch die Anstellung an einem Hofe. Offen bleibt, warum Barbara Strozzi nie eine Oper geschrieben hat, noch in einer Oper aufgetreten ist. Sie starb in Padua. Was sie dahin brachte, ist ungeklärt. Ihre Kinder zogen sich in Klöster zurück.

    "Auf Bäumen, die noch gestern dürre,
    Sieht man schon heut ein liebliches Gewirre
    Von Blätter-schwangern Knospen stehn."
    (Barthold Hinrich Brockes)

  • Guten Abend


    Diese war Gastgeberin der illustren Gäste und Vorführende ihrer eigenen Kompositionen, wobei die Texte teilweise aus der Feder ihres Vaters stammten.


    Barbara Strozzi, von einem männlichen Kollegen auch als "virtuosissima cantatrice" bezeichnet, begleitete sich beim musikalischen Vortrag ihrer Kompositionengerne gerne auch selbst auf der Laute oder Theorbe.


    Gruß :wink:


    aus der Kurpfalz


    Bernhard