02 - Hommages & Reminiszenzen: Mozart

  • MOZARTS GEDAECHTNIS FEYER


    Feyert in vereinten Chören
    den großen, den erhabnen Tag,
    da, den Engelschor zu schmücken,
    der Schöpfer unsern Mozart rief.
    Verblüht ist er, doch nicht verstorben;
    er lebt in seinen Werken fort:
    Ewig, ewig glänzt sein Ruhm
    in der Musen Heiligthum.


    Wenn tändelnd er das Spiel ergriff,
    so floh vor seiner Meisterhand
    der bangen Sorgen scheues Heer,
    von seiner Götterkunst gebannt.
    Ach! leider ist es nur zu wahr:
    Nur er allein verstand die Art,
    die mit dem heitern, frohen Scherz
    den sanften Ernst geziemend paart.
    Ach! ewig, ewig glänzt sein Ruhm
    in Hamoniens Heiligthum,
    ewig, in der Musen Heiligthum.


    Hat je das Lied der Nachtigall,
    die stöhnend um den Gatten trauert,
    hat je ein sterblicher so nachgeahmt?
    Hat je des Jünglings heiße Brust
    der Liebe unnennbare Lust
    in sanftern Tönen ausgehaucht?
    Ach! saget an, wo ist der Mann
    der wohl so lieblich flöten kann.
    Ewig, ewig glänzt sein Ruhm
    in der Musen Heiligthum.


    Wenn seine Muse Ernst gebot,
    dann braust der Sturm nicht schauriger,
    dann rollt der Donner minder heht
    als seiner Töne Strom.
    Ha! rief der Schöpfer, als er gar
    der Sphären Harmonie versuchte,
    ha! dem Kühnen soll es nicht gelingen,
    den Menschensöhnen vorzusingen,
    was Göttern vorbehalten ist.
    Er wink, und Mozarts Hauch zerfließt.
    Doch ewig, ewig glänzt sein Ruhm
    in Harmoniens Heiligthum,
    ewig, in der Musen Heiligthum.


    O du, der jetzt von Fessel frei
    in Harmonien aufgelöst
    im reinen lichten Äther schwebst,
    beseele, wenn du uns vernimmst,
    der hier Vereinten Geist und Herzen,
    vollende, was du angefangen,
    und hauch von der Unsterblichkeit
    noch nie gehörten Einklang denen,
    die ihn in deinen Werken ahnen,
    nur einen leisen Nachhall ein.
    Dann glänzet herrlicher dein Ruhm,
    in Harmoniens Heiligthum.
    Verblüht bist du, doch nicht verstorben,
    du lebst in deinen Werken fort:
    Ewig, ewig glanzt dein Ruhm
    in der Musen Heiligthum.



    Wer diesen Text verfasste, ist mir nicht bekannt. Vermutlich aber könnte es jener gewesen sein, der ihn auch vertonte: MOZARTS GEDAECHTNIS FEYER, Seinen Manen gewidmet von seinerm Verehrer Carl Cannabich. Das Werk entstand zum 6. Todestag Mozarts, 1797 und wurde von Carl Cannabich (1771-1806) komponiert. Es beginnt mit einer recht dramatischen Orchester-Einleitung, die allerdings für 1797 - und gerade im Hinblick auf Mozarts letzte Werke - etwas "altmodisch" erscheint. Dennoch gefällt sie mir. Das Werk ist gespickt mit Zitaten aus Mozarts Werken, darunter Zauberflöte, Cosí fan tutte, Don Giovanni. Insgesamt erklingt mir das Werk ziemlich kitschig; interessant aber finde ich, dass man Mozart bereits 1797 als unsterblich und ewig bezeichnet: Nur sechs Jahre nach seinem Tod. Carl Cannabich gehörte zu Mozarts sehr engen Freunden, wie übrige Mitglieder der Familie Cannabich ebenfalls.



    Kammerchor München
    Neue Hofkapelle München
    Christoph Hammer
    (omi)



    Seltsam, das Wort "Mozart" gesungen zu hören... Die CD enthält neben Cannabichs "Gedaechtnisfeyer" eine goldige Messe von Anton Teyber (1756-1822) mit Beinahe-Highlights sowie das Offertorium "Alme Deus" HM 332 von Johann Michael Haydn (1737-1806). Das Musizieren gefällt mir überhaupt nicht so recht, nein. Aber: Dominik Wörner als Bass in Haydns Offertorium ist wirklich fasinierend gut! Ein klare Stimme, auch in den geforderten Höhen sowie eine schöne glatte Tiefe.


    Im Booklet dieser vom ORF im Mozartjahr 2006 herausgegebenen CD steht doch tatsächlich:


    Zitat

    [...] Interessant ist das musikalische Motive des "Gratias agimus tibi" (von Anton Teyber, 1756-1822), welches an das berühmte "Kettenlied" aus Mozarts letztem vollständigen Werk, der "Freimaurerkantate" KV 623a, erinnert, die Melodie der heutigen österreichischen Bundeshymne. Ob Teyber das Thema als bewusstes Zitat eingeführt hat, lässt sich sicherlich nicht mehr beantworten.


    Vielleicht aber ist es gar ein Selbstzitat Teybers? Teybers Messe, in der das Motiv vorkommt, stammt aus den Jahren nach 1793, will Booklettexter Christoph Hammer wissen.


    Übrigens übernahm Teyber 1793 das seit Mozarts Tode unbesetzte Amt des Hofkomponisten und das berühmte Kettenlied, das der Erstausgabe der Freimaurerkantate KV 623 als Anhang beigegeben wurde, stammt jedenfalls nicht von Mozart.


    :wink:

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)

  • Franz Liszt (1811-1886)
    Evocation à la Chapelle Sixtine


    Zitat

    Liszt kombiniert hier Mozarts berühmtes „Ave Verum" und „Miserere" von Gregorio Allegri. Der historische Hintergrund: Allegri schrieb seine große Psalmvertonung vermutlich in den 1630er Jahren, während er päpstlicher Kapellsänger in Rom war. Sie wurde in der Sixtinischen Kapelle bis 1870 in der Karwoche in den Karmetten gesungen. Das Kopieren der Partitur und die Aufführung an anderen Tagen wurde schließlich bei der Strafe der Exkommunikation verboten, so dass Allegris Miserere bald von einem Mythos umgeben war. Der vierzehnjährige Wolfgang Amadeus Mozart soll das Stück 1770 bei einem Romaufenthalt zum Mittwochsgottesdienst gehört und aus dem Gedächtnis korrekt aufgeschrieben haben. (Qu.: Wikipedia)


    Zitiert nach http://www.trierer-orgelpunkt.de/ORGELTAGE11.pdf



    Was für ein reizendes und liebenswürdiges Werk! Was für ein genialer Kontrast zwischen dem vollorchestralen Miserere und dem zarten, mit Solostreichern und Flöte instrumentierten, Ave Verum.


    :love::umfall:

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)

  • Jetzt mal eine etwas andere Richtung:



    Der Klassik- und Jazz-Pianist Ekkehard Wölk reflektiert Mozart. Und ich höre dabei, wie sehr er Mozart schätzt und bis in die tiefsten Tiefen versteht. Den größten Anteil an diesen großartigen Reflexionen steuert Mozarts "Zauberflöte" bei, es werden allerdings auch ausladend Arien aus dem "Don Giovanni" und "Le Nozze di Figaro" dargeboten. Ganz besonders gelungen ist - neben der quasi freien Fantasie zur Introduktion aus der "Zauberflöte", bei der unterschwellig für mein Hörempfinden Schuberts "Erlkönig" mitmischt - auch der Querschnitt durch das c-moll-Klavierkonzert KV 491 sowie die extented Version der Variationen zu "Ah! Vous dirai-je, Maman!".


    Eine wirklich faszinierende Platte, die mich in grenzenloses Entzücken versetzt, so daß mir nur noch zu sagen bleibt: "Wie geil ist DAS denn...?"


    :love:

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)


  • Franz Liszt (1811-1886)
    Clavierwerke, Bearbeitungen, Paraphrasen


    Jan Panenka, Hammerflügel J. B. Streicher


    Enthält neben diversen Schubert-Paraphrasen


    Grande Fantaisie. Paraphrase über Mozarts "Don Giovanni"


    Geniales Teil und gar nicht mal so weit entfernt von Wölks (s.o.) Arbeiten. Das Streicher-Instrument hat hier allgemein einen eher holzigen Klang.


    :umfall::jubel::jubel::jubel::umfall:

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


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  • Wenn's um Liszt geht: Valentina - nicht schlechter, aber auch nicht so intensiv wie die oben gezeigte Aufnahme:




    Allerdings in der „Oder“-Fassung; Jan Panenka präsentiert die „Entweder“-Variante.


    Beeindruckend: der Comtur bei 2:12 im ersten Part ...


    Don-Don hier ist auch nicht schlecht:


    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)

  • Keine Ahnung, was es mit diesem „Thema" auf sich hat; wahrscheinlich hier nicht ganz korrekt platziert, da andere Komponisten das Thema bereits vorher verwurstet haben - in der Tat ist jedoch das bekannte Kopfthema aus Mozarts „Haffner-Sinfonie" weit verbreitet:


    [01]
    Leopold Hofmann (1738-1792)
    Concerto für Violine und Streicher B-Dur
    1. Satz: Tempo giusto



    Lorraine McAslan, Violine
    Northern Chamber Orchestra *omi*
    Nicholas Ward


    [02]
    Leopold Hofmann (1738-1792)
    Concerto für Oboe und Orchester C-Dur
    1. Satz: Allegro maestoso



    Stefan Schilli, Oboe
    Nicolaus Esterházy Sinfonia *omi*
    Béla Drahos


    [03]
    Johann Christian Bach (1735-1782)
    Sinfonie Es-Dur für Doppelorchester op. 18 Nr. 1
    1. Satz: Spiritoso



    The Academy of Ancient Music
    Simon Standage


    [04]
    Anton Eberl (1765-1807)
    Sinfonie C-Dur WoO 7
    1. Satz: Allegro con brio


    [jpc deest?]


    Concerto Köln


    Mich würde ja schon interessieren, wie und warum Mozart gerade dieses Thema mit der Familie Haffner in Verbindung brachte ...?

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)

  • ... also, äh, beide, das Stück und der Pianist:



    Jetzt noch ein richtiges Instrument dafür und perfekt wär's. 8|

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)

  • Wo auch immer ich danach gefragt hatte: Kraus' Klagelied über Mozarts Tod gibt's wirklich; Danke an den Lullisten für die Mitteilung:


    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)