KV 551 C-Dur (Jupiter) [Nr.41]

  • Die große Sinfonie in C-Dur KV 551 vollendete Mozart am 10. August 1788. Sie sollte die letzte Sinfonie des Genies sein.


    W. A. Mozart um 1789, Silberstiftzeichnung von Doris Stock (1760–1832)

    Den Namen „Jupiter Sinfonie“ erhielt das Werk erst später. Zum ersten Male taucht die Bezeichnung um 1819 in Edinburgh auf – wahrscheinlich stammt der Name von dem berühmten Impresario Salomon, für den Haydn die Londoner Sinfonien verfasste. Mozart betitelte sein Werk in seinem „Verzeichnüß aller meiner Werke“ mit:

    Eine Sinfonie. – 2 violini, 1 flauto, 2 oboe, 2 fagotti, 2 Corni, 2 clarini, Timpany, viole e Baßi

    Mozart komponierte die Sinfonie, zusammen mit den anderen beiden großen Werken, der Sinfonie Es-Dur KV 543 und der berühmten Sinfonie g-moll KV 550 innerhalb weniger Wochen. Finanziell ging es ihm extrem schlecht, neben den Sinfonien schrieb er vor allem Bittgesuche an seinen Logenbruder Michael Puchberg: [...] ich habe in den 10 Tagen dass ich hier wohne mehr gearbeitet als in andern Logis in 2 Monat, und kämen mir nicht so oft schwarze Gedanken, die ich nur mit Gewalt ausschlagen muß [...]

    Mozart hatte zwar die Stelle des Hofkapellmeisters des verstorbenen Gluck übernehmen dürfen, aber die Bezahlung reichte nicht aus, um Mozarts gewohnten Lebensstil zu finanzieren. Vor allem auch deswegen, weil man ihm nur etwa die Hälfte dessen zahlte, was Gluck für seine Dienste bekommen hatte. Immerhin war Mozart ein Großverdiener gewesen, der stets kostspielige Kleidung trug und nicht unbedingt bescheiden logierte.

    Ein Rätsel ist Grund und Aufführung der Sinfonie. Einen konkreten Auftrag wie eine Aufführung konnte man bis heute nicht nachweisen. Und doch lassen z.B. die unterschiedlichen Versionen der Sinfonie in g-moll (Umschreibung der Bläserstimmen und Hinzufügen der Klarinetten) sowie die vielen Abschriften einzelner Stimmen der anderen Sinfonien (besonders der Jupiter Sinfonie) darauf schließen, dass sehr wohl Aufführungen zu Stande kamen. Wahrscheinlich komponierte Mozart die Sinfonien auf "Vorrat" für kurzfristig angesetzte „Akademien“, so dass er dem Stress und einem Termindruck entgehen konnte. Vielleicht auch, weil er hoffte, mit den Sinfonien seine finanzielle Lage zu bessern. Jedenfalls ist eine konkrete Aufführung der drei letzten Sinfonien nicht sicher zu belegen. Also muss man auf Indizien zurück greifen:

    So heißt es, dass im Jahr 1790 in Frankfurt a.M. eine große „Akademie“ gegeben wurde, die mit einer neuen großen Sinfonie von Herrn Mozart eröffnet wurde und auch mit einer Sinfonie beschlossen wurde. Weiterhin ist für das Jahr 1791 ein großes Konzert an der „Wiener Tonkünstler-Societät“ am 16. und 17. April 1791 nachweisbar. Auch hier wurde eine „große Sinfonie“ von Mozart unter der Leitung von Antonio Salieri aufgeführt. Wahrscheinlich war dies die "Jupiter–Sinfonie".

    Mozarts Jupiter Sinfonie wird sehr oft als das „Monument der Wiener Klassik“, als Gipfelpunkt des symphonischen Schaffens Mozarts und des gesamten 18. Jahrhunderts bezeichnet. Doch was macht diese Sinfonie so außergewöhnlich und rechtfertigt diesen außergewöhnlichen Rang? Sicher zum einen die Länge des Werkes, während die meisten Sinfonien der 1760er – 1780er Jahre kaum mehr als 10 Minuten dauerten, wartet die Jupiter-Sinfonie mit mehr als einer halben Stunde Musik auf - ein wirkliches Monument an Musik. Mozart legte zudem hier eine Satzkunst an den Tag, die es in dieser Form zuvor nicht gab. Jede Stimme der Sinfonie ist eine Welt für sich und es fällt schwer, mit der reinen Logik zu begreifen, dass diese unterschiedlichen Stimmen beim Zusammenspiel harmonisch funktionieren. Mozart wendet Dissonanzen an, die weit bis zum Ende des 19. Jahrhunderts voraus weisen, gleichzeitig benutzt er als Grundlage der Sinfonie Anklänge an einen Cantus Firmus, also an die Gregorianik!

    Höhepunkt ist die abschließende Satz, oft als große Fuge aber auch oft als Sonatensatz bezeichnet. Ganz sicher wohl unbestreitbar die großartigste, expressivste, dramatischste und kunstvollste Komposition ihrer Art. Zwar hatte Haydn schon gerne mit den Finali seiner Sinfonien dramatische oder komische Höhepunkte erzielen wollen, doch Mozart schuf mit diesem Satz eine regelrechte musikalische Apotheose, die alles bisher dagewesene in den Schatten stellt. Mozart verknüpft im Finale / Coda der Fuge gleich fünf unterschiedliche Themen mit einer kontrapunktischen Raffinesse (die ihres Gleichen sucht). Dieser Satz leitete eine Entwicklung ein, in der künftige Generationen von Komponisten mit dem letzten Satz einer Symphonie ein ebenso atemberaubendes Finale anstrebten. Viele sehen in dieser Sinfonie auch einen bewusst gesetzten Schlussstrich Mozarts in seinem sinfonischen Schaffen.

    Durch seinen viel zitierten Brief an seinen Vater, scheint es wohl so, als habe er seinen frühen Tod voraus geahnt: Da der Tod der wahre Endzweck unseres Lebens ist, so habe ich mich mit diesem wahren, besten Freund des Menschen so bekannt gemacht, daß sein Bild allein nichts Schreckliches mehr für mich hat. […] Ich lege mich niemals zum Schlafen nieder, ohne zu bedenken, dass ich den nächsten Tag vielleicht nicht mehr erleben werde, und doch könnte keiner meiner Bekannten sagen, dass ich im Umgang mit ihnen stur oder verdrießlich sei - und für diese Quelle des Glücks danke ich meinem Schöpfer jeden Tag und ich wünsche meinen Mitmenschen von ganzen Herzen dasselbe.

    • Offizieller Beitrag

    Mozart hatte zwar die Stelle des Hofkapellmeisters des verstorbenen Gluck übernehmen dürfen, aber die Bezahlung reichte nicht aus, um Mozarts gewohnten Lebensstil zu finanzieren. Vor allem auch deswegen, weil man ihm nur etwa die Hälfte dessen zahlte, was Gluck für seine Dienste bekommen hatte.

    Dies ist leider so nicht korrekt und wäre ein schönes Diskussionsthema im biographischen Teil: Zum einen hat Mozart nicht Gluck ersetzt. Gluck war Hofkompositor, während Mozart die durchaus ansehnliche Position als Kammerkompositor erhielt. Der Hofkompositor bekam nach BAT jährlich 2.000 Gulden, der Kammerkompositor 800 - davon gingen Steuern (Arrha) von 20 v.H. ab, es verbleiben 760 Gulden, von denen wieder die Hälfte (zur Sicherheit) gepfändet waren. Folglich verblieben 380 Gulden Nettojahresgehalt aus dieser Position. Salieri erhielt als Hofkapellmeister den im Vergleich geringen Betrag von 426 Gulden 40 Kreuzer per annum.

    Vielleicht änderst Du dies an entsprechender Stelle einfach ab, damit unser 'Wiki-Eintrag' wieder stimmt. Dann kann dieser Beitrag gehimmelt werden.

    :)

    • Offizieller Beitrag

    So heißt es, dass im Jahr 1790 in Frankfurt a.M. eine große „Akademie“ gegeben wurde, die mit einer neuen großen Sinfonie von Herrn Mozart eröffnet wurde und auch mit einer Sinfonie beschlossen wurde. Weiterhin ist für das Jahr 1791 ein großes Konzert an der „Wiener Tonkünstler-Societät“ am 16. und 17. April 1791 nachweisbar. Auch hier wurde eine „große Sinfonie“ von Mozart unter der Leitung von Antonio Salieri aufgeführt. Wahrscheinlich war dies die "Jupiter–Sinfonie".


    Im Leipziger Gewandhauskonzert am 12. Mai 1789 wurden lt. Programmzettel folgende Werke gespielt:

    Erster Theil.
    Sinfonie
    Scene (Madame Duschek)
    Concert, auf dem Pianoforte
    Sinfonie

    Zweyter Theil.
    Concert, auf dem Pianoforte
    Scene (Madame Duschek)
    Fantasie, auf dem Pianoforte
    Sinfonie

    Christof Wolff (Vor der Pforte meines Glückes. Mozart im Dienst des Kaisers (1788-1791), Bärenreiter-Metzler, S. 73) will bei der im ersten Teil zerlegten Sinfonie die "Prager" D-Dur KV 504 erkennen und am Schluß des 2. Teils die "Jupiter". Als Clavierkonzerte kommen B-Dur KV 456 und C-Dur KV 503 in Frage, als Scenen KV 505 und 528. Diese Informationen entstammen zeitnahen Bleistifteintragungen auf dem gedruckten Programmzettel, die offenbar von einem Konzertanwesenden stammen. Die "Prager" lässt sich wegen ihrer Dreisätzigkeit (2 Sätze zu Beginn, der Finalsatz am Ende des ersten Programmteils) eindeutig identifizieren. Die C-Dur-Sinfonie mag natürlich auch KV 338 oder 425 gewesen sein, diese würden aber im Hinblick auf die Modernität des Programminhaltes nicht so ganz passen.

    Gülke wiederum (Triumpf der neuen Tonkunst. Mozarts späte Sinfonien und ihr Umfeld, Bärenreiter-Metzler, S. 12) meint, daß in jenem Konzert alle drei "Freimaurer-Sinfonien" (wie er sie nennt) gegeben worden sein könnten, oder auch um eine einzige [...], deren Sätze auseinandergerissen waren.

    Als äußeren Anlass für die Komposition der Sinfonien als "Betriebskapital" nennt Gülke u.a. auch die England-Pläne, von denen Mozarts Vater allerdings strikt abriet; Mozart spielte bereits Anfang 1787 mit der Idee, England zu bereisen und beauftragte Thomas Attwood, ihm dort Opernverträge resp. Subskriptionskonzerte zu verschaffen. Eine entsprechende Einladung erhält Mozart erst am 26. Oktober 1790: Robert May O'Reilly bietet Mozart für den Zeitraum Ende 1790 bis Mitte 1791 2 Opernaufträge an. Eine unmittelbare Reaktion Mozarts auf diese Einladung ist nicht bekannt. Anstelle Mozarts reiste sodann Joseph Haydn 1791 nach London und machte den großen Reibach, den sich Mozart offenbar erhofft hatte...

    Ich sehe die Trias auch als im Kontext der geplanten England-Reise entstanden an; da sich zeitnah offenbar nichts Umsetzbares ergeben hat, liegt es wohl nahe, daß Mozart für diese Werke - quasi seine "Londoner Sinfonien" - anderweitig Verwendung fand.

    • Offizieller Beitrag

    Das ikonische Anfangsthema der letzten C-Dur-Sinfonie Mozarts hat bereits Henri-Joseph Rigel (1741-1799) in seiner Sinfonie op. 12 Nr. 3 (1774?) vorgestellt:

    181-rigel

    Leider gibt es bislang keine Aufnahme davon. *motz*

    Außerdem ist mir dieser Themenkomplex in der Durchführung des 1. Satzes (bei Mozart):

    182-550dv

    bereits in Haydns Hob. I:53 (Finale. Capriccio) begegnet:

    183-hobi53