01 - Streichquartette op. 9 (Hob. III:19-24)

  • Werkübersicht


    Entstanden etwa 1768-1770


    Œuvre 1 / Opus 9


    Quartett C-Dur op. 9 Nr. 1 [Hob. III:19]

    • Moderato
    • Menuet. Un poco Allegretto
    • Adagio
    • Finale. Presto


    Quartett Es-Dur op. 9 Nr. 2 [Hob. III:20]

    • Moderato
    • Menuet
    • Adagio. Cantabile
    • Finale. Allegro di molto


    Quartett G-Dur op. 9 Nr. 3 [Hob. III:21]

    • Moderato
    • Menuet. Allegretto
    • Largo
    • Finale. Presto


    Quartett d-moll op. 9 Nr. 4 [Hob. III:22]

    • Moderato
    • Menuet
    • Adagio. Cantabile
    • Finale. Presto


    Quartett B-Dur op. 9 Nr. 5 [Hob. III:23]

    • Poco Adagio
    • Menuet. Allegretto
    • Largo
    • Presto


    Quartett A-Dur op. 9 Nr. 6 [Hob. III:24]

    • Presto
    • Menuet
    • Adagio
    • Finale. Presto

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)

  • Diese 6 Streichquartette wurden von Haydn im Rahmen der von ihm selbst authorisierten Drucklegung bei Artaria & Comp. als Œuvre 1 veröffentlicht. Die tradierte und bis heute neben der mittlerweile zu verwerfenden Zählung nach Anthony Hoboken (1887-1983) gängige Opuszahl 9 stammt vom Verleger Ignaz Joseph Pleyel (1757-1833), der ebenfalls als Komponist sehr geschätzt wurde. Pleyel veröffentlichte 1801 unter dem Titel Collection complette des quatuors d' Haydn, dédiée au Premier Consul Bonaparte 80 Streichquartette von Joseph Haydn. Nach dem neuesten Stand der Forschung, insbesondere durch die Leistungen Georg Feders¹, zählen allerdings (nur noch) 58 Werke als „wirkliche“ Streichquartette: Die neun Sixpacks op. 9, 17, 20, 33, 50, 54/55, 64, 71/74, 76 ergeben 54 Werke; hinzu gesellen sich das Einzelwerk op. 42, die beiden Quartette op. 77 (unvollendeter Zyklus) sowie das nicht mehr vollständig fertiggestellte Quartett op. 103. Nicht gezählt wird die Streichquartettfassung der Sieben letzten Worte (op. 51), die nur als Bearbeitung gilt und der - wegen ihrer sicherlich dennoch großen Bedeutung - ein eigener Beitrag gewidmet wird. Nicht mehr mitgezählt werden auch die aus je 6 Werken bestehenden Zyklen op. 1, 2 und 3 [Hob. III:1-18]. Zu op. 3 ist mittlerweile bekannt, daß diese Werke – entgegen Haydns Behauptung – von Roman Hoffstetter (1742-1815) stammen. Bei den Zyklen op. 1 und 2 handelt es sich um sogenannte Quartettdivertimenti, welche drei- bis fünfsätzig angelegt sind und - analog Mozarts Quartettdivertimenti KV 136-138 - mit einem Kammerorchester aufgeführt werden können. Es ist daher bezeichnend, daß Haydn mit op. 9 beginnt und diesen quasi öffentlich eine Sonderstellung einräumt.


    Erst die Quartette op. 9 sind durchgehend viersätzig strukturiert und keinesfalls mehr von kleinen Streichorchestern - wie bei den Quartettdivertimenti möglich und praktiziert - zu spielen. Gleichwohl existieren noch frühe Drucke, die eine (wohl von fremder Hand stammende) Generalbassbezifferung aufweisen. Dies ist auch für den Zyklus op. 17 noch nachgewiesen (Feder, S. 11). Das Streichquartett als solches war zu jener Zeit als Genre noch unbekannt resp. noch nicht real existent. Haydn selbst hat diese Werke erst nach späterer Erkenntnis über seine "Erfindung" als "echte" Streichquartette umqualifizert. Es handelt sich bei den Quartetten op. 9 um sogenannte Violinquartette, d.h. die Primgeige hat hier melodie- und stimmführende Funktion, während die übrigen drei Instrumente mehr oder weniger (nur) Begleitfunktion haben. Dieser Umstand rührt vermutlich daher, daß diese Werke für einen Violinvirtuosen (möglicher Weise für Luigi Tomasini, 1741-1808) gedacht waren, welcher von weniger hochbegabten, wohl aber äußerst fähigen Instrumentalisten begleitet wurde.


    Die Quartette beginnen (mit einer Ausnahme, Nr. 6) mit moderaten Sätzen, gefolgt von einem Menuett, einem langsamen Satz und einem finalen Presto (Nr. 1, 3-6) oder Allegro di molto (Nr. 2).


    Georg Feder rechnet die Quartette op. 9 nicht zu den berühmtesten, hängt ihnen jedoch epochale Bedeutung an (Feder, S. 34).



    ¹ (Georg Feder: Haydns Streichquartette: ein musikalischer Werkführer. München: Beck, 1998, ISBN 3-406-43303-0)

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)