04 - Ouvertüren

    • Offizieller Beitrag

    Hallo,


    Schuberts Ouvertüren haben eine besondere Behandlung verdient. Als reine und wirkliche (von anderen Werken losgelöste) Ouvertüren gelten:


    • Ouvertüre D-Dur D2A (unvollendet, 1811)
    • Ouvertüre D-Dur D12 (1811 oder 1812)
    • Ouvertüre D-Dur D26 (1812)
    • Ouvertüre B-Dur D470 (1816)
    • Ouvertüre D-Dur D556 (1817)
    • Ouvertüre "im italienischen Stile" D-Dur D590 (1817)
    • Ouvertüre "im italienischen Stile" C-Dur D591 (1817)
    • Ouvertüre e-moll D648 (1819)


    Hinzu gesellen sich die Ouvertüren zu seinen Opern, Schauspiel- und Ballettmusiken. Die führen inzwischen eher ein Eigenleben, da man die Opern und Ballette doch eher selten zelebriert und diese Ouvertüren als Zusatzbonbons zu den Sinfonien hervorkramt. Dies geschieht aber auch - zumindest vor dem Hintergrund der Bereicherung - völlig zu Recht.


    Eine der beiden Ouvertüren "im italienischen Stile" war übrigens das erste Werk Schuberts, das öffentlich zu Lebzeiten der Erschaffers aufgeführt wurde: im Konzert am 1. März 1818 im Saal "Zum römischen Kaiser" in Wien erklang eine "ganz neue Ouvertüre von Hrn. Franz Schubert". O. E. Deutsch ist sicher, daß es sich dabei um D590 oder D591 gehandelt haben muß. Man mag diese Ouvertüren durchaus als Vorarbeiten zu den Sinfonien betrachten - Teile aus D590 verwendete Schubert später z.B. in der Ouvertüre zur "Zauberharfe" D644 wieder, die ihrerseits wiederum bereits auf die "große C-Dur-Sinfonie" hinweist - und zwar überdeutlich.


    Von den Ouvertüren zu Schuberts Opern und Ballettmusiken sind am bekanntesten:

    • Die Zauberharfe D644 (1819)
    • Alfonso und Estrella D732 (1821)
    • Fierrabras D796 (1823)
    • Rosamunde D797 (1823)


    Die Ouvertüre zum Fierrabras möchte ich unbedingt empfehlen: ein sehr bewegendes und dramatisches Stück, das mit vielen Streichertremoli und einem großen Blechbläseraufgebot (4 Hörner, 2 Trompeten, 3 Posaunen) aufwartet!


    Wie sehr diese Ouvertüren sich mit den Sinfonien überschneiden, vermag anhand der Rosamunde deutlich werden: Zunächst benutzte Schubert als Ouvertüre zu diesem Schauspiel die Ouvertüre zu Alfonso und Estrella (20. Dezember 1823, Uraufführung). Später funktionierte der Komponist die Ouvertüre zur Zauberharfe D644 um und nahm sie als solche für die Rosamunde; unter diesem Titel wurde sie auch bekannt und wird auch heute oftmals noch so (auf)geführt. Die eigentliche Rosamunde-Ouvertüre (h-moll) D797 wird - sofern man die "Unvollendete" Sinfonie D759 als "vollendet" darstellen möchte - als deren Finalsatz anerkannt und in einigen Einspielungen als solcher wiedergegeben. Daß der eigentliche Zweck einer Ouvertüre - nämlich die Eröffnung eines musikalischen Events - hier nicht nur völlig verkannt, sondern umgekehrt wird, sei nur am Rande notiert; jedenfalls ist die Verbindung zu den Sinfonien damit hergestellt.


    Von ganz besonderer Dramatik und Frenetik ist die Ouvertüre zur Zauberharfe, ein Stück, das ich sehr, sehr gerne höre: sie beginnt mit einer düsteren Einleitung in c-moll und geht dann in ein C-Dur-Allegro über, das an die Melodik und Freude der "kleinen C-Dur-Sinfonie" unmittelbar anschließt und Elemente aus der Coda des Kopfsatzes der "großen C-Dur-Sinfonie" aufweist und damit, neben der allen dreien gemeinsamen Tonart C-Dur (!), eine weitere Verbindung zu den Sinfonien schafft. Wer genau hinhört, wird den markanten Schluß der letzten Sinfonie bereits heraushören. Hier sei er aus Vereinfachungsgründen für die Partiturleser im Notentext dargestellt:


    (D644) (D944, I resp. D849, I)


    Das charakteristische aufsteigende Dreiklangthema im Blech ist aber auch für des Notenlesens unkundige einfach unverkennbar: Hörer, welche die Ouvertüre mit D944- (oder D849)-sensibilisierten Ohren hören, werden das Thema sofort freudig bemerken.


    Leider gibt es meine Wunscheinspielung dieser Ouvertüre nicht einzeln als mp3-Download: die bei der von Amazon angebotenen CD enthaltenen Sinfonien in der Einspielung mit Immerseels Anima Eterna habe ich bereits im Komplettset, so daß sich ein Doppelkauf für mich nicht wirklich lohnt, obgleich die Hörschnipsel sehr verführerisch klingen:



    Ich habe mich daher - und auch, weil mich Norringtons Schubert interessiert, für diese CD entschieden:



    :wink:

    • Offizieller Beitrag

    Ich habe mir vor einigen Jahren mal einen Überblick über die Ouvertüren in dieser Einspielung verschafft:
    [jpc]5106075 [/jpc]


    Die Einspielungen sind vielleicht nicht auf dem Niveau eines Immerseel (wobei ich dessen Aufnahme nicht kenne, sondern lediglich eine Erwartungshaltung aus den Symphonien extrapoliere), sind aber sehr unterhaltsam; besonders auf Reisen oder längeren Autofahrten lasse ich gerne ein 'shuffle' auf den Ouvertüren laufen...