02 - Clavierkonzert

  • Luigi Boccherini, eher bekannt für seine Violoncello-Konzerte, komponierte ein einziges Clavierkonzert, nämlich jenes in Es-Dur G487 (Begleitung: Streicher, 2 Hoboen, 2 Hörner). Daneben existiert eine sehr unvollständig skizzierte Bearbeitung seines Violoncellokonzertes D-Dur G477 als Clavierkonzert, die vermutlich nicht von Boccherini selbst stammt.


    Das Es-Dur-Konzert ist klassisch dreisätzig: auf eine feuriges und mitreißendes Eröffnungs-Presto folgt ein Adagio ma non troppo in c-moll, das (gefühlt) dem Mittlsatz aus Mozarts Sinfonia Concertante und jenem aus dem Clavierkonzert KV 271 sehr nahe steht; nicht nur die Tonart haben beide Werke gemeinsam. Als Schlußsatz wird ein Thema mit 12 Variationen geboten.


    Von mehreren Aufnahmen dieses Clavierkonzertes kann nach meiner vorläufigen Recherche wohl kaum die Rede sein - ich habe nur eine einzige entdeckt. Diese aber halte ich klangtechnisch für überaus reizvoll:



    Eckhart Sellheim, begleitet vom Collegium Aureum, spielt dieses einzigartige Werk auf einem Hammerflügel John Broadwood & Son (1804), der einen sehr nussigen Klang hat. Es handelt sich bei der Interpretation aus heutiger Sicht sicherlich nicht um korrekte historische Interpretationspraxis, obwohl hier Instrumente der damaligen Zeit bespielt werden. Sellheim gehört sicherlich zu den Pionieren der HIP, diese inzwischen doch ältere Aufnahme zeigt aber auch ganz deutliche Unterschiede zu den heutigen Errungenschaften dieser Bewegung: Vorschäge werden von Sellheim einfach ignoriert und, wie es lange Zeit gehandhabt wurde, einfach angebunden. Eine falsche Praxis, die jahrelang von der NMA (Neue Mozart-Ausgabe) propagiert wurde. Heute weiß man es besser. Dennoch: die reizende Aufnahme ist ein historisches Dokument, das ich sehr schätze!


    Ich hoffe, daß es noch weitere Einspielungen dieses liebreizenden Werkes, dem viel Vergänglichkeit und Schmerz innewohnt, geben wird!

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

  • Inzwischen habe ich einen handschriftlichen Stimmensatz des Concertos (in Kopie) erhalten. Je mehr ich mich damit befasse, desto mehr wird mir bewusst, wie genial Sellheim den Clavierpart spielt (ich weiß, daß ich mit dieser Meinung jemandem widerspreche ^^ ). Besonders das colla-parte-Spiel gefällt mir ausgezeichnet, da Sellheim hier nicht nur stupide die gesetzten Noten abspult, sondern mit Kreativität und sehr viel Feinsinn und Sachverstand vorgeht und dem Werk sogar herzbeglückende Momente hinzufügt, die in der Partitur nicht stehen. In der Kadenz zum Mittelsatz nimmt er (entrückt nach moll) das Variationsthema des Finales vorweg, was ich ebenfalls als sehr gelungen empfinde, zumal die Varation VI eine moll-Variante ist. Das einzige Manko dieser Einspielung ist wirklich, daß die Vorschläge nicht korrekt gespielt werden - dies ist aber dem Alter der Aufnahme und dem damit im Zusammenhang stehenden Mangel an (Er-) Kenntnis zuzuschreiben. Für den "Normalhörer", der die Vorschläge ohnehin nicht anders gespielt kennt, tut dies aber keinen Abbruch.


    Ich werde das Conccerto demnächst abschreiben und alleweil selbst aus dem Stimmensatz spielen (die rechte Hand ist hier im Sopranschlüssel notiert, was mir momentan mangels Übung lediglich bei ausgeschriebenen gebrochenen Akkorden etwas Mühe macht). Die Handschrift ist übrigens wunderchön.


    :love:

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790