02 - Sinfonie Nr. 3: Einspielungen (CD)

  • Na sowas — da fehlt doch ein Thread über eine meiner Lieblingssymphonien...


    Kennengelernt habe ich die Symphonie durch Kubelik:


    Die Kubelik-Einspielungen sind nach wie vor eine Referenz.


    Wer es rhapsodischer, breiter mag, ist natürlich mit Bernstein immer hervorragend bedient:

    Der sechste Satz ist schon von einer fast zermürbenden Breite, löst bei mir gegen Ende aber Dauergänsehäute aus.


    Einen anderen Ansatz wählt wie immer Solti, dessen Aufnahme für mich ebenfalls Referenzcharakter hat.

    Zupackender; besonders der erste Satz ist geeignet, einen aus dem Sitz zu pusten!


    Irgendwo dazwischen liegt Chailly. Das Concertgebouw ist für mich eines der besten Orchester der Welt, und Chailly gehört zu meinen absoluten Lieblingsdirigenten. Für meinen Geschmack findet er eine gelungene Balance, einen schönen Orchesterklang ohne zu glätten. Ich habe oft Stimmen gehört, dass diese Einspielung 'zu schön' sei, kann das aber nicht teilen... nunja, vermutlich eine Sache des persönlichen Geschmacks und des persönlichen Zugangs zu Mahler.


    Heute bin ich dann zum ersten Mal Herrn Zinman begegnet. Eher Richtung Chailly und Solti als Bernstein. Der VI. Satz ist mir fast zu schnell, gerade noch an der Grenze. Die Altistin hat eine sehr schöne Stimme, tritt auch im IV. Satz schön hervor. Die hochgezogenen Oboentöne sind mir ein wenig zu kulitiviert. Der erste Satz und das Posthornsolo sind ausgesprochen gelungen. Insgesamt eine sehr gute Einspielung, auch wenn ich sie hinter Bernstein und Solti einordnen würde, auf einer Höhe mit Chailly. Zinman beachtet Mahlers Anweisungen sehr genau, von daher auf jeden Fall eine sehr saubere, durchdachte und konsequnente Aufnahme. Auf jeden Fall hat es im Finale zu Gänsehäuten gereicht...

    Lucius Travinius Potellus
    Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (B.Franklin)

  • Derzeit in der Digital Concert Hall in drei Einspielungen zu sehen und zu hören:


    So, 21. Dezember 2008
    Berliner Philharmoniker
    Zubin Mehta
    Lioba Braun

    Gustav Mahler
    Symphonie Nr. 3 d-Moll (01:38:00)
    Lioba Braun Alt, Rundfunkchor Berlin, Robin Gritton Einstudierung, Tölzer Knabenchor, Gerhard Schmidt-Gaden Einstudierung
    DCH



    Sa, 05. Februar 2011
    Berliner Philharmoniker
    Sir Simon Rattle
    Nathalie Stutzmann

    Gustav Mahler
    Symphonie Nr. 3 d-Moll (01:49:37)
    Nathalie Stutzmann Alt, Knaben des Staats- und Domchors Berlin, Kai-Uwe Jirka Einstudierung, Damen des Rundfunkchors Berlin, Simon Halsey Einstudierung
    DCH



    Fr, 13. Juni 2014
    Berliner Philharmoniker
    Gustavo Dudamel
    Gerhild Romberger

    Gustav Mahler
    Symphonie Nr. 3 d-Moll (01:48:49)
    Gerhild Romberger Mezzosopran, Damen des Rundfunkchors Berlin, Tobias Löbner Einstudierung, Knaben des Staats- und Domchors Berlin, Kai-Uwe Jirka Einstudierung
    DCH



    Geplant:


    Fr, 29. Januar 2016, 20 Uhr
    Berliner Philharmoniker
    Iván Fischer
    Anna Larsson

    Gustav Mahler
    Symphonie Nr. 3 d-Moll
    Anna Larsson Mezzosopran, Damen des Rundfunkchors Berlin, Gijs Leenaars Einstudierung, Knaben des Staats- und Domchors Berlin, Kai-Uwe Jirka Einstudierung
    DCH

    Valerio: So wollen wir nützliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft werden.

    Leonce: Lieber möchte ich meine Demission als Mensch geben.

    Georg Büchner: Leonce und Lena (3. Sz.)

  • Habe ich vor Ort erstanden; leider kein Link oder auch nur Bild zu finden. Auf jeden Fall ein Beleg dafür, dass auch kleinere Orchester das Mammutwerk aufzuführen vermögen; wenngleich natürlich die Solistenfrage selten überzeugt.


    Brigitta Svenden: Mezzosopran
    Großes Orchester der Jenaer Philharmonie
    Knabenchor der Jenaer Philharmonie
    Philharmonischer Chor Jena
    Andrey Boreyko

    Konzertmitschnitt vom 28. Juni 2003, Volkshaus Jena

    Valerio: So wollen wir nützliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft werden.

    Leonce: Lieber möchte ich meine Demission als Mensch geben.

    Georg Büchner: Leonce und Lena (3. Sz.)



  • Die Aufnahme, die sehr lange in den diversen Foren favorisiert wurde; lange sehr teuer und selten; inzwischen neu aufgelegt und natürlich in Konkurrenz mit des Dirigenten und anderer späterer Aufnahmen.

    Valerio: So wollen wir nützliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft werden.

    Leonce: Lieber möchte ich meine Demission als Mensch geben.

    Georg Büchner: Leonce und Lena (3. Sz.)

  • CD 2


    Interessante Aufnahme, klanglich für das Alter in Ordnung; nur bei höheren Stellen, vor allem in den Bläsern quäkend; man ist geneigt, das technische Detail als Interpretation zu verbuchen.

    Valerio: So wollen wir nützliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft werden.

    Leonce: Lieber möchte ich meine Demission als Mensch geben.

    Georg Büchner: Leonce und Lena (3. Sz.)


  • Kondraschin interpretiert die 3. bar jeglicher Doppelbödigkeit und Ironie als das, was sie auch noch ist: nämlich eine riesengroße, kolossale Sinfonie auf dem Weg in die Moderne.
    Ich persönlich finde es immer wieder erfrischend, speziell diese Aufnahme zu hören, wobei ich regelmäßig von den beiden Vokalsätzen überrascht werde, die in Russisch gesungen sind! Da ich dieser Sprache nicht mächtig bin, bekommen diese Sätze für mich gleichsam etwas Vokalisenartiges, dass die Absolutheit dieser Musik betont. Für Puristen sind diese Sätze übrigens auch noch auf Deutsch eingespielt und befinden sich als Anhang auf der CD2.


    Siegfried

  • Kent Nagano.




    Deutsches Sinfonieorchester Berlin


    Habe ich mir nur zugelegt wegen Dagmar Pecková, aber was soll ich sagen: viel besser als ich dachte, mittlerweile gehört sie zu meinen liebsten!
    Sehr intensiv mit ausgekosteten Stellen und auf der anderen Seite mit viel Power!


    LG palestrina

    „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
    Oolong

  • CD 1 und 2


    Eine Entdeckung ersten Ranges, diese Dritte unter Rögner. Wie stets im Osten Deutschlands zwischen den 60ern und den späten 80ern ist der Zugang ein betont weltlicher, unprätentiöser; ja bisweilen ruppiger; ohne jemals in Unkultivierte zu entgleisen. Streng wird hier auf Abstand gehalten zu allzu großer Emotion, sodass Sentimentalität und gefühlsmäßiger Überschwang á la Lenny nirgends aufkommen können; aber auch zu jeder Art von Schingderassa Bumm und schlagmichtot á la Solti. Orchesterkultur und Klangqualität ergänzen trotz kleinerer altersbedingter Trockenheiten einander so vollkommen, als ob man eine moderne CD mit berühmtesten Klangkörper vor sich hätte; man kann da nur staunen, wie wenig sich da doch im CD-Bereich wirklich verändert hat seit 40 Jahren.


    Die Altistin gefällt mir sehr von der Stimme und auch vom Gestus her, sie gefährdet niemanden, wie auch Rögner im Grunde alle Fährnisse nicht weiträumig, aber dennoch in sicherer Entfernung umschifft; sodass das Einzige, was man der Aufnahme vorwerfen kann, das ist, dass sie im Detail wie im Ganzen hätte mehr wagen dürfen, vielleicht sogar müssen. Dennoch, eine wunderbare Einspielung, die einmal mehr dartut, dass man dem DDR-Zugang zu Bruckner und Mahler endlich einmal eine eigene Untersuchung zu widmen hätte.

    Valerio: So wollen wir nützliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft werden.

    Leonce: Lieber möchte ich meine Demission als Mensch geben.

    Georg Büchner: Leonce und Lena (3. Sz.)


  • Ich hieraus:
    CD 5: Track 18 und CD 6


    Natürlich auch hier: 01 - Sinfonien: Gesamteinspielungen - Diskographie


    Die Kritik hier trifft meines Erachtens den Kern: classicalcdreview


    Valerio: So wollen wir nützliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft werden.

    Leonce: Lieber möchte ich meine Demission als Mensch geben.

    Georg Büchner: Leonce und Lena (3. Sz.)

  • Petra Lang, Prague Philharmonic Choir, Netherlands Children's Choir, Royal Concertgebouw Orchestra, Riccardo Chailly, 5. -9. Mai 2003


    Ich hieraus:
    Riccardo Chailly, Concertgebouw Orchestra, 1988-2004
    CD 3 und CD 4: Track 1


    Eine blitzsaubere Aufnahme von großer Strahlkraft; elegant und transparent; dazu in einer geradezu exorbitanten Aufnahmequalität. Da ist auch nichts geglättet oder zu harmlos; gerade auch im 1. Satz geht nichts vom Furor und der Komplexität der schieren Klangmassen verloren. Natürlich steht hier nicht das Gebrochene im Vordergrund, die Verwerfungen; aber nicht aus Unkenntnis oder Unvermögen, sondern als Ausfluss eines interpretatorischen Konzepts. Hätte so eine Mahler-3 der Karajanschen Endphase geklungen, zwischen dessen Mahler-9 und Bruckner-8?

    Valerio: So wollen wir nützliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft werden.

    Leonce: Lieber möchte ich meine Demission als Mensch geben.

    Georg Büchner: Leonce und Lena (3. Sz.)


  • (P) 2007 CSO-Resound CSOR 901 701 (2 CDs) [101:31]
    rec. 19.-21. Oktober 2006 (Orchestra Hall, Symphony Center, Chicago) live


    Michelle DeYoung (ms)
    Women of the Chicago Symphony Chorus
    Chicago Children's Choir
    Chicago Symphony Orchestra
    D: Bernard Haitink


    Imposant beginnt Haitink den I. Satz, kostet die stilllen Passagen aus, die Tuttis werden mit ordentlich Druck gespielt; dabei bleibt das Tempo stetig, mittelschnell, nicht hastig. Das Beschwingte des II. Satzes wechselt sich mit der Zartheit bzw. Keckheit des III. Satzes ab. Michelle DeYoung bestimmt den IV. Satz mit einer feinen Leistung, auch wenn ihr Vibrato sehr stark ausfällt. Der V. Satz ist kurzweilig und prägnant umgesetzt, und der Finalsatz endet elegisch in süßer Verzweiflung.


    Das Orchester spielt warm, elegant und präzise, mit viel Sinn für Dynamik und Klarheit; die Chöre intonieren sauber und präzise und sind gut verständlich. Die Klangqualität dieser Live-Aufzeichung ist superb: wuchtig und dynamisch, kraftvoll und geschlossen.


    Fazit: eine sehr gute Einspielung mit klasse Klangqualität. Topp... :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup:

  • Ich gewinne immer mehr den Eindruck, dass Haitink so im Ganzen eines Werkes mit dem CSO ein wenig besser war als mit dem RCO; dessen Dritte aus der Box mir jetzt nicht so in bleibender Erinnerung geblieben ist.

    Valerio: So wollen wir nützliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft werden.

    Leonce: Lieber möchte ich meine Demission als Mensch geben.

    Georg Büchner: Leonce und Lena (3. Sz.)


  • Ich hieraus:
    CD 2 und 3


    02 - Sinfonie Nr. 3: Einspielungen


    Diese Aufnahme ist atemberaubend und das bei einer Aufnahmequalität, die niemals die UdSSR des Jahres 1961 vermuten ließe. Besonders beeindruckt tatsächlich die Klarheit und trunkene Nüchternheit, die unbeirrt und ohne jegliche Verstellung eine großsinfonische Anlage eo ip­so entwickelt und auf ein fest umrissenes Ziel hinsteuert. Klangsinnlich gänsehäutig vor allem im Kopfsatz fallen immer wieder die Bläser, besonders das Horn aus dem alltäglichen Aufführungsrahmen; das ich nicht zynisch nennen würde, wenn ich nur ein anderes Wort wüsste. Die Levko ist mir kein Begriff, aber sie gefällt mir gut und hat man je eine intensivere Instrumentalbegleitung gehört? Ganz großes Ohrenkino!

    Valerio: So wollen wir nützliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft werden.

    Leonce: Lieber möchte ich meine Demission als Mensch geben.

    Georg Büchner: Leonce und Lena (3. Sz.)


  • Diese spätere Aufnahme kenne ich leider noch nicht, drei hat er wohl insgesamt von der Dritten.

    Valerio: So wollen wir nützliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft werden.

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    Georg Büchner: Leonce und Lena (3. Sz.)


  • Ich hieraus:
    CD 4 und 5
    Gürzenich-Orchester Köln, Markus Stenz, 2009-2014


    Wenn man keine Lust oder keinen Zugang hat, sollte man es einfach lassen. Beliebig ist hier nicht ... entweder ganz oder gar nicht! Ich setze hier die Amazon-Rezension von Thomas Notthoff her, weil sie zu 100 Prozent in Worte fasst; was ich auch so einschätzen würde.


    Valerio: So wollen wir nützliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft werden.

    Leonce: Lieber möchte ich meine Demission als Mensch geben.

    Georg Büchner: Leonce und Lena (3. Sz.)

  • Ja, das Mikrophonieren ist eine Kunst für sich - wobei ich anmerken muß, daß es auch eine Frage der Klangästhetik an sich ist, wie man die Mikros stellt (und abmischt). Da haben die Toningenieure ihre eigenen Vorlieben. Ich kann natürlich nicht viel Weiteres dazu sagen, weil ich alle erwähnten Aufnahmen nicht kenne, aber es ist wichtig zu erwähnen, daß viele solcher Aufnahmen gewissen technischen Vorbedingungen und Konventionen unterliegen. Bei Gürzenich wird vermutlich der WDR beteiligt sein. Außerdem ist eine Aufnahme von 1970 nicht automatisch den gleichen klanglichen Vorlieben und Voraussetzungen unterworfen wie eine von 2010.


    Aber das ist ein Thema, das würde hier den Thread sprengen.

  • Gürzenich hat ja zum Beispiel einen klanglich tadellosen Prokofjew und wohl auch einen ordentlichen Schostakowitsch vorgelegt; um so erstaunlicher, dass nun ausgerechnet bei Mahler Probleme auftreten.

    Valerio: So wollen wir nützliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft werden.

    Leonce: Lieber möchte ich meine Demission als Mensch geben.

    Georg Büchner: Leonce und Lena (3. Sz.)