Christus am Ölberge op. 85

    • Offizieller Beitrag

    Sein einziges Oratorium Christus am Ölberge komponierte Beethoven aus Anlass seiner Anstellung als Komponist am k.k. Theater an der Wien im Jahre 1803. Der Komponist bezieht im Januar 1803 zusammen mit seinem Bruder Caspar Carl van Beethoven eine Dienstwohnung im Theatergebäude, das von Emanuel Schikaneder am 7. Juni 1801 eröffnet wurde. Beethoven wollte ursprünglich einen Text des Zauberflötenlibrettisten vertonen: Vestas Feuer (Hess 115) ist jedoch unvollendet geblieben und musste der späteren Oper Leonore resp. Fidelio weichen.


    Das Libretto des Oratoriums stellte Franz Xaver Huber (1755-1814), u.a. Mitherausgeber der Wiener Zeitung. Huber heiratete 1797 die Pianistin Walburga geb. Willmann (1769–1835), Schwester der von Beethoven sehr verehrten Sängerin Magdalena geb. Willmann (1771–1801) seit 1796 verheiratete Galvani, wodurch dieser Kontakt offenbar entstand.


    Das Theater, eigentlich für Opernaufführungen gedacht, durfte in der Fastenzeit keine solchen geben - so kam es, daß Beethoven sich für das Genre Oratorium entschied. Im Rahmen einer musikalischen Akademie wurde das Oratorium am Dienstag, den 5. Arpil 1803 uraufgeführt. Ebenfalls uraufgeführt wurden während dieses Konzertes die Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 36 sowie das Clavierkonzert c-moll op. 37 mit Beethoven am Instrument. Wer wäre schon nicht gern dabei gewesen? Auch die einzige Oper Fidelio wird am 20. November 1805 in diesem Theater uraufgeführt. Die (verwirrende späte) Opuszahl "85" für das 1803 komponierte Oratorium rührt daher, daß das Werk erst 1811 in einer (nach einer ersten Revision 1804) nochmals revidierten Fassung beim Verlag Breitkopf & Härtel im Druck erschien. Dazu schrieb der Komponist dem Verlag, daß er sein erstes und frühes Werk in der Art in 14 tägen zwischen allem möglichen tumult und andern unangenehme angstigenden Lebensereignissen (Mein Bruder hatte eben eine Todeskrankheit) geschrieben habe und er (nunmehr) ganz anders ein oratorium schreibe als damals.


    Franz Gerhard Wegelers und Ferdinand Ries' Biographischen Notizen (1838) folgend soll Beethoven die Posaunenstimmen erst am Morgen vor der Uraufführung ausgearbeitet haben.


    Besetzung (Orchester):
    je 2 Flöten, Oboen, Clarinetten, Fagotte und Trompeten, 3 Posaunen, 2 Pauken, übliche Streicher


    Besetzung (Solisten):
    Jesus, Petrus, Seraph


    Besetzung (Chöre):
    Chor der Engel, Chor der Jünger, Chor der Krieger


    Beethovens Werk ist neben Joseph Haydns Schöpfung und dessen Jahreszeiten sowie neben Mendelssohns Elias und ggfs. Paulus ziemlich einzig übrig geblieben von Oratorienschöpfungen dieser Zeit. Erwähnenswert wären hier sicherlich noch Rombergs Messias sowie dessen Vertonung von Schillers Glocke, daneben Joseph Leopold Eyblers (1765-1846) Die vier letzten Dinge. Die fast opernhafte Gestaltung der Christusfigur in Beethovens Oratorium soll dem Komponisten einige Kritik eingebracht haben.

    Alles sollte sein wie es war - und nicht wie wir es uns wünschen!

    (HIPpokrates)