Fischer-Dieskau, Dietrich (1925-2012)


  • Dieskaus Nachklang ist in der Tat sehr lesenswert, jedenfalls ist dies der Eindruck, der sich seinerzeit verfestigt hat, als ich das TB-Bändchen vor rd. 10 Jahren gelesen habe. Erinnerlich ist mir auch jetzt noch eine launig geschilderte Passage seiner Zusammenarbeit mit Karl Richter, die er, wenn ich mich richtig erinnere, zuerst als von gepflegter Langeweile geprägt, angesehen hat.


    Zitat

    aus dem Buch „ Nachklang " von D.Fischer-Dieskau Seite 160
    Heimlich grollte ich den „ Schlafmützen", die nur die Schwierigkeiten wahrnahmen, das Gelingen aber kommentarlos akzeptierten, ja selig entschlummert schienen.


    LG palestrina

    „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
    Oolong

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    Auch bei Fidi war es eine Platte mit blauem Cover, die mich in den 80ern infizierte. Ich glaube, es waren Schubert-Lieder (ich höre immer noch einen unlückseligen Atlas, von dem ich nicht weiß, woher er kommt, im Ohr), aber ich bin mir nicht mehr sicher und finde diesen vinylen Traum auch nicht mehr.

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    Diese Edition mag zu teuer und gar überflüssig erscheinen angesichts der ohnehinnigen Präsenz Fidis; aber nichts davon ist wahr: Für das Geld erhält man unglaublich spannende, knisternde Aufnahmen; bei denen sich Höhepunkt der Liedkunst an Höhepunkt reiht. Ich kniete zuweilen vor dem Player und weinte. Die Tonqualität ist natürlich durchwachsen.

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    Ich hieraus:


    CD 6 und 7


    Auch hier:
    Ferenc Fricsay - Complete Recordings on Deutsche Grammophon Vol.2: Opera & Choral Works, 1949-1961


    Soweit ich das überblicke, hat Fidi die Oper wohl noch unter Leitner und Richter aufgenommen:




    Dietrich Fischer-Dieskau, Elisabeth Söderström, Ruth-Margret Pütz, Cappella Coloniensis, Ferdinand Leitner, 1964

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    Zumal ich zugeben muß, daß mich bei Sängerboxen häufig etwas passiert, was ich gar nicht leiden kann: daß nämlich nur die Arien aus Opern, an der der Solist beteiligt ist, in den Boxen landen, nicht aber die kompletten Einspielungen. Bei der Ferrier-Box ist das nämlich so.

    Das ist aber auch schwierig: Die ganzen Opern in so einer Box, das kann bei einem viel beschäftigten Sänger wie Fidi schnell zu viel werden; dann lieber einen Einblick in dieses Schaffen über die Arien und die Opern bei Gefallen einzeln kaufen.

    Aber andererseits weiß ich nicht so recht, was einem sämtliche Einspielungen eines Werkes, was die Anzahl von drei übersteigt, bringen soll; die Sacre-Box



    mit 38 (!) verschiedenen Einspielungen dieses einen Werkes würde mich wahnsinnig machen, wenn ich sie hätte... *grrr*

    Richtig: Le sacre du printemps (1913): Einspielungen

    Andererseits wäre eine komplette DGG-Box gut machbar. Was er da alles eingespielt hat: Bach, Händel, Gluck, Schubert, Schumann, Henze usw. Da hättest du deine 100er Box.

    Nur her damit! *yes*

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    Amazon-Rezension von AFN


    Zitat

    Dieser Sänger, oder sollte man besser sagen: Aftersänger? Wie dem auch sei, nennen wir ihn ruhig "dieser Sänger". Ist dieser Sänger nicht das katastrophalste Beispiel deutscher Fehleinschätzung?. Muss man sich nicht geradezu die Haare ausraufen, wenn man einen solchen Ausbund an Unmusikalität, Herzlosigkeit, Selbstgefälligkeit und Dummheit, wie ihn dieser Sänger repräsentiert, beinahe überall in den Himmel der Kunst erhoben sieht?. Oder sind solche Missverständnisse wirklich nur in unserem Deutschland, in unserem dummen, schamlosen Deutschland möglich?.
    Man sehe sich nur einmal die vulgäre Lobhudelei angeblich hochmusikalischer und gebildeter deutscher Kritiker an. Dieser Sänger sei DAS Genie der Gesangkunst, DER Orpheus, dessen Stimme für immer verklungen, dessen musikalisches Erbe jedoch riesenhaft beispielgebend, geradezu wegweiserisch, vor der jungen Sänger(innen)generation steht, dem sie natürlich niemals das Wasser wird reichen können usw. usw. Was ist die Ursache einer solch maßlosen, idiotischen Überhöhung eines Geisteszwerges zum Titanen der Gesangkunst? Was ist die Ursache dieser frevelhaften, hirnlosen Vergötzung eines Mittel-, ja Unterklassesängers? Eines Sängers, der über eine erstaunliche Mund- und Lippenmuskulatur verfügte und sonst über nichts anderes? "Sie haben Ohren und hören nicht." Das biblische Wort gilt leider auch für die Legion deutscher Zuhörerinnen und Zuhörer, die diesem Sänger ihre bedingungslose Verehrung entgegenbringen.
    Nun, man darf nicht vergessen: Dieser Sänger hat ja bekanntlich nicht nur alle 600 und mehr Lieder Schuberts eingesungen, er hat auch entsetzlich geistvolle Monographien über seine hohe Auffassung der Schubertschen Lieder und ihrer Interpretation dem verehrten Fachpublikum vorgelegt. Dazu muss man anmerken, dass solche Tricks, zumal in Deutschland, hervorragend funktionieren. Böhm, was war er anderes als ein bieder-konservativer Dirigent, ohne jede Vision, voll fader, abgestandener Bravheit, der seine Karriere, genau wie der angeblich "gottbegnadete" Fuchs Karajan, der Abwesenheit seiner jüdischen Kollegen im Dritten Reich verdankte? Er verstand von Mozart nichts, er verstand davon nichts, spielte aber dennoch (das nennt man Sinn für Geschäftemacherei) alle Mozartsymphonien ein - und prompt erhoben ihn die Deutschen zu DEM Mozartkenner par excellence. Anscheinend hatten diese Hochstapler eine Nase für das spezifisch deutsche Bedürfnis nach Enzyklopädismus und Expertentum, somit mehr nach Wissen als nach Liebe.
    Doch zurück zu diesem unserem weltberühmten Sänger. Überzeugen Sie sich selbst. Hören Sie sich diese CD an und vergleichen Sie sie mit Gérard Souzay und Dalton Baldwin. Hier empfehle ich, "Tod und das Mädchen" einmal mit Fischer und einmal mit Souzay/Baldwin zu hören. Sofort werden Sie den Unterschied zwischen Maschine und Mensch, Fälschung und Original verstehen.

    Aus den Kommentaren:

    Zitat

    Ganz recht, ich bin auch intolerant. Gegenüber Mittelmäßigkeit, die sich für genial hält und dann auch noch beweihräuchert wird, MUSS man intolerant sein, mein Herr. Fischers Gesang ist die Verklanglichung erbärmlicher Banalität.

    Zitat

    Die Sehnsucht nach Schönheit und Vollkommenheit ist etwas Grundmenschliches und nichts auf eine bestimmte Epoche Beschränktes. Aber eben weil das Menschliche, das heißt alles Menschliche überhaupt, den Deutschen grundfremd ist, stattdessen jede Albernheit und Pseudo-Freude jubelnde Anhänger unter ihnen findet, leuchtet mir Ihr Kommentar vollkommen ein. Übrigens hat Fischer niemals aus Freude an der Musik und dem Singen begonnen zu singen, sondern aus narzistischer Liebe zu seinem eigenen Gesang.

    Zitat

    Karl Kraus hat einmal gesagt: "Wenn die Sonne der Kultur tiefsteht, dann werfen selbst Zwerge Riesenschatten."...
    Nein, ich meinte schon Herrn Fischer, den Fischer, der sein schlaues Fischernetzlein im trüben Fischergewässer ausgebreitet hat, um die kleinen, leicht zu beeindruckenden Forellen zu fangen. Ist ihm ja auch prächtig gelungen über ein halbes Jahrhundert lang. Apropos Geisterfahrer. Wissen Sie, Galileo Galilei und Giordano Bruno waren auf ihre Art auch Geisterfahrer, sämtliche Aufklärer waren Geisterfahrer. Ohne Geisterfahrer, die gegen die taube stumpfe Masse anrennen (bzw. anfahren) müssen, gibt es keine Erkenntnis. Wenn die Stimme der musikalischen Dummheit so ohrenbetäubend laut ist und von einer Schar geistiger Liliputaner angestimmt wird, die ihren Guliver in den Himmel der Kunst erhebt, MUSS man, ist man geradezu VERPFLICHTET dazu, die Geisterfahrerhaltung anzunehmen und voll in ihren unbedeutenden Haufen hineinzufahren. Ich tue das gern. Ich bin bekennender Geisterfahrer, wenn es darum geht, den Versuch zu unternehmen, Fischer und seinesgleichen (als da sind Karajan, Karl Böhm, Peter Schreier, Karl Richter), d.h. all jene Kunstschwindler, die dank der Unmusikalität der Menge auf den Sockel der Kunst gehievt worden sind, hinunterzuwerfen.


    Wer einmal hört, wie Fischer "Der Jüngling an der Quelle" singt und wie Souzay dieses Lied singt, wird sofort begreifen, wer der echte Künstler (und damit der echte Mensch!) und wer die Fälschung eines Künstlers ist. Hören Sie sich das zuerst an, und zwar auch die Winterreise vergleichsweise einmal mit Fischer, einmal mit Souzay, und Ihnen werden - vorausgesetzt, Sie sind ein Mensch und kein Deutscher die musikalischen Ohren aufgehen. Sind Sie Deutscher (was ich sehr befürchte) werden Sie weiterhin in Ihrem deutschen Narrenurteil verharren und den maschinenerzeugten Lippenbewegungen Fischers Musikalität zusprechen. Es ist auch keine Frage des Geschmacks oder des "Qualitätsurteils"; woher denn? Nein, ich sage Ihnen warum (nicht Ihnen persönlich - ich kenne Sie nicht und Sie sind mir schnurzpiepegal; ich sage das all denen, die ununterbrochen das Hohelied Fischers anstimmen; sie mögen sich das durchaus zu Herzen nehmen und darüber nachdenken, und entschuldigen Sie, wenn ich hart werde, aber den Deutschen tut Härte sehr, sehr gut): ganz einfach weil Sie und Ihresgleichen im tiefsten Grund Ihres Wesens unehrlich und unmusikalisch, d.h. eben deutsch sind. Die Deutschen zählen nicht zu den musikalischen Völkern der Erde, weshalb (nämlich aus Verzweiflung über die unüberwindliche deutsche Ignoranz) aus ihrer Mitte die Titanen der Musik hervorgegangen sind.


    :D :D :D

  • Liebe und Leid und Welt und Traum



    FiDis ganz frühe Aufnahme der 'Lieder eines fahrenden Gesellen' unter Furtwängler ist hier enthalten. Der junge, 27jährige liefert hier zusammen mit Furtwängler, der sonst nur in den zwanziger Jahren ein wenig Mahler dirigiert hat, eine grandiose Arbeit ab.


  • Sei jedem FiDi Freund und Liebhaber aus vollem Herzen empfohlen!


    Das sind Erinnerungen, aus einem vollen Künstlerleben!


    LG palestrina

    „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
    Oolong

  • Latürnich! Jeder, der an der "Winterreise" Interesse hat, kommt nicht an diesem zeitlosen Dokument eines lebenslangen Ringens vorbei.

    Da schütte ich doch gern etwas Wasser in den Wein... Ich denke, Fischer-Dieskaus Leistung kann man nicht nur unter den Titel ein Leben für die Winterreise stellen. Ich weiß gar nicht mehr, wie viele verschiedene Winterreisen mit ihm live, auf LP und CD ich in meinem Leben gehört habe. Ja, die ersten Aufnahmen von und mit ihm waren aufregend weil so noch nie gehört. Dazu kam, Fischer Dieskau war damals in dem Alter, das der fiktive Müllerbursche hatte oder gerade überschritten hatte. Die späteren Aufnahmen fand und finde ich immer langweiliger. Zugleich laste ich ihm an (natürlich nicht ihm persönlich, sondern der öffentlichen Figur, die aus ihm gemacht wurde), dass vor lauter Winterreisen die Vielfalt des Schubertschen Liederschaffens regelrecht untergegangen ist. Ja, ich weiß, er hat viel für die Bekanntheit der Lieder getan, sie aber nicht populairer gemacht.


    Fischer Dieskau ist sicher einer der "Monolithen" in derMusiklandschaft Nachkriegsdeutschlands. Ich will und kann seine Verdienste nicht schmälern, sie lagen aber auf vielen Gebieten. Ich bin froh, dass es inzwischen doch auch einige MusikerInnen gibt, die aus seinem Schatten getreten sind und treten. Und als eingeschworene Schubert-Anhängerin freue ich mich über jede neue Schubert-Lieder-CD, die nicht Winterreise, Müllerin oder Schwanengesang zum Thema hat. Und die gibt es inzwischen, auch bei der omi. Und auch Aufnahmen aus der Zeit vor Fischer-Dieskau, oft halt nur Auszüge. Fischer Dieskaus Vorteil war es, als neu, neue Stimme ohne Vergangenheit in der Nachkriegszeit in die Ära der Langspielplatte hineinzuwachsen, die erst Gesamtaufnahmen in der geforderten Länge ermöglichten; so erscheint er als einer der ersten Propagandisten der Winterreise. Nun gut, den Ruhm will ich ihm lassen - er hat ihn auch verdient, günstige Umstände genutzt zu haben, ist ja kein Fehler, im Gegenteil.



    lg vom eifelplatz, Chris.

    • Offizieller Beitrag

    Da schütte ich doch gern etwas Wasser in den Wein... Ich denke, Fischer-Dieskaus Leistung kann man nicht nur unter den Titel ein Leben für die Winterreise stellen.

    Nein, das kann man natürlich nicht. Aber wenn ein Sänger dieses Formats die WR im Lauf seines Lebens immer wieder aufgenommen hat und dieser Zyklus unter allen Experten als die Quintessenz des deutschen Kunstliedes gilt; dann lässt sich so ein Titel schon auch rechtfertigen.


    Ich weiß gar nicht mehr, wie viele verschiedene Winterreisen mit ihm live, auf LP und CD ich in meinem Leben gehört habe.

    Ich habe sie gelistet:


    02 - Winterreise D911: Einspielungen (omi)
    Fischer-Dieskau, Dietrich (1925-2012)


    Ich hoffe inständig, die geplante Monografie zu dem Thema alsbald bewerkstelligen zu können. Pläne, Projekte, Vorhaben

    Ja, die ersten Aufnahmen von und mit ihm waren aufregend weil so noch nie gehört. Dazu kam, Fischer Dieskau war damals in dem Alter, das der fiktive Müllerbursche hatte oder gerade überschritten hatte. Die späteren Aufnahmen fand und finde ich immer langweiliger.

    Dass Fidi eine Entwicklung durchgemacht hat, kann man nicht leugnen. Er begann jung und frisch als genuiner Liedsänger mit belcanesken Zügen; hinreißend natürlich und stimmlich überlegen; und nach einer mittleren Reifephase, als sich zur noch vorhandenen Stimme reflektierende Züge und persönliche Schicksalsschläge gesellten; mündete das in einen überartikulierenden, artifiziellen Kunststil; der mit dem Niedergang der Stimme einherging. Ich bin selbst mit diesen Zeugnissen eines vermeintlich scheiternden Künstlers aufgewachsen; mit der Brendel-Aufnahme vor allem und noch späteren. Auf ihre eigene Weise aber und dazu stehe ich noch heute, spiegeln diese Aufnahmen in ihrer persönlichen Tragik durchaus auch das zu Grunde liegende Werk. Aus Kunst wird hier sozusagen lebensweltlich existentiell ein noch Höheres. Man mag das sängerisch nicht gut finden; das verstehe ich voll und ganz; aber langweilig, nein ... da müsste man ein Herz aus Stein haben.


    Zugleich laste ich ihm an (natürlich nicht ihm persönlich, sondern der öffentlichen Figur, die aus ihm gemacht wurde), dass vor lauter Winterreisen die Vielfalt des Schubertschen Liederschaffens regelrecht untergegangen ist. Ja, ich weiß, er hat viel für die Bekanntheit der Lieder getan, sie aber nicht populairer gemacht.

    Das, liebe Chris; ist nun wirklich eine steile These. Fidi hat z.B. diese Box hinterlassen:



    389 Lieder sind da vereint; ich weiß nicht, welcher Künstler vor und nach ihm so etwas als Einzelperson und vor den verdienstvollen Unternehmungen von Naxos und Hyperion geschafft hat. Fidis Engagement ist somit zentral für die Rezeption des Schubertschen Liedschaffens und dass er hier lange Zeit alleine auf weiter Flur stand, sollte sich dann später sogar nachteilig für ihn und seine Beurteilung erweisen.



    Fischer Dieskau ist sicher einer der "Monolithen" in derMusiklandschaft Nachkriegsdeutschlands. Ich will und kann seine Verdienste nicht schmälern, sie lagen aber auf vielen Gebieten. Ich bin froh, dass es inzwischen doch auch einige MusikerInnen gibt, die aus seinem Schatten getreten sind und treten. Und als eingeschworene Schubert-Anhängerin freue ich mich über jede neue Schubert-Lieder-CD, die nicht Winterreise, Müllerin oder Schwanengesang zum Thema hat.

    Alles richtig; kann ich persönlich so unterschreiben.

    Fischer Dieskaus Vorteil war es, als neu, neue Stimme ohne Vergangenheit in der Nachkriegszeit in die Ära der Langspielplatte hineinzuwachsen, die erst Gesamtaufnahmen in der geforderten Länge ermöglichten; so erscheint er als einer der ersten Propagandisten der Winterreise. Nun gut, den Ruhm will ich ihm lassen - er hat ihn auch verdient, günstige Umstände genutzt zu haben, ist ja kein Fehler, im Gegenteil.

    Unbedingt, wenngleich selbst aus deinen Worten etwas mitklingt, das ich dennoch entschieden zurückweisen muss; so als müssten wir Fidi vor der Musik- und Aufnahmegeschichte rechtfertigen. Ich habe diesen Problemkreis das "Karajan-Brendel-Mutter-Dieskau-Syndrom" getauft und so ich Zeit habe, werde ich darüber einen grundlegenden Essy schreiben. Es handelt sich hier um nichts Geringeres als um einen veritablen Patrizid resp. Matrizid und noch dazu einen verständlichen.


    Wenn derart übergroße Gestalten über Jahrzehnte ihren Bereich (Dirigat, Klavier, Violine, Liedgesang) dominieren; keinesfalls künstlerisch besser als andere; aber auf ihre Weise aus welchen Gründen auch immer ragend ins Bewusstsein sogar der Massen; dann versteht sich von selbst, dass erst die Jungen rebellieren, um sich zu emanzipieren und später nach und nach alle abrücken und es fast zum guten Ton gehört, die Nase zu rümpfen oder wie du eben erläuternde Worte beigeben zu müssen für notwendig zu halten. Gerecht ist das aufs Ganze gesehen natürlich nicht und es ist besonders ungerecht mit Blick auf die gewaltige Lebens- und Kunstleistung etwa Fidis; denn es wird für jeden Nachfahren schwer, dem quantitativ und qualitativ etwas Gleichwertiges an die Seite stellen zu können.


    Ich bin kein unkritischer Verfechter der Dieskauschen Philosophie und ich glaube auch; dass die Überreflektion den Kunstliedern nicht wirklich ansteht; aber die gesamte Künstlerpersönlichkeit, die ja vor uns liegt wie ein offenes Buch mit unzähligen Aufnahmen, Fernsehbildern und Büchern; nötigt mir Respekt ab und so lange kein anderer Sänger über zehn "Winterreisen" in zum Teil ganz unterschiedlichen Manieren vorgelegt hat, so lange bleibt ihm der Ehrentitel, sich im Besonderen um jene verdient gemacht zu haben.

  • Zitat

    Nach einem traurigen Wort von Walter Benjamin ist ein vollendetes Werk nicht mehr als "die Totenmaske der Konzeption". Mit dem Satz, all seine Aufnahmen seien nicht mehr als "Konfessionen eines Augenblicks", hat Dietrich Fischer-Dieskau jede einzelne in Frage gestellt oder angedeutet, dass er sie in seiner inneren Vorstellung anders, besser, schöner, vollkommener singen wollte. Das diskographische Resultat seines ständig sich erneuernden Ausdruckswollens hat Monika Wolf zum fünfundsiebzigsten Geburtstag des Sängers am gestrigen Sonntag akribisch dokumentiert.



    FAZ vom 25.09.2000



    Monika Wolf, Dietrich Fischer-Dieskau, Verzeichnis der Tonaufnahmen, 539 Seiten, Tutzing 2000 (rund 4900 Einträge zu ca. 200 Komponistennamen)


    Ein work in progress, denn die Discografie des Sängers wächst kontinuierlich weiter, solange immer wieder Mitschnitte aus irgendwelchen Rundfunkarchiven geborgen werden.

  • Die volle Dröhnung Liedgut erscheint am 28.Oktober 2022:


    107 CDs


    Dietrich Fischer-Dieskau - Complete Lieder on Deutsche Grammophon


    Inhalt:

    • 1. CD Lieder & Oden von Carl Philipp Emanuel Bach
    • 2.-5. CD Lieder von Ludwig van Beethoven (inkl. An die ferne Geliebte; Volkslied-Bearbeitungen verschiedener Völker)
    • 6.-17. CD Lieder von Johannes Brahms (inkl. Vier ernste Gesänge; Die schöne Magelone; Liebeslieder-Walzer; Duette & Quartette)
    • 18.-21. CD Lieder von Franz Liszt
    • 22.-23. CD Lieder & Balladen von Carl Loewe
    • 24.-26. CD Lieder von Gustav Mahler (inkl. Das Lied von der Erde in Einspielungen mit Josef Krips & Leonard Bernstein)
    • 27. CD Lieder von Friedrich Nietzsche
    • 28. CD Lieder von Max Reger & Hans Pfitzner
    • 29.-30. CD Lieder von Othmar Schoeck & Gottfried von Einem
    • 31.-62. CD Lieder & Ensembles von Franz Schubert (inkl. Die schöne Müllerin; Winterreise in Einspielungen mit Jörg Demus, Daniel Barenboim, Alfred Brendel; Schwanengesang)
    • 63.-74. CD Lieder & Duette von Robert Schumann (inkl. Dichterliebe in Einspielungen mit Jörg Demus & Alfred Brendel)
    • 75.-76. CD Dmitri Schostakowitsch: Symphonie Nr. 14; Benjamin Britten: Blake Songs
    • 77.-80. CD Lieder von Richard Strauss (inkl. Krämerspiegel & Enoch Arden)
    • 81. CD Lieder von Peter Tschaikowsky
    • 82.-93. CD Lieder von Hugo Wolf (inkl. Mörike-Lieder; Italienisches Liederbuch; Spanisches Liederbuch)
    • 94. CD Lieder von Alexander Zemlinsky
    • 95.-96. CD Melodramen von Richard Strauss, Robert Schumann, Franz Liszt, Viktor Ullmann
    • 97. CD Lieder der zweiten Wiener Schule von Alban Berg, Arnold Schönberg, Anton Webern
    • 98. CD Weihnachtslieder
    • 99. CD Lieder von Claude Debussy, Maurice Ravel, Charles Ives
    • 100. CD Lieder von Hector Berlioz, Claude Debussy, Rudi Stephan, Witold Lutoslawski
    • 101. CD Folksong-Arrangements von Joseph Haydn, Ludwig van Beethoven, Carl Maria von Weber
    • 102. CD Lieder von Hans Werner Henze, Frank Martin, Wolfgang Fortner
    • 103. CD Lieder von Interpreten-Komponisten - Lieder von Gustav Mahler, Emil Nikolaus von Reznicek, Feruccio Busoni, Wilhelm Kempff, Fritz Busch, Bruno Walter, Enrico Mainardi
    • 104. CD Frühe Goethe-Vertonungen von Giaccomo Meyerbeer, Johann Friedrich Reichardt, Friedrich Zelter, Anna Amalia von Preußen, Siegmund Freiherr von Seckendorff, Christian Gottlob Neefe, Ludwig van Beethoven, Conradin Kreutzer, Johann Nepomuk Hummel, Bettina von Arnim, Richard Wagner
    • 105. CD "Erzähltes LebenFrom my Life" (1961)
    • 106.-107. CD Interview mit Dietrich Fischer-Dieskau (2005)

    rec. 1949-2003


    Es ist gut möglich, daß es alles ist, was er je bei DG/Decca/Philips veröffentlicht hat, was man im Entferntesten als Lied bezeichnen kann. Preis: ca. 280,- €.

    • Offizieller Beitrag


    Dietrich Fischer-Dieskau - Lied Edition Vol.1 (Orfeo: 1953-1990. 5 CDs)


    Zelter: Die Sänger der Vorwelt; Wand'rers Nachtlied; Wo geht's Liebchen; Ruhe; Gleich und gleich; Erster Verlust; Rastlose Liebe; An die Entfernte; Wonne der Wehmut; Um Mitternacht; Einsamkeit (Harfenspieler I); Harfenspieler II; Klage (Harfenspieler III - 1. & 2. Version); Berglied; Beruhigung; Selige Sehnsucht; Gesang und Kuss; Abschied
    +Reichardt: Nachtgesang; Wechsel; Aus "Harzreise im Winter"; Letztes Lied des Harfenspielers; Mut; Gott; Aus "Euphrosyne"; Die schöne Nacht; Prometheus; An Belinden; Aus "Alexis und Dora!; Klage; Kophtisches Lied; Johanna Sebus; Der Alpenjäger; Aeneas zu Dido; Berglied; Die Ideale; Hoffnung und Erinnerung; Geister meiner Toten
    +Spohr: 6 Lieder op. 154 für Bariton, Violine, Klavier; 6 Lieder op. 103 für Sopran, Klarinette, Klavier; Schottisch Lied; Zigeunerlied; Lied beim Rundetanz; Vanitas; Schlaflied; An Mignon
    +Wolf: Italienisches Liederbuch
    +Pfitzner: Sehnsucht; Gegenliebe; Müde; Leierkastenmann; Michaeliskirchplatz; Schön Suschen; Ich und du; Gebet; An den Mond; Abendrot; Tragische Geschichte; Ist der Himmel darum im Lenz so blau; Stimme der Sehnsucht; Es glänzt so schön die sinkende Sonne; Ich aber weiß; Mailied; Wasserfahrt


    Dietrich Fischer-Dieskau, Aribert Reimann, Maria Graf, Julia Varady, Dmitri Sitkovetsky, Hans Schöneberger, Hartmut Höll, Irmgard Seefried, Erik Werba



    Dietrich Fischer-Dieskau - Lied Edition Vol.2 (Orfeo: 1970-1985. 4 CDs)


    Anna Amalia von Sachsen Weimar: Auf dem Land und in der Stadt
    +Ansorge: Immer wieder op. 11 Nr. 4 "Ehe wir uns trennen konnten"
    +Beethoven: Mailied op. 52 Nr. 4; Neue Liebe, neues Leben op. 75 Nr. 2; Flohlied des Mephisto
    +Berlioz: Le jeune patre breton
    +Brahms: Serenade op. 70 Nr. 3; Unüberwindlich op. 72 Nr. 5
    +Busoni: Zigeunerlied op. 55 Nr. 2
    +Donizetti: L'amor funesto
    +Gounod: Serenade - Berceuse
    +Harford Lloyd: Annette
    +Herrmann: Erfüllung; Du bist wie eine Blume; Ich denke dein
    +Kraussold: Abschied im Herbst
    +Kreutzer: Das Mühlrad
    +Mendelssohn: Das Waldschloß op. posth.; Nachtlied op. 71 Nr. 6; Pagenlied op. posth.
    +Neukomm: Poor Adele
    +Pfitzner: Die stille Stadt op. 29 Nr. 4 "Liegt eine Stadt im Tale"; Im Herbst op. 9 Nr. 3; Lockung op. 7 Nr. 4; In Danzig op. 22 Nr. 1; Der verspätete Wanderer op. 41 Nr. 2; Nachts op. 26 Nr. 2; Zum Abschied meiner Tochter op. 10 Nr. 3
    +Reger: Einsamkeit op. 75 Nr. 18; Waldseligkeit op. 62 Nr. 2 "Der Wald beginnt zu rauschen"
    +Reichardt: Beherzigung
    +Reissiger: Heimweh; Abendständchen an die Geliebte
    +Schnabel: Notturno "So müd hin schwand es in die Nacht"
    +Schoeck: Dämmerung senkte sich von oben op. 19a Nr. 2
    +Schubert: An den Mond D. 259; An Schwager Kronos D. 369; Meeresstille D. 216; Der Erlkönig D. 328; Geheimes D. 719; Der Musensohn D. 767
    +Schumann: Freisinn op. 25 Nr. 2; Sitz ich allein; Setze mir nicht; In der Fremde op. 39 Nr. 1; Schöne Fremde op. 39 Nr. 6; Zwielicht op. 39 Nr. 10; Im Walde op. 39 Nr. 11; Der Einsiedler op. 83 Nr. 3; Intermezzo op. 29 Nr. 2
    +Schwarz-Schilling: Kurze Fahrt; Marienlied; Bist du manchmal auch verstimmt
    +Sjögren: Der Mond schon wandelt am Himmelszelt
    +Strauss: Gefunden op. 56 Nr. 1; Nottruno op. 44 Nr. 1 "Hoch ing der Mond"; Stiller Gang op. 31 Nr. 4 "Der Abend graut"
    +Szymanowski: Stimme im Dunkeln op. 13 Nr. 1 "Es klangt im Dunkeln"
    +Walter: Der Soldat; Der junge Ehemann
    +Webern: Titel von fern "Aus des Abends heißen Wogen"; Aufblick "Über unsre Liebe hängt"; Ideale Landschaft "Du hattest einen Glanz auf deiner Stirn"; Am Ufer "Die Welt verstummt"; Himmelfahrt "Schwebst du nieder aus den Welten"; Nächtliche Scheu "Zaghaft vom Gewölk ins Land"; Helle Nacht "Weich küsst die Zweige"
    +Wolf: Gesang Weylas; In der Fremde I; Nachtzauber; Der Musikant; Nachruf; Seemanss Abschied; Wanderers Nachtlied II; Frühling übers Jahr; Anakreons Grab; Cophtisches Lied II; Der Rattenfänger; Phänomen; Genialisch Treiben, Ob der Koran von Ewigkeit sei; Der verzweifelte Liebhaber; Verschiegene Liebe
    +Zelter: Gleich und Gleich
    +Zemlinsky: Entbietung op. 7 Nr. 2 "Schmück dir das Haar mit wildem Mohn"; Meeraugen op. 7 Nr. 3 "Was will in deinen Augen"


    Dietrich Fischer-Dieskau, Karl Engel, Wolfgang Sawallisch, Kolja Blacher, Aribert Reimann, Dieter Klöcker, Klaus Wallendorf, Hartmut Höll



    Dietrich Fischer-Dieskau - Lied Edition Vol.3 (Orfeo: 1980-2000. 5 CDs)


    Ravel: Un grand sommeil noir; 2 Epigrammes; Histoires naturelles; 5 Melodies populaires grecques; Chants populaires; Don Quichotte a Dulcinee
    +Hindemith: Sonnenuntergang; The Wild Flower's Song; The Moon; Sing on there in the swamp; On Hearing "The last Rose of Summer"; Ehemals und jetzt; Brautgesang; Singet leise; Das Ganze, nicht das Einzelne; Des Morgens; Fragment; Der Tod; Ich will nicht klagen mehr; Hymne; Abendphantasie; O, nun heb du an, dort in deinem Moor; Vor dir schein ich aufgewacht; Die Sonne sinkt; An die Parzen
    +Fortner: Shakespeare-Songs; Widmungen; Farewell; Vier Gesänge; Nachgelassene Lieder; Terzinen
    +Reutter: Die Jahreszeiten; 3 Gesänge op. 56; Chamber Music; 3 Monologe des Empedokles; 5 Lieder op. 58; 4 Lieder nach Nelly Sachs; 5 Lieder nach Marie Louise Kaschnitz
    +Reimann: Unrevealed für Bariton & Streichquartett; Shine and Dark für Bariton & Klavier


    Dietrich Fischer-Dieskau, Stella Doufexis, Doris Soffel, Ralf Lukas, Christopher Lincoln, Axel Bauni, Cherubini Quartett, Aribert Reimann