OPI - Nachvollziehbare Vorliebe oder Einseitigkeit?

  • Eine spannende Diskussion, die ich um einige Gedanken ergänzen will:


    1. opi - also on period instruments ist es ja immer noch eher in der Minderheit der Fälle. Sobald Nachbauten, ich verwende dieses Wort ganz bewußt statt Kopien, verwendet werden, ist man schon nicht mehr opi. Warum? Die Nachbauten wurden verbessert, um sie universeller einsetzbar zu machen. Um bei meinem Instrument zu bleiben: Die Qualität der Register wurden einander angeglichen mit dem unschönen Nebeneffekt, dass die herausragende Qualität eines Registers bisweilen nicht mehr zum Tragen kommt, man hat sich auf eine „unhistorische“ Standard-Stimmung von 415 Hz bzw. 392 Hz weitgehend geeinigt, natürlich mit Konsequenzen für den Klang der Flöten, die in anderen Stimmungen standen. Es ließen sich noch einige Punkte mehr anbringen.


    2. Im Frühen 20. Jh. gibt e bei den Holzbläsern schon noch gravierende Unterschiede. Stravinsky ist nur auf dem deutschen Fagott wegen seiner hohen Lage unbeliebt, auf dem französischen Basson spielt es sich wie Butter. Im Grunde haben wir zwei verschiedene Instrumente vor uns. Also klingt die Musik Debussys, Ravels, Stravinskys etc. auf opi-Instrumenten ganz anders, lockerer entspannter, schlanker - auch weil sie auf dem Instrumentarium, für das sie komponiert wurde, entsprechend leichter gespielt wurde.


    3. Warum beschweren sich die Komponisten/ UA-Dirigenten nicht über das unterschiedliche Instrumentarium? In erster Linie vermutlich deshalb, weil man nehmen muß, was da ist. Wenn ich die Berliner Philharmoniker in den 1920erJahre habe, dann kann ich mich nur entscheiden, Ravel zu spielen oder eben nicht. Erst seit vielleicht 30 Jahren haben wir andere, vielfältigere Möglichkeiten.

    Dann kommt hinzu, dass es Aufnahmen so gut wie nicht gab. Ob man also Erfolg mit einem Stück hat, hińg davon ab, ob es gespielt wurde oder nicht. Ich denke, dass man vor diesem Hintergrund auch gerne als Komponist in Kauf nahm, nicht so gespielt zu werden oder zu klingen, wie man es sich eigentlich gedacht hat. Auch war durch die fehlende Vergleichsmöglichkeit der Unterschied dem Publikum nicht bewußt und damit natürlich vernachlässigbar.

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    Wenn man diese lehrreichen Informationen ernstnimmt; kann man aber auch fatalistisch schlussfolgern; dass wir mit jedem Jahr zurück in die Musikgeschichte weniger wissen, wie damals etwas im Ohr des Komponisten geklungen hat; Aufnahmen gibt es keine und wir können nur von der Bauart der "Originalinstrumente" ausgehen; von denen wir aber auch nicht mehr wissen, wie sie damals geklungen haben im jeweiligen Raum. Jede hipe Aufführung mit Originalinstrumenten ist für mich daher immer nur eine Annäherung; sicher näher dran als mit modernen Instrumenten; aber es ist nicht gesagt, dass man so hört wie etwa um 1650. Diese ganzen fachmännischen Überlegungen zu handwerklich-baulichen Aspekten von Instrumenten sind das eine; das andere sind die Rahmenbedingungen damals; der Befund, dass etwa Cembali komplett unterschiedlich klangen, und zuletzt und vor allem, dass eine Zeit ohne modernen Dauerlärm eine ganz andere Hörästhetik hatte als wir. Opi als puristische dogmatische Ideologie ist also AugenOhrenwischerei; und wenn man ernsthaft diskutiert; wo wohl im 20. Jahrhundert die Grenze sein mag, wird es hanebüchen und albern.

  • Als Semi-opi, wenn man es so nennen will. Für mich gibt es da schon einen Unterschied, falls du darauf hinaus willst.

    Eigentlich wollte ich damit nur zeigen, dass der Begriff opi auf Grund der Zeitspanne, die er zwischenzeitlich umfasst, präzisiert werden muss. Grundsätzlich wissen wir ja, welche Komposition in welche Periode gehört, aber ab und zu muss das nachjustiert werden.


    Was mir übrigens Schwierigkeiten bereitet, sind Rekonstruktionen aus dem 21. Jhdt. von Werken aus dem 17. Jhdt. opi 17. Jhdt, wie das da:



    Wo gehört es hin? 17. oder 21. Jhdt.?


    und so etwas:



    Frau Kopatchinskaja spielt die Kadenzen aus der Klavierfassung dieses Konzertes, die sie zu diesem Zweck für Violine transkribiert hat. Da diese Transkription aber nicht auf einer Violine zu bewältigen ist und sie das aber trotzdem solo spielen wollte, kam ein Tonband zum Einsatz, mit dem ein von Frau Kopatchinskaya gespielter Teil der Kadenz aufgenommen und bei der weiteren Aufnahme zugespielt worden ist.

    Zum einen ist das eine Trickserei, die nicht, nötig war, zum anderen wird etwas vorgegaukelt das unmöglich ist und last not least hat es zu Beethovens Zeit kein Tonband gegeben.


    Das heißt jetzt nicht, dass ich diese Aufnahmen nicht gerne höre oder gar ablehne, mir ist nur die Problematik dabei bewusst.


    Siegfried




  • opi - also on period instruments ist es ja immer noch eher in der Minderheit der Fälle.

    Vorbarocke und Barockmusik wird eigentlich nur noch opi gespielt, gleich ob es sich dabei um Konzerte, Kirchenmusik oder Oper handelt. Bei der Klassik wird es aber dann schon deutlich weniger, dafür findet man da relativ viel hip, aber spätestens nach Beethoven ist opi rar.


    Stravinsky ist nur auf dem deutschen Fagott wegen seiner hohen Lage unbeliebt, auf dem französischen Basson spielt es sich wie Butter. Im Grunde haben wir zwei verschiedene Instrumente vor uns.

    Handelt es sich dabei um einen regionalen bzw. nationalen Unterschied beim Fagott oder um einen historischen, ist also das französische Fagott ein Vorläufer des deutschen?


    Strawinsky hat annähernd sein gesamtes Orchesterwerk selbst dirigiert und auch eingespielt und zwar mehrfach und in den 60ern sogar in Stereo. Außerdem war er für sein loses Mundwerk bekannt (Vivaldi habe das gleiche Konzert an die 600 mal komponiert, es mache nichts aus, wenn man bei Schubert einschläft, wache man doch immer im Paradies auf.), das er auch bei Dirigenten zum Einsatz gebracht hat, die seine Werke seiner Meinung nach falsch dirigiert haben. Über Instrumente hat er aber nie ein Wort verloren. Auch nicht in den 60ern, wo er schon ein anerkannter Komponist war, dem namhafte Plattenfirmen die Möglichkeit boten, seine Werke selbst zu dirigieren und aufzunehmen.


  • opi - also on period instruments ist es ja immer noch eher in der Minderheit der Fälle.

    Vorbarocke und Barockmusik wird eigentlich nur noch opi gespielt, gleich ob es sich dabei um Konzerte, Kirchenmusik oder Oper handelt. Bei der Klassik wird es aber dann schon deutlich weniger, dafür findet man da relativ viel hip, aber spätestens nach Beethoven ist opi rar.

    Ich habe versucht aufzuzeigen, dass die überwiegende Mehrheit der gespielten Holzblasinstrumente eben nicht OPI sind, sondern opi-Instrumenten nachempfunden mit gravierenden Änderungen.

    Darüber hinaus bezweifle ich sehr, dass zumindest semiprofessionell barocke oder vorbarocke Musik OPI gespielt wird! Mit HIP-Wissen ja, oftmals sogar HIP, aber meist nicht opi. Auch Oper habe ich noch oftmals HIP aber nicht OPI gespielt, professionell. Ich möchte hier vor apodiktischen Feststellungen warnen!


    Grundsätzlich gilt: wir müssen einsehen, dass der historische Klang verloren ist! Das liegt an den Rahmenbedingungen wie Wissen um Musizierpraxis, Instrumente, Aufführungsorte etc., vor allem aber auch an uns Menschen. Wir haben ganz andere Hörerfahrungen, empfinden z.B. Dissonanzen ganz anders als ein Mensch der Renaissance oder des Barocks - ganz zu schweigen vom Mittelalter. Dazu einfach eine simple Frage: Wieviele Menschen empfinden heute noch Terzen als dissonantes Intervall?

    Das heißt aber nicht, dass wir nicht versuchen können und sollten, Werkimmanentes zu heutigen Bedingungen hörbar zu machen, etwa die Wirkung von Dissonanzen. Dazu hilft enorm Wissen um Musizierpraxis der damaligen Zeit, das Musizieren auf der Entstehungszeit angenähertem Instrumentarium. Allerdings bedarf es auch der Einsicht, dass jede Aufführung von Musik zwangsläufig Interpretation ist, eine Übersetzung von Notentext in Klang zu Bedingungen im Hier und Jetzt.

  • Stravinsky ist nur auf dem deutschen Fagott wegen seiner hohen Lage unbeliebt, auf dem französischen Basson spielt es sich wie Butter. Im Grunde haben wir zwei verschiedene Instrumente vor uns.

    Handelt es sich dabei um einen regionalen bzw. nationalen Unterschied beim Fagott oder um einen historischen, ist also das französische Fagott ein Vorläufer des deutschen?


    Strawinsky hat annähernd sein gesamtes Orchesterwerk selbst dirigiert und auch eingespielt und zwar mehrfach und in den 60ern sogar in Stereo. Außerdem war er für sein loses Mundwerk bekannt (Vivaldi habe das gleiche Konzert an die 600 mal komponiert, es mache nichts aus, wenn man bei Schubert einschläft, wache man doch immer im Paradies auf.), das er auch bei Dirigenten zum Einsatz gebracht hat, die seine Werke seiner Meinung nach falsch dirigiert haben. Über Instrumente hat er aber nie ein Wort verloren. Auch nicht in den 60ern, wo er schon ein anerkannter Komponist war, dem namhafte Plattenfirmen die Möglichkeit boten, seine Werke selbst zu dirigieren und aufzunehmen.

    Das französische Basson ist zeitgleich mit dem deutschen Fagott. Inzwischen hat sich aber die deutsche Bauform deutlich durchgesetzt. Beide Instrumente parallel ist eine Katastrophe, es mischt sich nicht, es ist unglaublich schwierig zu intonieren, etc. Auch in den 60ern war das französische Basson eigentlich nur noch in Frankreich gebräuchlich. Wenn ich die Stravinsky-Box richtig in Erinnerung habe, dann sind es hauptsächlich Amerikanische Orchester, sie ist ja auch für CBS, meine ich, entstanden. Ob da Stravinsky wirklich jedes Orchester hätte haben können, will ich mal dahingestellt lassen. Ist aber auch nicht entscheidend.

    Es bedarf sicher auch noch einiger Recherche und wissenschaftlicher Arbeit zum Thema HIP und OPI im 20. Jahrhundert. Die Frage ist, wie wichtig Komponisten „die stilechte Aufführung“ ihrer Werke war. Ich habe den Begriff mit Absicht in Anführungszeichen gesetzt.

    Für mich bedarf es bei Musik vergangener Epochen, und ja das ist auch das 20. Jahrhundert, immer der Überlegung, wie ich die Musik bestmöglich übersetzen, interpretieren kann. Und da spielt natürlich das Instrumentarium eine große Rolle. Hätte ich die freie Wahl, würde ich Stravinsky ganz sicher mit französischem Holz spielen, im Stimmton des frühen 20. Jh. (oft 438 Hz, nicht höher als 440 Hz), weil nach meinen Erfahrungen dann die Farben der Musik am meisten zu Leuchten beginnen. Dass aber ist meine persönliche Insterpretationsentscheidung, vielleicht entspricht es ja gar nicht dem, was Stravinsky wollte?

  • Grundsätzlich gilt: wir müssen einsehen, dass der historische Klang verloren ist! Das liegt an den Rahmenbedingungen wie Wissen um Musizierpraxis, Instrumente, Aufführungsorte etc., vor allem aber auch an uns Menschen.

    Darum ist für ich das 20. Jhdt. so spannend, weil ich es ja zu einem guten Drittel unmittelbar erlebt habe (mittelbar sogar komplett, weil ich noch genügend Menschen gekannt habe, die vor 1900 zur Welt gekommen sind.). Und der Klang ist auch noch da, in den immer noch existierenden und teilweise gespielten Instrumenten, in den z. T. noch lebenden Musikern und natürlich in den Tonträgern, auf denen so manche Uraufführung konserviert worden ist.


    Dazu folgende Frage: wie lange ist die Lebensdauer eines Orchesterinstrumentes jetzt, wie lange war sie früher?

  • Die Frage ist, wie wichtig Komponisten „die stilechte Aufführung“ ihrer Werke war. Ich habe den Begriff mit Absicht in Anführungszeichen gesetzt.

    Um bei Strawinsky zu bleiben, der hat ja mit dem Columbia Orchester und dem ein oder anderen Spezialensemble aus dessen Reihen über mehrere Jahre hin fast sein ganzes Orchesterwerk noch einmal in Stereo eingespielt, manche Sachen mehrfach und in unterschiedlichen Versionen, so dass die Stilfrage bei Strawinsky geklärt sein dürfte. Wie weit das jedoch verbindlich war bzw. ist, das steht auf einem anderen Blatt.

  • Ich möchte noch einmal vor apodiktische Feststellungen warnen! Wenn ich die Einspielungen für CBS von Stravinsky richtig in Erinnerung habe (es ist immerhin sicher mehr als zehn Jahre her, dass ich sie intensiv gehört habe) dann unterscheiden Sie sich doch deutlich von seinen frühen Einspielungen. Dann muss man schon die Frage stellen, was ist denn nun stilecht?

    Dann würde ich gerne noch die Frage aufwerfen: gibt es CBS Einspielung aus dieser Zeit mit europäischen Orchestern? Oder hat man nur die eigenen beziehungsweise die amerikanischen Orchester unter Vertrag genommen? Daraus abgeleitet: Strawinsky wirklich die Wahl?

    So ließen sich noch viele Fragen zur Thematik finden, wie ich finde.

    Aber noch einmal: Musik des ersten Drittel des 20. Jahrhunderts aufgeführt mit einem Orchester der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist in meinen Augen ganz sicher nicht OPI. Dazu gibt es zu viele Veränderungen im Instrumentarium. Nicht zuletzt auch die Tatsache, dass das Stimmton deutlich nach oben geht, gerade bei Amerikanischen Orchestern.

    Soviel zu den Fakten! Ob nun OPI das einzige Kriterium oder das wichtigste Kriterium ist, um eine Interpretation zu beurteilen? Ich will aus ganzem Herzen verneinen. Auch wenn für mich die Frage nach OPI eine äußerst wichtige ist, eben weil sie entscheidende Bedeutung und entscheidenden Einfluss auf die Interpretation hat.

  • Aber noch einmal: Musik des ersten Drittel des 20. Jahrhunderts aufgeführt mit einem Orchester der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist in meinen Augen ganz sicher nicht OPI. Dazu gibt es zu viele Veränderungen im Instrumentarium. Nicht zuletzt auch die Tatsache, dass das Stimmton deutlich nach oben geht, gerade bei Amerikanischen Orchestern.

    Auch hier stellt sich wieder die Frage: sind das nationale Unterschiede oder sind es technische?

    Wie langlebig sind Orchesterinstrumente? Wie schnell werden Neuerungen umgesetzt? Wie viele Instrumente aus dem ersten Drittel des 20. Jhdt waren noch nach dem WK2 im Einsatz? Wie viele sind jetzt noch im Einsatz?

    Wenn es Unterschiede gibt, dann ist das eher nationalen Gepflogenheiten und der Spielweise einzelner Instrumente geschuldet, denn dem Instrument als solchem.

    Wenn ich die Einspielungen für CBS von Stravinsky richtig in Erinnerung habe (es ist immerhin sicher mehr als zehn Jahre her, dass ich sie intensiv gehört habe) dann unterscheiden Sie sich doch deutlich von seinen frühen Einspielungen. Dann muss man schon die Frage stellen, was ist denn nun stilecht?

    Diese Unterschiede dürften primär der Interpretation geschuldet sein, vielleicht noch der Aufnahmetechnik und seltenst den spielenden Musikern. Von Händels Messias gibt es doch auch keine endgültige Fassung des Messias sondern ca. 10 Stück, die man auch noch mischen kann. Und trotzdem bleibt es Barockmusik. Und Beethoven hat in seinen späten Jahren für sein 2. Klavierkonzert ebenfalls Kadenzen geschrieben, die eindeutig später Beethoven sind. Und erst Bruckner. Die Wiener Fassung seiner ersten Sinfonie aus den frühen 1880ern ist doch schon fast eine Neukomposition mit Material eines frühen Werkes im Spätstil.

    Ob nun OPI das einzige Kriterium oder das wichtigste Kriterium ist, um eine Interpretation zu beurteilen? Ich will aus ganzem Herzen verneinen. Auch wenn für mich die Frage nach OPI eine äußerst wichtige ist, eben weil sie entscheidende Bedeutung und entscheidenden Einfluss auf die Interpretation hat.

    Absolut d'accord! :)

  • Aber noch einmal: Musik des ersten Drittel des 20. Jahrhunderts aufgeführt mit einem Orchester der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist in meinen Augen ganz sicher nicht OPI. Dazu gibt es zu viele Veränderungen im Instrumentarium. Nicht zuletzt auch die Tatsache, dass das Stimmton deutlich nach oben geht, gerade bei Amerikanischen Orchestern.

    Auch hier stellt sich wieder die Frage: sind das nationale Unterschiede oder sind es technische?

    Wie langlebig sind Orchesterinstrumente? Wie schnell werden Neuerungen umgesetzt? Wie viele Instrumente aus dem ersten Drittel des 20. Jhdt waren noch nach dem WK2 im Einsatz? Wie viele sind jetzt noch im Einsatz?

    Das ist nicht ganz korrekt. Holzblasinstrumente lassen sich einem gestiegenen Stimmton nur bedingt anpassen. Bautechnisches Veränderungen bedingen klangliche Veränderungen … Gerade ab den 50er Jahren war der Wechsel in den Holzbläsern relativ stark, jedenfalls nach meinem Wissen und meinem Eindruck. Heute sind Fagotte des ersten Drittels des 20. Jh nicht mehr in professionellen Orchestern verwendbar, da meist bei 442 Hz Schluß ist, und das auch nur mit Mühe erreichbar ist. 442 Hz ist heute aber am unteren Ende des Standards. Außerdem hart sich auch die Mechanik und die Anzahl der Klappen weiterentwickelt. Schon Musik der 60er-Jahre ist auf vielen Instrumenten der 20er-Jahre nicht mehr oder nicht mehr gut spielbar.

    Ich wage die Aussage, dass kein Holzblasinstrument des frühen 20. Jahrhunderts ohne gravierende klangverändernde Umbauten heut mehr in einem professionellen Orchester in Gebrauch ist.

    Davon abgesehen verändert bereits das Anheben des Stimmtons von 438 HZ in die Region von 445 Hz das Klangbild von Instrumenten und damit von Orchestern.

  • Wenn ich die Einspielungen für CBS von Stravinsky richtig in Erinnerung habe (es ist immerhin sicher mehr als zehn Jahre her, dass ich sie intensiv gehört habe) dann unterscheiden Sie sich doch deutlich von seinen frühen Einspielungen. Dann muss man schon die Frage stellen, was ist denn nun stilecht?

    Diese Unterschiede dürften primär der Interpretation geschuldet sein, vielleicht noch der Aufnahmetechnik und seltenst den spielenden Musikern. Von Händels Messias gibt es doch auch keine endgültige Fassung des Messias sondern ca. 10 Stück, die man auch noch mischen kann. Und trotzdem bleibt es Barockmusik. Und Beethoven hat in seinen späten Jahren für sein 2. Klavierkonzert ebenfalls Kadenzen geschrieben, die eindeutig später Beethoven sind. Und erst Bruckner. Die Wiener Fassung seiner ersten Sinfonie aus den frühen 1880ern ist doch schon fast eine Neukomposition mit Material eines frühen Werkes im Spätstil.

    Auch die Stilistik bei Musikern hat sich verändert neben dem Instrumentarium und dem Stimmton. Bei den Geigern kamen irgendwann z.B: portamenti außer Mode dafür ein viel größeres und schnelleres Vibrato. Auch setzt nach dem 2.Wk eine viel stärkere globalisierte Standardisierung es Orchesterklanges ein, Orchester verlieren zusehends „ihren“ Klang. Das liegt auch grundlegend an verwendeten Instrumenten.

    Darüber hinaus würde ich Werkfassung nicht mit Interpretationen gleichsetzen. Und natürlich gibt es stilistische kompositorische Unterschiede in den Fassungen das Messiah, in den verschiedenen Fassungen einer Bruckner-Sinfonie oder auch in nachkomponierten Kadenzen, stammen sie auch vom Komponisten selbst. Vielleicht sollten wir generell mal die Frage nach stilecht stellen! Das ist ein sehr komplexes Feld, das meist aus der falschen, nämlich einer retrospektiven Sicht gestellt wird. Ich kenne so viele „stilistische eindeutige“ Werkzuschreibungen zu Komponisten, die später wieder kassiert werden musste, dass ich da auch als Musikwissenschaftler sehr skeptisch geworden bin.

  • Wenn es Unterschiede gibt, dann ist das eher nationalen Gepflogenheiten und der Spielweise einzelner Instrumente geschuldet, denn dem Instrument als solchem.

    Das ist schlicht ergreifend falsch: als professioneller „moderner“ Fagottist bin genauso wenig aus dem Stande in der Lage ein französisches Basson zu spielen wie ein Barockfagott oder einen Dulzian. Auf all diesen Isntrumenten muß ich mich erst einarbeiten, bevor ich professionelles Spiel anbieten kann.

    Auch ein Hornist muß erst sich dem WIener Horn vertraut machen, ebenso ein Obosit mit der Wiener Oboe. Ich benötige bei allen Instrumenten eine modifizierte Spieltechnik, weil das Instrument sie einfordert, die gewohnte Spieltechnik wird nicht funktionieren!

  • Das ist schlicht ergreifend falsch: als professioneller „moderner“ Fagottist bin genauso wenig aus dem Stande in der Lage ein französisches Basson zu spielen wie ein Barockfagott oder einen Dulzian.

    Ich bin bei dieser Aussage davon ausgegangen, dass in französischen Orchestern noch französische Fagotte gespielt werden. Sollte das er Fall sein, wäre es nicht opi, sonder ein modernes Instrument und nationale Besonderheit.

    Dass Unterschiede zwischen französischen und deutschen Fagotten bestehen, hab ich nie abgestritten

  • Darüber hinaus würde ich Werkfassung nicht mit Interpretationen gleichsetzen.

    Ich weiß nicht, wie weit Strawinsky vor Aufführung eines seiner Werke durch ihn persönlich an selbigem noch einmal Veränderungen vorgenommen hat. Mahler hat es beispielsweise gemacht und das Ergebnis ist dann strenggenommen eine eigene Fassung.

    Und um die Interpretation hab ich bis jetzt eigentlich einen Bogen gemacht, weil imo eine gut Interpretation so nah wie möglich an der Musik dranbleibt und möglichst viel Aspekte aus ihr rausholt und nicht die Musik als Vehikel zur Darstellung des eigenen Könnens missbraucht. Ein gewisses Indiz dafür ist immer, wenn auf dem Platten-Cover der Name des Interpreten größer abgedruckt ist, als der des Komponisten.

  • Und um die Interpretation hab ich bis jetzt eigentlich einen Bogen gemacht, weil imo eine gut Interpretation so nah wie möglich an der Musik dranbleibt und möglichst viel Aspekte aus ihr rausholt und nicht die Musik als Vehikel zur Darstellung des eigenen Könnens missbraucht. Ein gewisses Indiz dafür ist immer, wenn auf dem Platten-Cover der Name des Interpreten größer abgedruckt ist, als der des Komponisten.

    Ich bitte dich - für dieses Indiz gibt es keine ernstzunehmende Kausalität.

  • Ich bitte dich - für dieses Indiz gibt es keine ernstzunehmende Kausalität.

    CDs mit Lang Lang, Vanessa Mae, Nigel Kennedy, David Garrett, Alexander Rybak und, und, und.

    Ich könnte jetzt keine einzige Interpretation dieser Herrschaften nennen, die sich durch eine besonderen Verdienst für das gespielte Werk auszeichnen würde. Meiner Meinung nach stammen diese Herrschaften alle aus der Pop-Abteilung der Klassik und liefern wenn man Glück hat wenigstens noch virtuose Leistungen ab.


    Siegfried

  • Ich könnte jetzt keine einzige Interpretation dieser Herrschaften nennen, die sich durch eine besonderen Verdienst für das gespielte Werk auszeichnen würde. Meiner Meinung nach stammen diese Herrschaften alle aus der Pop-Abteilung der Klassik und liefern wenn man Glück hat wenigstens noch virtuose Leistungen ab.

    Was soll das denn beweisen? Es ist doch sehr viel Subjektivität dabei, wenn man Interpretationen beurteilen will.