02 - Sinfonie Nr. 4 A-Dur op. 90: Einspielungen (opi)

  • Ben Mendels 4te (eigentlich 3tte) war zwar mein Erstkontakt mit der Musik dieses Komponisten, richtig begeistern konnte mich dieses - so drückte ich es damals aus - "abgenudelte Stück" jedenfalls nie. Und als "italienisch" empfand ich sie auch nie... Das hat sich spontan mit der neuen Einspielung durch Bruno Weil mit seinem Tafelmusik-Baroque-Orchester geändert:



    Die Live-Aufnahme aus 2012 begeistert mich: sehr schöne Celli und Clarinetten sind zu hören, auch "das Land, wo die Citronen blühn" sehe ich inzwischen hörender Weise von meinem inneren Auge. Die Sinfonie ist gekoppelt mit einer ebenso exquisiten Einspielung unserer Haus-Sinfonie, der "Eroica" Ludwig van Beethovens. In beiden Werken atmet in dieser Interpretation m.E. derselbe Geist: die anheimelnde Lyrik und die feurige grenzenlose Freude, aber auch Melancholie und Wehmut.


    Sobald ich Zeit finde, werde ich mich näher mit den Sinfonien Mendelssohns befassen und auch zu dieser Einspielung und anderen etwas verlautbaren lassen.


    :wink:

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)

  • Nachdem bereits die Aufnahme von Dvořáks 9. Sinfonie mit der Chambre Philharmonique und Emmanuel Krivine am Pult äußerst überzeugt (bzw. einen als Hörer völlig platt gemacht) hat, habe ich nun auf Ullis Hinweis hin diese Aufnahme von Mendelssohns vierter=dritter Sinfonie (welche auch noch die fünfte=zweite Sinfonie beeinhaltet) in Ohrenschein genommen.


    Es ist nach dem ersten Hören schwierig zu sagen, in welchem Verhältnis sie zur weiter oben genannten Aufnahme von Bruno Weil steht, jedenfalls ist sie aber ebenfalls äußerst gut: Rhythmisch sehr präzise, mit tollen Bläsern und die verschiedenen Klangfarben der Harmonien kommen sehr schön, mit etwas schlankerem und (stellenweise) leicht weniger schroffen Klang als bei Weil zur Geltung (was nicht heißen soll, dass die Aufnahme keinen Biss hätte)! Die Tempi im ersten und letzten Satz sind (noch) etwas schneller als bei Weil.


    Auf jeden Fall sehr empfehlenswert!



    Orchester: La Chambre Philharmonique
    Leitung: Emmanuel Krivine


    :wink:

    "erhaben, schön, alles was sie wollen – allein – zu übertrieben schwülstig für meine feinen ohren"
    W. A. Mozart (28.12.1782)


  • (P) 2007 Naïve V5069 [27:52]
    rec. Juli 2006 (Salle Liebermann, Opéra Bastille/Paris)


    La Chambre Philharmonique
    D: Emmanuel Krivine


    Ja, das ist schon sehr lebendig, was man hört: ein flottes Tempo, ein lebendiger Duktus, eine klare Detailliertheit, eine schlanke Klanglichkeit. Nicht, daß diese Symphonie generell gestelzt oder lahm interpretiert wird, aber Krivine wischt jede noch so wuchtige Tradition mit einem nassen Feudel weg und schreibt mal eben etwas Neues an die Tafel der Konvention. Ich konnte es sogar lesen - da steht: Lebensfreude.


    Man merkt tatsächlich eine Musizierfreude, die das ganze Orchester erfaßt und mühelos die Vorgaben Krivines umsetzt; ich glaube nichtmal, daß er überhaupt groß diskutieren mußte, um diese Kraft zu erschließen. Da wird ein Sog entwickelt, der sofort die ganze Interpretation einnimmt und sie nicht mehr freigibt, bis zur letzten Note nicht mehr. Am Ende ist man geplättet ob der dennoch vorhandenen Sorgfalt in Umgang mit den klanglichen Details und einer austarierten Abstimmung aller Instrumentgruppen, ob eines kraftvollen Gestus und der handwerklichen Präzision des Spiels. Billy Wilder hatte für solche geglückten künstlerischen Augenblicke ein feines Bonmot übrig: "To catch a lightning in a bottle". So ist es auch hier.


    Traumhaft... :jubel::jubel::jubel::jubel::jubel: