des Lullisten Favoriten

  • Salve,


    Ein paar Worte vorweg:


    Seit meinem 14. Lebensjahr beschäftige ich mich intensiv mit barocker Musik. Insbesondere Orchesterwerke und Barockoper. Klassische Musik gehörte aber schon immer zu meinem Leben, so hatte meine Mutter in ihrer Schwangerschaft auch stets klassische Musik gehört. Mein erstes bewusstes Erlebnis war eine alte Singel mit Mozarts "kleiner Nachtmusik" unter Karl Böhm, die ich als etwa Fünfjähriger im Plattenschrank meiner Eltern entdeckte.


    Mein Lieblingsgebiet wurde die höfische Musik und die Barockoper, besonders jene für den frz. Hof zu Zeiten des Sonnenkönigs und seiner Nachfolger: Lully, Delalande, Rameau sind die großen Namen.


    Der Nick "der Lullist" bezieht sich auch auf die vehementen Verfechter der Kunst Lullys....sie bezeichneten sich selbst als "Lullisten". Allerdings nannten sich so auch die Anhänger des Ramon Llull, einem katalanischen Philosophen des Mittelalters, was eine durchaus nette Doppeldeutigkeit beinhaltet.


    Die von mir vorgestellten Aufnahmen sind zum einen meine persönlichen Lieblings-CDs, zum anderen sind sie aber sicherlich auch ein guter Leitfaden durch die Musik des 17. und 18. Jahrhunderts mit all ihren Ausprägungen. Mein musiklaisches Interesse endet mit der Ära Schubert und Beethoven, d.h. das Hauptgewicht aller hier vorgestellten Aufnahmen wird Musik vor 1830 sein.


    Ich bin ein großer Befürworter der "Historisch informierten Auführungspraxis" (HIP), d.h. alte Instrumente , bzw. Kopien und ganz besonders alte Spieltechniken. Für mich ist das aber kein Dogma - in erster Linie zählt die Musikalität, nicht die Prinzipienreiterei. Ich liebe z.B. auch die vielen älteren Aufnahmen aus den 60er und 70er Jahren mit Dirigenten wie Karl Richter, Raymond Leppard, Jean François Paillard u.v.a. diese Aufnahmen werden auch hier auftauchen.
    Da kann es durchaus auch mal sein, dass bei meinen hier aufgeführten Lieblingsaufnahmen auch LPs genannt werden (falls die Musikaufnahme nicht auf CD veröffentlicht wurde).
    In der Regel sind es aber meist aktuelle Aufnahmen die auch noch erhältlich sind.


    Meine Lieblingsdirigenten der HIP Szene:


    René Jacobs
    Jordi Savall
    William Chrsitie
    Hugo Reyne
    Christophe Rousset
    Christopher Hogwood
    Nicholas McGeegan
    und viele andere



    Viel Spaß beim Schmöckern und Entdecken :wink:

  • Zwar sind solche Programme immer Ansichtssache und müssen sich den Vorwurf der Beliebigkeit gefallen lassen, doch 2 Dinge sollte man wissen:


    1. Es war schon im Barock üblich, solche Programme als Konzert zu veranstalten. Nach einer vollständigen Aufführung blieben oftmals nur einzelne Musikstücke im Programm.


    2. Schnell wird man feststellen, dass es manchmal einfach nicht möglich ist, komplette Werke auf CD zu bekommen, und so bleibt einem nichts anderes übrig, als sich mit solchen Programmen anzufreunden... außerdem sind sie extrem kurzweilig.



    Baroque Favourites
    Werke von Händel, Bach, Vivaldi, Charpentier, Rameau, Muffat u.v.a.
    The Brandenburg Consort – Roy Goodman


    Diese CD erschien vor ein paar Jahren noch unter dem Titel “Rondeau Royaux” auf alten Instrumenten werden hier einige der heute beliebtesten Musikwerke des Barock gespielt: Charpentiers Prélude zum Te Deum, Bachs Air aus der Suite No. 3 und Pachelbels Canon in Originalbesetzung für 3 Violinen und Continuo. Doch den größten Teil der Aufnahme machen Werke aus, die vielleicht nicht ganz so geläufig sind. Komponisten wie Locke, Muffat, Gallo und Clarke treten neben die bekannten Namen Bach, Händel, Vivaldi, Telemann, Rameau und Purcell. Die Interpretation gefällt mir persönlich extrem gut, was zur Folge hat, dass ich diese eher „leichte“ CD immer wieder gerne höre. Und unbedingt empfehle.


    Wer es etwas informativer und tiefschürfender haben will, kommt um diese Box nicht herum:



    BAROQUE
    Eine 15-CD-Box des harmonia mundi france Katalogs mit so großen Dirigenten wie Rene Jacobs, William Christie, Hugo Reyne, Nicolas McGeegan, Chiara Banchini u.v.a


    Jede der 15 CDs ist chronologisch aufgebaut, was einem ungeahnte Einblicke in Entwicklung und Stilbildung verschafft. Das Booklett ist äußerst informativ – und auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft. Zu bemängel ist, dass es einige gravierende Repertoirelücken gibt, die einfach durch den Katalog des Labels zu erklären sind. So fehlt z.B. die Consortmusik, dass Ballet de Cour und die Scarlattis vollständig.


    Dennoch ist diese sehr liebevoll gestaltete Box sowohl für Anfänger als auch Fortgeschrittene bestimmt ein Vergnügen. Geschickt ist auch die 5er Aufteilung: 5 CDs mit geistlicher Voklamusik, 5 CDs mit weltlicher Vokalmusik und 5 CDs mit Instrumentalmusik.


    Hier die einzelnen CDs im Überlick:


    CD 1 : Das Madrigal – Ein großartiges Experemtierfeld
    Eine CD die einem garantiert Neues eröffnet, Komponisten wie Lassus, Caccini, Marenzio, Gesualdo, Monteverdi, Schütz und Cesti begegnen einem hier.


    CD 2 : Die Entstehung der Oper – von der Madrigalkomödie zur venezianischen Oper
    Hier werden die drei Opern Monteverdis in Auszügen vorgestellt, auch sein Lamento d’Arianna ist enthalten, daneben ist noch Cavalli (Giasone / La Calisto ) und Rossis "Orfeo" zu hören.


    CD 3 : England im 17. Jahrhundert – Song’s Masques und Opern
    Ein Teil ist dem Elizabethanischen Zeitalter gewidmet, Byrd, Thomkins und Dowland.
    Doch die Epoche James I. und Charles I. fehlt völlig auch die Musik zur Zeit Charles II. ist nicht vertreten.
    Weiter geht es erst mit der Epoche Blow / Purcell.


    CD 4 : Hundert Jahre französische Oper – Tragèdie Lyrique und Comèdie Ballett
    Aus den Opern Atys und Armide von Lully werden Auzüge zu Gehör gebracht, daneben finden noch Campra (Idomeneo) Charpentier (Médée) und Rameau (Castor & Pollux) Platz.
    Für das Comèdie-Ballett hat man Charpentier / Molière (der eingebildete Kranke) ausgesucht, für das Opera-Ballet Rameau (Les Indes Galantes) und für die spätere Opera Comique Dauvergne (Trouqueurs)
    Auch hier fehlt z.B. das Ballett de Cour vollständig... doch ist die Auswahl recht repräsentativ.


    CD 5 : Der Siegeszug der Opera Seria – Eine europäische Hegemonie
    Bei der Oper Seria ist fast auschlißlich Musik von Händel und Vivaldi enthalten. Andere Meister der Opera Seria sucht man hier vergebens, Hasse, Porpora, Jommelli, Scarlatti....Fehlanzeige.
    Aber mit den genialen Arien von Vivaldi und Händel wird man da gut entschädigt.


    CD 6 : Eine geistliche Musik neuen Stils – Messen und Motetten an der Wende zum 17. Jahrhundert
    Anhand dieser CD kann man den Umbruch um 1600 nachvollziehen. Von Lassus geht es über Monteverdi weiter zu Cavalli bis hin zu Schütz und Rosenmüller.


    CD 7 : Kantate und kleine Motette – das Europa der geistlichen Konzerte
    Kantaten von Monteverdi, Buxtehude, Purcell, Händel, Pergolesi, Vivaldi, Lully, Couperin und Delalande.
    Leider fehlen auch hier die Scarlattis wieder....


    CD 8 : Die große französische Motette – ein Jahrhundert geistliche Musik am französischen Hof.
    Die besondere Form der frz. Musik bekommt eine eigene CD geschenkt, sehr positiv:
    Große Motetten von Lully, Delalande, Charpentier (Te Deum) Campra und Rameau.


    CD 9 : Das goldenen Zeitalter des Oratoriums – die Dramatisierung der geistlichen Musik
    Auch hier eine sehr schöne chronologische Abfolge von Rossi über Schütz bis hin zu Caldara und Händel.
    Hier fehlen allerdings auch zwei wichtige Namen: Carissimi und wieder mal Scarlatti.


    CD 10 : Die geistliche Musik Johann Sebastian Bachs – Kantaten, Motetten, Oratorien und Passionen
    Hier braucht es wohl kaum mehr eine nähere Beschreibung, die Auswahl ist recht gut:
    Magnificat / Kantaten 21 , 78, 56, Trauer Ode / Motette „Komm, Jesu komm“ / Osteroratorium, Himmelfahrts Oratorium / Passionen (Johannes / Matthäus)
    Schade das Auszüge aus dem Weihnachtsoratorium und der Messe in h-moll fehlen...


    CD 11 : Die Verselbstständigung der Instrumentalmusik – die Entstehung eines instrumentalen Repertoires
    Hier geht es hauptsächlich um Musik für Soloinstrumente. Cembalo, Laute etc...
    Cembalowerke von Frescobaldi, Froberger, Louis und Francois Couperin, Rameau
    Lautenwerke von Kapsberger, Dowland, de Visée
    Na ja hier fehlen etliche der großen Cembalisten und Lautenmeister, aber dafür wären selbst 15 CD’s zu wenig....


    CD 12 : Die Kammermusik – Die Vereinheitlichung der Formen und ihre Besetzungsvarianten
    Von den ersten Sonaten über die kunstvollen Kompositionen eines Biber und Corelli bis hin zu den Werken von Marais, Vivaldi und Händel.


    CD 13 : Die Entstehung des Orchesters – die Begriffsbildung, Suite und Sinfonie
    Sehr anschaulich der Weg von den ersten Sinfonias der Opern Monteverdis über die strengen Orchesterwerke Lullys und Delalandes, dann die berühmten Musiken von Bach und Händel bis zu den ersten Sinfonien die auf die Mannheimer Schule hinweisen.


    CD 14 : Das Konzert – Concerto Grosso und Solokonzert
    Hier kommen nun endlich Corelli, Muffat, Händel und Vivaldi zum Zug.


    CD 15 : Die Besonderheiten der deutschen Instrumentalmusik – Protestantismus und kontrapunktische Tradition
    Hier wird noch mal auf die Extravaganzen der deutschen Musiker eingegangen, Orgelwerke, Kammermusik und Cembalowerke von Bach, Biber, Buxtehude, Pachelbel....



    Fazit: umfassender wird man so etwas nicht noch mal finden, leider gibt es ein paar unschöne Lücken im Repertoire (die wohl mittlerweile im Katalog geschlossen wurden, zumindest was Scarlatti angeht...) Die Interpretationen sind durchweg großartig, man hat fast nur prämierte Einspielungen ausgesucht. Die Bandbreite ist enorm und so kann sich jeder, der Interesse hat, dieses Repertoire erschließen und einen Eindruck von den jeweiligen Musikformen des Zeitraumes 1570 - 1750 bekommen.
    Mir hat diese Sammlung sehr viel Freude bereitet und manch einen Kauf provoziert. Musikgeschichte in bester unterhaltsamer Form!






    Lumieres - die Musik des 18. Jahrhunderts


    Eine Box mit 29 CDs die sich der Musik des 18. Jahrhunderts widmet.
    Detaillierte Auflistung der einzelnen Aufnahmen folgt.

  • Die Musik Bachs steht zwar nicht im Fokus meines Interesses, aber ab und zu versenke ich mich doch in seine Klänge. Ich habe hier einige Aufnahmen ausgesucht - hauptsächlich das Standardrepertoire in Aufnahmen, die für wirklich etwas besonderes sind.


    Die Brandenburgischen Konzerte


    Da dies wohl die bekanntesten Werke Bachs sein dürften, sind auch die Einspielungen mehr zahlreich als gut. Ich habe lange nicht alle Einspielungen gehört, in meinem Bestand befinden sich insgesamt 13 Gesamtaufnahmen. Zwei Aufnahmen habe ich daher ausgesucht, die ganz besonders gut gelungen sind:



    Tafelmusik - Jeanne Lamon
    Concerto Italiano - Rinaldo Alessandrini


    Beide Aufnahmen wurden nach ihrem Erscheinen auch von der Zeitung "Fono Forum" als beste derzeitige Aufnahme gepriesen. Grundsätzlich macht man mit diesen Aufnahmen aber nichts verkehrt!


    Das Tafelmusik Barockensemble legt eine Aufnahme ohne nervige Extravaganzen vor, sauber musiziert, keine gehetzten Tempi wie z.B. bei der Musica Antiqua Köln, für mich immer noch die beste Aufnahme, die bisher gemacht wurde. Das Ensemble zeigt sich besonders geeignet für den "Mainstream-Barock". Da sind sie sogar solchen Orchestern wie "Le Concert des Nations / Savall" und "L' Giardino Armonico" weit überlegen.


    Alessandrini ist natürlich etwas extravaganter, ohne dabei ins nervige abzutriften. Mit einigen Alternativ-Versionen zum 5. Konzert und der Sinfonia aus der Kantate BWV 174, die als Vorbild für das dritte Konzert diente, ist die Aufnahme schon mal sehr interessant. Letztlich ist es aber die spritzige und kontrastreiche Interpretation, die sofort einnimt. Schon bei den ersten Klängen des ersten Konzerts, hat man ein "Wow-Erlebnis".


    Die 4 Orchestersuiten


    Von den Orchestersuiten habe ich 9 verschiedene Aufnahmen, und nach wie vor ist es die Aufnahme mir Roy Goodman die mich fasziniert:



    The Brandenburg Consort - Roy Goodman


    Prächtiger Orchesterklang, fein abgestimmte Tempi, eine wunderbar präsente Theorbe und eine sehr geschmackvolle Gestaltung machen die Interpretation für mich zur Referenz. Keine besonders bekannte Aufnahme, aber eine die, immer wieder aufs Neue fasziniert. Zur recht französisch geprägten Interpretation der Orchestersuiten gesellen sich auch noch einige Sinfonias. aus Kanaten hinzu.


    Weihnachtsoratorium


    Vom berühmten Weihnachtsoratorium möchte ich zwei Aufnahmen nennen.



    Akademie für Alte Musik - René Jacobs
    Münchner Bach Ensemble - Karl Richter


    Die Aufnahmen könnten nicht unterschiedlicher sein. Karl Richters Aufnahme ist mittlerweile ein Klassiker der Plattengeschichte und gehört einfach in jede Klassiksammlung. Natürlich ist man in Sachen Interpretation barocker Musik heute weiter - aber diese Aufnahme überzeugt, wie viele Aufnahmen jener Zeit, von einer sensationellen Musikalität, die heute allzuoft flöten geht.


    Jacobs legte mit seiner Aufnahme eine herrliche Interpretation vor, die ganz auf der Höhe der Zeit ist und mit wunderbaren Sängern wie Andreas Scholl oder Dorothea Röschmann aufwartet.


    Die h-moll Messe


    Auch hier zwei Aufnahmen:



    Amsterdam Barock Ensemble - Ton Koopman
    Balthasar neumann Ensemble - Hengelbrock


    Koopman gehört ohnehin zu meinen liebsten Bach-Interpreten, seine Version der h-moll Messe ist klangprächtig und mitreissend. Hengelbrock wählt eine solistische Besetzung, dadurch ist die Transparenz noch stärker und es entsteht eine bisher so nicht gehörte Dynamik. Absolut virtuos und begeisternd!


    Kantate BWV 21 - Ich hatte viel bekümmernis



    La Chapelle Royale - Herreweghe


    Die Bach-Aufnahmen von Herreweghe sind vielleicht die schönsten und ausgewogensten von allen aktuellen Interpretationen. Und Bachs monumentale Kantate BWV 21 ist in dieser Interpretation ein absolutes Muss. Howard Crook nimmt mit seiner wundervollen Stimme sofort ein, die Arie "Bäche von gesalznen Zähren" habe ich nie wieder so ergreifend gehört. Diese Aufnahme gehört zu den besten Bach Platten die ich kenne!

  • An erster Stelle müssen natürlich die Orchesterwerke Händels genannt werden.


    Die Wassermusik & Feuerwerksmsuik



    + Telemann 'Hamburger Ebb und Fluth'
    The King's Consort - Robert King


    Das King's Consort gehört zu den weltbesten Ensembles für alte Musik. Die Einspielungen, die sie von der Musik Händels und Purcells vorgelegt haben, sind kaum zu übertreffen. Zusätzlich ist hier noch die "Wassermusik" von Telemann aufgenommen.
    Bei der Feuerwerksmusik, die mit der originalen reinen Bläserbesetzung von 1749 aufwartet, kommen noch die Krönungsanthems hinzu. Absolut Phantastisch!


    Als Alternative, vor allem weil hier die Wassermusik auch mit Pauken gespielt wird und die Feuerwerksmusik in der Orchesterversion zu hören ist:



    Le Concert des Nations - Jordi Savall


    Eine rundum grandiose Aufnahme - mit dem typischen Savall Sound !





    Die Concerti Grossi Op.3 & 6
    The English Concert - Trevor Pinnock


    die Aufnahmen sind auch mittlerweile in recht günstigen Boxen erhältliche.
    Für mich sind diese Aufnahme einfach unerreicht - es wird mit der nötigen Eleganz gespielt, ohne die Werke gegen den Strich zu bürsten (haben sie schlicht nicht nötig).
    Wer die Concerti nur im Sound von slawischen Kammerorchestern kennt, wird auch hier sein blaues Wunder erleben. Nonvibrato, klarer Klang, sehr präsent und herrlöich gestaltet: einfach großartige barocke Orchestermusik.
    (In der Box enthalten sind noch weitere sehr gute Aufnahmen, damit macht man sicher nichts falsch).




    Die drei wichtigsten Opern



    RINALDO (1711)
    Freiburger Barockorchester - René Jacobs


    Händels erster großer Opernerfolg in London: diese Oper ist ein Muss, allein schon wegen der Interpretation von Jacobs. Er macht aus diesem Werk wirklich eine Zauberoper. Mit Vivica Genaux in der Titelrolle hat er die wohl beste Sängerin für dieses Repertoire bekommen. Wenn man eine Oper von Händel haben sollte dann diese! Eine solch phantasievolle Aufnahme wird man lange suchen müssen.



    GIULIO CESARE (1726)
    Concerto Köln - René Jacobs


    Giulio Cesare war Händel erfolgreichste Oper zu Lebzeiten, sie wurde sogar ins Deutsche übertragen um am Hamburger Opernhaus mit diversen Änderungen von Telemann aufgeführt zu werden.
    Es gibt noch eine weitere sehr gute (und eine Menge nicht so guter) Gesamtaufnahmen von diesem Hauptwerk der Barockoper:
    Jean Claude Malgoire mit der Grande Ecurie et la Chambre du Roy
    Wenn man diese Oper liebt, wird man sich auch diese Aufnahmen zulegen - oder sollte es zumindest. Malgoire überzeugt durch einen sehr feinen Klang und als Cesare hat er James Bowman - auch wenn Countertenöre niemals in einer Opera Seria mitsangen, so passt diese Stimme, trotzt ihrer hohen Stimme, besser zu der Rolle des Cesare.



    Und natürlich darf Händels schönste Oper nicht fehlen:



    ALCINA (1735)
    City of London Sinfonietta - Hickox


    Eine schon fast klassische Aufnahme, und nie war diese Oper schöner besetzt und besser interpretiert:


    Alcina: Arleen Auger
    Morgana: Eiddwen Harrhy
    Ruggiero: Della Jones
    Bradamante: Kathleen Kuhlmann
    Oberto: Patrizia Kwella
    Oronte: Maldwyn Davies
    Melisso: John Tomlinson


    Opera Stage Chorus - City of London Baroque Sinfonia, Hickox 1986


    Diese Aufnahme ist damals nur auf LP erschienen und erst vor einigen Wochen auf CD wiederveröffentlicht worden. Sie ist der Aufnahme von Christie im jeden Fall vorzuziehen, und auch allen anderen, die es so gibt... ( :rolleyes: ). Ein ganz wichtiges Faktum ist sicherlich, dass dies bisher die einzige vollständige Aufnahme ist, sowohl bei der alten Aufnahme von Bonynge als auch bei der jüngeren von Christie fehlen etliche Arien, Ballette und Chöre. Die Sänger sind meines Erachtens bestens für ihre Rollen geeignet. In fast exakter Besetzung hatte ich die Oper vor gut 15 Jahren zum ersten mal gesehen - das prägt :D


    Erzählt wird die amüsante Geschichte der Zauerin Alcina, die ahnungslose Männer auf ihre Insel lockt, sie dann verführt und nachdem sie das Interesse verloren hat, ihre abgelegten Liebhaber in Tiere, Bäume oder Felsen verwandelt - die Insel ist übersäht davon... Ruggiero ist ebenfalls dort gestrandet, seine Freundin Bradamante macht sich daraufhin mit Ruggieros Lehrer Melisso ebenfalls auf, um ihn zu retten. Da aber Frauen auf der Insel nicht gerne gesehen sind, verkleidet sie sich als Mann und gibt sich als "Ricciardo" aus. Morgana, Alcinas Schwester, die eigentlich die Perle von Oronte, dem Hauptmann der Wachen Alcinas ist, verliebt sich in den schönen Ruggiero, der deswegen verständlicher Weise wenig erfreut ist. So gehen die Verzwickungen und Eifersüchtelein gute 2 Stunden weiter, bis man endlich zu dem Übergeht, weshalb man erst auf die Insel gekommen ist - die Befreiung der Verzauberten. Die Geschichte ist im gleichen Maße unglaubwürdig wie unterhaltsam, eine typische Barockoper und mit Sicherheit Händels genialstes Werk. Gewissermaßen versucht er hier auch eine sensible Synthese zwischen Opera Seria und Tragèdie Lyrique, in keiner anderen Oper gibt es soviel Ballett und Chöre.


    Die Interpretation ist hervorragend, die Sänger sind ein Traum, die Chöre sind fesselnd und auch die Ballette sind exzellent musiziert. Leider ist die Edition etwas spartanisch, die Oper kommt in einer sehr schlanken Pappbox, die einzelnen CD's sind in Papphüllen und das Booklett ist recht knapp. Aber das kann die Freude über diese äußert wichtige und gelungene Wiederveröffentlichung kaum trüben!

  • Eine Auswahl an wunderbaren Aufnahmen von Vivaldis Musik stelle ich hiermit vor:



    Die 4 Jahreszeiten
    Il Giardino Armonico


    Die 4 Jahreszeiten gelten als ziemlich totgespielt, kaum ein anderes Werk wurde so oft auf CD gebannt wie diese 4 Konzerte. Doch "Il Giardino Armonico" schaffen es, das Werk mit neuem Leben zu erfüllen. Die Einspielung wurde von der Fachpresse bejubelt und ich war und bin immer noch begeistert. Auch die anderen Einspielungen des Ensembles mit Musik Vivaldis sind absolut zu empfehlen, so gibt es eine 10 CD Box mit Kammermusik und Konzerten, die 4 Jahreszeiten sind da auch enthalten. Die Effekte nutzen sich nicht ab, und es ist jedesmal spannend, diese Interpretation zu genießen.



    Stabat Mater
    Andreas Scholl - Ensemble 415


    Das wohl schönste geistliche Werk Vivaldis.
    Andreas Scholl ist hier der Solist, nebem dem Stabat Mater kommen noch weitere kleinere Werke zu Gehör, die auch sehr hörenswert sind. Eine meiner liebsten Vivaldi Aufnahmen!



    Complete Sacred Music
    The King's Consort - Robert King


    Ein ziemlicher Klotz mit 10 CDs , die aber wirklich hervorragende Musik bieten. Vivaldi scheint sich bei seinen sakralen Werken mehr Mühe gegeben zu haben, keine einzige CD ist irgendwie langweilig oder schlecht gemacht. Das Orchester, der Chor die Solisten, alles wunderbar. Solche genialen Produktionen sollte es öfters geben. Diese Box ist für mich ein absoluter Schatz. Neben den Kantaten, Psalmen und Motetten ist auch das Oratorium "Juditha triumphans" dabei - ein wares Fest.



    La Senna Festiggiante
    The King's Consort - Robert King


    Diese Serenade wurde vom frz. Botschafter in Venedig in Auftrag gegeben. Formal gesehen eine Opera seria - doch wohl eines der qualitativ besten Werke Vivaldis. Zwischendurch versucht er sich sogar an den frz. Stil anzulehnen. Der Anlaß zu diesem Werk war kein geringerer als die Hochzeit Louis XV. von Frankreich mit der polnischen Infantin. Ein wirkliches Meisterwerk! Eine Aufnahme, die man sich nicht entgehen lassen sollte.



    Opernarien & Sinfonias
    Emma Kirkby - The Brandenburg Consort - Goodman


    Eine herrliche Auswahl mit virtuosen Opernarien aus dem Schaffen Vivaldis. Emma Kirkbys federleichte Stimme passt wunderbar zu den Stücken - einen schöneren Einstieg in die Opernwelt Vivaldis findet man nicht so schnell.

  • Arien der ital. Opera Seria des 18. Jahrhundert




    Arias for Farinelli
    Vivica Genaux – Akademie für Alte Musik – Berlin


    Großartigste Arien für den legendärsten Kastraten der Musikgeschichte.
    Ähnlich atemberaubend ist das Album von Cecilia Bartoli, das man ebenfalls unbedingt haben sollte:



    Sacrificium - Kastratenarien
    Cecilia Bartoli


    Auch hier sind hochvirtuose Kastratenarien zu hören.
    Einfach nur unglaublich von Cecilia Bartoli gesungen.
    Viele Arien sind auch hier Erstaufnahmen.


    und zwei Recitals mit Arien von Nicola Popora, dem Lehrer Farinellis:




    auch muss das Album "Lava" von Simone Kermes dabei sein:



    es darf auch nicht der Soundtrack zum Film fehlen, auch wenn hier die Stimme Farinellis am PC aus zwei Sängern zusammengemixt wurde



    obwohl die Stimme "nicht echt" ist, schlägt die Aufnahme trotzdem in den Bann, das ist sicherlich auch das Verdienst der Talens Lyriques unter Christophe Rousset.

  • Lully zum Kennenlernen:



    um auf den Geschmack seiner gigantischen Musik zu kommen gibt es einige hervorragende Aufnahmen mit Appetit-Häppchen:




    L'Orchestre du Roi Soleil
    Le Concert des Nations - J.Savall


    eigentlich ist der Titel der CD Etikettenschwindel, denn Savall, so schön diese CD auch ist, lässt mitnichten das Instrumentarium auffahren, dass damals zur Verfügung stand. Die Aufnahme stammt noch aus der Zeit, bevor die Forschungsstelle in Versailles die vergessenen und verlorenen Mittelstimmen-Streicher rekonstruierte, von den Bläsern gar nicht zu reden. Doch trotz diesem musikwissenschaftlichen Minus, haben wir hier einfach eine toll gemachte Interpretation fantastischer Musik!
    Ausgesucht wurde die Bühnenmusik zu Molières "Le Bourgeois Gentilhomme", dann eine Suite aus verschiedenen Werken (ebenfalls Bühnenmusiken zu Molières Komödien) und eine Suite aus der Tragèdie Lyrique "Alceste"




    Le Roi Danse (Filmmusik)
    Die Musik zum gleichnamigen Film von
    "Farinelli"-Regisseur Gerard Corbiau.
    Thema des Films: Die Freundschaft zwischen
    Ludwig XIV. und seinem Hofkomponisten
    Jean-Baptiste Lully.
    Musik von Jean-Baptiste Lully, Jacques
    Cordier, Michel Lambert, Robert Cambert
    Céline Scheen / Ex Tempore / Musica Antiqua Köln, Goebel


    Zwar darf man nicht vergessen, dass es sich hier um einen Soundtrack handelt, doch kann die Aufnahme durchaus auch ohne Bezug zum Film überzeugen.Die Interpretation ist stark von Corbiau (der Regisseur des Films) beeinflusst, also grundlegend anders als man es von Minkowski, Savall oder Reyne her kennt. Die Musik Lullys wird etwas ruppiger gespielt was an sich nicht schlecht ist. Im Grunde ist es vor allem die Zusammenstellung die fasziniert. So hat man einige der schönsten Melodien Lullys hier versammelt und viele Werke sind zum ersten mal aufgenommen worden.




    Divertissements de Versailles
    Les Arts Florissants - William Christie


    Wie man es von Christie gewohnt ist, bekommt man hier eine äußert geistreiche und bis ins kleinste Detail wunderbar interpretierte Aufnahme.
    Hier sind Vokalszenen aus den Ballets de Cour, den Comèdie-Ballets und den großen Tragèdie Lyriques zu hören.
    Wer nach dem Genuss dieser Aufnahme nicht von Lullys Musik und Tonsprache begeistert ist, wird es auch nicht mehr.



    Un Voyage au Coeur des Operas de Jean Baptiste Lully
    Musica Aeterna, Les Pages, les Chantress de la Chapelle et les Instrumentalistes de Versailles
    / Oliver Schneebeli


    eine weitere "Schnupper CD".
    Das ganze ist ein Mitschnitt eines Konzerts aus Versailles.
    Gewissermaßen stellte Schneebeli eine Mini Tragèdie Lyrique aus einigen berühmten Szenen Lullys zusammen.
    Große Passagen aus Isis werden vorgestellt, die Ouvertüre, der pompöse Prolog mit Paucken und Trompeten, der Chor der Zitternden sowie die Schmiede des Vulkan oder die Klage des Pan.
    Es folgt das Finale der Oper Amadis, die wunderschöne Chaconne. Der pompöse Combat aus Alceste und das amüsante Air der Medusa aus Persée.
    Beschlossen wird das Programm mit der berühmten Passacaille aus Armide.


    Eine wunderbare kurzweilige Aufnahme die auch noch am origanlen Schauplatz - der Manege der Grande Ecurie in Versailles - aufgenommen wurde.




    Comèdie Ballets
    Les Musiciens du Louvre


    Diese schon etwas ältere Aufnahme bietet einen breiten Überblick über die bemerkenswerte Zusammenarbeit zwischen Lully und Molière. Es werden aus fast alle sogenannten Comedie Ballets Auszüge vorgestellt. 3 dieser Szenen waren auch schon damals extremn populär, so dass Lully sie später für Arragments (Le Ballet des Ballets und die Pastorale Les Fêtes de l'amour et de Bacchus) wiederverwendete.
    Eine herausragende Aufnahme!




    Lully - Divertissements
    Guillmette Laurens - Capriccio Stravagante - Sempé


    Eine etwas ältere Aufnahme, von 1990.
    Madame Laurens - für mich die Perfekte Stimme für Lully - singt hier einige der schönsten Lamenti Lullys. Begleitet wird sie von dem Ensemble Capriccio Stravagante unter Sempé. Man hat sich für eine kammermusikalische Besetzung entschieden, auch um zu demonstrieren, wie Lully wahrscheinlich seine Musik für die privaten Konzerte und Gesellschaften Ludwig XIV arrangierte.
    Das Repertoire ist zudem sehr interessant, so werden Airs aus den Balletten der 1660er Jahre vorgetragen, dies ist sogar historisch belegt, dass der König in seinen letzten Lebensjahren die Musik seiner Jugend zu hören wünschte.
    Aber es gibt auch berühmte Szenen aus seinen späteren Bühnenwerken, wie der Monolog der Armide und die Passacaille.

  • Den Orchestersuiten des Barock gehört meine besondere Leidenschaft, sofern sie vornehmlich im Stile Lullys verfasst wurden.
    Eine französische Ouvertüre gefolgt von einer Reihe höfischer Tänze charakterisiert diese beliebte Form der musikalischen Unterhaltung.
    Die berühmtesten Werke dieser Art sind die 4 Orchestersuiten von Bach und Händels Wassermusik und Feuerwerksmusik.
    Doch gibt es eine ganze Anzahl großartiger Werke neben diesen berühmten Suiten:





    Johann Sigismund Kusser: Les Festin des Muses
    Aura Musicale



    Was für Werke ! Was für eine Interpretation !
    Kusser war einer jener jungen Komponisten deren Dienstherren es ihnen ermöglichten bei Lully in Paris zu studieren - und das hört man!
    Es gibt wohl kaum einen der "deutschen Lullisten" der den Stil des großen Lullys dermaßen perfekt adaptierte.
    Beide CDs sind einfach nur als 'geilomat' zu bezeichnen, es werden Orchestersuiten aus der Sammlung "Les Fetes des Muses" gespielt, Kusser schrieb noch weitere solcher Suitensammlungen (L'Apollon enjoue / Composition de Musique und La cicala della cetra d'eunomio)
    Es kommt viel Schlagwerk zum Einsatz, schon in den Ouvertüren, auch Pauken und Trompeten und zarte Blockflöten.
    Die Ouvertüren, Chaconnen, Menuette, Bourrées etc. hätte Lully kaum besser schreiben können - einfach herrlich.



    Ouvertüren für die Hamburger Oper
    Suiten von Händel, Schieferdecker, Schürmann, Erlebach und Keiser
    Akademie für alte Musik Berlin


    An der Hamburger Oper hatte man ein ganz eigenes Opernideal, man wollte sich nicht auf einen der Nationalstile beschränken, Tragèdie Lyrique oder Opera Seria - das wollte man alles gleichzeitig, so entstand eine seltsame Mischform:
    - die Rezitative waren deutsch, die Bravourarien italienisch, die Chöre auf französisch und selbstverständlich wollte man auch frz. Ballettmusik. Und so bietet diese Produktion einen bunten Einblick in die Ballettmusik für die Hamburger Oper. Die Akademie für alte Musik Berlin hat sich ein wenig selbst übertroffen mit dieser Aufnahme, absolut zu empfehlen !




    "Le Journal de Printemps" von Johann Caspar Ferdinand Fischer
    L'Orfeo Barockorchester - Michi Gaigg


    J.C.F. Fischer ist wahrscheinlich am ehesten durch seine Cembalosuiten bekannt, oder vielleicht auch wegen seinen geistlichen Werken.
    Fischer war Hofkapellmeister des "Türkenlouis" mit korrektem Namen, der Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden Baden und Erbauer der ältesten Barockresidenz am Oberrhein (Rastatt) Zwar stand er politisch dem Kaiser nahe, unterstützte ihn auch wärend der Türkenkriege (daher der Spitzname) aber kulturell orientierte er sich an Frankreich - vor allem was die Musik anbelangte. Le Journal de Printemps von Fischer ist eine Sammlung von verschiedene Suiten im Stile Lullys. Die Interpretation des Ensembles ist makellos und sehr mitreißend, und sie vermag durchaus die prächtige Hofhaltung des Markgrafen von Baden wieder aufleben zu lassen. Einige Tänze, wie bestimmte Bourres, werden mit Schlagwerk untermalt in zwei Suiten kommen auch noch Trompeten hinzu.

  • Telemann gehört zu meinen bevorzugten Komponisten, sein gewaltiges Oeuvre macht es allerdings rechht schwer einen Überblick zu bekommen.
    So ist meine Auswahl auch wahrscheinlich kaum repräsentativ - aber es sind hervorragende Aufnahmen die ich nicht mehr missen möchte:





    Georg Philipp Telemann - Die Tafelmusik (4 CD's)
    Musica Antiqua Köln / Goebel


    Die Tafelmusik, war schon zu Lebzeiten Telemanns sein erfolgreichstes und bekanntestes Werk - ein buntes Programm aus Orchestersuiten, Concerti, Quartetten etc... im Grunde ein Compedium der damaligen Instrumentalmusik.
    Telemann hoffte das diese eigens von ihm zusammengestellte Sammlung "Ihm zum Ruhme gereichen würde"
    Mittlerweile habe ich fast alle anderen Gesamtaufnahmen gehört, Harnoncourt, Brüggen, Freiburger Barockorchester, Ensemble Amphion... aber Goebels Aufnahme mit seiner Musica Antiqua Köln ist einfach unerreicht. Transparenz, Kernigkeit, der Kontrast zwischen den großen Orchesterwerken und den intimen kammermusikalischen Werken kommt hier einfach am Besten heraus.
    Für mich nach wie vor die Referenz.




    Orchestral Suites
    Camerata Köln


    Suite in D-Dur TWV 55, D 23
    für 2 Traversflöten, Fagott, Horn, Streicher und B.C.


    Suite in a-moll TWV 55, a 2
    für Blockflöte, Streicher und B.C.


    Suite in D-Dur, TWV 55, D 6
    Für Viola da Gamba, Streicher und B.C.



    Natürlich ist die a-moll Suite hier ganz klar herauszuheben - sie gehört Heute zu den bekanntesten Werken Telemanns - wenn nicht sogar das bekannteste Werk überhaupt. Hier vollzieht Telemann eine wunderbare und witzige Synthese zwischen dem frz. Orchesterstil und dem ital. Solo-Concerto. Die Suite erinnert daher auch ein wenig an Bachs Orchestersuite in h-moll, jedoch ist telemanns Suite für Blockflöte gedacht. Die Flöte setzt er ein wie in einem Concerto, doch bleibt er Formal in den frz. Sätzen. Besonders witzig ist das "Air à l'Italien" hier "simuliert" er eine typische Da Capo Arie, wie man sie in der Opera Seria der Zeit findet, die extravagante Sängerin wird von der Blockflöte gestellt.
    Diese Suite gehört zu den sogenannten "Darmstädter Ouvertüren" leider gibt es noch keine zeitgemäße Gesamtaufnahme.



    La Chasse / Tragikomische Suite / Admirals Ouvertüre / Alsterouvertüre / La Musette
    Akademie für alte Musik Berlin


    gleich vier Orchestersuiten und eine großartige Ouvertüre werden hier vorgestellt und diese Aufnahme zeigt einmal mehr die unglaubliche Kreativität Telemann, ungewöhnliche Besetzungen und viel Witz.
    Das Ensemble bedarf kaum der Vorstellung - einfach nur gut. Die Admiralsovertüre ist aus dem "Jubeloratorium für die Hamburger Admiralität" entnommen. Es folgt die "Alster Ouvertüre" F-Dur mit einer Kuriosität für die Zeit: einem Hornquartett! Danach die Orchestersuite "La Musette" in g-moll erinnert noch sehr stark an die Formen von Lully und Campra, es folgt die Suite "La Chasse" F-Dur - auschließlich für Bläser. Beschlossen wird die Aufnahme von der Ouvertüre in D-Dur "tragikomische Suite"



    Bläserkonzerte
    La Staggione Frankfurt


    Insgesamt gibt es 8 Alben bei JPC mit den Bläserkonzerten Telemanns - und sie zeigen wie meisterlich Telemann auch das italienische Genre beherrschte. Die Besetzung schließt fast alle damaligen Blasinstruemnte mit ein: Horn, Oboe, Block und Traversflöten und Trompeten.
    Hochkarätige Barockmusik, hervorragend gespielt.




    Georg Philipp Telemann - Orpheus, oder die wunderbare Beständigkeit der Liebe
    Akademie für alte Musik Berlin / Rene Jacobs


    Telemann war Leier der Oper am Gänsemarkt in Hamburg und in der Tradition eines Reinhard Keisers komponierte er auch deutsche Opern.
    Das besonders reizvolle an dieser Oper, sie ist dreisprachig - und das mit Absicht! Die Rezitative sind in Deutsch, die Bravourarien in deutsch oder italienisch, einige der Lamenti und die Chöre in französischer Sprache.
    In Hamburg wollte man alles was die europäische Opernszene zu bieten hatte: die frz. Chöre und Balletteinlagen in der Manier Lullys, atemberaubende Arien im Stile Caldaras, Scarlattis und Händels und letztlich wollte man auch verstehen worum es ging.
    Dies mag bei Erstkontakt etwas befremdlich anmuten, doch es stört nicht im geringsten, ganz im Gegenteil. Ein herrliches Werk mit großartigen Szenen - für mich nach wie vor eine der besten barockopern die es bisher auf CD geschafft haben.



    Diese Aufnahme gilt immer noch als Referenz.


  • Musik für San Marco in Venedig
    Balthasar Neumann Ensemble
    Thomas Hengelbrock


    Mit dieser CD erhält man einen umfassenden Einblick in die verschwenderische Musik an San Marco. Mit den dortigen Kapellmeistern Gabrieli und Monteverdi wurde der venzianische Musikstil zum großen Ideal in Europa. Auch deutsche Komponisten konnten dem nicht widerstehen, man denke nur an Schütz und Rosenmüller. Das Programm ist eine bunte Zusammenstellung verschiedenen Psalmvertonungen und Sonaten.




    Festa Teatrale
    Balthasar Neumann Ensemble
    Thomas Hengelbrock


    Diese Zusammenstellung wurde vor Jahren szenisch aufgeführt.
    Zu hören sind diverse Theatermusiken des frühen 17. Jahrhunderts, Baletti, Madrigale und Arien.
    Gewissermaßen erlebt man hier den Ursprung der Oper, den Übergang von Madrigalkomödien und Balletti zur Oper.




    Gabrieli:Music for San Rocco 1608
    Gabrieli Consort & Players / McCreesh


    Diese Aufnahme ist eine wunderbare Zusammenstellung der Musik Gabrielis, es erklingen Orgelstücke und prächtige Sonaten, natürlich treten hier zu den Blechbläsern auch noch Zinken, Violinen, Theorben und Orgel – es werden auch noch große Vokalwerke vorgestellt, in denen sich der Gesang mit den Instrumenten vereint. Die beeindruckenden Chorwerke machen auch den Hauptteil der Aufnahme aus
    Die Interpretation ist natürlich hervorragend, sowohl was die Sänger anbelangt, als auch die Instrumentalisten. Die CD hat den „Gramophone’s Choice“ gewonnen und ist dadurch mit einem extra Schuber ausgestattet.




    Battaglie e Lamenti
    Monserrat Figuerras - Hesperion XXI - J.Savall


    Hier werden sogenannte "Lamenti" vorgestellt, damals Herzstücke der frühen Opern. Natürlich darf auch Monteverdis dramatisches "Lamento d'Arianna" nicht fehlen. Die mittlerweile verstorbene Monserrat Figuerras interpretiert diese schmachtenden Arien mit der größten Hingabe, das Ensemble Hesperion XXI begleitet sie in gewohnter Qualität.

  • 200 Jahre Musik in Versailles
    Das Centre Musique Baroque de Versailles feierte 2007 sein zwanzigjähriges Bestehen.
    Ein ganzes Jahr gab es Konzerte, Opernaufführungen, Ballette usw. ein Musikprogramm wie es die französischen Könige nicht hätten besser gestalten können. Das CMBV wurde mit der Initiative des frz. Staates gegründet und sollte dazu dienen im großen Stil, das frz. Musikerbe des 17. und 18. Jahrhunderts zu pflegen und dieser großartigen Musik den Stellenwert zu geben der ihr ohne Zweifel zukommt. Es wurde nicht nur eine Forschungsabteilung gegründet sondern auch eine Singschule. Diese Schule wurde im ehemaligen „Hôtel des Menus Plaisirs“ ansässig. In diesem erwürdigen Bau, der in der Stadt Versailles unweit des Schlosses zu finden ist, hatte das „Concert Spirituel“ seinen Stammsitz und 1789 wurde dort die Generalstände Versammlung einberufen.
    Leider existiert der berühmte Saal nicht mehr. Versailles wurde wieder zum musikalischen Zentrum französischer Barockmusik.
    Im Theater wurden wieder Opern gegeben, in der Kapelle die großen Motetten gesungen.
    Und seit seiner Gründung fanden unzählige Konzerte statt und eine große Zahl wurde auf CD veröffentlicht.


    Nun hat das CMBV eine großartige Box herausgebracht mit sage und schreibe 20 !!! CD’s
    Die zum größten Teil bisher unveröffentlichte Aufnahmen bzw. Werke aufzuweisen haben.



    200 Ans de Musique à Versailles


    Die Ausführenden gehören zur absoluten Creme der Alten Musik :


    William Christie / Olivier Schneebeli / Les Folies Francaise / Ensemble Baroque de Limoges / Le Concert Spirituel / Les Agremens / La Grande Ecurie et la Chambre du Roy / Les Musiciens du Louvre u.v.a


    Die Interpretationen, das Repertoire, es stimmt einfach alles – besser kann man es kaum machen – diese 20 CD’s zeigen in vorbildlicher Weise was für ein großartige Musikerbe Frankreich besitzt und pflegt. Diese Box ist auch für diejenigen geeignet die bisher noch kaum Berührung mit dieser Musik hatten, denn umfangreicher und in besserer Qualität wird man so etwas nicht finden, zumal für den wirklich günstigen Preis. Die Tracklisten und Booklet-Texte sind auf einer zusätzlichen CD als PDF Dateien abgespeichert.
    Es gibt noch einen zusätzlichen Text mit etwas Bildmaterial, der Einblicke in die Geschichte der Musik am schönsten Hof Europas gibt.
    Allerdings alles in französischer Sprache.



    Hier die 20 CD’s im Überblick. Die CD’s sind thematisch geordnet und die Papphüllen ziert das entsprechende Portrait des Königs, an dessen Hof die Musik gespielt wurde:


    CD 1: Louis XIII „Les Salons Précieux du premier Baroque"


    Hier werden « Airs de Cour » von Anthoine Boesset und Lautenstücke meisterhaft von Monique Zanetti (Sopran) und Claire Antonini (Laute) vorgetragen. Boesset war unter Louis XIII derjenige der in Sachen Musik zu sagen hatte.


    CD 2: Louis XIII „Musiques de Cour au Temps de Louis XIII“


    Eine ganze Sammlung von mehrstimmigen Liedern von Boesset, Richard, de Chancy, Moulinie, Lambert und Laquemant werden hier angestimmt. Dazu gibt es noch Cembalowerke von J. Champion de Chambonnières und einiges anderes. Ein tolles Programm, dargeboten vom „Il Seminario Musicale“ mir Gerard Lesne


    CD 3: Louis XIV „Lully, Créateur de l’Opéra Francaise"


    Auf dieser CD werden Auszüge aus zwei Hauptwerken Lullys, dem wichtigsten Komponisten am Hofe vorgestellt :
    Isis (1677) und Amadis (1684) Die Auszüge sind meisterhaft, allein die Airs des Combattans mit den schmetternden Trompeten aus Amadis lassen den Pomp des Sonnenkönigs zumindest akustisch wieder auferstehen. Lange bevorzugte ich die alte Aufnahme von R. Leppard, kein anderes Ensemble konnte dieser Einspielung das Wasser reichen. Aber Schneebeli hat diesen Fanfaren den Glanz mit alten Instrumenten verliehen, den sie verdienen. Der Chor ist einfach fabelhaft – und die Chor-Chaconne aus Amadis könnte kein würdigere Abschluss dieser CD sein, meiner Meinung nach ist diese fast 15 minütige Chaconne die absolute Krönung aller Chaconnen und Passacaillen.


    Die Ausführenden:
    Veronique Géns / Les Pages et les Chantres du CMBV / Musica Florea / Schneebeli


    CD 4 : Louis XIV « Lully et ses Successeurs à l’Académie Royale de Musique"


    Hier werden die Lully Nachfolger an der königlichen Oper vorgestellt.


    André Cardinal Destouches mit „Callirhoé"


    Pascal Colasse mit « Achille et Polixène"


    Jean Baptiste Lully mit "Persée"


    Marain Marais mit seiner Chaconne aus "Sémélée"


    Und Marc Antoine Charpentier mit seiner "Médée“
    Es spielt das Concert Spirituel unter Hervé Niquet.


    CD 5 Louis XIV „Concerts et Symphonies pour le Roi“


    Hier werden 2 der 4 Concerts Royaux von Couperin von den « Folies Francoises » dargeboten, in wirklich wunderbarer Art und Weise. Den zweiten Teil bilden die „Simphonies pour les Soupers du Roi“ Eine Suite von Delalande mit Stücken aus dem „Ballet Royal de la Jeunesse“ und den „Folies de Cardenio“ Diese Suite ist übrigens nicht in der Gesamteinspielung der Simphonie du Marais enthalten, da die beiden Ballette erst später in die Sammlung aufgenommen wurden. Die Simphonie du Marais, wählte für ihre Gesamteinspielung die Sammlung von 1713. Die zweite Suite stammt von Lullys ältestem Sohn und trägt den Titel:
    „Concert donne au souper du Roi“ und ist eine wahre Rarität ! Gespielt werden die zwei wunderschönen Orchestersuiten von der « Musica Florea » unter der Leitung von Marek Strynel.


    CD 6 Louis XIV „Le Triomphe de la Piété Baroque"


    Das Troisième Lecon de Tenebres von F. Couperin, die wohl berühmteste Vertonung des frz. Barock wird hier von „Les Arts Florissants“ unter Christie zum besten gegeben. Dieses Werk wurde allerdings in dieser Einspielung schon bei Erato mit den 2 anderen Lecons veröffentlicht. Es ist jedenfalls sehr schön interpretiert, aber erreicht nicht ganz diese erschütternde Dramatik die Savall auf dem Album „Tous les Matins du Monde“ vorgelegt hat. Dann werden Werke von Marc Antoine Charpentier vorgestellt, die „Litanies de la Vierge“ H. 83 und das Miserere H. 193. Es singt und spielt das Ensemble Jacques Moderne. Jordi Savall hat diese Werke einmal beschrieben und darauf aufmerksam gemacht, wann und in welchem Kontext sie entstanden sind. Die Regierung Louis XIV neigte sich ihrem Ende, Frankreich war ausgeblutet aufgrund der vielen Kriege und wenn man sich diese Zeit der allgemeinen Not vor Augen führt bekommen diese Werke eine ganz andere Bedeutung, sie sind in ihrer Art erschütternd.


    CD 7 „La Chapelle Royale au Temps de Louis XIV“


    Das Collegium Vocale und das Ricercar Consort interpretieren zwei wunderschöne Motetten von Henri Dumont: Exultat animus und das Magnificat. Schneebeli uns seine Musiker des CMBV sind mit DER Grand Motet schlechthin vertreten, dem „Miserere“ von Lully, das ja auch schon auf CD veröffentlicht wurde. Den Abschluss bildet die Motette „De Profundis“ von Henri Desmarest, interpretiert vom Concert Spirituel unter Niquet. Eine schön gemachte CD, die einen repräsentativen Einblick in die geistliche Musik am Hof von Versailles vermittelt, wie sie jeden Tag für den König gegeben wurde.


    CD 8 Louis XIV „Messe et Motets pour les Paroisses“


    Charpentier eröffnet die CD mit seiner "Messe des Morts à quatre voix“


    Interpretiert vom Collegium Vocale und dem Ricercar Consort unter der Leitung von Philippe Pierlot. Es folgt die festliche Motette „In Convertendo“ von Sebastien de Brossard. Die Einspielung mit dem Ensemble Baroque de Limoges ist vor einigen Jahren schon bei Astrée erschienen. Den Abschluss bildet eine der „Grands Motets Lorraines“ von Desmarest, eingespielt von William Christie und Les Arts Florissants. Auch dieses Werk wurde früher schon auf CD veröffentlicht, bei Erato. Die Interpretationen sind auch hier wieder ganz phantastisch.


    CD 9 Louis XV „Rameau à l’Académie Royal de Musique"


    Da Lully eine eigene CD gewidmet wurde, muss man Rameau natürlich auch eine CD widmen. Und es wird auch gleich eines der Hauptwerke Rameaus vorgestellt, seine erste Tragèdie Lyrique, die er im Alter von 50 Jahren auf die Bühne brachte: „Hippolyte et Aricie“ die Auszüge sind der Gesamteinspielung der Musiciens du Louvre unter Minkowski entnommen. Die Sänger sprechen auch schon für sich:
    Jean Paul Fouchécourt, Veronique Géns, Bernarda Fink und Laurent Naouri. Das Ensemble Talens Lyriques unter Rousset kommt ebenfalls zum Zug. Sie spielen Auszüge aus „Les Fêtes d’Hébée“ „Zoroastre“ und ebenfalls „Hippolyte & Aricie“ Eine sehr schöne CD, die Rameau absolut würdig ist.


    CD 10 Louis XV „Divertissement pour le bien-aimé"


    Auf der CD 10 ist eine « Petit Opera » ein Gemeinschaftswerk von Francois Francoeur, dem letzten Surintendanten der königlichen Musik unter Louis XV und Francois Rebel, dem Sohn des berühmten Jean Féry Rebel, aufgenommen worden: "Zélyndor, roi des Scythes"
    Die Interpretation ist absolut vorbildlich.
    Die Abschluss Chaconne findet sich auch in der Sammlung „Musiques pour les Tables Royales du Festin Royal en 1773“ wieder, die von Louis XVI so sorgsam aufgehoben wurde.


    CD 11 Louis XV "Divertissement pour le Théâtre des Petits – Appartements"


    Hier wird ein Werk von Francois Colin de Blamont, dem Surintendanten der Musik des Königs unter Louis XV vorgetragen. Das Divertissement „Egine“, in einem Prolog und 2 Akten, das de Blamont für die Petits Appartements der Madame de Pompadour schrieb.
    Madame de Pompadour sang recht häufig die Hauptrollen in diesen Privatstücken für Louis XV. Beide Werke, Zerlyndor und Egine sind wirklich sehr schön interpretiert und Ersteinspielungen!


    CD 12 Louis XV „Au Concert Spirituel“


    Hier werden zwei Motetten vorgestellt, die bei Erato schon auf CD erschienen sind. Die Grand Motet „Dominus Regnavit“ von Jean Joseph Cassanea de Mondonville und die Grand Motet « In Convrtendo » von Jean Philippe Rameau. Die Einspielungen machte William Christie mit seinem Ensemble Les Arts Florissants – was soll man dazu noch sagen ? Einfach traumhafte Aufnahmen.


    CD 13 Louis XV „La Chapelle Royale au Temps de Louis XV“


    Diese CD bietet wieder ausschließlich unveröffentlichte Aufnahmen.
    André Campra: Confitebor tibi domine, Jean Joseph Cassanéa de Mondonville: Nisi Dominus
    Die beiden Motetten werden von dem Ensemble « Le Parnasse Français » gespielt. Alles sehr schön gelungen.
    Dazu gibt es Orgelwerke von Balbastre, Corette und Daquin, gespielt (auf der Schlosskirchen Orgel von Versailles) von Oliier Latry.


    CD 14 Louis XV „La Renaissance de l’Orchestre Francaise“


    Hier werden Instrumentalwerke von Delalande und Mondonville vorgestellt. Auszüge aus dem Ballet Les Folies de Cardenio, meisterhaft gespielt vom Ensemble Baroque de Limoges. Diese Einspielung ist allerdings auch „vollständig“ auf CD erhältlich und von Mondonville zwei der Sonades en Simphonies die Minkowski mit den Musiciens du Louvre für Archiv eingespielt hat.


    CD 15 Louis XVI „Les Italiens à la Cour de France"


    Die Capella della Pieta de Turchini spielt Auszüge aus Sacchinis Oper "Œdipe à Colone” und Didon, sowie Didone abbandonata von Piccinni.
    Roberta Invernizzi singt ihre Koloraturarien mit gekonnter Leichtigkeit. Beide Komponisten sollten unbedingt mehr Beachtung bekommen!


    CD 16 Louis XVI „L’Opera Francais aux Portes du Romantisme“


    Und schon wieder ein Spitzen-Ensemble das hier vertreten ist, Les Agremens unter Guy van Waas begleiten den Sänger Pierre Yves Pruot, der teils phänomenale Arien von Kreutzer, Monsigny, Lesueur und Philidor singt. Das Ensemble spielt aber auch Instrumentalwerke, die Ouvertüre zu Sacchinis Dardanus und eine Ballettsuite zu Gossecs Sabinus. Abgeschlossen wird die CD mit Werken von Grétry, welche von Isabelle Poulenard und dem Ensembles „Les Palladins“ ebenfalls in erstklassiger Weise interpretiert werden.


    CD 17 Louis XVI « L’Essor de la Symphonie Francaise »


    Hier werden vom Ensemble « Le Cercle de l’Harmonie » Sinfonien von Gossec, Le Duc und Rigel gespielt.
    Von Gossec erklingt die schon vom Concerto Köln eingespielte Siymphonie concertante du Ballet Mirza (also das Allegro) Von Le Duc wurde die Sinfonie in D-Dur ausgesucht und von Henri Joseph Rigel, die wunderbare Sinfonie in d-moll.


    CD 18 Louis XVI „Les Premieres Heures du Pianoforte“


    Ich hatte ja schon mal angemerkt, dass ich diese CD für überflüssig halte, die Prélude von Balbastre ist offensichtlich für das Cembalo geschrieben worden und Einspielungen der a-moll Sonate von Mozart und seinen frz. Variationen gibt es auch genug. Und trotzdem, so gut wie Staier die Werke spielt habe ich sie noch nie gehört – ganz große Klasse!


    CD 19 Louis XVI « Les Salons de Versailles au Temps des Lumières »


    Kammermusik vom Feinsten, ausgeführt von einem mir bisher unbekannten Ensemble, dem „Quatuor Cambini“ das natürlich auf alten Instrumenten spielt. Verstärkt wird das Quartett durch Alexis Kosseko (Traversflöte).
    So werden Quartette für Flöte von Devienne und Boccherini und reine Streichquartette von Cambini und Vachon gespielt.
    Eine ganz hervorragende Darbietung, auf diesem Sektor ist bisher sehr wenig einem größeren Kreis bekannt, das sollte sich schnellstens ändern !


    CD 20 Louis XVI « Les Nouveaux Accents de la Foi au Temps de Louis XVI »


    Geistliche Musik am Hofe Louis XVI, schon das allein ist eine Rarität, wenn sie dann noch so wunderbar interpretiert wird ist das ein doppeltes Vergnügen. Es erklingen zwei Grands Motets, die bei K617 schon auf CD veröffentlicht wurden:
    Gossec: Terribilis est
    Giroust: Benedic anima mea
    Choeur de Chambre de Namur / Les Agremens / Malgoire


    Dann das « Oratorium » La Sortie d’Egypte von Henri-Joseph Rigel, das ebenfalls bei K617 schon veröffentlicht wurde und wirklich wunderbar gemacht ist.
    Les Pages et les Chantres du CMBV / Les Folies Francoises / Schneebeli


    Den Abschluss bilden 3 Orgelstücke, die wieder von Olivier Latry an der großen Orgel der Schlosskirche von Versailles gespielt wurden:
    Noel suisses von Nicolas Séjan
    Morceau pour les Flutes von Guillaume Lasceaux
    Und als letztes Stück « La Marche des Marseillois et air ca ira » in der Version von Balbastre.




    Fazit :


    Besser geht es kaum, 20 CD’s mit Spitzenaufnahmen, die Creme der frz. Ensembles sind hier vertreten. Es werden einige der schönsten Stücke der frz. Barockmusik zumindest in Auszügen vorgestellt.
    Diese Box ist nicht nur wegen des Preises ein wahres Highlight, der Inhalt ist einfach der helle Wahnsinn. Ich bin davon mehr als begeistert und kann nur jedem raten – kaufen !!!
    Denn hier wird wirklich ein wahres Feuerwerk aufgefahren. Das ganze musikalische Repertoire von etwa 1610 – 1790 wird abgedeckt, in fabelhaften Interpretationen, alle großen Komponisten sind vertreten, ein Haufen bisher nie eingespielter Werke, einfach nur grandios!


    Alles im Allem – das Beste !




    und ein paar Ergänzungen, da die Kammermusik für die Bourbonenkönige in der Box etwas zu kurz kommt:




    Tous les Matins du Monde (die 7. Saite)
    Jordi Savall


    Der Film (Tous les matins du monde = alle Morgen der Welt, bzw. in deutschland als "die 7. Saite" bezeichnet) ist vielleicht einigen bekannt, in Frankreich war es der Kassenknüller, genau wie der Soundtrack, Savalls erfolgreichste CD. Französische Kammermusik aus der Epoche Louis XIV, eine schönere Zusammenstellung gibt es nicht, diese CD ist ein absolutes Muss.
    In der Hauptsache werden eindringliche und schwermütige Werke für Viola da Gamba von Marin marais und Mr. de Sainte Colombe zu Gehör gebracht, aber auch der berühmte Marche pour la Ceremonie des Turcs von Lully in der wohl besten Orchesterfassung und zwei Vokalwerke.




    Musique pour la Chambre du Roi à Versailles 1697 - 1747
    Academy of Ancient Music - C.Hoggwood


    eine wunderschöne Doppel-CD mit frz. Kammermusik des Spätbarock.
    Komponisten wie F.Couperin, M.Marais, J.M.Leclair und J.Pignolet de Monteclair und Forqueray werden hier mit Instrumental- und Vokalwerken vorgestellt,
    so z.B. Auszüge aus "Les Nations" von F.Couperin und 2 Kantaten von Monteclair und vieles mehr.
    Die Academy spielt gewohnt elegant und Jusith Nelson als Sopran ist einfach göttlich.

  • natürlich bin ich auch von der Musik Purcells ein großer Bewunderer.



    für mich stellen die Royal Odes und die Anthems den Kern von Purcells Schaffen dar.
    Die königlichen Oden und "welcome Songs" komponierte Purcell meist für Charles II. und James II. es sind höfische Huldigungsmusiken. Die Anlässe waren Geburtage, Hochzeiten, Jubiläen usw. - leider sind diese Werke bis auf wenige Arien meist unbekannt - aber es lohnt sich die kompletten Werke zu kennen - es sind absolute Meisterwerke!




    Ähnlich verhält es sich mit der geistlichen Musik, die Purcell ebenfalls für den königlichen Hof verfasste. Auch hier waren es höfische Anlässe zu denen diese Musik verlangt wurde, seien es Krönungen, Hochzeiten, Begräbnisse... und so ist sicherlich "The Funeral Music for Queen Mary" auch das bekannteste Werk - aber es gibt noch viel mehr zu entdecken.


    Robert King legte mit seinem King's Consort eine Gesamtaufnahme dieser Werke vor - eine großartige Tat.




    Dido and Aeneas
    Veronique Gens - Les Arts Florissants - W.Christie


    Zahlreich sind die Aufnahmen dieser kleinen Oper. Veronique Géns in der Titelpartie ist überweltigend.Das Orchester und der Chor in der gewohnten Qualität von les Arts Florissants.


    die Alternative dazu:



    Dido and Aeneas
    Lynn Dawson - Akademie für Alte Musik Berlin - René Jacobs


    Herausstechendste Szene, ist jene mit den hexen, durch Domenique Visse eine richtig groteske Nummer.
    Aber auch der Rest der Aufnahme weiß zu überzeugen, allein das Continuospiel, der Chor... als etwas herbere Alternative zu Christie unverzichtbar.





    für die beiden berühmten Semi-Operas "The Fairy Queen" und "King Arthur" greife ich jedoch unbedingt zu William Christie.
    Keines der beiden Werke habe ich bis heute in schöneren Aufnahmen gehört.
    Die Sänger, die Gestaltung der Chöre und Ballette - das ist einfach unerreicht.



    als Bonus sollte man sich auch diese schöne CD gönnen, mit der reinen Instrumentalmusik aus "Dido", "Fairy Queen", "King Arthur" und "Abdelazer" :



    Das Freiburger Barockorchester unter Thomas Hengelbrock ist einfach wunderbar, die Auswahl der Instrumentalnummern lässt auch keine Wünsche offen.

  • Monteverdis Orfeo hat es mittlerweile zu einer ziemlichen Bekanntheit gebracht, zahlreich sind auch die Aufnahmen.
    Es gibt viele gute Einspielungen, aber eine die an allen vorbei zieht:




    Orfeo
    Concerto Italiano - Alessandrini



    Für mich die bisher schönste Aufnahme des Werkes und ich hab einige gehört und in meiner Sammlung.



    Il Ritorno d'Ulisse in Patria
    Concerto Vocale - Jacobs


    Die Monteverdi Opern in der Fassung von René Jacobs mag ich persönlich auch sehr gerne, die Rückkehr des Odysseus ist ihm jedoch meiner Meinung am besten gelungen - nie hab ich ein schöneres Finale gehört. Die reiche und phantasievolle Instrumentierung ist ohnehin unwiderstehlich.




    L'Incoronazzione di Poppea
    Concerto Vocale - Jacobs


    Auch bei der Krönung der Poppea bevorzuge ich den Ansatz von rené Jacobs.
    Jacobs setzt generell auf ein üppiges Ensemble mit reichem Continuo, Bläsern und Streichern.
    Solche pompöse Aufführungen waren damals in venedig wohl eher nicht denkbar, sondern nur an den Fürstenhöfen - aber warum nicht aus dem Vollen schöpfen ?




    Monteverdis "Vespro della Beata Vergine" ist wohl DAS Sakrale Hauptwerk des beginnenden 17. Jahrhunderts, auch hier gibt es zahlreiche gute Aufnahmen und jede hat ihre Stärken und Schwächen.


    Die Fassung der ich jedoch den Vorzug gebe, stammt von Jordi Savall:




    Vespro della beata Vergine
    Jordi Savall


    Monteverdis göttliche Musik in Kombination mit dem typischen Savall-Klag, was muss man noch mehr wissen ?




    Madrigali
    La Venexiana


    Monteverdis Madrigale, insgesamt auf 12 Cds komplett von dem großartigen Ensemble La Venexiana. Diese kurzweiligen bis eindringlichen Kompositionen für eine oder mehrere Stimmen, a capella oder mit Ensemblebegleitung machen einen großen Teil von Monteverdis Schaffen aus und zeigen auf faszinierende Weise wie sich der dramatische Gesang um 1600 entwickelte.
    Es lohnt sich in jedem Fall diese genialen Werke kennenzulernen.
    In diesen Sammlungen finden sich neben vielen unbekannten Werken auch durchaus heute Bekanntes, wie "Combattiemento di Tancredi e Clorinda", das "Lamento della Ninfa" und viele andere.

  • Die spanische Musik des 17. und 18. Jahrhunderts ist noch immer recht unbekannt.
    Aber bis au die „Folia“ hat sich auch schon damals die spanische Musik nicht wirklich in Europa etablieren können, umso mehr in der neuen Welt. Aber an diesem Umstand waren die spanischen Könige nicht ganz unschuldig.
    So waren z.B. die Kompositionen Gaetano Brunettis Privatbesitz des Königs und durften die Mauern des Palastes nicht verlassen.
    Wohl war auch das spanische Temperament nicht für europäische Ohren geeignet.
    Luigi Boccherini äußerte sich ziemlich abfällig über die spanische Musik, in der Art, als müsse er einem Barbarenstamm anständige Musik näher bringen. Vor allem war er angewidert von den lasziv getanzten Fandangos und der Hemmungslosigkeit.... was ihn aber nicht davon abhielt dann doch selbst solche Musik zu schreiben.


    Heute jedoch haben wir die Gelegenheit, diese wunderbare Musik wieder zu hören.
    Bemerkenswert ist jedoch, dass Spanien, ähnlich wie Russland vor allem ausländische Musiker, bevorzugt Italiener verpflichtet. Die spanischen Habsburger waren bereits im 17. Jh. schon so verbraucht, dass es sich abzeichnete, dass dieses Haus alsbald aussterben würde.
    Schon Philip IV wurde als lebende Statue bezeichnet und das berühmte Gemälde Les Meninas von Velasquez hält diese beunruhigende Atmosphäre am spanischen Hofe wohl besser fest, als es jede Beschreibung könnte. Der spanische Hof der Habsburger verabscheute jeden größeren Prunk, es war ein fast klosterähnliches Leben, der Palast Escorial spricht Bände.
    Doch die Musik am spanischen Hofe stand der anderer Höfe in nichts nach.
    Juan de Hidalgo, "der spanische Lully", schuf die ersten großen Bühnenwerke, die Zarzuelas.
    Leider sind die Aufführungen seiner Werke bisher nicht auf CD veröffentlicht worden, abgesehen von einzelnen Arien.


    Die frühe Zarzuela war eine Mischung die sowohl vom frz. Ballet de Cour und der italienischen Oper inspiriert war, jedoch eindeutig mit spanischem Kolorit. Und vor allem die Barockgitarre war das Modeinstrument dieser Zeit schlechthin.
    Namen wie Sanz oder Guerav sind eventuell bekannt. Gaspar Sanz war der persönliche Gitarrenlehrer des spanischen Königs, Carlos II.



    Sanz: Instruccion de Musica
    Hopkinson Smith (Barockgitarre)


    Eine der schönsten CD-Aufnehmen mit spanischer Gitarrenmusik des Barock die mir bisher untergekommen ist.




    El Barroco Espanol
    M.Figuerras - Hesperion XX - J.Savall


    mein Erstkontakt mit spanischer Barockmusik - und sofort Feuer gefangen.
    Die Aufnahme erschien damals im Rahmen der "Reflexe-Serie" (Stationen europäischer Musik) einzelne Aufnahmen, wie diese, wurden dann auf CD erneut veröffentlicht. Das Ensemble interpretiert Arien und sogenannte "Tonos humanos" der damals wichtigsten Komponisten, wie Juan de Hidalogo und José Marin, sowie Instrumentalwerke z.B. von Martin y Coll (dessen Werke sind allerdings Transkriptionen, wie z.B. die Ciacona eine kammermusikalische Version von Lullys Passacaille aus Armide).
    Die Stimme von M.Figuerras und die kernige Begleitung von Hesperion XX sind genau richtig für diese Musik.



    Lucas Ruiz de Ribayaz - LUZ Y NORTE 1677
    The Harp Consort - Andrew Lawrence King


    Eine Sammlung die 1677 in Madrid erschien, es sind Tänze und Musikstücke aus dem 16. und 17. Jahrhundert, zusammengetragen aus Spanien, Amerika und Afrika. Interpretiert von dem Harp Consort. Sie spielen mit Lauten, Theorben Gitarren, Harfen, Cembalo, Gamben und Schlagwerk, also eine umfangreiche Continuo Gruppe.
    Die Rhythimik und die Spielfreude die sie an den Tag legen fasziniert immer wieder.




    Musik aus der Zeit von Velazques
    Ensemble Romanesca


    José Miguel Morene, einer der besten Lautenisten und Gitaristen – mein persönlicher Lieblingsinterpret dieser Instrumente – hat hier ein ganzes Ensemble um sich geschart um die spanische Musik dieser Zeit in vielen Facetten aufleuchten zu lassen, und selbstverständlich bekommt man auch die Folia zu hören, oder die berühmten Canarios von Sanz, die Marionas on Guerav die fast ein wenig an Louis Couperin erinnern und und und – eine ganz faszinierende Platte.




    Carlos II. bestimmte den Herzog von Anjou, einen Enkelsohn Louis XIV zum Erben des spanischen Weltreiches. Bis Heute ist nicht ganz geklärt wie er zu dieser Entscheidung kam. Sicher ist nur dass ein verheerender Krieg folgte, ganz Europa gegen Frankreich und das handlungsunfähige Spanien. Alle Vermittlungsversuche Englands wurden vom Kaiser abgewehrt - und so brach der spanische Erbfolgekrieg aus, fast ein Weltkrieg. In Spanien selbst brach das Chaos aus, der Staat war bankrott, der neue König musste erst einmal die Hofkapelle und alle anderen Hofämter die nicht zwingen nötig waren auflösen. Louis XIV musste seine Silbermöbel einschmelzen, auch seinen Thron um die Kriegskosten zu finanzieren. Zusätzlich erlebte Europa 1711 den schlimmsten Winter seit Menschengedenken, selbst die Themse fror zu.
    Doch dann, 1714, endete der Krieg, zwar hatte keine Seite einen Sieg errungen, oder auch nur die Aussicht darauf – doch in Wien starb Joseph I. , Leopold I. hatte zwei Söhne, Joseph und Karl, Joseph sollte Kaiser werden, Karl spanischer Thronfolger. So wollten es auch alle anderen Mächte in Europa. Doch nun hätte Karl, als Karl VI. über ein Riesenreich geherrscht, wie schon einmal Karl V.
    Nein, das wollte niemand. Kriegsmüdigkeit und das Zurückziehen aller Mächte führte schließlich zum Frieden.
    Man konnte also wieder daran gehen das Land aufzubauen.
    Philipp von Anjou wurde zu Philipp V. gekrönt.
    Und eine der Krönungserenaden hat überlebt. Man bestellte dafür, bei dem damals hoch angesehenen Komponisten Giacomo Facco:



    G.Facco: Festejo Harmonico
    La Compagnia Dei Febi Armonici


    Das Ensemble La Compagnia Dei Febi Armonici & Ens. Albalonga unter Cetrangolo haben diese sehr hübsche italienische Serenata mit einem Schlußchor auf das Wohl des neuen Königs ganz hervorragend eingespielt. Die Komposition erinnert stark an Werke von Alessandro Scarlatti und steht diesem auch in nichts nach.



    El Barroco Espanol Vol. 1 (geistliche Musik des spanischen Barock)
    Al Ayre Espanol / Lopez-Banzo



    El Barroco Espanol Vol. 2 (Theatermusik des spanischen Barock)
    Al Ayre Espanol / Lopez Banzo



    Das Ensemble "Al Ayre Espanol" nahm eine ganze Reihe mit spanischer Barockmusik für die DHM auf. Die ersten beiden Folgen sind gewissermaßen "Schnupper-CDs" auf der ersten werden geistliche Werke vorgestellt, kurze Kantaten und Psalmvertonen. Die zweite CD bietet einen Streifzug durch reizvoll ausgesuchte Szenen der spanischen Zarzuelas um 1700.


    Auch in Zukunft würde das spanische Musikleben vom italienischen Stil bestimmt werden. Doch der Hofkomponist Philipp V. wurde nicht Facco, der Verfasser der Huldiungsmusik zu seiner Thronbesteigung, sondern ein anderer Italiener, Francisco Corselli



    P.A.Soler: Fandango / 9 Sonatas
    Scott Ross


    Padre Antonio Solers Cembalosonaten haben einen ähnlichen Umfang wie das Werk von Scarlatti oder Couperin, er schrieb ca. 120 Sonaten. Die Ähnlichkeit zwischen den Werken Scarlattis und Solers ist nicht zufällig, beide Musiker arbeiteten am Königshof, genauer gesagt im Escorial und kannten sich.
    Soler lässt stets Ur-spanische Rhytmen und Wendungen in seine Musik einfließen, extremstes und vielleicht schönstes Beispiel ist der wilde Fandango, den ich niemals besser als in der Interpretation von Scott Ross gehört habe.





    F.Corselli: Ouverturas - Lamentationes - Marchas
    El Concierto Espanol
    Nuria Rial (Sopran)


    Eine wirklich bildschöne Einspielung diverser Werke ist bei Glossa erschienen.
    Neben Ouvertüren aus Opern und Oratorien sind auch „Lecon de Tenebres“ zu hören, also Lamentationen.
    Aber das ganze in einem so wunderbaren galanten Stil, den man nicht in Spanien erwarten würde. Francisco Corselli ist eine wirkliche Entdeckung und man kann nur hoffen, einige Werke auch einmal komplett hören zu dürfen. Auch die Interpretation ist phantastisch.
    Ein junges Ensemble in Verbindung mit der wunderbaren Nuria Rial wissen zu begeistern.





    El Maestro Farinelli
    Concerto Köln


    Wahrscheinlich werden viele die diese CD in Erwartung von Farinelli-Arien blöd geschaut haben. Aber Wenn "Maestro Farinelli" das Cover ziert, dann heißt, dass "Dirigent / Impressario / Konzertmeister Farinelli" soviel Allgemeinbildung sollte vorhanden sein.
    Und genau das erwartet einen auch auf dieser CD: Die CD widmet sich Farinellis Leistungen als musikalischen Leiter der Musik des Königs, mit Werken, die unter seiner Theaterleitung aufgeführt wurden - und der damit verbundene starke Einfluss italienischer Musik in Spanien. Als gesangliche Zugaben gibt es u.a. den Fandango von de Nebra und die Porpora-Arie "Alto Giove" die Philipp V. , der unter extremen Depressionen litt, jeden Abend zu hören wünschte.
    Neben den vokalen Werken sind es vor allem Sinfonien und Ouvertüren die hier vorgestellt werden, Werke von Corselli, Corradini, CPE Bach, Marcoloni und Jommelli.



    G. Brunetti: Symphonies
    Concerto Köln


    Gaetano Brunetti stand im Dienst der Könige Karl III. und Karl IV.


    Auch wenn Karl IV von Spanien immer wieder als ein Bauer in Seide beschrieben wird. Und auch sehr schonungslos von Goya gemalt wurde,
    er hatte Geschmack, gerade was Musik anbelangt. Immerhin war der König auch ein gelehriger Schüler im Violinspiel.
    Wie man sich doch täuschen kann, wenn man einen Menschen nach dem Aussehen beurteilt... Gaetano Brunettis Kompositionen galten als Privatbesitz des Königs und waren auch nur für dessen persönliche Konzerte zur Aufführung gedacht.
    Ein wahrhafter Schatz, und man muss die Zeitgenossen fast bedauern, dass sie nicht in den Genuss dieser Werke kamen.
    Brunetti hingegen schien das Leben am Hofe zu genießen, ermöglichte ihm die Position doch ein sorgenfreies künstlerisches Leben, ähnlich wie es Haydn in Esterhazy genoss.




    L.Boccherini: Fandango
    Le Concert des Nations - J.Savall


    Eine der wohl schönsten Boccherini-Aufnahmen auf dem Markt.
    Besonders der Titelgebende Fandango ist nie mit soviel Kraft und Feuer gespielt worden.




    Musik aus der Zeit Goyas
    La Real Camera


    Diese wundervolle CD gibt nicht nur ein musikalisches Abbild der Zeit Goyas, also Musik zwischen 1770 und 1825, sondern beschreibt auch gleichzeitig den Siegeszug der klassischen Gitarre, die nun die alte Barockgitarre ablöst.
    Die Musik, stark von volkstümlichen Klängen inspiriert, umfasst in der Hauptsache Lieder und Tänze mit starkem spanischen Kolorit, wohl aber für den königlichen Hof in Madrid in einer sehr kultivierten Interpretation.

  • Wie alle Bourbonenkönige nach ihm, war Louis XIII äußerst Musikliebend und Kunstsinnig. Er erhielt Kompositionsunterricht bei den größten Lautenmeister des Königreiches, Mal und Zeichenunterricht bei P.de Champaigne und war zudem noch ein begeisterter Tänzer.
    Unter Louis XIII, dem Vater des Sonnenkönigs, wurde das erste feststehende Orchester Europas gegründet - die "24 Violons du Roi"
    Der König interessierte sich wesentlich mehr für Musik und Ballett als für die Politik, so das er die Geschäfte meist seinem Premier überließ...





    Eustache du Caurroy: Requiem des Rois de France
    Ensemble Doulce Mémoire / Denis Rasin Dadre


    Wie stirbt ein König angemessen ?
    Diese Aufnahme verrät es.
    Als Henri IV. einem Attentat zum Opfer fiel, wurde er unter großer Anteilnahme bestattet und es wurde eine über alle Maßen prächtige Totenmesse gegeben. Eustache du Caurroy der Surintentand de la Musique des Königs war für die Komposition verantwortlich. Diese Messe wurde fortan bei allen Begräbnisfeiern der frz. Könige gesungen - wohl im Laufe der Zeit mit diversen Veränderungen.
    Dies ist also nicht nur ein historisch bedeutende Aufnahmen, sondern auch einfach ein musikalischer Schatz. Sehr nett auch die Rezitation im alten Französisch, wie beschrieben wird, was nach der Messe geschieht.
    à la "der König ist tot - lange der lebe der König!"


    Das Werk schließt mit einer prächtigen Fanfare denn die Trauer um einen Monarchen ist für gewöhnlich recht kurz.....




    Europäische Lautenmusik Vol 1. französische Lautenmusik des 17. Jahrhunderts
    Konrad Junghänel - Barocklaute


    Konrad Junghänel präsentiert auf dieser Einspielung ein prächtiges Programm mit den größten frz. Lautenmeistern des 17. Jahrhunderts.
    Angefangen mit den beiden Gautiers über Dufault bis zu Mouton und Gallot.
    Von allen Lautenmeistern gibt es auch noch besonders schöne Einzelaufnahmen von Hopkinson Smith.




    J.Champion de Chambonnières: Pieces de Clavecin
    Olivier Baumont


    Natürlich darf auch der "Begründer der frz. Cembaloschule" nicht fehlen.
    Chambonnières gehört zu den größten Meistern der frz. Musik.
    Sein Stil ist eigentlich schon die Vollendung des Cembalospiels.
    Baumont interpretiert die Stücke meisterhaft, manchmal gesellt sich noch eine Laute dazu um im Duett zu spielen was eine faszinierende Wirkung hat.




    L'Orchestre de Louis XIII
    Hesperion XXI / Le Concert des Nations / Savall


    Savall stellte ein Programm zusammen mit Instrumentalwerken des Philidor Manuskripts der Musikbibliothek von Versailles.
    Leider sind die Hofballette aus der Zeit vor Lully nur Bruchstückhaft erhalten, doch Savall gelingt es ein prächtiges beiendruckendes Bild der Ballettmusik für Louis XIII zu zeigen.
    So wird das Pferdeballett zur Hochzeit des Königs, die Krönungsmusik oder aber die warscheinlich älteste Orchestersuite der Musikgeschichte vorgestellt.
    Die bisher einzige CD mit Orchestermusik des frz. Frühbarock!




    Oftmals blieben die großen Szenen der Hofballette nur als "Airs de Cour" über die Jarhunderte erhalten, Dumestre und sein Ensemble haben drei CD's von großen Meister der Epoche Henri IV. / Louis XIII aufgenommen:



    Si tu veux apprendre les pas à Danser
    Le Poème Harmonique / Dumestre


    Guedron, Moulinie und der berühmte Boesset werden hier zelebriert und geben ein faszinierendes Klangbild der "Vor Lully Ära" ab.
    Ein wunderbares und leider seltenes Zeugnis der großartigen Ballettmusik dieser Zeit.
    Eine absolute Entdeckung!
    Guedron war Oberhofmeister der Musik unter Henri IV. und wahrscheinlich auch der Musiklehrer des zukünftigen Louis XIII.
    Anthoine Boesset folgte unter Louis XIII Guedron im Amt nach und wurde der bevorzugte Komponist de Königs, sein Bruder der Herzog von Orlèons verpflichtete hingegen Etienne Moulinie für seine private Kapelle.


    Äußerst interessant sind bei Boesset und Moulinie die Adaption der spanischen Musik - wohl zu Ehren der Gemahlin des Königs, der spanischen Infantin Anna von Österreich.




    Le Voeu de Louis XIII
    Bouzignac: Assumpta est Maria
    Mouinie: Fulcite me floribus; Veni sponsa mea; Ego flos campi; Litanies de la Vierge
    Forme: Missa duobus choris; Ecce pulchra es; Domine salvum fac Regem
    Louis XIII: Tu crois, o beau soleil
    Boesset: Salve Regina
    Les Pages & Les Chantes, Olivier Schneebeli



    Diese Aufnahme ist eine absolute Repertoire Entdeckung!
    Damit verliert Monteverdi seine Allmachtstellung im Bereich der Kirchenmusik des beginnenden 17. Jahrhunderts.


    Die Qualität dieser Kompositionen sind unglaublich, ein absolut gleichwertiger Gegenpol zu den etablierten italienischen Musiken.
    Diese Aufnahme ist nicht nur wunderschön - ich war im positiven Sinne regelrecht "schockiert", sie ist eine ganz wichtige Veröffentlichung, die zeigt dass es noch lange nicht alle Meisterwerke entdeckt wurden!




    G.Bouzignac: Te Deum & Motets
    Les Arts Florissants - William Christie


    Bouzignac stand zwar nie im Dienst des Königshofes, seine Musik wird im Booklett als "innovativ, dramatisch und einzigartig" beschrieben, Worte die kaum diese krasse Andersartigkeit beschreiben können.
    William Christie hat nach über 350 Jahren diese Musik zu neuem Leben erweckt.




    E.Moulinie: Cantique de Moyse
    Les Arts Florissants - W.Christie


    Geistliche Musik von Moulinie "Gesänge des Moses"
    wunderbar musikalisch, fast schon im Air de Cour-Stil - Moulinie gehört zweifelsohne zu den aufregensten französischen Komponisten vor Lully.




    Concert des Violes
    Ensemble Mare Nostrum


    Die höfische Kammermusik in Frankreich ähnelte der Consort-Musicke in England, das Schwergewicht lag auf den Gamben.
    Das Ensemble Mare Nostrum spielt einige Werke für Gambenensemble aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, Kompositionen von Louis Couperin, E.Moulinie, F.Roberday,




    2008 feierte man in der Vendée das Richelieu-Jahr.
    1608 wurde Armand – Jean du Plessis de Richelieu Bischof von Lucon.
    Zu diesem Anlass gab es im Rahmen des Festivals de la Chabotterie, deren künstlerischer Leiter Hugo Reyne ist, zwei pionierhafte Konzerte mit noch nie in unserer Zeit aufgeführter Musik. Denn Richelieu war nicht nur Staatsmann, sondern auch ein großer Kunstkenner und begeisterter Musikliebhaber, genau wie Louis XIII.


    Die Konzerte hatten die Titel:


    « Musique Sacrée pour Richelieu »


    « Musique profane pour Richelieu »


    Glücklicherweise hat man sich entschlossen dieses Programme auf einer Doppel CD für den Markt zugänglich zu machen.
    Allerdings ist das CD Programm nicht identisch mit den Konzerten. Es fehlen z.B. die Airs de Cour von Moulinie und das Lamento de Cinq Mars von Barbara Strozzi. Aber diese Werke sind ja auch auf anderen Aufnahmen zu haben.




    Musique au Temps de Richelieu
    Maitrise d L'institut Musical de Vendee;Le Choeur du Marais, La Simphonie du Marais, Hugo Reyne


    Die erste CD ist der geistlichen Musik gewidmet.
    Man zog dafür u.a. die Bibliothek von Versailles heran, die ja Philidor sei Dank, einen großen Bestand dieser Alten Musik aufweißt.


    Das Programm beinhaltet folgende Werke:


    - Cantate Domino , Motette für die Belagerung von La Rochelle, Guillaume Bouzignac zugeschrieben


    - La Pacifique (Streicher Ensemblestück) von Louis Constantin


    - 3 kleinere Motetten die Guillaume Bouzignac zugeschrieben werden.


    - Ein anonymes Te Deum


    - Die Messe „Musica simplex“ von Nicolas Formé


    - Die Missa Laetamini von Annibal Gantez


    - Ein De Profundis von Anthoine Boesset


    - Und das von Schneebeli schon eingespielte „Domine Salvum fac Regem“ von Formé



    Die Kirchenmusik überrascht wieder durch ihre völlige Andersartigkeit.
    Und es zeigt sich erneut, dass dieser spezielle Kirchenmusik-Stil den man bisher nur von Bouzignac her kennt, der Musikstil dieser Epoche gewesen ist. Einzig die Missa Musica simplex von Formé ist noch in dem polyphonen Stil der Renaissance geschrieben – mit Antiphonen Einschüben.


    Auf der zweiten CD wurde das „Ballet de la Prosperite des armes de France“ (1641) aufgenommen.


    Dieses pompöse Ballett wurde im Februar des Jahres 1641 im Palais Cardinal (der spätere Palais Royal und Wirkungsstätte Lully, sowie das Gebäude das die spätere Academie Royale de Musique beherbergen sollte) aufgeführt. Anlass war die Hochzeit zwischen dem Duc d’Enghien, dem späteren Prinzen von Condé mit der Nichte des Kardinals. Einer der großen Träume des Kardinals ging damit in Erfüllung – seine Familie wurde Mitglied der königlichen Familie der Bourbonen. Mehr als hunderttausend Livre soll Richelieu das Spektakel wert gewesen sein.
    Das Libretto zu dem Hofballett schrieb sein Günstling Desmarest de Saint Sorlin. Die Musik stammte von Michel de Chancy, dem Oberhofmeister der Musik Richelieus, Louis de Molliere, La Barre und Verpré – also die bekannten Ballettmeister und Komponisten, deren berühmtestes Werk 13 Jahre später, 1654 das „Ballet Royal de la Nuit“ werden sollte. Natürlich war der ganze Hof anwesend, Louis XIII, Anna von Österreich und der zweijährige Dauphin, der spätere Sonnenkönig. Das Ballett selbst ist ausschließlich in der Sammlung Philidors erhalten, als Philidor Ende des 17. jahrhunderts den Auftrag von Louis XIV erhielt die alten Musikbestände zu ordnen und sauber abzuschreiben, war schon ein Teil verloren gegangen. Dennoch ergeben die erhalten Entrees fast eine Stunde Musik.
    Man kann davon ausgehen, das insbesondere die vokalen Kompositionen abhanden gekommen sind, obwohl einige wenige in der Partitur überdauert haben. Die Poesie von Desmarest de Saint Sorlin wurde nicht mit aufgenommen, allerdings werden einige Entrees angekündigt (von Hugo Reyne)


    Die Aufnahme zeigt einmal mehr woher die Wurzeln der Musik Lullys kommen, einfach faszinierend. Die Interpretation ist wunderbar gelungen, allerdings hätte ich mir im Ballet den Einsatz von Schlagwerk und Trompeten gewünscht. Generell ist die Besetzung wohl zu klein, aber so ein gewagtes Projekt muss auch finanzierbar sein.... Aber zumindest hat Reyne alte Oboen verwende, die man in Frankreich zwar auch als „Hautbois“ bezeichnet, in Deutschland aber eher als „Schalmei“ bezeichnen würde. Diese Einspielung ist ein wichtiger Meilenstein was die Erforschung dieser Musikepoche betrifft. Es ist unglaublich welch geniale Musik noch immer unbeachtet in den Bibliotheken herumliegt. In jedem Fall kann sich Frankreich rühmen ebensolche musikalischen Genies wie Italien hervorgebracht zu haben !
    Namen wie Boesset, Formé, Bouzignac, de Chancy und Moulinie wird man bald in einem Atemzug mit Gabrieli, Monteverdi, Peri, und Cavalli nennen müssen.


    Diese Pioniertat von Hugo Reyne und seinem Ensemble ist hoffentlich Anstoß gnug, mehr von dieser faszinierenden Musik zu spielen !

  • Die Regentschaft für den minderjährigen König, der später mal als Sonnenkönig in die Geschichte eingehen sollte, führte seine Mutter und der Kardinal Mazarin, gebürtiger Italiener (Giulio Mazarini).
    Er brachte eine ganze Horde von italienischen Musikern mit nach Paris, er selbst war äußert kunst- musikliebend und veranlasste auch die erste Aufführungen italienischer Opern in Paris.
    So ist es auch nicht verwunderlich, dass in jener zeit bei Hofe vor allem italienische Musik erklang - sehr zum Missfallen der frz. Hofmusiker und des Hofadels....




    Un Concert pour Mazarin
    P.Jaroussky - La Fenice - Tubéry


    Eine herrliche CD mit kurzweiligen italienischen Werken aus frz. Quellen, gesungen vom Countertenor Philippe Jaroussky.



    Echo de Paris
    S.van Dycke - Private Musicke


    Diese wunderschöne Aufnahme präsentiert Airs de Cour von frz. Komponisten (Guedron, Moulinie, Lambert etc.) und Arien und Instrumentalstücke italienischer Komponisten die damals in Mode waren.
    Mit Stephen van Dyke, einem lyrischen tenor ein Kontrastprogramm zur oben genannten CD.



    Luigi Rossi: Orfeo
    Les Arts Florissants - W.Christie


    Diese Oper wurde von Mazarin für den Hof bestellt. Rossis Orfeo gilt als eine der aufwendigsten Prunkopern jener Zeit - und sie soll aufgrund ihres unerhörten Aufwands auch der letzte Tropfen gewesen sein, der den Adel auf die barrikaden trieb, also die Fronde auslöste.
    Die Ähnlichkeit zu Monteverdis Musikstil ist natürlich vorhanden, doch versucht Rossi dem frz. Geschmack mehr zu entsprechen (Balletti, Chöre, Ensembleszenen...)



    In dieser unruhigen Zeit und danach entstanden die Cembalowerke von Louis Couperin. Sein Neffe François Couperin ist zwar heute bekannte, jedoch lohnen auch die Kompositionen des älteren Onkels.



    Louis Couperin: Suites
    Christophe Rousset


    Rousset, mein bevorzugter Cembalist, hat aus dem gesamten Oeuvre eine Auswahl getroffen und interpretiert die Stücke (meist Tanzssätze) meisterhaft auf einem originalen Cembalo von Louis Denis aus dem Jahr 1658.
    Eine der schönsten Cembaloaufnahmen meiner Meinung nach.



    Die Ballets du Roy 1653 - 1662



    Le Concert de la Nuit (Rekonstruktion des Ballet Royal de la Nuit)
    Ensemble Correspondances - Sébastien Daucé


    Es hat 362 Jahre gedauert, bis dieses Ballet in weiten Teilen wieder erklungen ist.
    Ludwig XIV in den 1680er Jahren André Danican Philidor damit beauftragt, die alten Partituren aus der königlichen Bibliothek zu sortieren, wenn nötig abzuschreiben und sorgsam aufzubewahren. Wahrscheinlich ist das Ballett in den Konzerten für den König durchaus noch mal zur Aufführung gelangt, denn genau dafür hatte Louis XIV den Auftrag ja erteilt: er liebte es im Alter sich durch die Aufführung der alten Musik in seine Jugend zurück zu versetzen.


    1653 nach dem Sturz der Fronde wurde der Triumph des Königshauses mit einer ganzen Reihe von Feierlichkeiten demonstriert.
    Es kam eine große Festoper zur Aufführung "Le nozze di Peleo e di Theti" von Carlo Caproli, auf ein Libretto von Francesco Buti. Die Partitur ist verloren, jedoch nicht das Ballett das wahrscheinlich von Louis de Molliere geschrieben wurde.
    Der zweite Höhepunkt war das aufwendige "Ballet Royal de la Nuit"
    In beiden Balletten tanzten Louis XIV und sein Bruder, der Duc d'Orleans - sowie der jüngere der englischen Stuart Prinzen, James (der spätere James II.)


    Das Ballett selbst wurde immer wieder erwähnt, sei es zur Lebensgeschichte Louis XIV, Lullys oder zur Geschichte des Balletts allgemein. Es gilt als eines der zentralen Werke der europäischen Kunstgeschichte - denn der damalige Eindruck den dieses Werk machte, wurde weit über die Grenzen Frankreichs gerühmt. Doch bis auf zwei, drei Abbildungen, sowie den Namen des Balletts und den Sachverhalt, dass der junge Louis XIV hier zum ersten mal als aufgehende Sonne auftrat, ging man nicht näher auf das Werk ein.
    Eine wissenschaftliche Untersuchung fand bisher nicht statt - und so war dieses so berühmte Werk letztlich doch nur ein Mythos.


    Sébastian Daucé beschäftigte sich mit dem Werk und versuchte sich an einer Rekonstruktion.
    Die Ausgangslage war mir selbst wohl bekannt:
    In der Philidor Handschrift sind die Instrumentalsätze des Ballets erhalten, auch einige wenige Airs de Cour. Doch nur in minimaler Notation. Das Ballett selbst ist so keinesfalls vollständig.
    Es fehlte die Poesie, die Chöre und vieles mehr.
    Ein französisches Ballet de Cour des 17. Jahrhunderts widerspricht im Grunde allen Erwartungshaltungen die man bedingt durch Vorstellungen aus dem 19. und 20. Jahrhundert anerzogen bekam: Es gibt keinen "Komponisten" , ein solches Ballett ist von Anfang an als ein Gemeinschaftsprojekt aller Hofkünstler konzipiert worden:
    Die Komponisten die vorwiegend für Vokalmusik zuständig waren, wie Jean Cambefort und Michel Lambert schrieben die Gesangseinlagen, also Airs de Cour und Chöre.
    Die Tanzsätze wurden von den Tanzmeistern geschrieben, allen voran Louis de Molliere, Pierre Beauchamps, aber auch von den Kapellmeistern wie Guillaume Dumanoir.
    Die Poesie die sowohl vertont als auch als Rezitation vorgetragen wurde stammt von Isaac de Benserade.


    Die Vorliegende Aufnahme ist hervorragend musiziert und instrumentiert. Denn gerade was die Instrumentierung anbelangt, muss man unter strengen Gesichtspunkten sagen, dass da noch viel Luft nach oben ist. Hier hat man endlich einen 5-stimmigen Orchestersatz, und statt der leidigen Barockoboen erklingen Schalmeien. Aber ganz ohne Kritik kommt diese Einspielung doch nicht weg.
    Daucé griff bei seiner Rekonstruktion zusätzlich noch auf Kompositionen von Luigi Rossi (Orfeo) und Francesco Cavalli (Ercole amante) zurück.
    Eine in meinen Augen fragwürdige und problematische Entscheidung. Zumal beide Opern schon in Aufnahmen vorliegen, teilweise sogar mehrfach: und gerade Ercole amante ist nun mal die Hochzeitsoper (1662) Louis XIV und hat mit diesem Ballet schlicht nichts zu tun.
    Da hätte man andere Lösungen finden können.
    Zumal ist mein Eindruck, dass so ausgedehnte italienische Passagen im Ballet de la Nuit nicht vorgesehen sind (zumal ja parallel noch eine italienische Oper gegeben wurde).
    Stattdessen hätte man lieber die kompletten Tanzsätze aus der Handschrift übernehmen sollen oder weitere Airs von Cambefort, was aber nicht gemacht wurde um den Raum für besagte Opernpassagen zu nutzen.
    So muss man sich mit etwa 2/3 der erhaltenen Tanzsätze begnügen: dabei wäre es doch wesentlich interessanter gewesen mehr von der erhaltenen - völlig unbekannten - Musik vorzuführen.
    Trotzdem ist die Einspielung ein Glücksfall und zum Louis XIV-Jubiläumsjahr 2015 die wichtigste Veröffentlichung.




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    Guillaume Dumanoir - Suites d'Orchestre
    Le Concert des Nations - J.Savall


    Dumanoir hatte schon unter Louis XIII die Leitung der 24 Violinen des Königs und war zusammen mit Jean baptiste Boesset und Louis de Molliere verantwortlich für die Ballets de Cour.
    Die hier aufgenommenen Stücke sind solche Tanzsätze aus diesen frühen Ballets de Cour. Diese Werke haben nur in den Bibliotheken in Kassel und Stockholm überlebt - und sind mit die frühesten Beispiele für frz. Orchestermusik des 17. Jahrhunderts.
    Prächtig instrumentiert und gespielt vermitteln sie ein schillerndes musikalisches Bild vom französischen Hof der 1650er und frühen 1660er Jahre.




    Michel Lambert: Airs de Cour
    Les Arts Florissants - W.Christie


    Lambert war zu Zeiten der Ballets de Cour der "frz. Orpheus", er wurde als Komponist für Vokalmusik über alle Maßen geschätzt. Und nebenbei wurde er auch Lullys Schwiegervater, und viele seiner Kompositionen waren Bestandteil der Ballette des Florentiners.
    W.Christie hat eine Auswahl aus verschiedenen Publikationen dieser Airs de Cour getroffen und sie mit seinem Ensemble kongenial eingespielt.



    Ballet Music for the Sunking
    Aradia Baroque Ensemble


    Diese nette Aufnahme gibt einen Eindruck von Lullys ersten Kompositionen für den jungen König. Es sind die Ballettmusiken aus den 1650er Jahren, wie z.B. "Le Ballet des Plaisirs" von 1655 oder "Le Ballet de l'Amour malade" von 1657 "Le Ballet d'Alcidiane" von 1658 und zu "Xerxes" 1660. Die Interpretation ist sehr fein und elegant, vielleicht ein wenig zu zart. Etwas seltsam wirkt das Trompetenstück aus Xerxes, hier sollte / wollte man wohl eine "Trompette Marine" imitieren, ohne zu wissen, um was es eigentlich geht - gemeint ist ein Trumscheit.
    Eine reine Trompeten-Interpretation mit ordentlich "Bums" kann man auf dem Album "der König tanzt" erleben. Bis auf dies absolut mißglückte Stück eine rundum gelungene Aufnahme.




    Die Hochzeit Louis XIV


    Die Hochzeit des Sonnenkönigs ist Anlass gewesen, einige wirklich großartige Musikwerke aufzuführen.
    Die Hochzeit selbst war reines Machtkalkül, Kardinal Mazarin arrangierte diese Hochzeit, die den Pyrenäenfrieden besiegeln sollte.
    1660 war es dann soweit. Louis XIV reiste mit seinem gesamten Hofstaat Richtung Spanien. Auf der Fasaninsel wurde dann das Treffen zwischen dem spanischen König Philipp IV. und Louis XIV vorgenommen. Die Infantin, die zukünftige Königin Frankreichs, Marie Thersée soll dem jungen König nicht sonderlich zugesagt haben. Es gibt sogar die Erzählung, dass er sich bei seinem Cousin dem großen Condé über ihre Flachbrüstigkeit ausgeweint haben soll.
    Auf der gesamten Reise begleitet Louis XIV auch sein Hoforchester.


    Die Reise war von Festlichkeiten begleitet. So ist überliefert, dass es ständig Ballette und Bälle gab. Der Hof reiste von Paris nach Fontainebleau, Chambord, Blois Bordeaux, Cadillac, Barsac, Bazas, Casteljaloux, Nérac, Lectoure, L’Isle –Jourdain, Mauvais und schließlich Toulouse. Dort wurde das „Ballet Royal de Toulouse“ aufgeführt. In Bayonne spielten sieben Oboen auf einem Schiff, in Perpignan wurde ein Ball im spanischen Stil gegeben in Aix en Provence ein Te Deum gesungen und Carcassonne ein weiteres Ballett aufgeführt.


    Die Hochzeit selbst fand in Saint Jean de Luz statt.
    Einige Einzelheiten sind überliefert, jedoch weiß man nicht welche Musiken wirklich aufgeführt wurden.
    Lully dirigierte sein Orchester, und Louis Couperin spielte die Orgel. Beim triumphalen Einzug des Königs in Paris wurde Lullys Motette „Jubilate Deo“ aufgeführt – auch Motet de la Paix genannt. Diese Motette war Lullys erstes religiöses Werk.
    Der König der nur die Ballettmusiken seine Lieblingskomponisten kannte, war mehr als begeistert und ließ die Motette noch mehrere Male singen.


    Mazarin hatte niemand geringeren als Francesco Cavalli engagiert um die Festoper zur Hochzeit des frz. Königs zu schreiben.
    Im Palais des Tuilleries wurde unter der Anleitung von Torelli ein fantastischer „Salle des Maschines“ installierte. Doch weder die Prunkoper „Ercole amante“ noch der neue Theater Saal wurden rechtzeitig fertig. Stattdessen wich man auf das Theater im „Petit Bourbon“ aus und Cavalli arrangierte dafür ein älteres Werk um „Xerxes“. Zu beiden Opern schrieb Lully großartige Ballettmusiken.
    Zudem soll Lully seinen Kollegen Cavalli in seiner Arbeit an der Oper „Ercole amante“ massiv sabotiert haben. Xerxes fiel beim Publikum durch, Lullys Ballettmusiken wurden gefeiert.
    Mit der Festoper „Ercole amante“ wurde der neue Theatersaal der Tuilleries eingeweiht. Lully komponierte ein prächtiges Ballett dazu „Le Ballet Royal d’Hercule amoureux“ In diesem Ballet trat Louis XIV gleich drei mal als Tänzer auf:
    - Als Repräsentant des Hauses Frankreichs
    - Als Mars
    - Und schließlich als Sonne im abschließenden „Ballett Royal des sept Planetes“


    Dieser letzte Auftritt brachte Louis XIV den Spitsnamen „Roi Soleil“ ein, denn der Hof skandierte beim Auftritt des Königs „Vive le Roi – Soleil“


    Hugo Reyne hat nun endlich als Vol. IX seiner Serie „Lully ou le Musicien du Soleil“ diese Hochzeit musikalisch thematisiert.



    Musiques pour le Marriage de Louis XIV
    La Simphonie du Marais / Reyne


    Enthalten ist auf CD 1 :


    Aus dem Ballet de Toulouse die Ouverture und eine Gigue, die einzigen Sätze die aus diesem Ballett überdauert haben.
    Die gesamte Ballettmusik zu Xerxes von Lully.
    Drei Airs de la Paix, zwei davon von Lully, das andere von Lambert.
    Und die Motet de la Paix „Jubilate deo“ von Lully


    Auf CD 2:


    Der Prolog und das Finale der Prunkoper „Ercole amante“ von Francesco Cavalli
    Sowie die gesamte Ballettmusik „Hercule Amoureux“ von Lully


    Die Interpretation ist wie auch bei den anderen Einspielungen des Ensembles wunderbar.
    Die Tänze werden im richtigen Tempo gespielt, prächtig instrumentiert und teilweise mit Schlagwerk untermalt.
    Auch die Opernszenen sind hervorragend gelungen.
    Besonders beeindruckt die Motette, die im Vergleich zu Schneebelis Einspielung zwar solitischer ist, aber viel besser gestaltet wurde.


    Das Hightlight ist natürlich die Ballettmusik zu „Ercole amante“ Nach allem was ich bisher von Lullys Ballettmusik kenne, ist dies mit Abstand die Beste. Genauso habe ich mir das vorgestellt – ein Jammer dass bei der alten Aufnahme der Cavalli Oper diese Ballette ausgespart worden sind, denn sie verdienen wirklich Beachtung. Und der Unterschied zwischen der italienischen und der französischen Musik wird hier wirklich mehr als deutlich. Besonders Reizvoll ist auch ein Sprecher der zwischen den Musiknummern historische Briefe zitiert oder die Texte zu den Balletten vorträgt.


    die Zeit der großen Hoffeste...



    Lully: Le Carrousel 1686 / Les Plaisirs de l'Îsle enchantée / La Grotte de Versailles
    La Simphonie du Marais / Reyne


    Diese Aufnahme gibt uns einen kurzen Einblick in die verschwenderische Musik für die Gartenfeste in Versailles. Es wird das äußerst pompöse Carrousel de Monseigneur von 1686 gespielt, einige Instrumentalstücke aus dem Ballet des Saisons aus den "Plaisirs de L'îsle enchantée" von 1664 und das Divertissement "La Grotte de Versailles" von 1668.


    Das Divertissement wurde als Huldigung für eines der schönsten Kunstwerke des Parks von Versailles geschrieben, die Thetis Grotte.
    Leider wurde die Grotte schon bald wieder abgerissen, da man den Platz für den monströsen Südflügel benötigte.
    Die berühmte Apollogruppe ist das einzige was davon übrig blieb.
    Die Grotte wurde bevorzugt als Kulisse für Theateraufführungen benutzt und galt als ein kleines Weltwunder.

  • Die Regentschaft des Sonnenkönigs gehört zu den längsten in der geschichte. So ist es kaum ein Wunder, dass er nicht nur seine gesamte Familie überlebte, sondern eben auch gleich Generationen von Künstlern.
    Das Leben des Sonnenkönigs hatte im Prinzip 3 große "Epochen":
    - seine Kindheit, bestimmt vom Bürgerkrieg und der Regentschaft des Kardinal Mazarins.
    - seine Jugend, bestimmt durch die Machtergreifung, die höfischen Feste und dem damit verbundenen Bau des Schlosses von Versailles
    - seine reifen Jahre als "Louis le Grand", bestimmt durch Reliogiösität und Kriege.


    1682 entschloss sich der König von nun an Hof in Versailles zu halten, dies bedeutete eine Verlegung des Regierungssitzes von Paris nach Versailles. Die Hofmusik wurde neu organisiert, vor allem die geistliche Musik bekam einen völlig neuen Stellenwert. Manche vermuten hier den Einfluss von Madame de Maintenon, die er kurz nach dem Tod der Königin (1683) auch geheiratet haben soll.
    Die Musik der "Grande Ecurie" war zusammen mit der "Chambre du Roy" die älteste Musikabteilung des Hofes. Organisiert wie ein Ministerium und in den gewaltigen Gebäudekomplex der Ecuries in Versailles untergebracht, war diese Gruppierung für die Militär- und Zeremonialmusik zuständig: Trompeter, Trommler, die Oboen und Flöten und viele weitere Instrumente.




    André Danican Philidor / Jean Baptiste Lully: Marches & Fêtes pour Louis XIV
    La Simphonie du Marais / Reyne


    Zeremonial- und Militärmusik bestimmten den tagesablauf in Versailles.
    Mag sein dass hinter militärischen oder höfischen Fanfaren nicht unbedingt ein größerer musikalischer Anspruch auszumachen ist, aber dafür ist der historische und der musikgeschichtliche Wert unbestritten. Hugo Reyne hat mit seinem Ensemble eine Auswahl aus der gewaltigen Philidor-Sammlung getroffen. Es erklingen militärische Märsche, Fanfaren, aber auch Kammer- und Ballettmusiken für Oboenensembles, wie sie für Freilichtaufführungen in den Gärten von Versailles oder "Marly-le-Roi" an der Tagesordnung waren.
    Lully war der erste Musiker der die Militärmusik zur Kunstmusik erhob.
    In Zusammenarbeit mit der Familie Philidor entstanden so eine ganze Palette von prächtiger Musik für alle möglichen königlichen Anlässe.


    Besonders interessant sind solche Werke wie z:b: der "Marche funebre pour le Convoi de Louis XIV" also für den Trauerzug Louis XIV.
    (Nach Augenzeugenberichten wurde der Sarg, als er von Versailles nach Paris überführt wurde, mit Steinen beworfen...)


    eine Ergänzung stellt diese CD dar:



    Musique de la Grande Ecurie
    Ensemble Arcimboldo


    Auch hier werden die verschiedenen Werke thematisch vorgestellt. Die große Besonderheit dieser Aufnahme ist jedoch, dass man hier zum ersten Male, einige der rekonstruierten Blasinstrumente des frz. Hofes zu Gehör bringt.



    3 mal die Woche fanden in den große Gemächern des Schlosses das sogenannte "Appartement" statt. Jeder der Räume wurde für einen bestimmten Zweck bestimmt:
    Im Salon der Venus wurde ein Buffet aufgebaut
    im Salon der Diana spielte man Billard
    im Salon des Mars wurde getanzt
    im Salon des Mercure wurde gespielt
    und im Salon des Apollo fanden Konzerte statt


    Einen wunderbaren Einblick in die Musiken für die damaligen Hofbälle, vermittelt diese Doppel CD:



    Musiques à Danser
    CD 1: Les Talens Lyriques / Rousset: Musiques pour la Opera
    CD 2: La Simphonie du Marais / Reyne: Musiques à la Cour


    Die beiden Ensembles haben sich hier mit der legendären Barocktanztruppe "Ris et Danceries" zusammengetan. Francine Lancelot die Leiterin hat zu dieser Aufnahme angeregt - denn diese Aufnahme war die erste ihrer Art, d.H. die Tempi sind auf die Tänzer abgestimmt. Nicht die Noten sondern die Tanzschriften von Pecour und Beauchamps waren hier maßgebend.
    Gerade für Liebhaber und Entdecker des Barocktanzes ist diese Aufnahme ein wahres Juwel.
    Auf der ersten CD werden"theatralische" Tänze für die Oper und das Ballett vorgestellt, die bei Hofe häufig als Konzertmusik gespielt wurden. Dazu bediente man sich aus einigen berühmten Werken Lullys ( Thésée, Roland, Persee, Acis et Galatée, Phaeton... ) und Bühnenwerken anderer am Hof angestellter Komponisten wie Marais, Destouches und Campra. Einige dieser Szenen werden auch gesungen, andere von Christophe Rousset als Cembalo-Transkription gespielt.


    Die zweite CD widmet sich der Musik zu den Hofbällen, wie sie wohl unter Louis XIV erklangen. Tanzsuiten von Lully und Philidor sowie etlichen einzelnen Tänzen von Marais, Campra, Colasse, Desmarest, Delalande uva. geben hier einen abwechslungsreichen Einblick in das Repertoire.


    Besonders beliebt waren zu jener zeit "Pieces en Trio" als Konzertmusik.



    Marais: Pieces en Trio
    Ensemble Amalia


    Marin Marais ist eigentlich für seine Werke für Viola da Gamba mit Generalbaßbegleitung berümt, doch brachte er 1692 diese "Triostücke für Flöten, Violinen und Diskantgambe" heraus. Das Ensemble Amalia erweitert die Bestetzung, so erklingen 2 Oboen, 2 Flöten, 2 Violinen, Fagott, 2 Gamben, Theorbe und Cembalo und schaffen so einen reichen vollen Klang. Leider hat das Ensemble keine Gesamtaufnahme vorgelegt, sondern nur zwei Suiten ausgewählt.


    ähnlich stimmungsvoll und klangschön sind die Pieces en Trio von Gaultier de Marseille:



    Pierre Gaultier de Marseille: Symphonies
    La Simphonie du Marais / Reyne


    Gautier de Marseille stand nie im direkten Bezug zum Hof des Sonnenkönigs, doch war er ein angesehener Komponist in der Provinz, doch viel weiß man nicht über ihn. Er gründete das erste Opernhaus in Marseille um dort die Opern Lullys aufzuführen (Bellerophon, Atys, Alceste und Armide...)
    Diese Pieces und Simphonien sind kleine Meisterwerke und natürlich im Stile Lullys abgefasst. Reyne und sein Ensemble haben hier wirklich eine Spitzenleistung erbracht. Reyne selbst spielt hier mit seinem Kollegen Nicolas im Duett die Tenorblockflöte, sie werden von Cohen-Arkenine & Gaubert-Jacques (Violinen), Jacques (Violoncello), Dumeste (Theorbe und Gitarre) und Joyé (Cembalo) begleitet.




    Robert de Visée
    Ensemble Ornamente 99


    de Visée war Lauten- und Gitarrenspieler des Königs. Das Ensemble Ornamente 99 haben jedoch eine Bearbeitung dieser Werke für Kammerensemble aufgegriffen. Eine äußert reizvolle Aufnahme und Version dieser Lauten- und Gitarrenssuiten.



    Nebem dem Lever und Coucher war ddas Tafelzeremoniell zum Dîner und zum Souper bei Hofe die Hauptattraktion. Beim Dîner speißte der König allein vor dem versammelten Hof, beim Souper mit seiner Familie zusammen - ebenfalls unter den Augen des Publikum. Natürlich erklang auch hier Musik. Aus der Philidorsammlung geht hervor, dass diese "Plusieurs Airs" aus hunderten Stücken bestanden, meist von Lully, aber auch von Corelli und natürlich Michel Richard Delalande. Jener Mann, der Lully als Oberhofmeister der Musik im Amt nachfolgte:




    M.R.Delalande: Simphonies pour les Soupers du Roy
    La Simphonie du Marais - Hugo Reyne


    Diese Sammlung von 12 Orchestersuiten in der Fassung von 1713 gehört zu den wichtigsten musikalischen Monumenten des frz. Barock.
    Delalande stellte die Suiten aus seinen Balletten zusammen, komponierte aber auch viele Stücke neu. Das herausragendste Stück der gesamten Sammlung viel auch dem kunstsinnigen König auf und weil er dieses Stück so häufig zu hören wünschte, erhielt diese Orchesterfantasie, vielleicht das früheste Beispiel sinfonischer Musik, auch den Beinamen "Grande Pieces Royal" mit dem Vermerk in der Partitur "welches der König so häufig zu hören wünschte.
    Das Ensemble liefert hier eine Glanzleistung ab - eine wichtige und zugleich wunderbare Veröffentlichung.




    Jeden Sonntag hatte François Couperin Kammerkonzerte für den König und Madame de Maintenon zu arrangieren.
    So hatte er auch Gelegnheit seine eigenen Kompositionen dem König vorzuführen. In dieser Zeit entstanden nicht nur die Pieces de Clavecin, ein weiteres Monument der frz. Musik, sondern auch die Sonaten und Concerte die Couperin in den 1720er Jahren dann als "Les Nations" "Concerts Royaux" und "les gouts reuinis" veröffentlichte.




    F.Couperin: Pieces de Clavecin
    Christophe Rousset


    Für mich immer noch die absolute Referenz! Ein gewaltiges Werk - auf historischen Instrumenten der Zeit interpretiert vom besten Cembalisten. Couperin komponierte mehr als 240 Stücke für Cembalo, in sogenannten "Ordres" (Suites, insgesamt 27) sortiert, es sind zum Teil gewöhnliche Tanzsätze, aber den größten Teil machen Charakterstücke aus, mit chiffrierten Bezeichnungen.



    F.Couperin: Concerts Royaux
    Jordi Savall


    Couperins Concerts Royaux sind, wie bereits erwähnt, ursprünglich für die privaten Konzerte des Königs entstanden.
    Die 4 Konzerte unterscheiden sich stark in Stimmung und Charakter, Savall unterstützt dies mit der Besetzung.
    Eine hervorragende Interpretation dieser Werke.



    F.Couperin: Concert dans le gôut théatral
    Capriccio Stravagante - S.Sempé


    Eine außergewöhnliche Aufnahme:
    Peter Holman, der Leiter der Parley of Instruments, der ja auch einen Hang zur frz. Orchestermusik hat, ist der Meinung, dass Couperin auch Orchesterwerke und vielleicht sogar ein theatralisches Divertissement geschrieben hat. Anlass zu dieser Vermutung war das 8. Concert der „ Goûts reuinis“, die Fortsetzung der Concerts Royaux. Dieses achte Konzert unterscheidet sich erheblich von den übrigen Konzerten. Es ist nicht nur das längste, im Gegensatz zu den anderen Werken wird es auch als einziges durch eine Ouverture eröffnet und verfügt über sehr theatralische Tänze und Szenenmusiken. So lautet die Vermutung, dass dieses Konzert vielleicht das Fragment eines Divertissemnst oder Ballets gewesen ist, das bei den Appartements des Sonnenkönigs in Versailles aufgeführt wurde.
    Man wird es wohl nie wissen, denn außer diesem außergewöhnlichem Konzert weißt nichts darauf hin.


    Eine solche Überlegung führte dann schließlich zu einer Orchesterfassung durch J.E.Gardiner, eine tolle Aufnahme dieses Concerts in Verbindung mit den "Aphotheoses"
    Skip Sempé ging mit seinem Ensemble jedoch noch einen Schritt weiter: Er kombinierte das Concert mit den Airs serieux und Airs à boire Couperins und entwarf so ein richtiges kleines Divertissement, wie es bei Hofe erklungen sein könnte.



    Täglich ging der König zur Messe, 2 Chöre hatten das ganze Jahr über Dienst im Schichtbetrieb. Jeden (!) Tag erklangen in der königlichen Kapelle die großen Motetten - ein gewaltiger musikalischer und logistischer Aufwand.
    Delalande galt längst als Lully des Lateinischen, seine "Grands Motets" bestimmten die Kirchenmusik bis zur frz. Revolution.




    Delalande: Te Deum
    + Super Flumina Babylonis
    + Confitebor tibi Domine
    Les Arts Florissants - William Christie


    Delalandes Te Deum war die am häufigsten gespielte Motette in Versailles. Die beiden anderen Grands Motets zeigen den für delalande typischen Stil seiner Kirchemusik.
    Eine fabelhafte Aufnahme - unerreicht von Les Arts Florissants interpretiert.



    neben den Grands Motets wurden auch noch stets die "Petit Motets" gesungen, Werke für 1 - 3 Stimmen und B.C. Begleitung.



    Couperin / Du Mont: Petit Motets
    Les Talens Lyriques


    zwei Cds die in den 90er jahren ursprünglich bei FNAC in der Serie "Musique à Versailles" erschienen sind.
    Les Talens Lyriques unter C.Rousset interpretieren diese herrlichen Werke in Perfektion.




    Henri Dumont: Grands Motets pour Louis XIV
    Schneebeli


    Auch diese CD erschien ursprünglich in der Versailles-Reihe bei FNAC. Du Monts Grand Motets aus der Ära Lullys sind schlicht, groß und prächtig. Auch wenn Du Monts Motetten nach seinem Auisscheiden 1683 und seinem kurz darauf erfolgten Tod bald in Vergessenheit gerieten, so lohnen sich diese eleganten Meisterwerke durchaus. Es ist eben königliche Musik.

  • Louis XV steht heute für Louis-Quinze-Stil, das frz. Rokoko, die Epoche der Aufklärung, aber auch für den Niedergang der Monarchie. Ebenso steht er als Person völlig im Schatten seiner langjährigen Maitresse Madame de Pompadour.
    Der Aufgabe nicht gewachsen seinem Großvater nachzufolgen floh er nicht nur aus der Rolle des Königs, sondern auch aus den großen Gemächern des Schlosses und aus dem Blick des Hofes.


    Jean Philippe Rameau war der tonangebende Komponist im Frankreich Ludwig XV. doch gab es eine ganze Riege von Komponisten, die ihm in Qualität nicht nachstehen.




    Francois Francoeur & Francois Rebel: Pirame et Tisbe, Tragèdie Lyrique en 5 actes et un Prologue (Version 1779)
    Ensemble Stradivaria / Cuiller



    Francois Francoeur gehört wohl zu den interessantesten Komponisten neben Rameau und Mondonville. Der Gedanke drängt sich sowieso schon auf, wenn man die „Symphonies pour le Festin Royale du Comte d’Artois“ hört. Francoeur war Superintendant der königlichen Musik, diesen Posten teilte er sich, wie auch die Arbeit an Bühnenwerken, mit Francois Rebel, dem Sohn des Heute wesentlich bekannteren Jean Fery Rebel. Das Werk war eine ihrer ersten gemeinsamen Arbeiten und wurde erstmals 1726 an der Academie Royale de Musique aufgeführt.
    Da beide Künstler noch sehr jung waren, bekam die Oper den Beinamen „L’Opera des enfants“ die Oper der Kinder.
    Dennoch die Oper war ein großer Erfolg und das über 50 ! Jahre hinweg. Zwar war man sich sicher, dass die beiden jungen Männer Hilfe von „einem großen Meister“ bekamen – womit nur Michel Richard Delalande gemeint sein kann. Denn die Zeitgenossen meinten zu glauben, dass die Chöre so wunderbar seien, dass sie nur von Delalande sein könnten.
    Das mag wohl sein, denn die beiden gaben zu, Hilfe gehabt zu haben.
    Alles in allem ist es eine ganz vorzügliche Tragèdie Lyrique. Und wenn man bedenkt, dass die hier vorliegende Version von 1779 stammte, so kann man nur wieder staunen, wie groß der Einfluss Lullys, noch fast 100 Jahre nach seinem Wirken gewesen ist.
    Die Sonderstellung Rameaus wird zwar so auch hervorgehoben – denn die anderen Komponisten scheinen seine extravagante Instrumentation nicht mitgetragen zu haben. Allenfalls der Einfluss von Campra ist deutlich hörbar. Diese Oper ist absolut konservativ im Stile Lully verfasst, was wohl auch der Grund für den enormen Erfolg gewesen ist. Pirame e Tisbe ist ein Meisterwerk, die Oper verfügt über alles was eine Tragèdie Lyrique haben sollte, natürlich gibt es ausgedehnte Rezitative nach dem Vorbild Lullys, eine schöne Chaconne, eine große Szenen mit Pauken und Trompeten und viele Tänze und natürlich auch eine Art Sturm. Der Schluss der Oper ist dramatisch, aber knapp – kein Chor, keine Instrumentalnummer.
    Das Libretto stammte von Jean Louis Ignace de la Serre, Sieur de L’Anglade und schien dem damaligen Publikum sehr zuszusagen.
    Das Werk selbst war dem Prince de Conti gewidmet.


    Die Interpretation ist tadelos und bewegt sich auf höchstem Niveau.
    Eine wirkliche Entdeckung die das Bild der Oper des 18. Jahrhunderts sehr bereichert.
    Die Story dürfte auch jedem bekannt sein, die mythologische Geschichte von Pyramus und Tisbe ist so ziemlich die gleiche Geschichte wie Romeo und Julia.




    Henri Madin: te Deum pour les Victoires de Louis XV
    Stradivaria - Les Cris de Paris - D.Cuiller


    Eine schöne Aufnahme. Eindrucksvoll die Komposition, es ist die wohl monumentalste Vertonung des Te Deum aus der Epoche der Bourbonenkönige. Prächtige Fanfaren wechseln mit Chören im Stil Delalandes und zarten Passagen die an Rameau erinnern.
    Kein Wunder, dass Madins Motetten, neben denen von Delalande, den Spielplan der Chapelle Royale im 18. Jahrhundert dominierten.



    Der Komponist dem die Gunst der Madame de Pompadour gehörte war Jean Joseph Cassanea de Mondonville. Seinen Ruf hatte er mit der Komposition von Grands Motets begründet, die er für das Concert Spirituel komponiert - auch der König und die Königin waren von diesen Motetten sehr angetan - so dass er fortan auch für die Chappel Royale als Maitre de Chapelle zu komponieren hatte.



    Mondonville
    Motetten

    Dominus Regnavit; In exitu Israel; De Profundis
    Daneman, Wieczorek, Agnew, Koningsberger,
    Les Arts Florissants, Christie


    Die Motette "In exitu Israel" sticht durch ihre gewagten "Szenen" heraus, wie z.B. das toben des Meeres, ein "Sturm"
    der genausogut in einer Tragèdie Lyrique seinen Platz gefunden hätte.
    Mondonvilles Kirchenmusik ist unbedingt hörenswert.




    Mondonville: Titon et l'Auroe
    Les Musiciens du Louvre - Minkowski


    Diese Pastorale-Heroique wurde zum Schlachtschiff der frz. Opernpartei wärend des Buffonistenstreits - und löste Lullys Armide als beliebteste Oper ab und auch als Paradebeispiel, wie eine frz. Oper zu sein habe.
    Mondonville schuf herrliche Szenen, Ariettes und Tänze.
    Völlig anders als Rameau - und doch eine Qualität von gleicher Schönheit.



    Mondonville: Les Fêtes de Paphos
    Les Talens Lyriques - Rousset


    Les Fêtes de Paphos ist ähnlich wie Rameaus "Les Indes Galantes" ein Opera Ballet, jedoch wurde das Werk erst später zu diesem Gesamtwerk: die 3 Entrées oder Divertissements waren zunächst eigene Werke für das Petit Theatre in versailles der madame de Pompadour.
    Sie bestellte diese Werke in denen sie eslbst mitsang um den König von seinen Depressionen abzulenken.
    So beinhaltet dieses Werk 3 reizende Miniaturopern: Bacchus et Erigone, Venus et Adonis und Amour et Psyche.



    Jean Marie Leclair war zeitweise königlicher Kammermusiker und Giger in der Chapelle Royale, doch durch Streitigkeiten mit Kollegen gab er wütend diese Posten auf. Nach seiner Zeit bei Hofe studierte er bei Locatelli und schuf sich innerhalb kürzlich einen Ruf als französischer Corelli.
    Ob seine Violinkonzerten jemals bei Hofe aufgeführt wurden ist ungewiss, doch gehören sie meiner meinung nach zu den schönsten Instrumentalwerken des frz. Rokoko





    Simon Standage hat mit seinem Ensemble die Concertos aus Op.7 und Op. 10 eingespielt.



    Leclair schrieb zahlreiche Sonaten für Violine und B.C. aber auch eine Tragèdie Lyrique. Hier folgt er jedoch ganz dem ideal von Rameau:



    J.M.Leclair: Scylla et Glaucus
    The English Baroque Soloists - J.E.Gardiner


    Das Werk wurde 1746 in Paris aufgeführt und ist durchaus hörenswert.
    Leclairs Tragèdie Lyrique vermag sich nicht aus den Konventionen der zeit zu lösen, warum auch ? Es ist ein herrliches Werk, mit atemberaubenden Szenen und einer rundum gelungenen Interpretation.




    J.Duphly: Pieces de Clavecin
    Elisabeth Joye


    Duphly stand nie direkt im Kontakt zum Hof, er war in paris ein gefeierter Cembalist, der aber noch zu Lebzeiten bald vergessen wurde. Eigentlich unverständlich, gehören seine Cembalowerke zum besten und aufregensten, was ich bisher für dieses Instrument hörte.
    Auf dieser feinen CD wurde eine herrliche und repräsentative Auswahl seiner Stücke getroffen.



    1774 starb Louis XV
    zu seiner Totenmesse wurde eine äußert populäre Totenmesse gesungen. Totenmessen - so makaber es klingen mag - waren schon seit langem auch im Konzertbetrieb zu hören, den Höhepunkt stellt hier ohne Zweifel Gossecs Grande Messe des Morts da.



    Jean Gilles: Requiem
    La Chapelle Royale - Herreweghe


    Jean Gilles war zu seinen lebzeiten praktisch unbekannt, erst durch André Campra, der das Requiem in Paris aufführte, wurde Gilles ein Begriff. Diese heitere, tröstende Musik ist nicht vergleichbar mit der Wucht in moll wie man es von Verdi oder Mozart her gewohnt ist.
    Dieses Requiem wurde auch zum begräbnis des großen rameau aufgeführt - und eben auch für Louis XV.


    Herreweghes Interpretation ist mir die liebste, auch - oder vor allem wegen der Sänger.

  • Louis XVI stand stets im Schatten seiner Gemahlin. Zwar war auch er im geringen Umfang musikalisch interessiert, aber keinesfalls in dem Ausmaß wie Louis XIV oder Louis XV.
    Marie Antoinette liebte auch eher leichte Kost, an den einheimischen Komponisten fand sie keinen Gefallen und schenkte ihre Protektion lieber dem Mann, den sie schon aus ihrer Kindheit kannte: Christoph Willibald Gluck.


    Gluck schrieb auch ein Ballett, das am frz. Hof aufgeführt wurde, als der Ehevertrag zwischen Frankreich und Österreich geschlossen wurde.




    Gluck: Alessandro, Ballet
    + J.F.Rebel: Les Elements
    + G.P.Telemann: Sonate in e-moll


    R.Goebel hat dieses geschichtsträchtige Ballett mit der Musica Antiqua Köln aufgenommen. Ebenfalls zu hören gibt es das Ballett "Les Elements" von J.F.Rebel, der mit diesem grandiosen Werk auch Musikgeschichte schrieb - das eröffnende "Chaos" ist ein direkter Vorgriff auf die musiklaische Ästhetik des 20. Jahrhunderts.
    Und eine Orchestersonate von G.P.Telemann im frz. Stil rundet das Programm ab.



    1773 wurde noch unter Louis XV die Hochzeit des jüngsten Bruders des Dauphins gefeiert, die des Grafen von Artois.
    1770 war mit größtem Pomp die Hochzeit von Marie Antoinette und dem zukünftigen Louis XVI gefeiert worden, man hatte zu diesem Zweck endlich ein eigenes Opernhaus in Versailles installiert, dass auch als Ballsaal genutzt werden konnte. Dieser letzte Prachtbau der Bourbonen wurde mit Lullys Persée von 1682 eingeweiht.
    Und auch zur Hochzeit des Grafen von Artois ordnete Louis XV eine Lully Oper an (Bellerophon).
    Aber es gab auch zeitgenössische Musik.




    A.E.M.Grétry: Céphale et Procris
    Les Agremens - G.van Waas


    Dieses Ballet Heroique war Grétry erstes größeres Engagement für den Hof. Gretry der eigentlich eher im Bereich der Opera Comique zu hause ist versuchte sich mit diesem allegorischen Werk am höfischen Stil. Und so kommt diese hübsche Oper auch mit deutlichen Anleihen an Rameau und Dauvergne daher. Doch es half nichts, das Werk kam beim adeligen Publikum nicht sonderlich an.
    Dennoch halte ich es für ein kleines Meisterwwerk.



    F.Francoeur: Symphonies pour les Festins Royales
    La Simphonie du Marais - H.Reyne


    Francoeur trug den Titel des Surintendant de la Muique du Roi, dem höchsten musikalischen Amt am französischen Königshof. So wie er Lully und Delalande im Amt nachfolgte so folgt er ihnen auch im Stil seiner Kompositionen.
    Die Symphonies pour le Festin Royal du Comte d'Artois wurde 1773 zur Hochzeit des Grafen von Artois aufgeführt. Während im übrigen Europa schon längst klassische Simphonien gespielt wurden, gab Louis XV dem alten Francoeur den Auftrag zu dieser Musik. Es handelt sich hier um eine Auswahl aus den 4 großen Suiten die Francoeur aus eigenen und fremden Werken zusammenstellte. Auf dieser Aufnahme hat Hugo Reyne versucht alle Stücke Francoeurs zu versammeln, die restlichen Stücke stammten von Rameau (der größte Teil) Mondonville, Dauvergne und Royer.
    Hugo Reyne spielt mit der Simphonie du Marais natürlich auf alten Instrumenten, sie haben verschiedene Stücke ausgewählt und sie in drei Suiten zusammengestellt. Die Interpretation ist hervorragend. Meiner Meinung nach die besten Einspielung dieses Orchesters!
    Diese Doppel CD beinhaltet auch die Philidor CD des Ensembles, die ich bereits bei dem Post "Musik für Ludwig XIV" nannte.





    Le Mozart Noir - Chevalier de St. Georges
    Tafelmusik


    Der Musikmeister von Marie Antoinette, Direktor der Pariser Oper, Konzertmeister des Concert des Amateurs ( er führte Haydns Pariser Symphonien auf ! ), Schüler Gossecs, europäischer Fecht - und Schwimmmeister und Revolutionär: Joseph Boulogne Chevalier de Saint Georges ist eher ein Abenteurer als ein Musiker, doch sollte sein wildes Leben nicht darüber hinwegtäuschen, dass er ein durchaus interessanter Komponist gewesen ist. Zumindest hat es gereicht um Gossec sowie den König und die Königin von Frankreich zu faszinierend.
    Seine Musik ist durchgängig eher leicht und kurzweilig, äußerst schwungvoll typisch für den Musikstil des Ancien Regime in seinen letzten Zügen. Die CD bietet nicht nur eine wunderbare Interpretation, schließlich spielt das Tafelmusik Barockorchester unter Lamon, sondern auch einen kleinen Querschnitt durch die musikalische Welt des Chevaliers. Dargeboten wird die Ouvertüre sowie drei Ballette seiner Oper "L'Amant Anonyme", die Symphonie in G-Dur op.11 No.1 sowie ein Violinkonzert in D -Dur op.3 No.1 daneben die wirklich geniale Symphonie "La Pastorella" von Gossec, sowie ein Satz aus einem Violinkonzert von Leclair.




    Jean Schobert: Quatuors per Clavecin
    Concerto Rococo



    Jean Schobert: Quatuors per Clavecin
    Concerto Rococo



    Jean Schobert: Quatre Sonates
    Concerto Rococo


    diese 3 Aufnahmen des Concerto Rococo sind recht ähnlich, kammermusikalische Besetzung mit Cembalo und Streichern nur bei Balbastre kommen noch Hörner hinzu. Die Musik ist außergewöhnlich, für ihre Zeit auch sicher sehr avantgardistisch. Die Werke Schoberts sind sehr expressiv, aber ganz dem Stil der empfindsamkeit verpflichtet - man könnte behauptet er ist der Vater des Klavierquartetts - genau das stellen diese "Quatuors" da. Balbastres Werke sind nicht weniger einnehmend - der Kontrast zwischen der eher typischen kammermusikalischen Besetzung und den addierten Hörnern ist bemerkenswert - und zudem haben beide Komponisten, Schobert wie Balbastre sehr eingängige Musik geschrieben.
    Das Concerto Rococo spielt auf historischen Instrumenten.




    J.Haydn: die Pariser Sinfonien
    Orchestra of he Age of enlightement - S.Kuijken


    Die wohl bekanntesten Werke aus der Zeit Marie Antoinettes, duie Sinfonie "La Reine" ist auch speziell ihr gewidmet, der 2. Satz ist eine Variation über ein frz. Volkslied, dass die Königin wie viele andere solcher Lieder sehr mochte.
    Diese Interpretation ist selbstverständlich mit alten instrumenten.




    J.F.Gossec: Sinfonien
    Concerto Köln


    Gossec hatte nie Erfolg an der Oper, aber um so größeren mit seinen Sinfonien. Das Concerto Köln zeigt mit dieser Portrait-CD einen wunderbaren Streifzug durch das sinfonischen Schaffen Gossecs.




    Giuseppe Maria Cambini: Sinfonien
    Accademia Montis Regalis - L.Mangiocavallo


    Noch ein "Sinfoniker" in Paris. Cambini hatte zu jener Zeit den wohl größten Erfolg mit seinen Sinfonien. Waruum ? das zeigt die Accademia Montis Regalis aufs Eindrucksvollste. Das Thema des Kopfsatz der Sinfonie in e-moll erinnert stark an Mozarts Menuett aus seiner Sinfonie No.40, ein Beweis, dass auch Mozart klaute. Das Ensemble hatte schon auf sich aufmerksam gemacht, mit den ebenfalls in Paris gedruckten "Ouvertures in eight Parts" von Gaetano Pugnani - auch hervorragende Musik, die CD ist leider zur Zeit nur gebraucht zu bekommen.




    Le Salon de Marie Antoinette
    Sandrin Chatron


    Hier wird ein buntes Programm vorgestellt, wie es im kleinen Salon in versailles, oder im Petit Trianon für marie Antoinette erklungen sein könnte.
    Zentrales Instrument ist die Harfe, aber auch weitere Instrumente kommen dann und wann hinzu. Neben Instrumentalstücken werden auch einige schöne Lieder und Arien gesungen. Hier auch eine Eigenkomposition der Königin und ihr Lieblingslied von Martini "Plaisir d'amour"




    Grands Motets pour Louis XVI
    Gretry: Confitebor
    Gossec: Terribilis est locus iste
    Giroust: Benedic anima mea
    Durand, Auvity, Oxley, Buet, Choeur de Chambre de Namur,
    Les Agremens, J.C.Malgoire



    Diese wunderbare CD gibt einen Einblick in die Grands Motets aus den Letzten Jahrens des Ancien Regime.
    Wer schon Musik von Grétry und Gossec kennt, wird ahnen können was für großartige Musik ihn hier erwartet.
    Es handelt sich um eine Liveaufnahme, die aber störungsfrei ist. Ein Konzertmitschnitt, als die Musik Louis XVI Thema zu den Musikfestspielen in Versailles gewesen ist.
    Ein absolutes Hörvergnügen und eine wirkliche Bereicherung.

  • Neben Purcell hat die englische Musik des 17. jahrhunderts noch viel mehr zu bieten:





    A High - Priz'd Noise - Violin Music for Charles I.
    The Parley of Instruments Renaissance Violin Band / Holman


    Kaum jemand schert sich Heute noch um das Mäzenatentum von Charles Stuart, man weiß höchstens vielleicht noch, dass er der große Förderer von van Dycke gewesen war und ihm schließlich nach dem verhgeerenden Bürgerkrieg von Oliver Cromwell der Kopf abgehackt wurde (was er natürlich nicht selbst tat...) Charles Suart war jedoch neben Louis XIII. und Ferdinand III. der musikalischste König Europas.
    Er selbst spielte die Gambe meisterhaft und in seiner Zeit wurden die Fantasien für Gambe und Positiv (eine Art Kammerorgel) zur Blüte gebracht. Diese CD jedoch einen Einblick in die höfische Musik für großes Streicherensemble. Ballettmusiken, Tänze und Variationen sind zu hören. Ein wunderbare CD mit höfischer Instrumentalmusik aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts.




    Music for Prince Charles
    The Parley of Instruments


    Diese Aufnahme vom gleichen Ensemble stellt die angesprochenen Fantasien für Gamben vor. Diese Kompositionen von Thomas Lupo und Orlando Gibbons wurden für Charles komponiert und er selbst spielte bei diesen Werken gekonnt die Gambe.
    Eine herrliche CD um diese spezielle Musik kennen zulernen.





    William Lawes: Complete Consort Setts
    Fretwork


    Das Ensemble spielt mit einer himmlischen Leichtigkeit und Perfektion dkiese nicht ganz einfach Musik.
    Und die oft als langweilig empfundenen Fantasys und Pavans werden hier zu dem gemacht was sie sind – zu wunderbaren kontrapunktischen Meisterwerken, von hypnotisierender Schönheit.
    Den Tänzen und Ayres verleihen die fünf Musiker den nötigen Biß.
    Neben den Consort Setts gibt es auch zu Auflockerung immer mal wieder kurze Tänze oder Ayres. Charles schätze Lawes ganz besonders, als dieser im Bürgerkrieg sein Leben verlor, erzählte man sich, dass der König in Tränen ausgebrochen sei – Fakt ist, dass der König ihm posthum eine besondere Ehre zukommen ließ, er verlieh ihm den Titel „Father of MusicK“



    W.Lawes: Consort Music
    Rose Consort of Viols


    aus diesem Grund sei auch diese CD empfohlen, die noch ein etwas breiteres Repertoire vorstellt. Das Rose Consort of Viols spielt auf dem gleichen hohen Niveau wie Fretwork, jedoch haben sie einen völlig anderen Stil, was dieser Aufnahme nochmal zusätzlichen Reiz verleiht.




    Matthew Locke: Consort of Fower Parts
    Hesperion XX / Savall


    Matthew Locke schätze ich als Komponisten äußerst hoch – vielleicht sogar mehr als Purcell.
    Und es verwundert mich nicht, dass Charles II. ihn als bevorzugten Komponisten eine ähnliche Stellung verlieh, wie sie Lully in Frankreich hatte. Zwar war zu jener Zeit Louis Grabu und danach Nicols Staggins als Master of King's Music die höchste musikalische Instanz, aber Locke war "Composer in Ordinary to his Majesty" und Hoforganist.


    Die Consort Suiten von Locke stellen meiner Meinung nach den Höhepunkt und gleichzeitig auch den Abschluss dieser Musiksparte dar.
    Charles selbst mochte keine Fantasien, bzw die altenglische "Consort Musicke" – sondern nur solche Musik zu der er den Takt schlagen konnte: am besten Tanzmusik. So kann man davon ausgehen, das diese Consort Music nicht oder nur teilweise am Hofe gespielt wurde.
    Die 6 Suiten folgen stets dem gleichen Schema:


    Fantasie
    Courante
    Ayre
    Sarabande


    Die eröffnende Fantasie steht ganz in der Tradition von Lawes und Jenkins und den anderen großen Meistern der altenglischen Consort Music, die Couranten hingegen folgen der frz. Mode, und sind allesamt tanzbar. Die Ayre ist wieder ein meditativer Satz. Die abschließende Sarabande ist recht flott, wie es zur damaligen Zeit noch üblich war. Erst im Laufe der 60er Jahre des 17. Jahrhunderts setzte es sich immer mehr durch, dass Sarabanden langsam gespielt wurden. Man schätzt, dass diese Sammlung um 1650 entstanden ist.


    Savall hat hier ein wirklich beeindruckendes Ensemble zusammengetrommelt.
    5 Gamben, 3 davon, werden von den berühmtesten Gambisten unserer Zeit gespielt: Savall, Duftschmid und Pandolfo. Dazu gesellt sich Andrew Lawerence King mit der Barockharfe und Michael Behringer am Orgelpositiv. Meine persönliche Lieblingsaufnahme mit Consort Music. Wem die Stücke gefallen, der sei auch noch zu einer wunderbaren Alternativaufnahme verwiesen mit dem „Flanders Recorder Quartett“ Sie interpretieren die Suiten ausschließlich mit ihren Blockflöten, was wirklich eine wunderschöne Alternative zur reinen Gambenbesetzung von Savall darstellt.




    FOUR AND TWENTY FIDDLERS - Music for the Restoration Court Band
    The Parley of Instruments Renaissance Violin Band / Peter Holman


    1660 kehrte der älteste Sohn Charles I. als Charles II. auf den englischen Thron zurück. Cromwell war nicht mehr, aber auch die 10 Jahre Puritanerherrschaft hatten ihre Folgen, eine Musikkultur existierte nicht mehr. Nach dem Vorbild seines Cousins Louis XIV von Frankreich etablierte Charles II. ein neuartiges Orchester - nach dem Vorbild der 24 Violinen. Charles verbrachte sein Exil auch am frz. Hof und da lernte er auch die frz. Musik kennen und lieben. So ist auch das Repertoire stark am neuen frz. Stil nach Lully orientiert und dennoch sehr englisch. Das Repertoire umfasst hauptsächlich Musik von Matthew Locke, John Banister, Louis Grabu und Henry Purcell.



    The enchanted Island – Music for a Restoration Tempest
    The Musicians of the Globe / Philipp Pickett


    The Tempest, ein Schauspiel von William Shakespear wurde im 17. Jahrhundert von Sir William Davenant und John Dryden bearbeitet und um einige Szenen erweitert. Damals übliche Praxis im Theaterbetrieb. Zu solchen Schauspielen wurde auch eine Menge Musik benötigt. Hierz vergleiche man nur mal die Semi Operas von Henry Purcell, die im Prinzip nichts anderes darstellen. Man zählte bis etwa 1960 diese Bühnenmusik auch zu Purcells Werk.
    So schrieb der erste Purcell Biograph Sir Jack Westrup:


    „Purcells reifstes Werk für das Theater...“
    „Der Sturm ist ein Schatz an guten Einfällen...“
    Der vorherrschende Eindruck ist zunächst Bewunderung und Freude, dann aber ein Bedauern, weil diese so fruchtbare Reife und Meisterschaft so bald schon versiegen sollte“


    Doch dann stellte sich heraus, so gut wie nichts von dieser Bühnenmusik stammte von Purcell.
    Und damit war das Interesse an dem Werk auch wieder vorbei...
    Von wem aber stammt die Musik ?
    Die „Vorhangmusiken“ „Curtain Tunes“ sind etwas bekannt, sie stammen von Matthew Locke. Die übrige Musik ist entweder anonymen Ursprungs oder stammt von anderen Komponisten der Zeit, wie z.B. Pelham Humfrey. Pickett hat mit seinem Ensemble versucht einen Teil der Bühnenmusik wieder zusammen zustellen. Von der Bühnenmusik die man zwischen 1674 und 1710 benutzte, gibt es unzählige Versionen, fast mit jeder Aufführung wurden neue Stücke eingefügt oder ausgetauscht.
    DIE Bühnenmusik zum Tempest gibt es also nicht.
    Anfang des 18. Jahrhunderts gab es sogar 2 völlig verschiedenen Versionen, da zwei Theater mit dem selben Stück konkurrierten. 1711 war dann eh das Aus für die englischen Schauspielmusiken, Händel zog mit seinem „Rinaldo“ die ganze Aufmerksamkeit auf sich. Den Todesstoß erlebte aber auch dieses typische englische Genre erst durch die Beggar’s Opera.
    Diese Bühnenmusik ist in jeder Hinsicht bemerkenswert, die große Vielfalt durch die vielen Autoren, die großartige Qualität der Musik, das alles spricht für sich. Die Aufnahme selbst verfügt über einen Teil der 1667 komponierten Musiken für den Sturm, dann die Curtain Tunes von Matthew Locke und weitere Stücke von Lully, Humfrey und natürlich Purcell. Das ganze ist ein Bunter Strauß von Instrumentalnummern, meist Tänzen, wunderschönen Liedern und Chören.





    Matthew Locke 1621 - 1677 : PSYCHE
    English Opera in five acts
    New London Consort / Philipp Pickett


    Diese Oper wurde 1675 vor Charles II. gegeben.
    Sie gilt als englische Nachahmung des gleichnamigen Prunkballetts von Lully und Molière.
    Und so ist auch diese Oper sehr festlich besetzt.
    Das New London Consort scheint nie farbiger und prächtiger bestückt gewesen zu sein.
    Ein ausführliches Booklett rundet die ganze Sache ab.




    John Blow: Awake my Lyre
    The Parley of Instruments & Redbird


    Die Kompositionen wurde vor einigen Jahren noch fälschlicherweise als Lieder oder Kantaten bezeichnet, nichts davon trifft zu.
    Mittlerweile nennt man sie „Symphonie Songs“ ein Begriff der den Stücken vielleicht noch am ehesten Entspricht.
    Der Inhalt dieser Werke ist entweder mythologischen oder christlichen Ursprungs. Von Blow zwar als 'Hausmusik' herausgegeben, aber welcher Haushalt könnte schon 4 Sänger , 2 Melodieinstrumente und mit einen großen Generalbass aufwarten ?
    Es handelt sich hierbei sicherlich um höfische Kompositionen, um Oden, Dialoge.
    Die beiden Ensembles „Redbyrd“ und „The Parley of Instruments“ haben diese wunderbare Musik wirklich hervorragend eingespielt.
    Das besondere ist hierbei, dass man für die Aufnahme zwei Violinen verwendet hat, die Blow höchstwahrscheinlich selbst benutzte, denn sie stammen aus der Zeit und der Umgebung seines Wirkens und sind so gut wie unverändert erhalten geblieben.
    Neben den gesungen Werken erklingen auch noch 2 Instrumentalstücke, eine Sonata in A und ein Ground in g-moll.