01 - Sinfonie Nr. 1 C-Dur op. 21: Einspielungen (opi)

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    Concerto Polacco
    Ensemble Philidor
    Didier Talpain


    Eine lohnenswerte Einspielung - ein paar Geräusche, die auf eine Live-Einspielung schließen lassen (dieser Rückschluß wird am Ende Sinfonie durch diabolischen Applaus bestätigt) trüben das erfrischende und energiegeladene Ereignis kaum. Die CD enthält zudem vom "französischen Beethoven" Étienne-Nicolas Méhul (1763-1817) dessen ebenfalls erste Sinfonie in g-moll, die bereits in ganz anderen und zum Teil doch noch Sturm-und-Drang verhafteten Sphären schwebt als der Erstling des Bonner Kollegen.


    Meine bislang unübertroffene Lieblingseinspielung der Beethoven-Ersten ist jedoch diese:



    Jaap Schroeder dirigiert das Smithsonian Chamber Orchestra (1987 Concordia College, Bronxville, New York). Auf der CD enthalten ist auch die 2. Sinfonie D-Dur. Gelegentlich taucht diese Einspielung der Ersten auch in der Kombination mit der "Eroica" beim Label deutsche harmonia mundi auf:



    Violinen
    Guy Rabout, New York, 1987, nach Nicolo Amati, 1651
    Anonymer amerikanischer Geigenbauer, 1841
    Nicholas Gagliano, Neapel, c1780
    Pietro Giacomo Rogeri, Cremona, 1699
    Paolo Castello, Genoa, 1756
    C. B. Rogerius, Brescia, 1674
    Maurice Whitaker, London, 1760
    Jean-Baptiste Salomon, Paris, c1750
    Joseph Kriner, Mittenwald, c1780
    Rowland Ross, England, 1982, nach Stradivari, 1688
    Johannes Thir, Wien, 1768


    Violen
    J. Michael Alban, Graz, c1710
    Thomas Urquhart, London, 1670
    Felix Mori Costa, Parma, 1805


    Violoncelli
    Carlo Antonio Testore, Mailand, 1708
    Jean LeCuier, Paris, 1734
    Anonymer englischer Hersteller, 1840


    Kontrabassi
    Carlo Antonio Testore, 1720
    Anonymer deutscher Hersteller, c1800


    Flöten [6-keyed]
    Rod Cameron, San Francisco, 1984, nach H. Grenser, c1800
    Rod Cameron, Mendocino, 1985, nach H. Grenser


    Oboen
    Jonathan Bosworth & Stephen Hammer, Acton, 1986, nach C. A. Grenser, c1780, 2-keyed
    Harry Vas Dias, Decatur, 1985, nach A. Grenser


    Clarinetten
    A. Rudolf Tutz, Innsbruck, 1986, nach G. Astor & Co., ca. 1800, Stimmung: C, 7-keyed
    A. Rudolf Tutz, Innsbruck, 1984, nach G. Astor & Co., Stimmung: A, 7-keyed


    Fagotte
    John Hanchet, Essen, 1985, nach Rust, Lyon, c1790, 7-keyed
    George Woods & Son, London, c1790, 8-keyed


    Hörner
    Courtois Neveu Ainè, c1855
    George McCracken, Williamsberg, 1981, nach Raoux brothers, c1820


    Trompeten
    Adolf Egger & Son, 1983, nach J. L. Eher, 1721
    Ronald Collier, Naperville, 1984, nach J. L. Ehe, c1720


    Pauken
    F. E. Dodge, Boston, 19. Jahrhundert


    Hier wird dem Werk ein wirklicher Wert beigemessen und die Neuheit, die man zu Uraufführungszeiten der Ersten attestierte, ist hier sehr präsent. Hier wird dynamisch sehr fein und sauber gearbeitet, was ich sehr schätze. Die Motive werden mit Würde detailliert herausgearbeitet. Die Einleitung zum Hauptsatz ist wirklich spannend und würdevoll und jenem von Mozarts KV 543 nachempfunden, sehr feierlich eben und nicht so quetschkomodenmäßig, wie sonst vielfach üblich. Ansonsten sind Hauptsatz, Menuett und Finalsatz sehr spritzig und feurig gespielt, aber nicht zu schnell. Die Bässe und Holzbläser sind sehr gut herauszuhören, aber nicht übermäßig exponiert. Auch die Einleitung zum Finale ist extrem verheißungsvoll gestaltet - und das Auftaktmotiv wird hier regelrecht superspannend buchstabiert (ja, manchmal kann es auch wirkungsvoll sein). In diesem Falle mag ich die kleinen "Verzögerlis" sehr, sehr gerne. Der 2. Satz ist - wie auch die übrigen drei Sätze - sehr transparent, was aber im langsamen Satz wegen der kontrapunktischen Arbeit Beethovens besondere Wirkung erzielt: Das Quartenthema hört man hier so häufig, wie ich es niemals sonst gehört habe.

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    Eine recht neue Einspielung vom Februar 2011 aus der Opéra de Lille:



    Ludwig van Beethoven (1770-1827)


    Die Geschöpfe des Prometheus op. 43
    O wär' ich schon mit dir vereint aus "Leonore"
    No, non turbarti WoO 92a
    Romanze für Violine & Orchester op. 50
    Ah, perfido op. 65
    Sinfonie Nr. 1 C-Dur op. 21


    Alexandra Coku, Sopran
    Julien Chauvin, Violine
    Le Cercle de l'Harmonie
    Jérémie Rhorer


    Rhorer beweist sein Händchen für schlanken und beeindruckenden Beethoven. Es handelt sich um einen Live-Mitschnitt und um eine Programmgestaltung, die einer historischen Academie nachempfunden ist: Arien und Konzertantes im Wechsel, zum Abschluß eine "neu verfertigte" Sinfonie... und um diese soll es hier ja gehen. Dennoch möchte ich es nicht unerwähnt lassen, daß die Sopranistin Alexandrea Coku die in Mozartnähe zu verortenden Arien des jungen Beethoven bravourös und mit sehr angenehmer Stimme herüberbringt. Abwechslung bringt die eingeschobene Violinromanze op. 50, die von Julien Chauvin, mit dem Rhorer öfters sehr hörenswerte Projekte betreibt, gestrichen einen ebenfalls angenehmen Eindruck hinterlässt.


    Die erste Sinfonie ist mit 7 ersten, 6 zweiten Violinen, 5 Bratschen, 4 Celli, 2 Contrabässen und dem üblichen Bläser- und Schlagzeugapparat besetzt, wobei die Holzbläser recht schön exponiert herüberkommen und besonders die rattigen Blechbläser und die knusprigen Fagötter (und -göttinnen) herausstechen. Die Tempi aller Sätze sind sehr angemessen und lassen - auch im langsamen Satz - keine Langeweile aufkommen.


    Die Zeiten der gezeigten Einspielungen im Vergleich:


    01 8'58 (JR) | 8'29 (DT) | 8'29 (JSch)
    02 8'18 (JR) | 6'40 (DT) | 6'57 (JSch)
    03 3'14 (JR) | 3'53 (DT) | 4'15 (JSch)
    04 5'56 (JR) | 6'33 (DT) | 5'38 (JSch)


    Rhorers Dirigat wirkt sehr spritzig und lebendig, kommt aber für meinen Geschmack an die Energie von Jap Schroeder nicht heran. Daß es sich um einen Live-Mitschnitt handelt, hört man recht häufig an eigentlich wenig störenden Nebengeräuschen (keine Huster!); es verleiht der Aufnahme Direktheit und Ehrlichkeit. Leider sind die Pauken etwas dumpf und trüben den strahlenden Glanz des Werkes etwas ein (das knackige Blech macht dies wieder etwas wett...). Sehr liebreizend ist das langsame Satz gelungen!

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    Wie sehen das die Fachleute? Ist das nicht recht fad gegenüber den anderen opi-Einspielungen?


    So übl fand ich die offenbar nicht ... werde das aber bei Gelegenheit bis spätestens 2067 nochmals nachhören ...

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    fad


    Nein, dies kann ich beim jetzigen Hören definitiv nicht bestätigen. Im Gegenteil: der Sound begeistert mich; diese Sinfonie bringt immer - und hier besonders - Licht in mein dunkles Dasein. Bei den Zeiten liegt Haselböck ganz sicher eher bei den „knackigen“ Interpretationen, da ist eher Brüggen die Schnecke:


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    :wink:

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    Akademie für olle Lala, Bernhard Forck



    Le Concert des Nations, Jordi Savall


    Im 'Zeitenvergleich' geben sich die Einspielungen beinahe die Hand, die Interpreten scheinen hier also einig zu sein:


    Akademie für alte Musik, Bernhard ForckLes Concerts des Nation, Jordi Savall
    I Adagio molto - Allegro con brio9:119:07
    II Andante cantabile con moto7:126:53
    III Menuetto - Allegro molto e vivace4:074:00
    IV Adagio - Allegro molto e vivace5:435:46


    Auffallend ist gleich zu Beginn der erste Pizzicato-Einsatz bei AAMB; das klingt einem pianforteistischen Arpeggio nicht unähnlich. Bei Savall ist zwar das Pizziccato per se ebenfalls sehr evident, jedoch nicht so schön arpeggiert (mir gefällt das sehr gut, wenn es auch nicht unbedingt maßgebend ist; zumal es diesbezüglich m. W. auch keine Verordnung gibt, wie das zu spielen sei).


    Ansonsten will ich nicht viele unnütze Worte über Dinge verlieren, die ohnehin jeder selber hören wird: beide Einsielungen empfinde ich als herausragend und mitreißend; bei Savall sind die dynamischen Abstufungen jedoch deutlicher abgesetzt - man muß zeitweilig richtig die Ohren spitzen (was eine für Nachbarn zuweilen unerträgliche Lautstärke erforderlich macht); Savalls Blech und Schlagzeug ist grandios knackig. Besonders bei Savall gefällt mir die Einleitung zum Schlußsatz: deutlich spannender, focussierter und hinausgezögerter (beinahe schon BDSM) als beim Kollegen, dem jedoch trotzdem eine tänzelnde, plattwalzende Einspielung gelungen ist, wenn auch die Fagötter im Finalsatz an eigentlich exponierter Stelle nicht so deutlich hörbar sind.