Neues aus dem Ulliversum!

  • Ich bin heute ausnahmsweise etwas mutig. *shame*


    Es dürfte schon an die bekannten Grenzen des Universums gedrungen sein, daß mir das einzige Clavierkonzert Luigi Boccherinis besonders gut gefällt und daß es zu meinen Herzensangelegenheiten geworden ist. Der Finalsatz jedoch ist mir persönlich zu nervtötend. So habe ich aus der Not eine Tugend gemacht und betreibe hier ein wenig Regietheater mit diesem Concerto: ich habe mich also auf die beiden essentiellen Sätze I und II konzentriert und diese umständehalber umgestellt. Es erklingt also zunächst der langsame Satz im melancholischen c-moll, auf den der erste Satz folgen wird. Boccherini hat zum einen im langsamen Satz eine Cadenz vorgesehen. Anstelle dieser spiele ich einen frei improvisierten kleinen Übergang; auf den wiederum folgt Boccherinis eigene Überleitung vom c-moll zum B-Dur, weil hier ursprünglich das Es-Dur-Finale anschließen sollte; das passt, denn nach der Fermate dieses auskomponierten Übergangs erklingt meine eigene, etwas ausführlichere Cadenz (ebenfalls frei improvisiert) und diese geht dann nahtlos in den ersten Satz (Es-Dur) über. Dieser selbst hat keine Cadenz.


    Concertino di Sgre. Luigi Boccherini
    [Zum Anhören Anklicken]



    Es mag sein, daß dieses Unterfangen zum Teil etwas schiefe Töne zu Gehör bringt. Dies hat zwei maßgebliche Gründe:


    Zuerst hatte ich heute absolut keine Lust, das Instrument zu stimmen. Dieser Vorgang ist nämlich für mich als Perfektionist sehr nervenaufreibend und im Anschluß hätte ich keine Kraft mehr aufgeboten, etwas zu spielen. Der günstigste Zeitpunkt für eine Aufnahme ist bei mir nachts um 1 Uhr, darauf konnte ich heute nicht warten. Die günstigsten Zeitpunkte kommen stets im ungünstigsten Augenblick, daher... als zweites Manko quälen mich heute ziemliche Wirbelstürme im Hirn... so daß die gesendeten elektrischen Signale von den Empfängerrezeptoren nicht immer ganz so astrein umgesetzt wurden, wie ich mir dies vorstellte (und wie ich es wissentlich besser kann). Wer die Fehler findet, darf sie behalten. :P


    Nichtsdestotrotz stelle ich mein Lieblingswerk hier einmal vor. Ich habe übrigens aus der bei der IMSLP erhältlichen Handschrift (Clavierpart und Orchestereinzelstimmen) geübt und hier auswendig gespielt. Ich widme diese Production allen Clavichordliebhabern, insbesondere einem besten Freund aus Wien, der auch ein besonderer Clavichordfetischist ist.


    *hide*


    Ulli

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

  • 3'54 - 4'08 kleiner Übergang
    5'15 - 5'49 improvisierter Übergang (anstelle der vorgesehenen Cadenz)
    6'25 - 8'22 improvisierte Cadenz mit nahtlosem Übergang zum Hauptsatz


    :wink:

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

  • Hejho,


    ich war wieder fleißig und mutig und habe Edelmanns Claviersonate Fis-Dur op. 1 Nr. 6 - welche zu meinen wertgeschätztesten gehört - auf dem Climperchord eingespielt:



    Die einzelnen Sätze mit der mittleren Mouse-Taste (Rädchen) anklicken, dann sollte sich ein separates Abspielfenster öffnen. Ich musste an einigen Stellen ziemlich blöde schnippeln, da das Umblättern bei dem Tempo kaum möglich ist, wenn man keine drei Arme hat... diesmal habe ich das Instrument immerhin vor der Vergewaltigung in Stimmung gebracht...


    Bon divertimento!


    :D

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

  • Danke für die Blumen und erfreut, daß ich Euch den edlen Mann etwas näher bringen konnte...


    :love:


    Da ich demnächst in dieser Hinsicht (planmäßig) etwas aktiver werden möchte, habe ich hier einen Sammelthread eröffnet, in dem ich dann sukzessive meine Exzesse zum Besten geben werde. Der erste Satz der edelmanischen A-Dur-Sonate op. 1 Nr. 4 sollte demnächst folgen...


    :wink:

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

  • Der erste Satz der edelmanischen A-Dur-Sonate op. 1 Nr. 4 sollte demnächst folgen...


    et voilà:


    Sonate A-Dur op. 1 Nr. 4
    Allegro pomposo


    Mich erinnert dieser Satz stets an gedankenloses Herumtollen auf einer frühlingshaften Blumenwiese... spaßig beim Spielen sind die Übergriffe der rechten über die linke Hand (ich habe diese Stellen fast jedesmal ein wenig anders ausgeziert).


    Ich hoffe, es gefällt, trotzdem das gute Stück die Stimmung seit heut Nacht nicht ganz gehalten hat.


    *sante*

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

  • besonders der Schlussteil


    Du meinst die rezitativische Überleitung von der zweiten Hauptperiode zur dritten Hauptperiode (oder, neumusikalisch: den Schluß der Durchführung mit Rückführung zur Reprise)? Ja, derlei delikates Konfekt findet man bei Edelmann recht oft - weshalb ich seine ansonsten eher unscheinbare Musik auch so kurzweilig finde.


    :D


    Das Rezitativ (ab 4'42) steht nicht ganz exakt so da, ich habe es bewusst ziemlich überzeichnet und dachte dabei an folgende (m.E. passende) Verse:


    Ach! aber ach! das Mädchen kam
    Und nicht in acht das Veilchen nahm,
    Ertrat das arme Veilchen.
    Es sank und starb und freut' sich noch:
    "Und sterb' ich denn, so sterb' ich doch
    Durch sie, durch sie,
    Zu ihren Füßen doch."


    :wink:

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790