01 - Le Quattro Stagioni: Literaturempfehlungen

  • Bücher habe ich keine gelesen, aber, um mich dennoch wie gewünscht rege zu beteiligen, fische ich mal ein paar Titel aus dem Netz -- wie ich das als Buchhändler eben so gewohnt bin. :D



    Keine Ahnung, ob das schon zu speziell für einen interessierten Laien ist.



    Aus dieser Reihe kenne ich nur den Monteverdi-Band. Der ist schon ziemlich nüchtern und fachmännisch gehalten. Aber es sind immerhin schöne Bücher.



    Rororo-Monografien fand ich schon oft sehr nützlich als Einstieg in ein gewisses Thema. Zumal bei dem Preis von 7,50!



    Sieht mir auch nach einer gut lesbaren Biografie aus. Im Januar 2014 (laut Buchkatalog), Juni 2014 (laut JPC) oder einfach nur unbestimmmt (laut Verlag) legt der insel mit einem weiteren Buch über Vivaldi nach:



    Vielleicht bietet das schon mal eine Empfehlungs- oder Diskussionsgrundlage.

  • Da gibt's noch das Buch von Walter Kolneder, auch eher für "Fortgeschrittene":



    Und ich weiß noch über die Bildbiographie von Teophil Antonicek:



    Könnte eher was für Einsteiger sein.


    LG
    Tamás
    :wink:


  • Aus dieser Reihe kenne ich nur den Monteverdi-Band. Der ist schon ziemlich nüchtern und fachmännisch gehalten. Aber es sind immerhin schöne Bücher.

    Inzwischen habe ich die ersten 100 Seiten dieses Buches hinter mir. Es richtet sich schon ganz eindeutig nicht an den reinen Gelegenheitshörer, der sich für Formales, Musikgeschichtliches etc. nicht sonderlich interessiert. Dafür aber ist es nach meinem Geschmack sehr anschaulich und flüssig geschrieben. Ich bin jedenfalls sehr angetan. Die eher theoretischen Ausführungen sind dort, wo sie passen, in den biografischen Abriss eingefügt, der wiederum knapp, aber plastisch auf alle möglichen Aspekte auch des kultur- und musikgeschichtlichen Kontextes eingeht. Für mich angenehm, dass sich der Text nicht allzu lange bei einzelnen Details aufhält. Für Leser, die sich mit wirklich wissenschaftlichem Eifer auf das eine oder andere Detail stürzen wollen, kann das Buch natürlich nur von bibliografischem Nutzen sein.


    Wie gesagt, ich bin ziemlich happy damit. Anders als mit dem Monteverdi-Band aus derselben Reihe, der mir in der Tendenz etwas zu dozierend "formenlehrerhaft" ist -- wenn auch nichtsdestotrotz interessant! --, ohne dann aber wirklich differenziert auf das Problem der Urheberschaft zum Beispiel der Poppea einzugehen.


    Insgesamt krankt die Reihe natürlich -- und das ist hierzulande ja nicht ungewöhnlich -- daran, dass weder ein Lully noch ein Rameau darin auftauchen. Aber da meckert bloß der Nerd in mir. :D

  • Nicht zu vergessen die Sonette, die nach meinem Kenntnisstand von Antonio Vivaldi selbst stammen:


    Sonetto Dimostrativo
    Sopra il Concerto Intitolato
    La Primavera
    Del Signore D. Antonio Vivaldi


    Giunt’ è la Primavera e festosetti
    La salutan gl’ Augei con lieto canto,
    E i fonti allo spirar de’ Zeffiretti
    Con dolce mormorio scorrono intanto:


    Der Frühling ist gekommen, und festlich
    begrüßen ihn die Vögel mit frohem Gesang.
    Und die Quellen zum Säuseln der Zephiretten
    fließen mit süßem Gemurmel.


    Vengon’ coprendo l’aer di nero amanto
    E Lampi, e tuoni ad annuntiarla elettti.
    Indi, tacendo questi, gl’ Augeletti;
    Tornan’ di nuovo al lor canoro incanto:


    Während sich der Himmel mit schwarzem Mantel bedeckt,
    kommen einzelne Blitze und Donner, den Frühling anzukündigen.
    Doch als sie schweigen beginnen die
    Vögel von neuem ihr tonreiches Lied.

    E quindi sul fiorito ameno prato
    Al caro mormorio di fronde e piante
    Dorme ‘l Caprar col fido can’ à lato.


    Und dort, auf schöner, blühender Wiese
    beim lieblichen Säuseln von Blättern und Gräsern
    schläft der Hirt, den treuen Hund zur Seite.


    Di pastoral Zampogna al suon festante
    Danzan Ninfe e Pastor nel tetto amato
    Di primavera all’ apparir brillante.


    Zum festlichen Ton des Dudelsacks
    tanzen Nymphen und Schäfer in der geliebten Wohnung
    des Frühlings zu seinem prachtvollen Erscheinen.


    ~~~


    Sonetto Dimostrativo
    Sopra il Concerto Intitolato
    L’ Estate
    Del Signore D. Antonio Vivaldi


    Sotto dura staggion dal sole accesa
    Langue L’huom, langue ‘l gregge, ed arde il Pino;
    Sciolglie il Cucco la voce, e tosto intesa
    Canta la Tortorella e ‘l gardelino.


    Unter der harten Zeit sengender Sonne
    leiden Mensch und Herde, und es glüht die Pinie.
    Kuckuck erhebt seine Stimme, und bald singen ihr
    Einverständnis Taube und Distelfink.


    Zeffiro dolce spira, mà contesa
    Muove Borea improviso al suo vicino;
    E piange il Pastorel, perche sospesa
    Teme fiera borasca, e ‘l suo destino;


    Der sanfte Zephir weht, doch plötzlich
    fängt Boreas Streit an mit seinem Nachbarn.
    Und der Hirte klagt, denn er bangt
    vor dem wilden Sturm und um sein eigenes Schicksal.


    Toglie alle membra lasse il suo riposo:
    Il timore de’ Lampi, e tuoni fieri
    E de mosche, e mosconi il stuol furioso!


    Den müden Gliedern nimmt ihre Ruhe:
    Furcht vor Blitzen und wilden Donnern
    und der Fliegen und Mücken wildes Schwirren.


    Ah che pur troppo i suoi timor son veri
    Tuona e fulmina il Ciel e grandinoso
    Tronca il capo alle spiche e a’ grani alteri.


    Ach, wie wahr sind seine Befürchtungen,
    es donnert und blitzt der Himmel, und Hagel
    bricht das Haupt der Ähren und des hohen Getreides.


    ~~~


    Sonetto Dimostrativo
    Sopra il Concerto Intitolato
    L’ Autunno
    Del Signore D. Antonio Vivaldi


    Celebra il vilanel con balli e Canti
    Del felice raccolto il bel piacere.
    E del liquor di Bacco accesi tanti
    Finiscono col sonno il lor godere.


    Der Bauer bezeugt mit Tänzen und Liedern
    seine Freude über die glücklich eingebrachte Ernte.
    Und von dem Saft der Rebe sind viele beschwingt.
    Sie beenden mit Schlaf ihr Freudenfest.


    Fà ch’ ogn’ uno tralasci e balli e canti
    L’ aria che temperata dà piacere,
    E la Staggion ch’ invita tanti
    e tanti D’ un dolcissimo sonno al ben godere.


    Jeder verzichtet auf Tänze und Lieder.
    Milde Luft umschmeichelt,
    und die Jahreszeit lädt ein
    zum süßen Genuß eines sehr süßen Schlafes.


    I cacciator alla nov’ alba à caccia
    Con corni, schioppi, e canni escono fuore
    Fugge la belva, e seguono la traccia;


    Jäger in der Morgenfrühe ziehen zur Jagd
    mit Hörnern und Flinten und Hunden.
    Es flieht das Wild, und sie verfolgen die Spur.


    Già sbigottita, e lassa al gran rumore
    De’ schioppi e canni ferita minaccia
    Languida di fuggir, mà oppressa muore.


    Schon verängstigt und matt vom großen Lärm
    der Flinten und Hunde droht Verwundung.
    Von der Flucht erschöpft, aber auch besiegt verendet es.


    ~~~


    Sonetto Dimostrativo
    Sopra il Concerto Intitolato
    L’ Inverno
    Del Signore D. Antonio Vivaldi


    Aggiacoiato tremar trà nevi algenti
    Al severo spirar d’orrido vento,
    Correr battendo i piedi ogni momento;
    E per soverchio gel batter i denti;


    Erstarrt zittern bei schmimmerndem Schnee.
    Zum erbarmungslosen, schrecklichen Wind
    ununterbrochen mit den Füßen stampfend laufen
    und vor Übermaß an Kälte die Zähne aufeinanderschlagen.


    Passar al foco i di quieti e contenti
    Mentre la poggia fuor bagna ben cento
    Caminar sopra ‘l ghiaccio, e à passo lento
    Per timor di cader gersene intenti;


    Ruhige und zufriedene Tage am Kamin zubringen,
    während draußen der Regen viele durchnäßt.
    Gehen über Eis und mit behutsamem Schritt
    aus Furcht vorm Fallen bedächtig laufen.


    Gir forte sdruzziolar, Cader à terra
    Di nuovo ir sopra ‘l giaccio e correr forte
    Sin ch’ il giaccio si rompe, e si dissera;


    Kräftig gehen, ausrutschen, zu Boden fallen.
    Von neuem über das Eis laufen und kräftig gehen,
    bis das Eis bricht und sich öffnet.


    Sentir uscir dalle serrate porte
    Sirocco Borea, e tutti i Venti in guerra
    Quest’ è ‘l verno, mà tal, che gioja apporte.


    Bei verschlossenen Türen herauskommen hören
    Schirokko, Boreas und alle streitenden Winde.
    So ist der Winter. Doch - welche Freude bringt er.


    Übersetzung: Werner Braun

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790