Ewige Baustellen, unvollständige Serien...

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    Hallo,


    eine Vielzahl angefangener und aus unterschiedlichen Gründen unvollendeter Serien (Gesamtausgaben) zermürben auf Vollständigkeit bedachte Klassiksammler. Welche bislang nicht vollendeten Serien liegen Euch am Herzen, welche sollten Eurer Meinung nach unbedingt - sofern noch möglich - fertiggestellt werden?


    Da das Label ARCANA wiederauferstanden scheint, ist mein Wunsch nach der Vervollständigung der Schubert- und Mozart-Quartette mit dem Quatuor festetics wieder neu aufgeflammt:



    Hier erschien bislang das "Tome 4" (vor über 10 Jahren). Es war also anscheinend nicht bloß an eine Anthologie gedacht (die in vorliegender Form auch unbefriedigend wäre), sondern durchaus an eine Gesamteinspielung, worauf die Erstausgabe mit "Volume IV" schließen lässt. Es wäre toll, wenn diese Serie nun endlich nach und nach erscheinen könnte. Die vorliegende CD enthält bereits Schmuckstücke der besonderen Art: das frühe C-Dur-Quartett D46 aus dem Jahre 1813 sowie das berühmte a-moll-Quartett D804.


    Und auch diese Serie, die noch weit älteren Datums ist, darf sehr gerne nahtlos vervollständigt werden:



    Mozarts "derniéres Quatuors" KV 499, 575, 589 und 590. Die Qualität schreit doch gerade nach Fortsetzung...


    Also bitte: wo ist das Problem?


    *wait*

  • Ich wünschte mir eine Fortsetzung der Schütz-Gesamteinspielung der Capella Ausgustana bei Brilliant Classics:






    gesammelt in:


    Die Serie wurde - laut Matteo Messori, den ich darüber auf FB gefragt habe - aus finanziellen Gründen abgebrochen, ob sie weieder aufgegriffen wird, weiß der Henker, aber es wäre schon super...


    LG
    Tamás
    :wink:

    Alle Wege führen zum Bach,
    .................................... wo der kleine Biber lebt!

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    Die Serie wurde [...] aus finanziellen Gründen abgebrochen


    Was immer wieder zu bedauern ist. Hintergrund ist der, daß die meisten kleineren Labels gar nicht mehr selbst produzieren, weil sie selbst finanziell rot sehen. Stattdessen wird das gesamte Produktionsrisiko (Aufnahme, Schnitte etc.) auf die die Interpreten selbst abgewälzt und nur noch das fertige Produkt eingekauft. So ist quasi gewährleistet, daß der Produkteinkauf sich finanziell im Annehmbaren Rahmen bewegt und kein Kostenrisiko bezüglich unvorhersehbarer Vorkommnisse mehr besteht, da die Interpreten, die dann zugleich Produzenten sind, die - natürlich - preiswerteste Lösung suchen (und in der Regel auch finden). Da werden dann irgendwelche ggfs. kostenlos zur Verfügung gestellten Aufnahmelokalitäten verwendet, deren Akustik jede Menge Wünsche offen lässt... auch die Vielzahl der neuerdings am Markt auftauchenden Live-Aufnahmen rührt aus diesem Umstand heraus, weil man sich hierbei Schnittarbeit en gros einspart, was wiederum die Kosten senkt.


    Nicht, daß ich derlei Aufnahmen grudsätzlich schlecht finde (teilweise sogar ganz im Gegenteil!), aber es schränkt doch die Menge an Projekten ziemlich ein... wie gerne wüde ich ein eigenes Label ins Leben rufen... aber unter diesen Umständen...


    *sante*

  • Deprimierend und unverzeihlich aus meiner Sicht der Leerlauf der Haydn-Sinfonie GA unter Hogwood für L'Oiseau-Lyre, ironischerweise als "Gesamtpaket" bei der Decca erstehbar:


    Sehr schade auch die Tatsache, dass die britische Plattenfirma Opera Rara ihre nur drei Dekaden umfassende Reihe "A Hundred Years of Italian Opera" wegen dem Tod des Verantwortlichen nicht fortsetzen konnte:


    Die Idee von Ulli finde ich gut - ein Plattenlabel gründen ist sicherlich eine tolle Option, aber nur wenn man die richtigen Partner (wie Edita Gruberova mit Nightingale Classics) oder schon abrufbares Kapital (Jordi Savall und Alia Vox) hat... 8| :wacko:

    "Nichts gleicht der Trägheit, Dummheit, Dumpfheit vieler deutscher Geiger."
    Max Bruch (1838-1920)

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    Deprimierend und unverzeihlich aus meiner Sicht der Leerlauf der Haydn-Sinfonie GA unter Hogwood für L'Oiseau-Lyre,


    Da hast Du auch meine Stimme.


    Zitat

    Die Idee von Ulli finde ich gut - ein Plattenlabel gründen ist sicherlich eine tolle Option, aber nur wenn man die richtigen Partner (wie Edita Gruberova mit Nightingale Classics) oder schon abrufbares Kapital (Jordi Savall und Alia Vox) hat...


    Nunja, unter eigenem Label verstehe ich, daß man auch die Aufnahmen selbst macht und sich eben nicht an herumliegendem Kapital (um das es sicher schade ist) bereichert. Aber ich glaube, der Klassik-Label-Friedhof ist bereits voll genug... weitere Gräber sind schon ausgehoben und mit Grabsteinen versehen... Totengräber (für mein eigenes Grab) muß ich jetzt nicht auch noch unbedingt spielen.


    :beatnik:

  • Aber ich glaube, der Klassik-Label-Friedhof ist bereits voll genug... weitere Gräber sind schon ausgehoben und mit Grabsteinen versehen... Totengräber (für mein eigenes Grab) muß ich jetzt nicht auch noch unbedingt spielen.


    Hmm, ich weiß nicht, ich sehe das vielleicht optimistischer...dass der Klassikmarkt sehr klein ist, und Sachen, die sehr speziell sind - wie zum Beispiel Edelmann-Claviersonaten oder Opern von Mercadante - von noch wenigeren Menschen gehört werden, heißt ja nicht, dass es keine dankbaren Abnehmer dafür gibt...ich denke dass der Boom an unabhängigen Klassik-Labels nur darauf zurückzuführen ist, dass die großen Firmen seit einiger Zeit entweder im eigenen Saft schmoren (das heißt wiederveröffentlichen, was das Zeug hält), peinlichen Mainstream produzieren (siehe Universal) oder auf einen scheinbar fahrenden Zug aufspringen und in Heavy Rotation langweilige Händel-Opern in noch langweiligeren Interpretationen herausbringen. Seltene Lichtblicke (z.B. Joyce DiDonato bei Virgin, Leonidas Kavakos bei Decca) einmal ausgenommen, werden auch tolle Chancen gründlich gegen den Baum gefahren - sehr eindrucks- und schmerzvoll für mich die vollkommen missglückte neue Norma mit Bartoli (aber nicht wegen Bartoli, sondern Antonini...).
    Solange es noch Labels gibt, die, um ihren kleinen Einzugsbereich wohl wissend, edle Sachen produzieren, die für einen noch so kleinen Käuferkreis attraktiv sind, stehen nur sehr große Gräber mehr oder weniger gefüllt herum, während um sie herum kleine bis kleinste Mosaiksteine immer heller leuchten (die z.B. Opera Rara, Alia Vox, Alpha oder Chandos heißen) .

    "Nichts gleicht der Trägheit, Dummheit, Dumpfheit vieler deutscher Geiger."
    Max Bruch (1838-1920)

  • Um wieder auf das eigentliche Thema zurückzukommen: ich finde persönlich sehr schade, dass Richard Hickox' Tod seine GA der Symphonien RVW's unvollständig zurückließ...das ist sehr bedauerlich, wie auch überhaupt der Verlust dieses grandiosen Musikers für die Welt.




    ;(

    "Nichts gleicht der Trägheit, Dummheit, Dumpfheit vieler deutscher Geiger."
    Max Bruch (1838-1920)

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    Hmm, ich weiß nicht, ich sehe das vielleicht optimistischer...dass der Klassikmarkt sehr klein ist, und Sachen, die sehr speziell sind - wie zum Beispiel Edelmann-Claviersonaten oder Opern von Mercadante - von noch wenigeren Menschen gehört werden, heißt ja nicht, dass es keine dankbaren Abnehmer dafür gibt...


    Was nutzt aber eine Hand voll dankbarer Abnehmer, die den Aufwand zwar rechtfertigen, aber nicht refinanzieren? Es ist daher durchaus verständlich, daß derlei Verlustgeschäfte nicht weiter betrieben werden, wenn die Sponsoren ausbleiben...


    ich denke dass der Boom an unabhängigen Klassik-Labels nur darauf zurückzuführen ist, dass die großen Firmen seit einiger Zeit entweder im eigenen Saft schmoren (das heißt wiederveröffentlichen, was das Zeug hält), peinlichen Mainstream produzieren (siehe Universal)...


    Wohl aus genau dem Grund, s.o.


    Zitat

    ... oder auf einen scheinbar fahrenden Zug aufspringen und in Heavy Rotation langweilige Händel-Opern in noch langweiligeren Interpretationen herausbringen.


    Wer macht denn sowas?


    *wait*

  • Was nutzt aber eine Hand voll dankbarer Abnehmer, die den Aufwand zwar rechtfertigen, aber nicht refinanzieren? Es ist daher durchaus verständlich, daß derlei Verlustgeschäfte nicht weiter betrieben werden, wenn die Sponsoren ausbleiben...

    Das wäre das Projekt des Jahrhunderts - Sponsoren backen die sich für musikalisches Randrepertoire interessieren... :wacko:


    Wer macht denn sowas?

    Rhethorische Frage, vermutlich... :D

    "Nichts gleicht der Trägheit, Dummheit, Dumpfheit vieler deutscher Geiger."
    Max Bruch (1838-1920)

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    Das wäre das Projekt des Jahrhunderts - Sponsoren backen die sich für musikalisches Randrepertoire interessieren...


    Die gibt es durchaus; kaum eine Aufnahme findet heutzutage mehr ohne "Sponsoring" statt (dabei muß es sich nicht zwingend um einen Werbepartner handeln, der namentlich erwähnt werden möchte). Allerdings ist das Nischenrepertoire den potentiellen Sponsoren zahlenmäßig weit überlegen...


    Rhethorische Frage, vermutlich...


    Gechickte Antwort, vermutlich...


    *flöt*


    Ich würde mich außerdem sehr freuen, wenn die durch das Quatuor Franz-Joseph bzw. Quatuor Cambini Paris herausgegebenen Anthologien der Hyacinthe-Jadinschen Streichquartette sich in eine Gesamtausgabe (ggfs. von beiden Ensembles) verwandeln werden würde; soviel Zeit ist seit Erscheinen der beiden Alben noch nicht verstrichen, insofern besteht m. E. durchaus Hoffnung:



    Es gibt zum Glück noch andere und hervorragend interpretierte Opera, aber es fehlen definitiv noch die Quartette opp. 2 Nrn. 2 und 3, op. 3 Nr. 2 und opp. 4 Nrn. 2 und 3.


    Also: Los jetzt, grüner wird's nicht...



    :wink:

  • Ob es sich bei der Lully-Serie bei Accord um eine unvollendete Baustelle handelt, kann man schwer sagen, denn Hugo Reyne bzw. Accord haben wohl kaum beabsichtigt eine Gesamteinspielung der Werke Lullys vorzulegen.
    Die Auswahl der Werke erfolgte wohl eher zufällig – so erschien Vol.1 bereits Jahre zuvor mit einem anderen Cover.
    Auch ließen einige Aufnahmen ebenfalls darauf schließen, dass hier nur einige ausgesuchte Werke ausgewählt wurden.



    So ist auf Vol.1 zwar das komplette Divertissement „Idylle su la Paix de Jean Racine“ zu hören, aber auch eine Suite aus einem wesentlich umfangreicheren Werk, dem Ballett „Le Temple de la Paix“



    Vol.2 widmete sich dann dem „Ballet de Flore“ der ersten vollständigen Einspielung eines Ballets von Lully.



    Vol.3 umfasste das Divertissement „La Grotte de Versailles“ sowie eine kurze Suite aus den „Plaisirs de l'ÎIsle enchantée“, eingeleitet durch die recht bekannten Fanfaren des „Carrousel de Monseigneur“



    Vol.4 wurde dann Lullys Zusammenarbeit mit Molière gewidmet, die Bühnenmusik zu „Le Bourgeois Gentilhomme“ in der ersten vollständigen Aufnahme.



    Vol.5 – die erste Gesamtaufnahme des so bekannten Ballets „Le Triomphe de l’amour“ das auch von so vielen Lexika als eines der Hauptwerke Lullys bezeichnet wurde.
    Meist wurde hier nur eine Suite gespielt, umso erfreulicher, dass es diese Gesamtaufnahme gibt.



    Vol.6 umfasste dann zum ersten Male auch ein Werk eines anderen Komponisten.
    Roberts Camberts Opernfragment „Pomone“ wurde Lullys „Les Fêtes de l’Amour et de Bacchus gegenübersgestellt.
    Also jene Werke, die als erste französische Opern gelten.



    3 Werke dieser Serie haben eine kuriose Geschichte. Hugo Reyne ersteigerte 3 originale Drucke (Partituren) aus dem 18. Jahrhundert (Le Triomphe de l’Amour, Isis und Amadis) und war fest entschlossen, diese auch auf CD aufzunehmen.
    Mehr zufällig kam es also zu den Gesamtaufnahmen von dreien der schönsten Werke Lullys:




    Vol.7 Isis



    Vo.8 Amadis


    Zwei komplette Tragèdie Lyriques



    Vol.9 wurde dann mehr oder weniger eine Art „Geschichts CD“
    Es wird die Hochzeit Louis XIV thematisiert, es werden historische Briefe zitiert und Musiken die damals zu diesem Anlass gespielt wurden zu Gehör gebracht. Hauptwerke sind jedoch die beiden Ballettmusiken zu Cavallis Prunkopern „Xerse“ und „Ercole amante“



    Vol.10 ist die nächste Aufnahme eines Ballet de Cour.
    Hugo Reyne hatte sich für das „Ballets des Arts“ entschieden, das auch auf äußert einnehmende Weise im Opernhaus von Versailles inszeniert wurde.


    Damit endete die Serie vorerst bei Accord.
    Mittlerweile gibt es die großen Bühnenwerke als Komplettpaket:



    Inhalt: Le Bourgeois Gentilhomme - Les Fêtes de l'Amour et de Bacchus - Isis - Amadis


    Für das Label zu den Musikfestspielen „Musique à la Chabotterie“ nahm er eine weitere Tragèdie Lyrique auf: Atys



    Vielleicht wird hier die Serie mehr oder weniger fortgesetzt, wer weiß....


    In jedem Fall gibt das Oeuvre Lullys noch viele unentdeckte Schätze her, allein was die Ballets de Cour betrifft.


    "Le Ballet Royal de la Naissance de Venus" sollte unbedingt mal aufgenommen werden, ebenso die komplette Musik für die "Plaisirs de l'Îsle enchantée" oder die Bühnenmusiken zu "Le Marriage Force" und "Les amants magnifiques"
    Eine Neuaufnahme der Oper "Alceste" wäre ebnfalls dringend notwendig oder mal eine Ersteinspielung seiner letzten unvollendeten Oper "Achille et Polixene" (Die Fertigstellung besorgte Pascal Colasse).


    Also bitte weitermachen!

  • Seit @U Lee s Eröffnungsbeitrag sind jetzt schon sechs Jahre vergangen. Ich würde sagen, da kommt definitiv nix mehr.:-| Sind die Festetics überhaupt noch aktiv, weiß da wer was? Hinzu kommt wohl, daß das Arcana Label von heute mit dem Arcana Label zur Zeit Michel Bernsteins wohl nur noch den Namen und den Backkatalog gemeinsam hat. Sogar das Logo wurde jüngst verändert.


    Eine Unvollendete hätte ich auch noch beizusteuern:


    Die angestrebte Gesamtaufnahme *opi* der Orchestersuiten Georg Philipp Telemanns durch das russische Pratum Integrum Orchestra auf dem Label Caro Mitis.


    Vol. 1 erschien 2008 als einfache SACD. Ab da folgten immer Doppelscheiben:


    Vol. 2 2xSACD 2010


    Vol. 3 2xSACD 2011


    Vol. 4 2xSACD erschien ebenfalls 2011, seit dem ist Schicht im Schacht. *wait*


    Ich habe mal ein wenig im WWW geschnüffelt, und es sieht wohl so aus, als sei das Label in finanziell schwieriges Fahrwasser geraten. Die letzten Aktivitäten auf der nach wie vor aktiven Webseite datieren von 2012/2013. 2015 haben sie wohl einen Deal über den Vertrieb hochauflösender DSD-Downloads mit einem entsprechenden Anbieter abgeschlossen, aber neue Aufnahmeprojekte hat es trotzdem nicht gegeben.

    Das Orchester exisitert noch aber ich fürchte, mit jedem weiteren Jahr Zeitabstand wird eine Fortsetzung dieses Projektes unwahrscheinlicher.


  • Hallo Wolfgang Rübsam, wenn Sie mich wider Erwarten vernehmen sollten, teilen Sie doch bitte gelegentlich einmal mit, weshalb das 1998 eingeleitete Pachelbel-Projekt nach Vol. 1 zu meinem großen Bedauern nicht fortgesetzt worden ist - gern auch per Mail:


    "giraffe_giraffe@gmx.de"


    Vielen Dank für Ihre Rückmeldung im Voraus.


    :)