1760 - Grand Messe des Morts (Requiem)

  • Gossecs Requiem (eigentlich Missa pro Defunctis oder Grand Messe des Morts) ist eines der Hauptwerke der frz. Musik des 18. Jahrhunderts. In Frankreich waren Mess-Kompositionen zwar seit Louis XIV kaum mehr üblich, die „Grand Motet“ hatte so gut wie alles an großbesetzter Kirchemusik verdrängt, doch hatte Gossecs Komposition einen sensationellen Erfolg.


    1760 trat Gossec mit seiner ersten großformatigen Komposition an die Öffentlichkeit. Seine "Grand Messe des Morts" wurde in der Eglise Jacobine, in der Rue St. Jacques uraufgeführt. An jenem berüchtigten Ort, der bald zum Treffpunkt radikaler Revolutionäre werden sollte. Die Komposition dauert etwa 90 Minuten und übertrifft damit an Länge und Größe alles was bis dahin an geistlichen Werken in Frankreich zu hören war. Die üblichen höfischen Garnds Motets dauerten selten länger als 25 Minuten, die Messen die nur zu speziellen Anlässen gegeben wurden in der Regel eine halbe Stunde. Das Werk war auf Anhieb erfolgreich und Gossec war über quasi über Nacht ein berühmter Mann in Paris. Es folgte die Berufung als Kapellmeister an den Hof des Prinzen von Conti in Chantilly und viele weitere Ämter. Das Requiem beeinflusste auch hörbar Mozart – der das Werk sicherlich bei seiner Parisreise hörte. 1789 wurde das Requiem zum Gedenken an die Toten des Bastillesturms gespielt, geriet dann aber während der Revolution mehr oder weniger in Vergessenheit – zumal sakrale Kompositionen sehr bald verboten waren.



    Die Vorbilder dieser Messe sind leicht auszumachen:
    Es sind maßgeblich die Vertonungen von Gilles und Campra die Gossec natürlich kannte. Gerade das Requiem von Gilles hatte eine extreme Popularität in Paris erreicht und sollte auch zu den Begräbnissen Rameaus (1764) und Louis XV (1774) gespielt werden. Campras Requiem ist bereits eine Adaption der Vertonung seines Kollegen aus Aix. Und besonders die Eröffnungen der verschiedenen Vertonungen ähneln sich sehr. Aber ebenso lassen sich direkte Parallelen zu den Grands Motets von Mondonville ausmachen: das wilde Confutatis ist ein direktes Zitat des Chores „Jordanis conversus“ aus der Grand Motet "In exitu Israel" usw.

  • Aufnahmen gibt es von diesem wunderbaren Werk leider nicht so viele.




    *omi*


    Zum Gossec - Kennenlernen (es gibt noch eine Sinfonie als Bonus) ist das sicherlich eine gute Möglichkeit. Chor, Solisten und Orchester sind recht gut - hätte man auf alten Instrumenten gespielt, wäre die Aufnahme sicherlich eine wirkliche Empfehlung.
    Leider fehlt für meinen Geschmack etwas Feuer.



    *omi*


    gibts auch mit hässlichem Cover:



    *omi*


    die Aufnahme von Devos ist vielleicht immer noch eine der besten des Werkes.
    In jedem Falle die günstigste Möglichkeit sich das Werk in einer wirklich guten Aufnahme anzuschaffen.



    Die beiden Aufnahmen in HIP besitze ich leider noch nicht:



    *opi*



    *opi*

  • Zitat


    Ich bin mir sicher, diese Einspielung dereinst besessen zu haben (aus dieser Reihe gab mal mal einen günstigen Abverkauf und Gossecs Requiem war darunter). Für mich sollte sie als Vergleichseinspielung zum Radiomitschnitt der Concerto-Köln-Produktion sein (Olga Pasichnyk, Marianne Beate Kielland, Markus Schäfer, Klaus Mertens, NDR Chor, Concerto Köln, Pierre Cao). Leider kann die Cappella Coloniensis trotz gewisser Namensähnlichkeiten nicht im geringsten mit der feurigen, ernsten, bodenständigen und staunenmachenden Einspielung der Kölner Konzertkollegen mithalten; deshalb landete diese Einspielung nichtmal auf meiner Festplatte, sondern irgendwoanders... jedenfalls ist sie nicht mehr bei mir.


    R.I.P.


    :beatnik:

  • ganz so abqualifizieren würde ich die Aufnahme nicht:



    die Aufnahme ist sicherlich lange nicht so kernig wie der Livemitschnitt, da fehlt es echt an Kraft, aber Solisten und auch der Chor machen ihre Sache gut.
    Weniger erfreulich sind die herben Kürzungen, damit das Werk unter 70 Minuten dauert.



    übrigens gibt es noch eine Aufnahme, kennt die jemand ?


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  • Vor allem schätze ich meinen Mitschnitt des Concerto Köln aus Bonn-Endenich (St. Maria-Magdalena-Kirche unweit des Sterbehauses Schumanns und Blees' Geburtshaus):


    Olga Pasichnyk, Marianne Beate Kielland, Markus Schäfer, Klaus Mertens, NDR Chor, Concerto Köln, Pierre Cao.


    Interessenten am Mitschnitt dürfen sich gern melden. Leider ist diese Produktion nie auf CD erschienen. Teile des Werkes 1760 komponierten sehr progressiven Werkes nehmen Parts aus Mozarts c-moll-Messe in irritierender und gleichsam grandioser Weise vorweg; ich hätte das Werk fälschlicher Weise auf c1790 taxiert. Ich glaube, das ist sowieso mein Lieblingsrequiem, allein das „Mors stupebit“ ... bislang unübertroffen. Zudem: die Posauen sind derart deplaziert positioniert worden, daß sie in der Aufnahme synkopisch zum Geschehen erklingen, was - da es mehr als passt - vom Komponisten ggfs. so gewollt war (? - eine musiktheorethische Frage, die niemals wird geklärt werden).


    :umfall::jubel:*jesus?**kiss*


    Eines der schönsten und für mich ergreifendsten geistlichen Werke, das ich bislang kennen lernen durfte! So hätte ich auch mein Requiem komponiert, aber ist ja nun bereits erledigt; G(ossec)sD. Genau so geht 'Recordare' - in einem permanenten Bass-Ostinato ... :beatnik:


    Weniger erfreulich sind die herben Kürzungen, damit das Werk unter 70 Minuten dauert.

    Hier 81 Minuten ...


    An meinem Grab gibt es genau das und im Anschluß (quasi als Zugabe) Händels Messiah: natürlich nur opi --- falls nicht, springe ich aus dem Grab! Das alles auch bei -25°C mit Regen und Wind ...

  • Vor allem schätze ich meinen Mitschnitt des Concerto Köln aus Bonn-Endenich (St. Maria-Magdalena-Kirche unweit des Sterbehauses Schumanns und Blees' Geburtshaus):


    Olga Pasichnyk, Marianne Beate Kielland, Markus Schäfer, Klaus Mertens, NDR Chor, Concerto Köln, Pierre Cao.

    Verständlich. Aus irgendeinem Grund wollte ich gleich hören, tat dies gestern. Die kleinsten Klangmalheurchen außer Acht gelassen klingt das wuchtig fulminant und ich mag auch das gelegentliche leise Mitbrummeln bei manchem Einsatz.


    Vor allem war mir Gossec absolut völlig rundum unbekannt, dabei höre selbst ich, dass er gefälligst zwischen Bach und Beethoven zu den Großartigsten gehört. Mein Gott, 26 war er. Das Requiem ist in jeder Hinsicht voluminös, ist dramatisch von der Erdentiefe bis zum Lichterglanz und hat mich immer wieder mit Reichtum an Ideen, Wendungen, Motiven, Passagen überrascht, die so sitzen, dass sie bei mir dasjenige Gefühl hervorrufen, das mir stets bei für mich wirklich guter Musik kommt: sie klingt als könne sie nicht anders sein und als habe es sie schon immer gegeben. Das ist weder sperrig noch gefällig, das ist grandios. Vieles seinerzeit in der Kunst Grandiose wurde später vergessen und manches davon altert schlecht, da kann ich nachvollziehen, dass es sozusagen innerhalb der Kunst aus dem Nest gedrängt wurde. Hier kann ich es nicht und das liegt wohl auch daran, dass andere, gesellschaftspolitische Gründe außerhalb der Kunst relevant waren, die Gossecs Werk beiseite stellten (soweit ich seine Biografie nun nachvollzogen habe). Für mich also eine echte Entdeckung, für die ich herzlich danke!


    *sante*

    Es gibt viele, die nicht reden, wenn sie verstummen sollten, und andere, die nicht fragen, wenn sie geantwortet haben.
    Johann Georg August Galletti (1750-1828)

  • Das Requiem ist in jeder Hinsicht voluminös, ist dramatisch von der Erdentiefe bis zum Lichterglanz und hat mich immer wieder mit Reichtum an Ideen, Wendungen, Motiven, Passagen überrascht, die so sitzen, dass sie bei mir dasjenige Gefühl hervorrufen, das mir stets bei für mich wirklich guter Musik kommt: sie klingt als könne sie nicht anders sein und als habe es sie schon immer gegeben. Das ist weder sperrig noch gefällig, das ist grandios.

    Treffender kann man es aber auch wirklich nicht beschreiben.


    :jubel:

  • Also ich finde nach bislang drei Durchgängen keinen Zugang zum Werk. Am Eindrucksvollsten noch Ullis Mitschnitt, beim Favoriten unseres Lullisten fehlen mir schon zu Beginn beim Schlagwerk die Kracher, die auch Naxos bravourös liefert. Ich muss mich wohl noch stärker hineinvertiefen; ich habe ja auch Schernus geordert.

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