Die Clavierbauer-Dynastie Walter: Einspielungen (opi)

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    Die Instrumente von Anton Walter haben in den letzten Jahrzehnten einen regelrechten Boom ausgelöst. Zu verdanken ist diese Art "Renaissance" der Vorliebe W. A. Mozarts für die Instrumente aus seiner Werkstatt. Oftmals werden Einspielungen mit Mozartwerken auf historischen oder replizierten Walterflügeln als schlechthin "DER Originalklang" verkauft. Leider jedoch werden in vielen Fällen völlig willenlos irgendwelche Instrumente, die den Namen "Walter" tragen für Einpsielungen von Mozarts Werken verwendet; ohne Rücksicht darauf, wann die Instrumente (ggfs. als Vorlage für den Nachbau) hergestellt wurden und daß die Hämmer der Fortepianos etwa nach 1800 beledert wurden und ein Klangbild ergeben, das dem heutigen Flügel weitaus näher (um nicht zu sagen: für Mozart zu nah) ist. Außerdem firmierte das Unternehmen Walters ab etwa 1802 unter "Walter & Sohn".


    Mir geht es in diesem Thread nun nicht darum, mich an die Willenlosigkeit der Vielzahl von Einspielungen auf Walter-Instrumenten anzuschließen, sondern vielmehr diachronisch zu sondieren und zu diferenzieren; dabei soll es nicht bloß um Einspielungen der Werke W. A. Mozarts gehen, sondern auch um jene von Haydn, Beethoven, Schubert und ggfs. anderen nennenswerten Komponisten.


    Ich unterscheide anhand der Biographie Walters (vgl. obiger Hyperlink) wie folgt:


    • 1780-1791 - Ära Mozart & Haydn
    • 1792-1800 - Ära Haydn & Beethoven
    • 1800-1825 - Ära Beethoven & Schubert


    Es soll hier darum gehen, daß Werke aus der entsprechenden Ära auf Instrumenten Walters resp. Walter & Sohns eingespielt wurden, die zu den jeweils eingespielten Werken zeitlich passen. Auch auf die Gefahr einer Wiederholung hin: die meisten Aufnahmen von Mozarts Clavierwerken werden auf dem heute im Mozarteum befindlichen Walterflügel, erbaut etwa 1782, gespielt. Dabei bleibt aber unberücksichtigt, daß der im einstigen Besitze Mozarts gewesene Flügel nach Expertenmeinung um 1800 umgebaut und dabei sehr wahrscheinlich auch beledert wurde. Insofern ist dieses Instrument für eine "historisch korrekte" Wiedergabe Mozartscher Werke (wie auch alle Flügel, die etwa ab 1795 gebaut wurden) obsolet. Sie spiegeln dann allenfalls die historische Wiedergabe zu Zeiten Beethovens ff. wieder (was natürlich auch interessant ist, aber wohl kaum die Intention war, sehr wohl aber unter falsche Vorzeichen gestellte verkaufsfördernde Wirkung zeigt). Dazu zählen beispielhaft die Gesamteinspielungen der Clavierkonzerte Mozarts durch Jos van Immerseel und Malcolm Bilson.

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    Wolfgang Amadé Mozart (1756-1791)
    Clavierkonzert B-Dur KV 456
    Clavierkonzert F-Dur KV 459



    Wolfgang Amadé Mozart (1756-1791)
    Clavierkonzert d-moll KV 466
    Clavierkonzert C-Dur KV 467


    Arthur Schoonderwoerd
    Ensemble Cristofori


    Bei beiden CDs wird ein unbelederter (!) Hammerflügel nach Anton Walter (c1782) von Gerard Tuinman & Paul Poletti verwendet. Das Instrument verfügt über 5 Oktaven (FF-F³) und 2 Kniehebel für Moderator und Dämpferaufhebung.


    *bau*

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    Joseph Haydn (1732–1809)
    Sinfonien Hob. I:94, 98 und 100
    (arrangiert für Flöte, Streichquartett & Clavier)


    Arco Baleno Ensemble
    Fortepiano Chris Maene nach Anton Walter (1794)




    Ludwig van Beethoven (1770-1827)
    Clavierkonzert Nr. 1 C-Dur op. 15
    Clavierkonzert Nr. 2 B-Dur op. 19


    Arthur Schoonderwoerd
    Ensemble Cristofori



    Ludwig van Beethoven (1770-1827)
    Clavierkonzert Nr. 3 c-moll op. 37


    Arthur Schoonderwoerd
    Ensemble Cristofori


    In allen drei Konzerten bespielt Arthur Schoonderwoerd eine Hammerflügelreplik "Anton Walter" von Paul Polletti & Gerard Tuinman, deren originale Vorlage etwa 1800 entstanden ist. Für das c-moll-Konzert hätte theoretisch auch bereits ein früher Érard-Flügel Verwendung finden können, da Beethoven 1803 einen solchen zum Geschenk erhielt.


    *bau*