HWV 09 - Teseo (1713): Einspielungen (DVD)

    • Offizieller Beitrag


    TESEO
    dramma tragico in 5 atti
    di Nicola Francesco Haym


    Jacek Laszczkowski Teseo
    Sharon Rostorf-Zamir Agilea
    Martin Wölfel Egeo
    Maria Riccarda Wesseling Medea
    Miriam Meyer Clizia
    Thomas Diestler Arcane


    Lautten Compagney Berlin
    Wolfgang Katschner


    Gekauft hatte ich diese DVD dereinst wegen des Sopranisten Jacek Laszczkowski, der auch hier einen überzeugenden und Staunen machenden Sopran abgibt. Weniger beeindruckt bin ich von Thomas Diester (Counter) als Arcane, das klingt teilweise etwas grenzwertig, aber mir ist eine nicht ganz so gut singende männliche Person immer noch lieber in dieser Rolle als eine Frau... Schauspielerisch überzeugend ist vor allem Martin Wölfel als Egeo; auch sein Gesang betört mich nicht so sehr, aber... wie gesagt... sein narzisstisches Gehabe ist großartig in Szene gesetzt!


    Mir scheint allerdings, daß der nichtmal heimliche, sondern im wahrsten Wortsinn unheimliche Star dieser Produktion nicht Laszczkowski, sondern Maria Riccarda Wesseling als Medea ist (siehe Pressefoto oben). Medea ist ohnehin eine meiner liebsten Opernfiguren und in Händels Teseo werden dieser Medea allerlei herrliche Intrigen zugestanden und sie zaubert allerlei grässliches Gesocks herbei.


    Die Inszenierung an sich ist relativ lasch: viel zu sehen gibt es, von der herausragenden Komik und Mimik im Allgemeinen abgesehen, eher nicht. Das optische "Highlight" wird dann wohl Medeas Zauber am Ende des dritten resp. zu Beginn des Vierten Aktes gewesen sein. Pro Arie wechseln diverse Haptika fliegender Weise ihren Aufenthaltsort (zur Not mehrfach), das nervt auf die Dauer einer nachmittagfüllenden Oper... Sharon Rostorf-Zamir glänzt als Agilea im vierten Akt mit Deh! v'aprite, oh luci belle!


    Bis auf die extrem kurze lieto-fine-Verkündung des Minerva-Priesters vor dem Schlußchor sind in dieser Oper ausschließlich Sopran- und Altstimmen zu hören.



    Opernprobe im Queen’s Theatre in London
    mit Nicola Francesco Haym am Cembalo


    Das Uraufführungspublikum hätte diese Produktion vermutlich gelangweilt fluchtartig verlassen, was - wie gesagt - weder der herrlichen Musik Händels und deren musikalischer Umsetzung noch den Kostüm- und Maskenbildnern anzulasten wäre.


    Trotzdem: sehr musikalisch mitreißend und besonders wegen Laszczkowski (Titelheld) und Wesseling (Opposition), aber auch wegen der unscheinbaren und stillen Miriam Meyer (Clizia) eine feine Sache!


    :wink: