Sinfonie Nr. 9 e-moll op. 95: Einspielungen (opi)

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    Eines hat sich mir offenbart: Geld macht doch glücklich; vorrausgesetzt, man opfert 396 €urocent für den Download dieser Aufnahme.


    Eines wird nach dem Verhallen der ersten orakelhaften Takte per Paukenschlag kristallklar: diese Aufnahme ist anders: hysterisch, diabolisch, besessen, abgründig, hypnotisch... noch nie habe ich derart unaufhörlich interferierende Gänsehautwellen erlebt.


    Ich fühle mich von einer Dopanin-Tsunami zerfetzt und bleibe emotional gerodet und skelettiert zurück. Mir bleibt nichts als das nackte Sein und - wie Miles nach dem Überdrehen der Schraube - leblos in mir zusammenzusacken...


    :umfall:


    Hier tut sich wirklich eine völlig "neue Welt" auf: sämtlicher Weltschmerz im Wechsel mit höchster Glückseligkeit... Peitschenhiebe, Ohrfeigen, Streicheleinheiten, Messerstiche, Liebkosungen... ein Wechselbad der Gefühle... wo war nochmal vorne und hinten? Da kann ich meinen Grasvorrat erstmal einfrieren... :beatnik:

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    Für 12,20 plus 3 Euro Versandkosten von einem deutschen Standort aus erhalten und in anderthalb Tagen, man kann die Scheibe auch für unter 10 Euro kriegen, wartet dann aber drei Wochen ... nie habe ich 1520 Cent besser investiert ...



    Gestern Nachmittag atemlos gelauscht, dann gleich ein 2. Mal hinterher; nachts der Freundin vorgespielt, auch mit Wiederholung (sie schlief freilich dann beim Largo friedlich lächelnd ein...). Das ist ja - und ich muss dem Ulli nicht nach dem Mund reden; das hat er nicht nötig und ich auch nicht - eine hammermäßige, absolut endgeile, mördergranatene, total geniale Wahnsinnsaufnahme!!! Ich habe ja nun im Laufe der Woche Kubelik, Klemperer, Dausgaard (TV), Suitner und andere gehört; aber Halten zu Gnaden, sie taugen wenig als Vergleich. Hatte ich Angst vor dem hyperbolischen Element, das ich Ullis Worten entnahme, erwies sich diese als unbegründet. Unfassbar klare Strukturen verbinden sich hier mit einer Leidenschaftlichkeit und Emotionalität und gleichermaßen mit einer lyrischen Zartheit und elegischen Traumwelt, dass es einen schwindelt vor so viel betörendem Ohrparfüm. Fast alle meine Lieblingsstellen - oft Steigerungswellen wie im 1. Satz oder solche in piano im 2. - werden so gespielt, wie ich mir das insgeheim wünschte; das Scherzo endlich brucknerscher, wie ich es mag und der 4. mit allen Ausbrüchen, dennoch immer noch kalkuliert und glasklar in seiner Rhythmik und seinen Bläsern. Eben dazu ist ein Forum wie dieses hier gut; ich zweifelte jüngst erst stark; aber auf die "Neue Welt" wäre ich von allein schwerlich wieder mal gefallen und einen Krivine habe ich, zumindest denke ich das, noch überhaupt nicht in meiner Sammlung. Was für eine Aufnahme!!! Danke, Ulli ...

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    Musica Florea, Marek Štryncl


    *yorick*


    Bloß bei Amazon hakt's mal wieder ... vielleicht findet jemand den Downloadlink?


    Auch bei ARTA direkt scheint der mp3-Vorrat derzeit aufgebraucht zu sein ...
    Klappt eigentlich nochmal was in unserer „neuen Welt"?
    *leberwurst*

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    Hast du das inzwischen gehört?

    Inzwischen - Deinem Hinweis brav folgend - ja. Komischer Weise befand sich die CD auf meinem Server, gleichwohl habe ich sie wohl noch nicht gehört gehabt (muß in irgendeiner Wahnsinnsstreßphase wohl untergegangen sein).


    Mir gefällt die Einspielung wirklich sehr gut (nebenbei auch die inkludierte schräg dargebotene Sinfonietta Janáčeks), Krivine erreicht sie allerdings nicht. Nichtsdestotrotz: sehr, sehr hörenswert. Näheres an dieser Stelle ggfs. demnächst.


    :wink:

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    Inzwischen - Deinem Hinweis brav folgend - ja. Komischer Weise befand sich die CD auf meinem Server, gleichwohl habe ich sie wohl noch nicht gehört gehabt (muß in irgendeiner Wahnsinnsstreßphase wohl untergegangen sein).


    Mir gefällt die Einspielung wirklich sehr gut (nebenbei auch die inkludierte schräg dargebotene Sinfonietta Janáčeks), Krivine erreicht sie allerdings nicht. Nichtsdestotrotz: sehr, sehr hörenswert. Näheres an dieser Stelle ggfs. demnächst.


    :wink:


    Mir gefällt die Aufnahme auch von Mal zu Mal besser: Mein erster Eindruck war der einer strahlenden Eleganz, die ich den Instrumenten gar nicht zugetraut hätte; was mir fehlte, war die Opulenz eines Yuri Temirkanov und der fürcherliche Furor und die diabolische Präsenz eines Constantin Silvestri. Das ist aber falsch gehört, denn nach mehreren Hördurchgängen erkennt man auch die schneidende Schärfe im opi-Raum und das nimmt einem stellenweise den Atem. Vielleicht ist Immerseel schlicht zu makellos, um ganz oben auf dem Podium zu stehen.

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    Zu toppen ist Krivine emotional (knapp) nicht, aber auf anderer Ebene:



    Musica florea

    Marek Štryncl


    Erst einmal die Zeiten im Vergleich


    Marek Štryncl (2018) Jos van Immerseel (2014) Emanuel Krivine (2008)
    1 12:19 12:07 12:13
    2 10:52 12:20 11:22
    3 07:34 07:50 07:50
    4 11:22 12:13 11:20


    Im Kopfsatz sind sich alle zeitlich sehr ähnlich, die größte Abweichung zeit das Largo; Scherzo und Finale sind wieder recht ähnlich (Immerseel lässt sich da etwas mehr Zeit). Allerdings spielt Štryncl sehr viel mit Tempovariationen (plötzliches rubato und dann wieder Gas geben) innerhalb der Sätze herum, das fällt sofort ins Ohr und macht mir Spaß - inwieweit das HIP ist, weiß wohl nur Herr Dvořák ...


    Insgesamt eine sehr, sehr spannende, feurige, durch die Tempowechsel abwechslungsreiche Einspielung, bei der ich zum ersten Mal wahrnahm, daß auch Becken mitspielen. Ein vollbusiger und knackiger Orchestersound rundet die Sache durchaus ab.


    Die beigelegte, sicherlich selten zu Gehör zu bekommende, Hymne op. 30 lässt auch keine Wünsche offen: technisch für den wundervollen Chor eine Herausforderung, die herausragend bewältigt wurde (m. E. nicht minder schwer als der Schlußchor von Beethovens op. 125), der Klang des Chores gefällt mir ganz besonders.


    Ich bin wirklich begeistert!

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    Das ist sehr schön auf einen Nenner gebracht, lieber Ulli. *yes*


    Ich persönlich würde mich bei den drei opi-Aufnahmen nicht mehr zu einer Rangliste verstehen wollen, auch emotional nicht. Bei jeder neuen Hörsitzung entdeckt man andere Details und plötzlich wirkt wieder alles anders. Ich denke schon, dass Immerseel der kultivierteste ist, der auch Mut hat, sich stellenweise Zeit zu nehmen und auszukosten - da er über einen wunderbaren Orchesterklang gebietet, gelingt ihm das auch. Štryncl scheint zunächst gar nicht so verschieden in der Anlage, musiziert aber deutlich rasanter und ruppiger, ohne jemals ganz proletarisch zu werden; insgesamt höre ich den Gesamtklang etwas "dünner" und weniger farbig und kräftig als bei Immerseel, aber vielleicht täuscht das auch. Man vergleiche einfach mal ein bis zwei Minuten der Anfänge des 1., 3. und 4. Satzes - die Unterschiede sind hauchdünn, aber dennoch deutlich; vielleicht am Essentiellsten zu hören bei den Pauken.

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    Bleibt noch zu erwähnen, daß es sich um eine Live-Aufnahme handelt, was zumindest ich - ohne Kopfhörer - nicht bemerkt habe (der Schlußapplaus verrät es dann).


    T. 292ff. im Kopfsatz ist interessant: das Anschwellen des Bleches steht nicht in der Partitur, macht aber großen Effekt (Min. 9:15ff.)!


    :jubel::jubel::jubel: