04 - Impromptus D946 (Drei Clavier-Stücke)

    • Offizieller Beitrag

    Drei Clavier-Stücke componirt von Franz Schubert.
    Nachgelassenes Werk.



    Erst in den letzten Jahren gewannen die landläufig unter dem Titel Drei (nachgelassene) Clavier-Stücke kursierenden Spät-Werke Schuberts etwas an Bekanntheit. Es kann - um mich Robert Schumanns Wortwahl zu bedienen - kein Zweifel bestehen, daß Schubert hier an eine Fortsetzung seiner beiden vorangehenden Impromptus-Zyklen dachte. Leider blieben es lediglich drei Stück und sicher hatte Schubert ein viertes in Planung, denn die drei vorhandenen waren weder betitelt noch durchnumeriert. Ein Vorgang, dem Schubert sich gewohnheitsgemäß erst nach vollständigem Abschluß der Arbeiten zu widmen pflegte.


    Diese drei Impromptus, die erstmals 1868 von Johannes Brahms ediert worden waren (Nr. 1 mit dem von Schubert gestrichenen Andantino!), sind ungleich "crazier" und (nach meinem persönlichen empfinden) tiefgründiger und persönlicher als die eher populär gehaltenen vorhergehenden 2*4 Impromptus. Allein die Wahl der Tonarten (Nr. 1 in es-moll, Mittelteil in H-Dur / Nr. 2 Mittelteil as-moll / Nr. 3 Mittelteil Des-Dur) ist auch für Schubert recht krass, allenfalls vergleichbar mit D899 Nr. 3, das im Original in Ges-Dur notiert war (von Schubert aber der Popularität wegen für den Druck nach G-Dur transponiert wurde). Diese Drei Clavier-Stücke sind weniger "blumig" gehalten oder werden zumindest vom abgründigen Mittelteilen zerschossen... ich finde, man hört irgendwie die Todesnähe des Komponisten heraus: die trosthaschende Melancholie der Zyklen 899/935 weicht hier zugunsten einer Art "begreifenden und ergreifenden Realität". Insofern glaube ich zu hören, daß diese drei Stücke viel mehr Schuberts Persönlichkeit hervorbringen als die anderen (bekannten) Impromptus, die für die Öffentlichkeit bestimmt waren.


    In der von Lambert Orkis gemachten Einspielung (vgl. Thread Einspielungen) ist auch die Erstfassung des 1. Impromptus enthalten. Eine insgesamt sehr, sehr lohnenswerte Einspielung, zumal diese drei Stücke aus dem Nachlass eine ungemein erfreuliche und unerlässliche Ergänzung zu den bekannteren Impromptus sind.

    Alles sollte sein wie es war - und nicht wie wir es uns wünschen!

    (HIPpokrates)