SPIEGEL online: Schuhkarton oder Weinberg? Was hat die bessere Akustik

    • Offizieller Beitrag

    Das gehört für mich im weiteren Sinne auch zur Aufführungspraxis: die Wahl des Konzertsaals.


    Hier in München haben wir, wie auch die Hauptstadt, den Luxus, verschiedene Konzertsaalformen zur Auswahl zu haben. Da ist der moderne Gasteig mit seiner merkwürdigen Bauweise in moderner Form, und auf der anderen Seite der Herkulessaal in der Residenz im klassischen Zuschnitt, also quaderförmig mit Empore und Galerie und der Bühne auf einer Stirnseite. In Berlin wäre das Philharmonie vs. Konzerthaus.


    In beiden Fällen bevorzuge ich die Quaderform, ohne bisher genau sagen zu können, warum. Auch die Konzerte, die ich selbst schon in der Stadthalle Wuppertal hören durfte, waren akkustisch hervorragend. Gerade die Stadthalle Wuppertal wird m.E. vollkommen unterschätzt. Wird viel zu selten für erstklassige klassische Konzerte genutzt.


    Jetzt hat ein Finne untersucht, warum meine Vermutung offenbar noch viele andere teilen, und das zu recht.
    Dazu gibt es einen kurzen Artikel auf Spiegel online:


    Schuhkarton oder Weinberg?

    • Offizieller Beitrag

    Naja, kurz gesagt: warum sollten die Baumeister früher auch dümmer gewesen sein als heutige? Woher auch immer sie Ihr Wissen hatten (und sei es bloße Erfahrung, die noch niemandem geschadet hat...); sie konnten dieses Wissen mit Ästhetik verbinden.


    Mich wundert allerdings, daß nicht das Teatro La Fenice in die Überlegungen und Untersuchungen mit einbezogen wurde.


    Allerdings gibt mir das Ergebnis zu Überdenken, was den zum geflügelten Wort gewordenen "Schuhkartonklang" betrifft. 8-)

  • Ich zitiere hier jetzt direkt aus dem Artikel:


    "Auf der Bühne platzierten die Forscher Lautsprecher, die wie Orchestermusiker verteilt waren. Die Lautsprecher waren kalibriert, so dass sie in jedem Konzertsaal denselben Klang und dieselbe Lautstärke erzeugten. Als Referenzmusik dienten 20 Takte aus Anton Bruckners Sinfonie Nummer 9."
    (Quelle: http://www.spiegel.de/wissensc…hesterklang-a-956823.html)


    Es macht mich stutzig, daß die Untersuchungen nicht mit Liveklängen erfolgten. Natürlich ist mir die Absicht klar, immer die gleiche Quelle zu reproduzieren. Wir sind uns aber vermutlich auch darüber einig, daß live noch einmal etwas anderes ist (gerade was die Obertöne betrifft) als von Konserve. Daher bin ich mir, was das Ergebnis der Untersuchung angeht alles andere als sicher.


    Ich kenne folgende Säle vom Hören:

    • Concertgebouw Amsterdam, Konzerthaus Berlin, Herkulessaal München, Wiener Musikverein
    • Berliner Philharmonie,Kölner Philharmonie, Gasteig München, Beethovensaal Stuttgart, Palais des Beaux-Arts Brüssel


    Als konzertierender Musiker kenne ich von der Bühne aus:

    • Concertgebouw Amsterdam, Konzerthaus Berlin, Herkulessaal München, Berliner Philharmonie, Palais des Beaux-Arts Brüssel


    Meine Erfahrungen als Hörer sind in allen Sälen sehr gut, Auf guten Plätzen mach es für mich keinen fundamentalen Unterschied ob ich Wiener Musikverein sitze oder in der Berliner Philharmonie. Auf akkustisch nicht so günstigen Plätzen (z.B. Seitenrang nah am Orchester) hatte ich immer in der Berliner Philharmonie subjektiv einen besseren Eindruck als im Konzerthaus, im Gasteig einen besseren Eindruck als im Herkulessaal. Ich sage bewußt subjektiv!
    Als Spieler fand ich die Bühne in der Berliner Philharmonie als sehr angenehm, weil man sich sehr gut im Orchester hörte ohne den Eindruck zu haben, auf der Bühne verloren zu sein. Subjektiv empfand ich mich Konzerthaus Berlin, Concertgebouw und im Herkulessaal immer weiter weg vom Publikum, auch wenn das objektiv nicht stimmen mag.


    Im Großen und Ganzen habe ich keinen signifikant schlechten Klang in diesen Häusern in Erinnerung, würde daher jetzt auch keiner Form den Vorzug geben. Vielleicht hat aber jemand auch andere Erfahrungen!