Der Ferne Klang

  • Franz Schreker: DER FERNE KLANG, Oper in 3 Aufzügen (1910)


    Der Komponist zur Entstehung seiner Oper:


    Zitat

    Aus zweifacher Not heraus entstand >Der Ferne Klang<. In mir gärte es, ich war ein ganz junger Mensch. Jugend, Sehnsucht wollte sich Ausdruck schaffen. Sehnsucht – ein Kunstideal zu erjagen, Ruhm, Freuden des Lebens. Weib, Liebe! Und ich wollte schaffen, wollte alles zu tönenden Gebilden formen – doch mir fehlte ein Buch, ein Opernbuch, denn es war mir klar, daß ich jene wühlenden gebundenen Kräfte nur in der dramatischen,in der musikdramatischen Kunst zu klingendem Leben erwecken konnte. Und was sich mir bot, war armseliges Zeug: Librettis verkrachter Dichter, tantiemhungriger Journalisten. Da besann ich mich zu rechter Zeit auf mich selbst. Auf das Drama des Werdenden: auf das Narrenspiel dieses Lebens mit unsicherem Ausgang:
    Auf all die Tragödien, die hart an uns vorbeistreifen und uns hin und wieder – oft flüchtig nur – in ihr Szenengewirr verstricken. Und schon schrieb ich den FERNEN KLANG aus mir selbst heraus, aus meinem eigen jungen Erleben.


    Gedanken zum FERNEN KLANG


    Man nehme >Hoffmann< den Dichter-Studenten, der in seinem Alkoholrausch zu seinen 3 Musen und dem ganzen Hirngespuke im romantischen Vollrausch (E.T.A. Hoffmann) findet/führt.
    Dem Traum folgt das ernüchternde Erwachen mit brutalem „Kater“.
    Man addiere zu Offenbachs Oper, die in seinem Todesjahr 1880 entstand, 30 Jahre dazu….und landet bei Schreker, dem 24- jährigen Komponisten......
    einem Jungmannvulkan, dessen Lebenshunger und Sehnsucht in diese Oper einfließt.


    In seinem Werk ist es der Künstler Fritz, der von seiner Geliebten Grete läßt, weil sein Sendungsbewußtsein, diese Kunst-Trunkenheit,
    ihn erst in zwanghafter Manier elektrisiert den geheimnisvollen FERNEN KLANG zu entdecken.
    Bis dahin gilt der Liebesverzicht auf seine Grete, die ihn natürlich nicht aufhalten kann.
    Das Unverständnis in ihrem Elternhaus addiert sich mit der verlorenen Liebe um Fritz und schon denkt sie dran sich im See zu ersäufen.
    Ihre romantische Ader springt auf Glühwürmchen an, der Mond-Kick erwischt sie voll…und ihre Lust auf >LEBEN< ist zurück.
    Diese Lust wird eine >frivole<, in Venedig wird sie jahrelang als Edelhure gefeiert.
    Ihre Orgien sollen auch das Glück früherer Tage mit Fritz vergessen machen. DAS gelingt ihr natürlich nicht, so daß sie sich für die Rückkehr zur Monogamie entschließt.


    POESIE muß her, ein Wettkampf der Dichter um den Richtigen freien zu können.
    Letztendlich gewinnt den Siegespreis ein >Fremder<. „Es ist der zur Nachtzeit mit einer Gondel angekommene Fritz.
    Der steht dann als ernster und gereifter Mann nach 10 Jahren Odyssee vor seiner Grete.
    Sein rastloses Jagen nach dem >FERNEN Klang> war erfolglos geblieben.
    Als Grete ihre Jugendliebe erkennt, wirft sie sich enthusiasmiert an seine Brust.
    Dieser aber stößt sie ab als er ihren Lebenswandel erkennt, woraufhin Grete in verzweifelter Manier mit einem Grafen per Gondel entschwindet.


    Im 3. Akt spielt das Schicksal Fritz übel mit, da seine Oper über seine Nöte und Sehnsüchte ein totaler Reinfall beim Publikum wird.
    Fritz sieht Schicksalsmächte am Werk, so daß er seinen Verstoß der Jugendliebe Grete als Schlüssel für die eigene Zerstörung deuten muß.
    Verstärkt durch die totale Ablehnung seines Stückes, beginnt sein Lebensmut zu zerbrechen.
    Doch Grete erscheint und beide umarmen sich glücklich. Der Komponist schöpft neuen Mut, will sein Stück umschreiben.
    Es gelingt ihm nicht mehr, denn die langjährigen Aufregungen waren zu viel für sein inzwischen müdes, ja krankes Herz.
    Fritz stirbt in den Armen seiner geliebten Grete.



    Dieser Opern-Stoff wird durch eine expressionistische Klangwelt, verwirrend, fast wie im Rausch rausgeschleudert.
    Die Musik ist komplex furios, wie auch differenziert von hart bis zart.
    Wie bei Wagner und Richard Strauss gilt auch bei Schreker überwiegend die Maxime einer süffigen durchkomponierten sinfonisch ausgerichteten Partitur, mit Gesang.
    Zu R. Strauss scheint mir der Hauptunterschied darin zu bestehen, daß eine burlesk, mit ansatzsweise dissonanter Kompositionsstruktur angelegter Partitur,
    schroffer und experimenteller daherkommt, allerdings tonal bleibt.


    Dieses Werk gehört, wie auch Schrekers DIE GEZEICHNETEN, neben einigen Strauss Opern, und Korngolds DIE TOTE STADT
    zu den wichtigsten experssionistischen Bühnenwerken Deutscher Provenienz zu Beginn des letzten Jahrhunderts



    [YouTube]http://www.youtube.com/watch?v=lnCWyNLl9Yk[/youtube}‎




    Arnulfus