• Ein kurzes Wort zum Baryton kommt mir nicht ganz verfehlt vor. Schließlich war und ist das Baryton seit jeher ein seltenes Instrument, das im allgemeinen Musikleben nie eine große Rolle spielte und spielt.


    Das Baryton gehört aufgrund seiner Bauweise zur Familie der Gamben, in ihrer Größe und Besaitung entspricht sie der einer Tenor/ Baßgambe. Neben den Spielsaiten aus Darm sind vor allem die metallenen Resonanzsaiten die optische und klangliche Besonderheit des Instrumentes. Neben dem von Streichinstrumenten gewohnten gestrichenen Spiel ermöglicht zudem ein Fenster im Hals das gezupfte Spiel der Resonanzsaiten. Diese metallenen Resonanzsaiten verleihen dem Instrument einen silbrigen, sehr obertonreichen Klang, der sich gut "ortbar" vom "normalen" Streicherklang einer Viola oder eines Cello abhebt. Es bestehehn durchaus Paralellen zu der Viola d'amore.


    Dem Baryton war nur eine kurze "Karriere" bestimmt. Im frühen 17. Jahrhundert entstanden diente es oft als Instrument zur Begleitung des (eigenen) Gesanges. Diese abwechslungsreiche Begleitung mit Klangcharakteristiken zwischen Gambe (gestrichen) und Mandoline (gezupft) hatte mit Sicherheit einen großen Reiz. Verbürgt ist die Mitwirkung des Instrumentes in Opern von Agostini. Seinen Höhepunkt erlebte es im 18. Jahrhundert im süddeutschen Raum, vor allem natürlich am Hofe des Fürsten Nikolaus von Esterházy. Zu seinem (und unserem Glück) war an seinem Hof Joseph Haydn tätig, der regelmäßig dem Fürsten Werke für "sein" Instrument zu liefern hatte. Neben Duetten, den Baryton-Trios (über 120 an der Zahl) auch, Baryton-Qunitetten eben auch die hier zum Thema genommenen Baryton-Oktette. Auch von anderen am Esterházyschen Hof tätigen Musikern wie Luigi Tomasini (Hofkapellmeister) oder dem Cellisten Andreas Lidl entstanden Kompositionen für das Baryton.
    Im 19. Jahrhundert lies das Interesse am Baryton bald nach, als letzter Virtuose dieses Instrumentes gilt ähnlich wie bei der Gambe Karl Friedrich Abel. Ein Cellist, der sich auch noch im 19. Jh. den Baryton widmete war, Ludwig Friedel, der unter anderem auch die Anzahl der Resonanzsaiten erweiterte.


    Für mich gehören die Barytonoktette zu den besonders interessanten Werken Haydns. Das liegt zum einen an der relativ ungewöhnlichen Instrumentation, überwiegen im Streichersatz doch die Mittel- und Baßlagen. Zum andern aber auch an der Qualität der Kompositionen, die Haydn nicht von ungefähr auch als Quelle für Sinfoniesätze der Londoner Sinfonien dienten.


    Neben den bereits erwähnten Einspielungen möchte ich auch noch auf die Aufnahmen der Haydn-Sinfonietta Wien unter Manfred Huss (Konzertmeister Simon Standage) hinweisen. Es sind sehr schöne, intime Aufnahmen, die das Zusammenwirken der Instrumente bei glasklarer Transparenz der Stimmführung betonen. So wird die besondere Klanglichkeit der Werke in den Vordergrund gerückt, meiner Meinung nach zu recht!



    • Offizieller Beitrag

    Neben dem von Streichinstrumenten gewohnten gestrichenen Spiel ermöglicht zudem ein Fenster im Hals das gezupfte Spiel der Resonanzsaiten. Diese metallenen Resonanzsaiten verleihen dem Instrument einen silbrigen, sehr obertonreichen Klang, der sich gut "ortbar" vom "normalen" Streicherklang einer Viola oder eines Cello abhebt.


    Leider hat Haydn von diesem Gimmick so gut wie keinen Gebrauch gemacht. Lediglich bei Hob. XI:68, einem Barytontrio in A-Dur, höre ich gleich zu Beginn das Zupfen auf den Resonanzsaiten.


    Von keineswegs minderer Qualität als die Haydnschen Baryton-Trios sind jene von Andreas Lidl (1740-1789), der ebenfalls (von 1769-1774) in Diensten von Nikolaus Esterházy stand:



    Eszerházy Trio
    Michael Brüssing, Baryton
    András Bolycki, Viola da Gamba
    Maria Andrásvalvy-Brüssing, Violoncello


    Im Andante und Menuett des dritten Divertimentos ist das Gezupfe stellenweise sehr schön zu hören ^^

    Alles sollte sein wie es war - und nicht wie wir es uns wünschen!

    (HIPpokrates)