02 - Sinfonie Nr. 6: Einspielungen (CD)

  • Verstehe.

    Lieber Hermann, ich wollte dich nicht schulmeistern, sondern wirklich nur dafür sensibilisieren, dass die Einordnung von TC natürlich in einem gewaltigen Kontext erfolgt. Natürlich kann man von niemandem verlangen, nun alle bislang eingespielten Sechsten mit ihm zu vergleichen und wenn euch allen TCs Version gefällt, ist das in Ordnung; immerhin haben viele sehr große Dirigenten und Mahlerexperten wie etwa Klemperer diese Sinfonie nicht eingespielt, weil sie diese für zu brutal hielten. Ich möchte nur daram bitten, dass man ohne weitere Hörerfahrungen nicht TC zum König der Sechsten krönt, aber das tut ja auch niemand. Mich ärgert nur bei anderen der Reflex, wenn TC etwas einspielt, es plötzlich zu mögen, während man vorher zum Beispiel praktisch keine Mahler-6 gehört hat, obwohl geniale Deutungen seit Jahrzehnten vorliegen.

    1. Das Beste, was der Mensch je erfunden hat, war Gott.

    2. Traurigkeit macht dich zum Gefangenen Gottes.

    3. Das Ende der Liebe ist verbunden mit dem Ende des Glaubens an die Seele.

    4. Wenn jemand Bach etwas schuldet, dann Gott.

    5. Jesus übt Rache an uns, weil er nicht auf einer Couch gestorben ist.

    6. Sterben ist eine Kunst wie jede andere.

  • *shame*:(

    Hilf mir auf die Sprünge, was meinst du?

    1. Das Beste, was der Mensch je erfunden hat, war Gott.

    2. Traurigkeit macht dich zum Gefangenen Gottes.

    3. Das Ende der Liebe ist verbunden mit dem Ende des Glaubens an die Seele.

    4. Wenn jemand Bach etwas schuldet, dann Gott.

    5. Jesus übt Rache an uns, weil er nicht auf einer Couch gestorben ist.

    6. Sterben ist eine Kunst wie jede andere.

  • Mich ärgert nur bei anderen der Reflex, wenn TC etwas einspielt, es plötzlich zu mögen, während man vorher zum Beispiel praktisch keine Mahler-6 gehört hat, obwohl geniale Deutungen seit Jahrzehnten vorliegen.

    Wobei es ja auch sein Gutes haben mag, dass möglicherweise Menschen durch Currentzis für ein etwas sperrigeres Werk Interesse entwickeln. Ich bin, glaube ich, kein kritikloser Currentzis-Jünger. Beim Don Giovanni habe ich, angestachelt durch Ullis Kritik andere Interpretationen zur Kenntnis genommen, die mich tatsächlich mehr überzeugt haben. Speziell was Mahler betrifft oder auch Schostakowitsch, also spätromantisches oder frühmodernes Repertoire, könnte Currentzis noch für einige Erfrischung sorgen. Es müssen ja nicht immer gleich Referenzeinspielungen sein. Die hat Venzago bei Bruckner auch nicht geliefert, aber einen erfrischenden neuen Ansatz. Nun ja und auch bei den Da-Ponte-Opern hat er sich, finde ich, auf's Ganze gesehen durchaus Verdienste erworben. Ich sehe bei Currentzis schon auch die Gefahr, dass er dick aufträgt, vielleicht auch jugend- und temperament-bedingt dem Düsteren den Vorzug gibt vor dem Lichten, aber bei Mahlers Sechster sehe ich, wie ich ausgeführt habe, die Gefahr eher in der Verharmlosung und in dieser Richtung gibt es einen ganzen großen Sack voll Einspielungen.

  • Wobei es ja auch sein Gutes haben mag, dass möglicherweise Menschen durch Currentzis für ein etwas sperrigeres Werk Interesse entwickeln


    Das mag bei anderen Werken sicher so sein und überhaupt taugt TC durch seine Attitüte und seine expressive Art Musik zu leben, gerade Jüngere anzusprechen. Bei Mahler-6 halte ich das aber für unwahrscheinlich.

    Ich bin, glaube ich, kein kritikloser Currentzis-Jünger

    Und ich kein Verächter, ich mag seinen Style und ich mag seltsamerweise die Sachen von ihm, die andere wie Ulli weniger mögen, etwa den Don Giovanni.

    Speziell was Mahler betrifft oder auch Schostakowitsch, also spätromantisches oder frühmodernes Repertoire, könnte Currentzis noch für einige Erfrischung sorgen.


    Das glaube ich wirklich eher nicht: Wir haben bei beiden so frische und knallige Einspielungen.

    Es müssen ja nicht immer gleich Referenzeinspielungen sein. Die hat Venzago bei Bruckner auch nicht geliefert, aber einen erfrischenden neuen Ansatz.

    Ein sehr schönes Beispiel, wobei sich die Aufregung um Venzago längst gelegt hat.

    aber bei Mahlers Sechster sehe ich, wie ich ausgeführt habe, die Gefahr eher in der Verharmlosung und in dieser Richtung gibt es einen ganzen großen Sack voll Einspielungen.


    Sagen wir mal so, es gibt viele normale Einspielungen, die den Exzess scheuen. Aber auch sehr viele, ich habe sie hervorgehoben, die das nicht tun.

    1. Das Beste, was der Mensch je erfunden hat, war Gott.

    2. Traurigkeit macht dich zum Gefangenen Gottes.

    3. Das Ende der Liebe ist verbunden mit dem Ende des Glaubens an die Seele.

    4. Wenn jemand Bach etwas schuldet, dann Gott.

    5. Jesus übt Rache an uns, weil er nicht auf einer Couch gestorben ist.

    6. Sterben ist eine Kunst wie jede andere.

  • 02 - Sinfonie Nr. 6: Einspielungen (CD)


    New York Philharmonic Orchestra, Dimitri Mitropoulos, 1955

    Rundfunk-Sinfonieorchester Leipzig, Hermann Scherchen, 4. Oktober 1960

    New York Philharmonic, Leonard Bernstein, 2.-6. Mai 1967

    New Philharmonia Orchestra, Sir John Barbirolli, 17.-19. August 1967

    London Symphony Orchestra, James Levine, 7., 9. und 10. Februar 1978

    Wiener Philharmoniker, Leonard Bernstein, September 1988

    Tonhalle-Orchester Zürich, David Zinman, 14.-16. März 2007

    MusicAeterna Orchestra, Teodor Currentzis, 2017


    Bei diesen Aufnahmen habe ich nur das Scherzo gehört, das mal an 2., mal an 3. Stelle steht. TC ist schon zu Beginn ungeheuer präzise, exakt, klar artikulierend; man könnte ein Metronom nach ihm stellen; dazu ein glasklares, fast schon steriles Klangbild. ABER: Ich höre nur Zinman und Levine "langweiliger" in diesem Satz, alle anderen punkten trotz Unsauberkeiten und zuweilen üblere Klangqualität durch einen enormen Drive, eine ungeheure Aggressivität oder eine motorisch-dynamische Brutaloüberwältigung. Die Mittel hierzu sind so verschieden wie die verwendeten Tempi, man kann langsamer Grauen erzeugen wie Bernstein DG oder Barbirolli oder schneller wie Bernstein Sony, Scherchen oder Mitropoulos; man kann sich auf die Schlagwerke verlassen oder die Streicher oder - selten genug - beides vereinen - die Spannung jedenfalls entsteht nicht durch Erbsenzählerei. TC gefällt mir jetzt schon besser, aber gegen die Genannten fällt er schon noch ab für mich; vielleicht könnt ihr den einen oder anderen Höreindruck rekapitulieren.

    1. Das Beste, was der Mensch je erfunden hat, war Gott.

    2. Traurigkeit macht dich zum Gefangenen Gottes.

    3. Das Ende der Liebe ist verbunden mit dem Ende des Glaubens an die Seele.

    4. Wenn jemand Bach etwas schuldet, dann Gott.

    5. Jesus übt Rache an uns, weil er nicht auf einer Couch gestorben ist.

    6. Sterben ist eine Kunst wie jede andere.

  • Aufgrund deiner Anregung habe ich mir das Scherzo auch noch einmal in den mir verfügbaren Aufnahmen angehört. Das sind Szell, Inbal, Kubelik, Solti, Boulez, Gielen, Zinman, Currentzis.

    Das Scherzo ist fulminant, aber dennoch sehe ich hier die unterschiedlichen Auffassungen eher gleichberechtigt, Nur Inbal fällt bei mir krachend durch das Sieb, da mir an seiner Interpretation nichts Herausragendes, Faszinierendes aufgefallen ist. Ansonsten kann ich nur sagen, dass Currentzis Aufnahme klanglich für mich die interessanteste ist, er gewinnt dem Orchester Töne ab, wie sonst in keiner Aufnahme. Von Sterilität höre ich dementsprechend nichts und ich wüsste auch an Präzision im Augenblick nichts Verwerfliches zu finden. Drive und Aggressivität nehme ich jede Menge wahr, allerdings durchaus dosiert, was ich positiv finde, es ist keine Berserker-Aufnahme. Die anderen haben ebenso jeweils ihre Meriten. Was nun das Beste ist, mögen die Schweizer entscheiden bzw. haben sie ja schon entschieden, aber das ist mir eher egal. Vorläufig kann ich mit den Genannten (minus Inbal) plus Currentzis, den ich nicht missen möchte, gut leben.