Richard Strauss

  • Wer liebt Richard Strauss, selten hat mich dieser Komponist interessiert, heute habe ich aus seiner Oper Salome den Abschlussgesang der Salome im Radio gehört mit Anja Silja.


    Es kommt selten vor, dass mir die Ohren weh tun bei einem Sopran, hier aber ging das an meine Grenzen, ich konnte es kaum ertragen, wollte aber unbedingt bis zum Schluss zuhören. In der Höhe war es dermaßen grell und spitz, kaum ein schöner Ton, dass ich mich fragte, liegt es am Komponisten oder an der Sängerin. Außerdem habe ich kein Wort verstanden….


    Wobei ich einige Lieder von R. Strauss sehr schön finde, manchmal gewöhnungsbedürftig.

  • Ich habe die Salome (von Strauss - kleiner Ausrutscher in der Überschrift) schon sehr lange nicht mehr gehört, vielleicht vor 25 Jahren oder so in der Staatsoper Stuttgart. Gerade habe ich in ein paar Youtube-Clips reingehört und hatte die Musik sofort wieder im Ohr, ich finde sie sehr eingängig, gerade auch das Finale "Ah! ich habe deinen Mund geküsst, Jochanaan..." Was die Aufnahme betrifft, hängt insbesondere die Textverständlichkeit nicht nur an den Interpreten, in der Live-Aufnahme mit Anja Silja, die ich finden konnte, von 1970 ist der Klang insgesamt schlecht. Text ist durchgehend schwer zu verstehen. Ich finde, dass Silja mit ihrem spöden, kristallklaren Gesang durchaus für die Rolle geeignet ist, indem sie auch stimmlich an der Grenze zum Wahnsinn herumtaumelt. Das prädestinierte sie auch für die Senta im "Fliegenden Holländer", aber das ist natürlich Geschmackssache.


    Etwas melodiöser und textverständlicher kommt die Salome in diesen Aufnahmen unter Karl Böhm daher, die aber vor allem auch in der Aufnahmetechnik viel besser sind, als die Silja-Aufnahme, die ich gehört habe:



    Theresa Stratas, 1974



    Gwyneth Jones, 1970


    :wink:

  • Hallo Hermann,


    ich habe mir eine Aufnahme von Anja Silja auf YouTube angehört, das ist nicht die Aufnahme, die ich heute im Radio gehört habe, denn sie ist ja technisch kaum zu hören, eine andere habe ich allerdings nicht gefunden. Ich habe Anja Silja auch schon in anderen Aufnahmen gehört, da gefiel sie mir wesentlich besser, vielleicht ist es tatsächlich der "Strauss", der mich in dieser Arie nicht überzeugen konnte.

  • Nun ist das ja auch nicht wirklich eine "Arie" im herkömmlichen Sinne, sondern eine Szene; eine emotional ausgesprochen intensive obendrein.
    Ich habe mir die Schlussszene gerade mit Catherine Malfitano unter Dohnányi angehört und bin, wie immer, zutiefst ergriffen.
    Hier ist ein Mädchen, verwöhnte Prinzessin, dass sich seinen Körper und dessen Macht entdeckt hat und sich in seinen Dickkopf gesetzt hat, es könne jeden verführen. Nur dieser Sture religiöse Fanatiker verschließt sich ihr.
    Damit kommt sie nicht klar - sie will ihn, notfalls auch tot. Überwältigt von diesem Machtgefühl und im Widerstreit der Gefühle in der Pubertät verfällt sie vollkommen dem Wahnsinn - und genau das hört man hier, finde ich.
    Das ekelt sogar Herodes an, der mit dem Schlussvorhang ihre Hinrichtung befielt. Schade. Therapie hätte vielleicht auch geholfen. Und ganz unschuldig ist er an dieser Entwicklung auch nicht...
    Aber das führt jetzt vielleicht zu weit.


    Ich würde also nicht sagen, dass es an Strauss an sich liegt, sondern daran, dass Strauss' Musik Dich an dieser Stelle nicht erreicht. Andere erreicht sie - mich zum Beispiel.

    Lucius Travinius Potellus
    Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (B.Franklin)

  • Hallo Travinius,


    das Problem ist, ich kenne die Oper nicht, weiß nicht wovon sie handelt, Du hast mir jetzt einen kleinen Einblick gegeben, das mag sehr emotional sein, wenn aber dieses Schlussstück aus der ganzen Oper herausgerissen wird und ich kein Wort verstehe, ist es in diesem Falle für meine Ohren nichts.


    Aber Strauss spricht mich eh nicht so an, einige Arien, Duette z.B. aus Arabella, Rosenkavalier Rosenüberreichung auch nur bis zu einem gewissen Punkt, dann ist es mir zu sehr durcheinander.


    So ist es halt bei jedem anders, so muss es auch sein.

  • Mich hat seinerzeit erst diese DVD umgehauen, die Inszenierung von Götz Friedrich:



    Inhalt hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Salome_%28Oper%29

    "Je edler das Ding und je allmächtiger, desto fürchterlicher und teuflischer ist der Mißbrauch. Brand und Ueberschwemmung, die schädlichen Wirkungen von Feuer und Wasser, sind nichts gegen das Unheil, das die Vernunft stiften wird – wohl zu merken, die Vernunft ohne Gefühl, wie sie nach den Merkmahlen dieser Zeit uns bevorsteht …“ Georg Forster aus Paris an seine Frau am 16. April 1793

  • Wer liebt Richard Strauss, selten hat mich dieser Komponist interessiert, heute habe ich aus seiner Oper Salome den Abschlussgesang der Salome im Radio gehört mit Anja Silja.


    Es kommt selten vor, dass mir die Ohren weh tun bei einem Sopran, hier aber ging das an meine Grenzen, ich konnte es kaum ertragen, wollte aber unbedingt bis zum Schluss zuhören. In der Höhe war es dermaßen grell und spitz, kaum ein schöner Ton, dass ich mich fragte, liegt es am Komponisten oder an der Sängerin. Außerdem habe ich kein Wort verstanden….


    Wobei ich einige Lieder von R. Strauss sehr schön finde, manchmal gewöhnungsbedürftig.


    Liebe Musica, nun ist dein Posting ja schon ein wenig älter, aber trotzdem möchte ich darauf noch einmal eingehen. Es gibt eine Gesamtaufnahme der Salome von 1965 aus Wien mit Silja, Wächter, Stolze, Varnay und Wunderlich (!). Da war sie 25 Jahre alt und hatte (Wieland - bedingt) schon einiges an hochdramatischen Partien hinter sich. Siljas Stimme eignete sich eigentlich nie für das Mikrophon. Sie war - und so habe ich sie auch erlebt - v.a. ein Bühnentier. Sie war auch schrill, hart im Klang, oftmals mit wenig Vibrato. Das hört man natürlich. Aber das ist nur eine ihrer Seiten. Sie war eben auch ein 'Knallweib', wie eine Freundin von mir sie einmal nannte. Die Silja auf der Bühne und man vergaß die stimmlichen Schwächen.


    Silja als Salome nur gehört ist speziell. Das liegt aber an Silja, nicht an Salome. Die kann ganz anders klingen. Hör dir einmal Jeritza, meinetwegen auch Behrens an. Aber v.a. die Salome des Jahrhunderts: Ljuba Welitsch. Sie hatte die Naivität einer Jugendlichen kombiniert mit dem gefährlich erotischen Timbre einer Femme Fatale. Das ist überwältigend und zeigt, wie aufregend und modern diese Strauss Oper war und ist.