BWV 232 - Messe h-moll: Einspielungen (omi)

  • Meine allererste h-moll-Messe war diese hier:


    Karajan I

    Die hat mich eher abgeschreckt: gewaltig umgesetzt, viel Krach, viel Vibrato und sehr langsam. Ich höre sie mir immer noch nicht gerne an... :S


    Karajan II

    Da gefällt mir die 1974er Einspielung doch deutlich besser: immer noch monumental, aber irgendwie kompakter im Ausdruck. Orchester und Chor rummsen sehr wirkungsvoll... :beatnik:



    Richter

    Sicherlich der Klassiker der 1960er Jahre: sehr gut musiziert und gesungen - aber mir einfach zu überladen.



    Maazel
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    1966 veröffentlicht: Lorin Maazel dirigiert das RSO Berlin mit dem RIAS Kammerchor, eine pompöse Umsetzung mit viel Volumen und langsamer Würde. Nicht unübel, wenn man die traditionelle Umsetzung mag, zumal die Solisten sehr gut singen.



    jd :wink:

    • Offizieller Beitrag

    Richter

    Sicherlich der Klassiker der 1960er Jahre: sehr gut musiziert und gesungen - aber mir einfach zu überladen.

    Richter hat sie aber sechsmal http://www.bach-cantatas.com/Performers/Richter-Rec2.htm#RBV aufgenommen, oder? Schon in den beiden Editionen hier sind unterschiedliche drin ...


  • Richter hat sie aber sechsmal http://www.bach-cantatas.com/Performers/Richter-Rec2.htm#RBV aufgenommen, oder?


    Laut bach-cantatas wohl nur 5mal. Und auf CD für Archiv nur zweimal.


    Die oben abgebildete ist die ältere, und die hier ist die neuere:



    LG
    Tamás
    *castor*

    Alle Wege führen zum Bach,
    .................................... wo der kleine Biber lebt!

  • Schon in den beiden Editionen hier sind unterschiedliche drin ...


    Es gibt zwei reguläre DG-Aufnahmen (plus den Film als dritte). In der Box links mit den Osterkantaten ist die ältere Studio-Aufnahme drin, in der rechten die jüngere Live-Aufnahme aus Tokio.


    Die zwei anderen (1956 & 1968) sind Aufnahmen von Aufführungen, die nichts mit der DG zu tun haben.



    jd :wink:

    • Offizieller Beitrag


    Hast du beide Boxen? Ich habe nur noch die erste Richter, Karl (1926-1981) (und die DVD: Richter, Karl (1926-1981)), aber auf Spotify sind beide komplett zu hören. Ein Vergleich wäre sicher spannend, hast du vielleicht schon gemacht?

  • Okay, okay - ich habe mich b(e)reitschlagen lassen: ich habe die Aufnahme bestellt, und heute war sie da. Gleicht gehört:



    (P) 1985 Archiv Produktion 72MA0117/9 (3 LPs) [123:34]


    Ursula Buckel (s)
    Marga Höffgen (a)
    Ernst Haefliger (t)
    Ernst-Gerold Schramm (b)


    Münchener Bach-Chor & -Orchester


    Dirigent: Karl Richter


    Die Einspielung ist ein Konzert-Mitschnitt, die das japanische Fernsehen NHK am 09. Mai 1969 im Bunka-Kaikan in Tokio machte. Richter war damals mit seinen Ensembles auf Japan-Tournee und spielte ein umfassendes Programm mit den Passionen, Magnificat, diversen Kantaten; am 9. Mai gab es als letztes Konzert die h-moll-Messe.


    Der Chor ist groß besetzt - mit Knabensopranen und -altos, wenn mich mein Ohr nicht getäuscht hat. Er intoniert sehr sauber und deklamiert sehr verständlich. Die breite Staffelung läßt den Chor sehr homogen wirken. Das Orchester ist ebenso groß, spielt omi und ist gut auf den Chor abgestimmt. Die Solisten sind bewährte Kräfte, die ihre Qualitäten auch früher in die Waagschale geworfen hatten. Schramms Baß ist sehr hell; und auch an Höffgens Wobbeln habe ich mich inzwischen gewöhnt, aber wirklich schön klingt es immer noch nicht. Insgesamt eine gute Riege.


    Von Anfang an macht Richter klar, wie ernst er es mit Bach meint: die Interpretation hat etwas Zwingendes, Gewichtiges. In den Passagen mit den Trompeten wirkt die Messe festlich feierlich und über die Maßen großangelegt. Und dennoch gelingt Richter das Kunststück, es nicht protzig wirken zu lassen. Da liegt immer ein Sinn für das Demütige in allen, was auch der Grund ist, weshalb man Richter nie komplett in die Tonne schmeißen kann. Dazu eine handwerklich hervorragende Darbietung.


    Was die Toningenieure da geleistet haben (im Booklet nicht namentlich erwähnt), ist schlicht und einfach großartig: die Klangbühne breitet sich großzügig vorm Hörer aus und präsentiert Gesangsolisten, Instrumentalsolisten, Chor und Orchester in vorzüglicher Abstimmung aufeinander. Die Dynamik ist groß, die Details selbst im Tutti deutlich zu hören (man hört sogar die Orgel deutlich!). Der Hall ist dezent, der Raumklang gut zu erfassen. Die Bässe sind ordentlich ausgeprägt, die Mitten präsent - nur die Höhen klingen ein bißchen spitz, was man an den scharfen S-Lauten und den dominierenden Blechbläsern bemerkt. Publikumsgeräusche sind da, aber die vereinzelten Huster sind kaum störend. Jedenfalls scheinen sich die Japaner nicht mit halben Sachen zufriedengegeben, sondern haben den Auftritt klasse eingefangen.


    Weshalb dieser Mitschnitt tatsächlich erst vier Jahre nach Richters Tod veröffentlicht wurde, wird kaum klangliche oder interpretatorische Gründe gehabt haben - vielleicht rechtliche. Doch ich kann durchaus behaupten, daß diese Einspielung der älteren Studioaufnahme in nichts nachsteht. Ein Direktvergleich habe ich (noch) nicht gemacht.


    Starkes Stück, Karl - starkes Stück... *yepp*



    jd :wink:

    • Offizieller Beitrag

    Tausend Dank, lieber JD! :jubel: Wenn die Passionen nicht doppelt wären, würde ich mir gleich die teurere Box kaufen. So werde ich schlicht das beste Angebot vom Marketplace in Anspruch nehmen. Und weil ich jetzt Lust habe, gibt es gleich die DVD aus dem gleichen Jahr. *yes*Jetzt auf den Augen (2015)

  • Der nächste Brocken:



    (P) 1960 Westminster WST 304 (3 LPs) [136:17]


    Pierrette Alarie (s I)
    Nan Merriman (s II & a)
    Leopold Simoneau (t)
    Gustav Neidlinger (b)


    Wiener Akademie-Kammerchor
    Orchester der Wiener Staatsoper


    Dirigent: Hermann Scherchen


    Diese Einspielung entstand von April bis Juni 1959 und ist die zweite Aufnahme, die Scherchen gemacht hat (nach der Mono-Aufnahme vom Oktober 1950). Und der Monumentalismus schlägt auch hier wieder seine Krallen ins Werk. Scherchen neigte ja dazu, ungewöhnliche Aspekte in viele der beliebtesten, barocken Vokalwerke hineinzubringen (ich erinnere nur an die beiden Messiah-Einspielungen von 1954 und 1959), doch hielt er sich immer ein Hintertürchen offen: seine Dirigate geraten eigentlich nicht zu Materialschlachten rein um der Größe Willen, sondern er bemühte sich immer, die Durchhörbarkeit in den Großbesetzungen zu betonen. Und so ist hier der Duktus zwar recht breit gepinselt, aber dennoch scharf abgegrenzt. Die Tempi sind grundsätzlich sehr langsam (Kyrie I = 14:55 min.), aber sehr stetig und ohne eine Variantenbreite wie beim Messiah. Allgemein wirkt die Messe unaufdringlich, aber festlich. Der Chor ist breit aufgestellt, intoniert recht sauber mit wenig Vibrato, das Orchester kann sich stets gut durchsetzen und spielt ohne Manierismen. Solo-Instrumente kommen klar in den Vordergrund, wobei manche Solisten-Stücke erstaunlich reduziert und luftig klingen trotz der größeren Besetzung des bc.


    Pierrette Alaries Stimme ist klar und hell. Nan Merriman hat ein geradezu nervös klingendes Vibrato in der Stimme, was sie seltsam zitternd klingen läßt; dies liegt natürlich an ihrer Gesangstechnik, denn ihre Stimme trifft die Töne dennoch präzise. Simoneaus Stimme ist da wesentlich berührender, da sein Vibrato deutlich zarter durchscheint. Neidlingers Baß klingt profund, mir aber ein bißchen zu wuchtig.


    Die Klangbühne hat ein feines Stereo-Panorama und läßt leisere Details immer gut durch den kompletten Tuttisatz durchscheinen. Allgemein ist das eine sehr gute Aufnahme für die damalige Zeit gewesen, sicherlich nicht highend um jeden Preis, fängt aber die Besetzung dennoch passend ein. Das Remastering bringt diese Bühne wunderbar zur Geltung, ohne daß man einer Patina gewahr wird. In der Hinsicht läßt sich Tahra nie lumpen (und in diesem speziellen Fall sowieso nicht... ;) ), zumal sich das Booklet ausführlich auf Scherchens Interpretation einläßt (auch im Vergleich zur älteren Mono-Aufnahme).


    Fazit:
    Eine feine Veröffentlichung eines alten Stereo-Klassikers, der auch heute seine Meriten hat. Sehr gut... :thumbup:



    jd :wink:

  • Danke, lieber JD, für Deine Einschätzung der 2. Scherchen-Aufnahme, die ich selbst kürzlich anlässlich der jpc/Tahra-Sonderaktion erworben habe und nunmehr zur Überprüfung Deines Urteils meinem Player einverleibt habe.

  • Ja, ich weiß, dieser Tipp ist natürlich Gold wert, gell?


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    Herbert Blomstedt und sein Gewandhausorchester interpretieren Bach.

    • Offizieller Beitrag


    Arleen Auger
    Julia Hamari
    Adalbert Kraus
    Siegmund Nimsgern
    Gächinger Kantorei Stuttgart
    Stuttgarter Bach-Collegium
    Helmuth Rilling


    Meine erste CD, wenn ich das recht erinnere. Bei Gardiner 1985 später war ich entsetzt, später musikalisch überzeugt; bei den vielen anderen h-Moll jüngeren Datums wie Hengelbrock oder Veldhoven ästhetisch begeistert - aber Rilling hier hat mich seinerzeit zutiefst berührt seelisch und er tut es noch immer, mehr noch als Richter, ich weiß auch nicht, warum. Ich vermute, es ist der Klang des Trostes, der alle Objektivität des Werkes kontaminiert.


    P.S. Von Rilling gibt es sicher noch mehr Aufnahmen ...

    • Offizieller Beitrag

    Helmuth Rilling, 1999


    Sibylla Rubens
    Juliane Banse
    Ingeborg Danz
    James Taylor
    Thomas Quasthoff
    Andreas Schmidt
    Gächinger Kantorei Stuttgart
    Bach-Collegium Stuttgart
    Helmuth Rilling


    Ich kenne nur noch diese hier, die wahrscheinlich auch in der Edition enthalten ist:


    Johann Sebastian Bach: Die komplette Bach-Edition der Bachakademie Stuttgart (2011)
    CD 71 und 72