BWV 248 - Weihnachtsoratorium: Einspielungen (omi)


  • 1986 in der DDR eingespielt, stellt diese Aufnahme für mich die traditionelle Aufführung in ihrer prächtigsten Form dar. Schreier als Evangelist und Dirigent, Ludwig Güttler an der Trompete - da kann nichts schiefgehen. Tempo mittel (153 Minuten), toller Klang. [War lange Jahre meine einzige Einspielung.] *yepp*




    Richters erste Aufnahme von 1955: eher besonnen als aufregend musiziert, mit einer spirituellen Note versehen. Der Gesamtklang ist geschlossen, aber nicht pompös. *yepp*



    Richters zweite Aufnahme von 1965 ist der Klassiker der traditionellen Aufführungspraxis: festlich, freudig, mit Leichtigkeit erfüllt und handwerklich glänzend umgesetzt. Der Charme ist immer noch da, wenn das Ganze auch recht pompös klingt. :thumbsup:




    Ebenso festlich, mit etwas weniger Innenspannung, aber immerhin vom damaligen Thomaskantor Kurt Thomas dirigiert. Die Klangqualität ist für das damalige Niveau (rec. 12/1958) exzellent: luftig, sauber abgestimmt, transparent. Eine der besten Stereo-Aufnahmen der damaligen Zeit... :thumbsup:




    1950 aufgenommen, aber erst letztes Jahr erstveröffentlicht: eine Rundfunk-Aufnahme der RIAS Berlin, mit sehr guten Solisten, einer ansehnlichen Leistung von Chor und Orchester und einem tollen Dirigat von Karl Ristenpart. Aufnahme sehr gut, Remastering gelungen. *yepp*




    Rillings 1984 erschienene Aufnahme brilliert mit aufgeweckter Gestaltung und klanglicher Opulenz. Das ist sehr schön anzuhören, zumal klanglich vorzüglich aufgenommen. :thumbsup:


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    Doch es geht auch anders:



    Ferdinand Grossmann und das Grauen: handwerklich solide bis sehr gut musiziert, ruiniert ein viel zu starkes Vibrato bei den Solisten (bis auf Baß Walter Berry) die weihnachtliche Stimmung vollkommen; dazu ein zu hastig wirkendes Tempo ohne Esprit (146 Minuten) und ein langweiliges Dirigat. Urteil: *kotz*



    jd :wink:


  • 1986 in der DDR eingespielt, stellt diese Aufnahme für mich die traditionelle Aufführung in ihrer prächtigsten Form dar. Schreier als Evangelist und Dirigent, Ludwig Güttler an der Trompete - da kann nichts schiefgehen. Tempo mittel (153 Minuten), toller Klang. [War lange Jahre meine einzige Einspielung.] *yepp* 

    Man sagt, vor allem die Eingeborenen, zu denen ich mich zähle, die hier wäre noch besser:


    Flämig (1974)

    Ihering: "Dies 'dämonische' (Weib) war mir immer fatal; ob 'Penthesilea'ob 'She'. Schon die normale Frau ist etwas hinreichend Fremdartiges für Unsereinen." (Arno Schmidt: Julia, oder die Gemälde, 33)

  • Nein - ich kenne von beiden nur die MP... *hä*



    jd :wink:


    Schwerpunkt nächstes Jahr ist bei mir die MP und ich fange hiermit an:


    http://tickets.gewandhaus.de/e…t/itemdetail?itemId=95017


    Ich orientiere mich an deinen glänzenden Analysen bei C. ...

    Ihering: "Dies 'dämonische' (Weib) war mir immer fatal; ob 'Penthesilea'ob 'She'. Schon die normale Frau ist etwas hinreichend Fremdartiges für Unsereinen." (Arno Schmidt: Julia, oder die Gemälde, 33)

  • Wer übrigens noch ein nettes und nicht so teures Weihnachtsgeschenk sucht, dem sei diese Aufnahme noch einmal ans Herz gelegt. Ich habe selten eine so liebevoll aufgemachte CD von so hoher musikalischer Qualität für so wenig Geld gesehen! Der Schuber aus reinem Samt, ein edel gestaltetes und ausklappbares Umfeld der CDs und ein informatives Booklet. Und das für die wahrscheinlich beste klassische Einspielung des Weihnachtsoratoriums.


    Flämig (1974)


    Dresdner Kreuzchor
    Dresdner Philharmonie
    Peter Schreier
    Annelies
    Burmeister
    Theo Adam
    Arleen Augér

    Ihering: "Dies 'dämonische' (Weib) war mir immer fatal; ob 'Penthesilea'ob 'She'. Schon die normale Frau ist etwas hinreichend Fremdartiges für Unsereinen." (Arno Schmidt: Julia, oder die Gemälde, 33)

  • Noch nicht! *wirds* Aber die Thomaner-Ausgabe habe ich meiner Schatzkammer letztes Jahr einverleibt. Nur gehört habe ich sie noch nicht. Stet ab Sonntag mit auf meiner ,,To Listen-Liste"... *wait*

  • Noch nicht! *wirds* Aber die Thomaner-Ausgabe habe ich meiner Schatzkammer letztes Jahr einverleibt. Nur gehört habe ich sie noch nicht. Stet ab Sonntag mit auf meiner ,,To Listen-Liste"... *wait*


    Bin gespannt, habe bislang auch nur MP und Kantaten mit Biller; die Rezensionen sind ja voll des Lobes und die Knabensoprane reizen mich.

    Ihering: "Dies 'dämonische' (Weib) war mir immer fatal; ob 'Penthesilea'ob 'She'. Schon die normale Frau ist etwas hinreichend Fremdartiges für Unsereinen." (Arno Schmidt: Julia, oder die Gemälde, 33)

  • Wenn es Dich interessiert, höre ich es am Wochenende durch, so dass ich Dir noch saisonal angemessen frühzeitig meine Eindrücke schildern kann

  • Wie versprochen gab es am Wochenende einen ersten Durchlauf des neueren WO unter Biller:



    Meine Bilanz fällt gemischt aus.


    Die Solisten sind, wie immer Geschmackssache - alle singen tadellos, aber sowohl Ingeborg Danz als auch Christoph Genz wären aufgrund ihres Timbres sicher nicht meine erste Wahl gewesen - aber dies stellt keine, über meine Ohren hinausreichende Wertung dar. Ingeborg Danz rollt außerdem das „R“ in so expliziter, artifizieller Weise, dass mir da ein wenig die Natürlichkeit der Stimme fehlt. Panajotis Iconomou gibt einen soliden Bass, allerdings mit leichtem Akzent. Martin Petzold merkt man die Oratorienerfahrung im Leipziger Milieu wohltuend an - die Rezitative sind angenehm ausgeführt


    Überraschend gut gefallen mir die Thomaner und das Gewandhausorchester, da wird frisch, schwungvoll und fast tänzerisch musiziert, ohne zu Hetzen. Kantor Biller findet zu einer sehr passenden Lesart für seine Ensembles.


    Und die Knabensoprane? Paul Bernewitz und Friedrich Praetorius geben den Sopransoli schon einen besonderen Zauber des Klanges, deshalb lohnt sich die Aufnahme schon. Allerdings fehlt ihren Stimmen zwangsläufig einiges an Substanz, erreichen sie auch die jugendbedingten Grenzen ihrer Stimmen.


    Fazit:


    Referenz - nein,


    Empfehlung für Einsteiger - da würde ich andere wählen


    als Dritt-, Acht- oder Zwölft-Aufnahme empfehlenswert


    Für Lokalpatrioten und Freunde der Thomaner-Tradition - unerlässlich!


    Gruß


    Oolong

  • Erst einmal vielen Dank, lieber teurer Freund; auch ich habe ein wenig über Spotify hineingehört und kann daher deine Besprechung sehr gut nachvollziehen. :jubel:

    Überraschend gut gefallen mir die Thomaner und das Gewandhausorchester, da wird frisch, schwungvoll und fast tänzerisch musiziert, ohne zu Hetzen. Kantor Biller findet zu einer sehr passenden Lesart für seine Ensembles.

    Das hat man so die letzten Jahre nicht oft gelesen! Und nun, da man von Billers Erkrankung weiß, will man retrospektiv seine Depressionen heraushören. Natürlich barer Unsinn, daher sind deine Bemerkungen Gold wert.


    Und die Knabensoprane? Paul Bernewitz und Friedrich Praetorius geben den Sopransoli schon einen besonderen Zauber des Klanges, deshalb lohnt sich die Aufnahme schon. Allerdings fehlt ihren Stimmen zwangsläufig einiges an Substanz, erreichen sie auch die jugendbedingten Grenzen ihrer Stimmen.

    Das allein spräche also doch für einen Erwerb! *yes*


    als Dritt-, Acht- oder Zwölft-Aufnahme empfehlenswert

    Dann muss ich wohl!


    Für Lokalpatrioten und Freunde der Thomaner-Tradition - unerlässlich!

    Nun komme ich aus der Nummer gar nicht mehr raus ... 8-)

    Ihering: "Dies 'dämonische' (Weib) war mir immer fatal; ob 'Penthesilea'ob 'She'. Schon die normale Frau ist etwas hinreichend Fremdartiges für Unsereinen." (Arno Schmidt: Julia, oder die Gemälde, 33)

  • Ja dieser Köder war mit Bedacht für meinen lieben Nachbarn ausgelegt, um eventuelle Kaufstopp -Gelüste ein wenig zu hintertreiben... *deibel*

  • Ja dieser Köder war mit Bedacht für meinen lieben Nachbarn ausgelegt, um eventuelle Kaufstopp -Gelüste ein wenig zu hintertreiben... *deibel*


    Das hat dann ja wohl geklappt. 8-)


    Nun also:


    CD
    - Thomas
    - Flämig
    - Richter
    - Rilling
    - Schreier
    - Güttler
    - Gardiner
    - Herreweghe
    - Harnoncourt
    - Jacobs
    - Kuijkens
    - Suzuki
    - Biller


    DVD
    - Gardiner
    - Harnoncourt
    - Herreweghe


    Gelüste nach:
    - Koopman
    - Veldhoven
    - Max
    - Chailly
    - Otto
    . Schneidt
    - Schmidt-Gaden

    Ihering: "Dies 'dämonische' (Weib) war mir immer fatal; ob 'Penthesilea'ob 'She'. Schon die normale Frau ist etwas hinreichend Fremdartiges für Unsereinen." (Arno Schmidt: Julia, oder die Gemälde, 33)

  • Die durchaus beachtliche Einspielung unter Ralf Otto wurde ja in der Vergangenheit bei Discountern in der Weihnachts-Grabbelkiste verrammscht. Ich habe meine damals von ihrer entwürdigenden Zurschaustellung bei Penny erlöst. Lösegeld nach meiner Erinnerung 5,99€


    Aber derzeit kriegst Du sie neu durchaus auch für weniger al einen Zehner... Also öffne Herz und Geldbeutel und gönne ihr ein warmes Plätzchen bei Dir... *flirt*

  • Und die Knabensoprane? Paul Bernewitz und Friedrich Praetorius geben den Sopransoli schon einen besonderen Zauber des Klanges, deshalb lohnt sich die Aufnahme schon. Allerdings fehlt ihren Stimmen zwangsläufig einiges an Substanz, erreichen sie auch die jugendbedingten Grenzen ihrer Stimmen.

    Ich habe die Aufnahme jetzt zweimal gehört; einmal stocknüchtern und einmal bretthart durch Weißburgunderglühwein. Das erste Mal war ich mehr als unzufrieden mit den beiden Knaben; sie sind deutlich hörbar noch mehr überfordert als die Jungs in der frühen NH-Einspielung und auch als die in dessen späterer DVD-Fassung; man hört ihnen die Überanstrengung und das Wollen sehr an. Das zweite Mal war ich selig und habe es genossen! Damit ist die Rezeptionslinie klar benannt - wer auf technisches High End wert legt, sollte zu anderen Aufnahmen greifen; emotional gibt es nichts Vergleichbares.

    Ihering: "Dies 'dämonische' (Weib) war mir immer fatal; ob 'Penthesilea'ob 'She'. Schon die normale Frau ist etwas hinreichend Fremdartiges für Unsereinen." (Arno Schmidt: Julia, oder die Gemälde, 33)


  • Ich habe die Aufnahme jetzt zweimal gehört; einmal stocknüchtern und einmal bretthart durch Weißburgunderglühwein. Das erste Mal war ich mehr als unzufrieden mit den beiden Knaben; sie sind deutlich hörbar noch mehr überfordert als die Jungs in der frühen NH-Einspielung und auch als die in dessen späterer DVD-Fassung; man hört ihnen die Überanstrengung und das Wollen sehr an. Das zweite Mal war ich selig und habe es genossen! Damit ist die Rezeptionslinie klar benannt - wer auf technisches High End wert legt, sollte zu anderen Aufnahmen greifen; emotional gibt es nichts Vergleichbares.


    Völlig zutreffende Einschätzung! Das sind keine professionell ausgebildeten und leistungsfähigen Erwachsenstimmen, da wird es manchmal arg eng- ich denke aber, so war es bei guten Sebastian oft auch. Und eine eher emotional als ästhetisch berührende Alternative im Schrank zu haben, ist mir sehr recht!


    Übrigens gibst Du da dem Tonträgermarkt eine essentielle Anregung. Man sollte CDs von vornherein im Geschenkpack mit den passenden geistigen Getränken verkaufen. Mit ausreichend altem, sherrybetontem Single Malt von Glenfarclas im Glas, kriegt mich auch Tristan mit seiner Isolde nicht klein... *hide*



    Slainte! *sante*