12. September 2014 - 250. Todestag von J. P. Rameau

  • Heute am 12. September 1764, vor genau 250 Jahren starb in Paris der größte französische Komponist nach Lully und einer der wichtigsten und besten Komponisten des 18. Jahrhunderts und der europäischen Musikgeschichte: Jean Philippe Rameau.
    Seine Harmonielehre, seine Orchestrierung und seine Werke weisen bis weit ins 20. Jahrhundert voraus und hatte stets große Bewunderer, wie Berlioz und vor allem Debussy.
    Ein breiteres Publikum entdeckte Rameau jedoch erst nach 1980 wieder für sich.


    Zum Anlass des 250. Todesjahrs hat z.B. der SWR eine Radio-Serie in dieser Woche gestartet, die in jeweils einer Stunde in das Leben und Werk des großen Komponisten einführt:



    zum SWR



    Kurzbiographie zu J.P.Rameau

  • Les Indes Galantes ist mein Lieblings-Rameau. Ich kann sehr gut damit leben, dass darin kein großes Drama erzählt wird, sondern nur vier unterhaltsame (wenn auch ansatzweise hintergründige) Pulpgeschichten. Ich mag die herrliche, naive Exotik, und auch der Prolog ist ein großer Spaß. Les Indes Galantes haben eine unheimliche Dichte an "Hits". Das hinreißende Quartett im ersten(?) Akt, der dramatische Vulkanausbruch, die Blumenballette, und der ganze vierte Akt, der sich so gewaltig bis zur genialen Chaconne steigert. Nur Sex ist besser, wenn auch kaum. :D


    Obwohl ich den Dardanus nicht intim kenne, ertappe ich mich öfter dabei, "à la chasse" vor mich hinzuträllern. Auch eines der Stücke, die gut illustrieren, weshalb Rameau so mitreißend ist.


    "Platée", "Les Paladins" und "Castor & Pollux" kenne ich noch etwas besser. Vor allem die beiden ersten bestechen durch eine fast schon moderne Dreistigkeit. Eine Nymphe, die von einem Tenor gesungen wird, macht sich eine Oper lang lächerlich, um am Ende allein und verspottet auf der Bühne zu stehen und das Publikum zu Mitleid zu rühren. Sehr seltsam. Les Paladins ist beinahe noch seltsamer und verwirrt mit einer pseudo-homoerotischen Verführungsszene, die wie aus der Zeit gefallen zu sein scheint. Großes Kino. Bei Castor & Pollux begeistert Rameaus Figurenzeichnung, und am Ende steht auch wieder so ein Moment, der sich nicht recht zwischen Jubel und Betroffenheit entscheiden kann.


    Über manche Strecken kriege ich Rameau nicht richtig in die Musikgeschichte einsortiert. Das klingt manchmal so avantgardistisch in meinen Ohren und so einzigartig. Vor allem, wenn man sich seine Ouvertüren reinzieht, was man allerbestens mit dieser Platte machen kann:



    Da tut sich einem wirklich ein musikalisches Wunderland auf.


    Neben den Ouvertüren brilliert Rameau ja auch in Balletsätzen und Orchestersuiten. Den rameauschen Groove dieser Seite seiner Musik, kann man mit dieser Scheibe fühlen: