ZWV 55 - Responsoria pro Hebdomada Sancta

  • Zelenka war seit 1710 in der Dresdner Hofkapelle als Musiker tätig, konnte allerdings nie eine Festanstellung als Kapellmeister ergattern, obwohl er den erkrankten Heinichen in dessen letzten Lebensjahren vertreten hatte. Dennoch war er bis zu seinem Tod 1745 mit dem Hof verbunden und komponierte eine hübsche Anzahl an Vokalwerken für den Hof.


    1723 erklang in der Karwoche eine Neukomposition von ihm: die Responsoria pro Hebdomada Sancta für SATB, drei Violen, Violoncello, drei Posaunen & b.c. Für alle neun Nokturnen der drei Kartage hat er die Responsorien neu vertont, womit insgesamt die Komplettanzahl - 27 - vorliegt. Neben Gesualdo ist er erst der zweite Komponist, der alle 27 vertont hat. Die Responsorien sind im älteren Motettenstil der Renaissance gehalten, wobei die vorgeschriebenen Instrumente colla parte dazutreten.


    Der Satz der Stücke ist grundsätzlich polyphon-kontrapunktisch, wobei sich Zelenka öfters Freiheiten in Bezug der Harmonik oder der Stimmenbesetzung herausnimmt. Er hatte den alten Palestrina-Stil bei Fux in Wien gelernt und wendet ihn hier an, ohne jedoch die modernen Kompositionstechniken komplett auszublenden. Die Instrumente haben eine rein begleitende Funktion, um wohl auch den Kontrast zu den Lamentationen in der in Dresden üblichen Liturgie hervorzuheben.


    Die Responsorien sind folgende:


    Generell habe ich zu den Kartagen hier etwas geschrieben.


    -----


    An Aufnahmen gibt es drei, die alle Responsorien vereinen:



    Die Capella Montana unter Ludwig Gossner (MDG 2000)



    Das Collegium 1704 & Collegium Vocale 1704 unter Václav Luks (Accent 2012)



    Lumen Valo (Alba 1999)


    Ich besitze nur die Gossner-Einspielung, die ich sehr gut finde.



    jd :wink: