01 - Kurzbiographie

  • Einer alten englischen Adelsfamilie entstammend ließ sich Edward Onslow (1758-1829) 1781 in Frankreich nieder. Grund dafür war, dass sich Edward Onslow, erst 1780 ins britische Parlament gewählt, aufgrund eines Skandals aus der Affaire zog. In Frankreich hatte der British nobleman nichts anderes zu tun, als am 6. März 1783 die adelige und weit über die Halbzeit hinaus schwangere Marie Rosalie de Bourdeille zu ehelichen. Edward Onslow selbst wiederum war erstgeborener Sohn von George Onslow d. Ä. (1731-1814), höchstselbst 1st Earl of Onslow (Her Majesty's Most Honourable Privy Council). André George Louis Onslow kam am 27. Juni 1784 in Clermont-Ferrand zur Welt.


    George d. J. (gelegentlich auch Georges) genoss eine wohlbehütete Kindheit nebst standesgemäßer Erziehung, welche selbstredend zur damaligen Zeit auch den Unterricht am Klavier beinhaltete. Die französische Revolution veranlasste die Familie, nach Hamburg zu exilieren. Dort eingetroffen, traf George 1799 unversehens auf den aus finanziellen Gründen (Verlagspleite) und Ehekrise (beide Ehepartner unterhielten so eine Art Kurschatten) aus London flüchtigen Johann Ladislaus Dussek (1760-1812) und vertiefte bei ihm seine Klavierstudien und erlernte das Kompositionshandwerk. Während die Eltern 1800 in die heimatliche Auvergne zurückkehrten, machte sich der zarte 16jährige George Onslow (vermutlich reizten ihn die Erzählungen seines Lehrers Dussek...) auf nach London, um dort bei Johann Baptist Cramer (1771-1858) Komposition zu studieren. Onslow merkte bald, dass Cramer ein Langweiler war, erhielt erste Lektionen im Cellospiel und ließ sich dann in Paris nieder, wo ihn Anton Reicha (1770-1836 – Saufkumpel des damals noch nicht großen Ludwig van B. im Bonner Hoforchester) unterrichtete. Es folgten erste Kompositionen (1806) und Veröffentlichungen (1807). Es war bereits glasklar, dass Onslow sich der Kammermusik verschreiben würde, denn seine ersten Werke waren Klaviersonaten und Klaviertrios. Sehr bald ereilte ihn der Ruf eines ‚hervorragenden Komponisten und Kammermusikers’ (Wikipedia).



    So wundert es auch kaum, dass seine beiden Opern L´Alcade de la Véga und Le Colporteur vom Publikum nach Kenntnisnahme nicht weiter kommentiert wurden. Onslows komponierte – natürlich – auch Sinfonien, wobei er sich bei seiner Dritten eines früheren Streichquintetts bediente. Wie es sich für einen ‚französischen Beethoven’ gehört, ertaubte der Komponist 1829 nach einem Jagdunfall (die näheren Umstände kann man sich wohl gut vorstellen). Onslow zog sich ab diesem Zeitpunkt auf sein Landgut in der Auvergne zurück und besuchte die Hauptstadt nurmehr, um den Sitzungen der Académie des Beaux-Arts, welcher er ab 1842 angehörte, beizuwohnen oder um neue Kompositionen auf den Markt zu werfen. Onslows 1850 letztes komponiertes Werk ist… ein Klaviertrio, was sonst?


    Werkliste:
    36 Streichquartette, 34 Streichquintette, 10 Klaviertrios, 3 Klavierquintette, 2 Sextette (Klavier u. Bläser), 1 Septett (Klavier u. Bläser), 1 Nonett (Streicher u. Bläser) sowie 1 Bläserquintett. Daneben 4 Sinfonien (Nr. 1 A-Dur op. 41 von 1831, Nr. 2 d-moll op. 42 ebenfalls aus 1831, Nr. 3 f-moll (1833, Bearbeitug des Streichquintetts op. 32 v. 1826) und Nr. 4 G-Dur op. 71 von 1846) nebst vier Opern.

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)