HWV 56 - Messiah (1742): Einspielungen (omi)

  • :D :D :D


    Ja, jetzt wird es gemein: denn nun stelle ich mal einige alte Klötze aus der Vorderenzeit vor...


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    Beginnen wir mit einer speziellen Persönlichkeit aus England - Sir Thomas Beecham.




    1927 war er es, der die erste Kompletteinspielung des Messiah vollendete - wobei komplett relativ zu sehen ist, da Folgendes fehlte:

    Im Grunde ist das ein historisches Dokument für den Klang von Händels Musik, wie sie vor nunmehr einem Jahrhundert gespielt und gesungen worden ist. Natürlich ist das aufgrund der Aufnahmebedingungen etwas einzuschränken, aber die seltsam gestelzte Art des Tenors Hubert Eisdell zeigt am Deutlichsten, was ich meine. Beechams Tempi sind eher Mittel, die Aufnahme geht rund 120 Minuten. Auf seine Art eindrucksvoll... *sante*


    [ACHTUNG: die CD-Ausgabe von Pearl links sollte man nicht kaufen, da sie 1990 von PDO UK gepreßt wurde; es ist eine jener Pressungen, die zum Bronzing neigen. Die Membran-Pressung rechts dagegen ist einwandfrei - der Inhalt im Grunde identisch mit der von der Pearl-CD.]




    1947 folgte die zweite Aufnahme Beechams. Hier sind alle Nummern vorhanden, wobei zwei an andere Stelle verrückt wurden. Klanglich möbelt Beecham mächtig auf, läßt den Chor zu einem Breitwandsound werden, das Orchester fetter denn je besetzen, mit Solisten, die das Vibrato frönen, als wäre es lebensnotwendig. Das Aufnahme-Equipment kann das Ganze sehr gut einfangen, doch das Pathos verleidet mir die Aufnahme schon ganz deutlich. Vielzuviel Inbrunst... *neee*




    1959 kam die letzte Einspielung heraus, eine Stereo-Aufnahme der Bearbeitung von Eugene Goossens. Ich habe es mal an anderer Stelle als Over the edge bezeichnet, und dazu stehe ich auch heute noch. Wer die Englein auf der Erde singen hören möchte; wer den ausgefeiltesten Kitsch des ganzen Universums erfahren möchte; wer noch nie daran geglaubt hat, daß ein Dirigent bei Gott persönlich für sich ein gutes Wort einlegen wollte, bevor er stirbt - bitte sehr: das ist der Beweis!


    Hier läßt Beecham alles fahren: Authentizität, Mittelmäßigkeit, Kleckerei. Hier wird aus dem Vollen geschöpft, wird der Bogen weit überspannt, und ob man das mag oder total ablehnt - vergessen kann man es nicht! Das ist die wohl bemerkenswerteste Aufnahme, die ich kenne - im Grunde jenseits aller Kategorien und meinen persönlichen Neigungen, denn bei mir schlägt sie jedemal wie ein gottverdammter Globalkiller ein!


    *ägy* *hüpf* *hüpf* *hüpf* *bunny* *bunny* *bunny* *hüpf* *hüpf* *hüpf* *ägy*


    Und ja: das Amen in der Lieblingseinspielung - es ist das von dieser Aufnahme... :D


    Damit schmore ich gerne in der Hölle... *lol* *lol* *lol* *lol* *lol* *lol*


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    Gefortgesetzungenes folgt... :wacko:



    jd :wink:

  • Weiter habe ich noch:


    Marriner 1976
    Eine hervorragende Einspielung in reduzierter Besetzung: Chor und Orchester sind sehr gut aufgelegt, Marriner läßt elegant und entspannt musizieren und singen. Die sehr gute Solistenriege singt mit leichtem Vibrato und etwas mehr Inbrunst; lediglich der Baß Gwynne Howell ist mir klanglich zu mächtig. Fein, *omi* ... *hüpf*
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    Da gibt es noch zwei Einspielungen von Hermann Scherchen:


    Scherchen 1954
    Scherchen 1959
    Prinzipiell sind sie beide etwa gleich ausgelegt: variablere Tempi innerhalb einzelner Stücke oder insgesamt im ganzen Werk hat man selten gehört - Scherchen kostet das Element der Demut bis zur Neige aus, erhebt das Gnadenreiche zum Prinzip. Das Amen in seiner langsamen Steigerung ist eines der berührendsten Momente dieser beiden Aufnahmen, eine spirituelle Reise durch den Kosmos der Fuge. Neben Beecham (1959) hat Scherchen für mich die herrlichste Aufnahme des Messiah in alter OMI-Tradition geschaffen. Wenn historisch, dann diese beiden Herren... :jubel:


    Die 1954er Aufnahme ist in Mono und geht um die 171 Minuten, diejenige von 1959 ist in Stereo und geht nochmals 20 Minuten länger. Klanglich ist die Stereo-Aufnahme zu bevorzugen, auch vom Remastering; von der Interpretation her ist es persönliche Geschmackssache, welche man bevorzugt - ich mag beide gleichgut.



    jd :wink:

  • 1966
    Elizabeth Harwood S
    Janet Baker MS
    Paul Esswood A
    Robert Tear T
    Raimund Herincx B
    Ambrosian Singers


    Diese Aufnahme grenzt sich gegenüber den o.g. mit Beecham und Scherchen etwas ab, nicht ganz so fett und sehr differenziert in der Spielweise des Orchesters, und die Sänger sind allererste Wahl!
    Es war mein allererster Messias und empfohlenen hat man ihn mir wegen J.Baker, wusste damals auch noch nicht was ein Countertenor ist, aaaaber das hat mich gepackt und so entstand meine große Liebe zu den Counters.
    Ich liebe diese Einspielung bis heute.


    LG palestrina

    „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
    Oolong





  • Richter spielte den Messias sowohl in Deutsch als auch in Englisch ein.
    Von der Interpretation her unterscheiden sich die beiden Aufnahmen nur dahingehend, dass die englische Fassung einige Nummern mehr enthält als die deutsche, ansonsten kann man nur sagen: typischster Richter - groß, pathetisch, süßlich, vor Frömmigkeit strotzend. Und wenn diese Interpretationen auch nicht so opernhaft sind, wie Beechams seine, können sie dieser auf ihre Art doch Paroli bieten.


    Siegfried
    :thumbsup:



  • Editet by Julian Herbage
    Joan Sutherland
    Grace Bumbry
    Kenneth McKellar
    David Ward
    ANHANG: Noch drei überaus hervorragend gesungene Arien, eine aus Jephta und zwei aus Judas Maccabeus von K.McKellar, zu erwähnen wäre hier die Arie „ My arms...Sound an Alarm " das ist einfach...GRANDIOS, hier mit dem Orchester des ROHCG. 1961
    Und zwei Arien aus Samson mit Dame Joan Sutherland 1960/64
    Dieser Anhang ist nur auf der ersten gezeigten Newton Ausgabe!


    Diese GA reiht sich in die sehr guten OMI Aufnahmen ein, aber es gibt einen kleinen Schönheitsfleck und das ist der Chor der sich hier sehr wuchtig darstellt, aber es überwiegen die positiven Argumente, so der Tenor K.McKellar der sich hier von seiner allerbesten Seite präsentiert, auch G.Bumbry singt ihre Arien von einer besonderen Schönheit, allerdings hätte ich mir etwas mehr Persönlichkeit gewünscht, und die zeigt J.Sutherland hier bestens, sie hat noch nicht den typischen Sutherland Sound mit ihren Eigenwilligkeiten, man erkennt sie zwar sofort, selten habe ich die Arie „ I know that my Redeemer liveth " so schön gehört! Der Bass David Ward ist zwar auch ziemlich wuchtig aber sein „ Why doch the National " ist furios.
    Das Duett S-MS „ He shall feed His flock " gehört ebenso zu den Glanzlichtern der Aufnahme, und auch das blendend aufgelegte Orchester, besonders die Streicher, spielt unter Boults Leitung einfach ganz hervorragend, man höre nur die Pifa, das ist himmlisch , sowie auch die restlichen ariosen Teile.
    Die Aufnahme ist eine von der langsamen Sorte mit einer großen Erhabenheit und Ausdruckskraft!


    LG palestrina

    „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
    Oolong



  • Otto Klemperer - Sacred Music, 1960-1967

    CD 6 und 7


    Ich glaube fast, den habe ich noch gar nicht gehört und jetzt nach so vielen guten Opis habe ich eher Angst ...

    "Nach meiner Erinnerung, damals war ich neun Jahre alt, hat man die damaligen Ereignisse in meinem Umfeld mit einem Schulterzucken ohne viel Aufhebens zur Kenntnis genommen - das war es auch schon." Max (zum Mauerfall)

  • nach so vielen guten Opis habe ich eher Angst ...


    Ich habe die schon etliche Jahre nicht mehr, ich fand damals, die können alle keinen Händel singen *hide* , und Klemperer ziemlich behäbig!
    Würde ich das heute anders hören *hä* ?


    LG palestrina

    „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
    Oolong


  • Künstler: Max Emanuel Cencic, Charles Humphries, Ivan Sharpe, Robert Torday, Wiener Sängerknaben, Academy of London, Peter Marschik
    Label: Capriccio, DDD/LA, 1994


    Diese Produktion mit den Wiener Sängerknaben ist gerade deshalb sehr interessant, weil sie mit Knabenstimmen solistisch besetzt ist.



    :wink: LT


  • Künstler: Max Emanuel Cencic, Charles Humphries, Ivan Sharpe, Robert Torday, Wiener Sängerknaben, Academy of London, Peter Marschik
    Label: Capriccio, DDD/LA, 1994

    Diese Produktion mit den Wiener Sängerknaben ist gerade deshalb sehr interessant, weil sie mit Knaben solistisch besetzt ist.
    :wink: LT


    Hallo Liebestraum, wenn das Aufnahmedatum stimmt kann man zumindest bei Cencic nicht mehr vom Knaben sprechen, der war '94 schon 18 Jahre alt. ;)


    LG palestrina

    „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
    Oolong

  • Wie bei allen Knabenchören, egal ob die Wiener, die Thomaner oder Kruzianer verbleiben die Mitglieder bis zum Abitur-Abschluss in den Ensembles.
    :wink: LT


    Hallo lieber Liebestraum, ich bin jetzt etwas verwirrt, singen die dann nur noch im Chor mit und keine Solos mehr, denn sie sind ja schon über den Stimmbruch und singt Cencic dann trotzdem die Solos, oder mache ich da einen Gedanken Fehler!? Hilf mir auf die Sprünge!


    LG palestrina

    „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
    Oolong

  • Cencic sang den Solo-Sopran!


    "Von 1986 bis 1992 war Cencic Mitglied und Solist bei den Wiener Sängerknaben. In dieser Zeit nahm er an einer CD-Einspielung der Zauberflöte als einer der drei Knaben teil, wobei ihn der Dirigent Sir Georg Solti als den besten Knabensopran bezeichnete, den er je gehört habe. Aufgrund seiner Ausbildung war es ihm nach dem Stimmwechsel möglich, die Sopranlage beizubehalten und die Sopranisten-/Mezzosopranisten-Karriere einzuschlagen. Im Alter von 17 Jahren hatte er bereits an die 800 Auftritte absolviert." (Zitat: Wikipedia)


    :wink: LT

  • Cencic sang den Solo-Sopran!


    "Von 1986 bis 1992 war Cencic Mitglied und Solist bei den Wiener Sängerknaben. In dieser Zeit nahm er an einer CD-Einspielung der Zauberflöte als einer der drei Knaben teil, wobei ihn der Dirigent Sir Georg Solti als den besten Knabensopran bezeichnete, den er je gehört habe. Aufgrund seiner Ausbildung war es ihm nach dem Stimmwechsel möglich, die Sopranlage beizubehalten und die Sopranisten-/Mezzosopranisten-Karriere einzuschlagen. Im Alter von 17 Jahren hatte er bereits an die 800 Auftritte absolviert." (Zitat: Wikipedia)


    :wink: LT


    Das über Cencic wusste ich ja auch, habe ja genug CDs, aber dann ist das was auf dem Cover steht und man das Foto sieht ja eigentlich irreführend, :D denn der Unwissende verlässt sich ja darauf was draufsteht!
    Schon vergessen !
    LG palestrina

    „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
    Oolong

  • Es macht aber wenig Sinn für jede Fassung einen extra Thread zu eröffnen...


    :wink: LT


    Für Dich vielleicht nicht, für mich schon ...

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


  • Künstler: Heather Harper, Helen Watts, John Wakefield, John Shirley-Quirk, London Symphony Chorus, London Symphony Orchestra, Colin Davis
    Label: Philips, ADD, 1966


    Rezensionen:
    "Grand Prix du Disque" stereoplay 6 / 1988: "Ein vom Staub falscher Tradition befreiter, mit vernünftiger Besetzung (40 Sänger, 31 Streicher) aufgenommener und daher äußerst durchsichtiger und kontrastreicher Messias."


    "Die früheste Version von Händels Messias, der einen stilistischen Durchbruch gelang, war die von Colin Davis aus dem Jahr 1966, die bis heute wegen ihrer strahlenden Vitalität, Lebhaftigkeit und Frische im Rhythmus und der strukturellen Leichtigkeit der Vorreiter auf diesem Gebiet bleibt. Der London Symphony Orchestra Choir ist wundervoll gewandt und das Cembalo-Continuo ist eines der Besten, was jemals aufgenommen wurde." (Gramophone)



    :wink: LT


  • Georg Friedrich Händel

    Der Messias (4 Gesamtaufnahmen im MP3-Format) 1927-1953


    Margaret Ritchie, Constance Shacklock, William Herbert, Richard Standen, London Philharmonic Orchestra, Hermann Scherchen / 1953

    Dora Labbette, Muriel Brunskill, Nellie Walker, Hubert Eisdell, Harold Williams, BBC SO, Thomas Beecham / 1927

    Isobell Baillie, Gladys Ripley, James Johnston, Norman Walker, Liverpool PO, Malcolm Sargent / 1947

    Anny Schlemm, Lore Fischer, Rudolf Schock, Kurt Böhme, Sinfonieorchester des Nordwestdeutschen Rundfunks, Hans Schmidt-Isserstedt / 1953

    Für die Verrückten unter uns.

    "Nach meiner Erinnerung, damals war ich neun Jahre alt, hat man die damaligen Ereignisse in meinem Umfeld mit einem Schulterzucken ohne viel Aufhebens zur Kenntnis genommen - das war es auch schon." Max (zum Mauerfall)