Main-Stream oder R(h)ein-Fall...?

  • Hallo,


    mal ein so eher saloppes Thema, das eigentlich keines ist und auf einer spontanen Beobachtung von mir beruht: wir hatten ja schon in den vergangenen Tagen in diversen Threads immer wieder den Aspekt Mainstreamwerke, besonders häufige Wiederauflagen und Wunschdenken... als ich eben z.B. bei (jp)c nach "Schoonderwoerd" suchte, fiel mir auf, daß fast immer nur die Mainstreamwerke auch Bewertungen erhalten, die unbekannteren Werke und Komponisten eher nicht, z.B.


    Mozart: Konzerte KV 466 & 467: *****
    Mozart: Konzerte KV 456 & 459: nichts
    Gruber: Klavierkonzerte 1 & 2: nichts
    Beethoven: Klavierkonzerte 4 & 5: *****
    Boccherini: Klavierquartette: nichts


    Oder z.B. Andreas Staier:


    Bach: Frühwerke: *****
    Schumann: Variationen: ****
    Salieri/Steffan: Klavierkonzerte: nichts
    Dussek: Klavierkonzerte: nichts


    *hä*

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

  • Es hängt auch davon ab, wie viel Maistream-Repertoire die Künstler spielen. Bei einer Suche nach "Letzbor" fand ich folgendes:


    Bach: Partiten für Solovioline: nichts
    Bach: Kantate BWV 182 + "Tilge höchster": nichts
    Hochreither: Messen: *****
    Werner: Adagi&Fugen: *****
    Pandolfi: op.3.: *****
    usw.


    ;)


    LG
    Tamás
    :wink:

  • Es hängt auch davon ab, wie viel Maistream-Repertoire die Künstler spielen.


    Sicher. Diese Bewertungen bei (jp)c und Amazon sind nicht nur sehr subjektiv per se, sondern sicher auch von "Fans", die auf das Kernrepertoire der jeweiligen Künstler abstellen; das ist mir schon klar. Also: für statistische Zwecke ganz klar ungeeignet - trotzdem interessant, dies auszuwerten.

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

  • Ich erweitere das Thema ein wenig.


    Zum (gefühlten) 400ten Male Schuberts Impromptus'? Sicher: geniale Werke, sonst würden sie nicht zum Mainstream gehören; aber mich nervt das langsam. Ich mag's nimmer hören ... dito Mozarts „Kleine Nachtmusick“ oder sein „alla turca“, Bachs Brandenburgische, Haydns 104te etc. - es geht mir nicht um das Erscheinen von (Neu-) Aufnahmen, sondern um das reine Hören.


    Genau genommen möchte ich ja mehr von dieser Art Musik, aber eben nicht ständig dasselbe - eher das gleiche :D Also, mal links und rechts schauen, was es sonst noch so gibt.


    Bei Schubert z.B. die eher unbekannten „Impromptus“ D946, die Tänze ...


    *wait*

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

  • Bei Vermeulen, Uchida und Demidenko sind diese Werke immerhin ebenfalls enthalten. Zu den Gesamtaufnahmen gehören die Impromptus, und ich kann auch keine Haydn-Symphonien-Gesamteinspielung (oder eine der Londoner Symphonien, was wesentlich häufiger ist) ohne Hob.I:104 rausbringen.


    NB: Die Tänze, die Du die Tage gepostet hast, sind in keiner der Boxen enthalten, obgleich sie sich "komplett" nennen. Gibt es Zweifel an der Urheberschaft?
    Vermeulen liefert immerhin eine Menge Tänze.
    Uchida und Demidenko nicht. Aber Demidenko hat auch nur eine Doppel-CD mit Nicht-Sonaten herausgebracht, kein Anspruch auf Vollständigkeit.


    Ich glaube, viele Musiker wählen den Mainstream, weil sie meinen, sich profilieren zu müssen. Und mit anderen Künstlern vergleichen kann man sich nur, wenn man dieselben Werke einspielt.
    Hilary Hahn geht immerhin zaghaft andere Wege, indem sie Higdon, Ives-Sonaten und 27 für sie kompinierte "Encores" einspielt, wo die Vergleiche wesentlich dünner ausfallen.


    Böse Zungen sagen: wenn Künstler nicht mehr mithalten können, beginnen sie, Mainstream zu meiden und seltene Werke zu spielen, WEIL sie den Vergleich scheuen...

    Lucius Travinius Potellus
    Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (B.Franklin)

  • Gibt es Zweifel an der Urheberschaft?


    Nein. Nicht den geringsten. Bloß am Geschmack und der Kenntnis der Interpreten.


    Es geht auch nicht um Gesamtausgaben. Bei jeder Ausgabe mit nur zwei Haydn-Sinfonien, die ich habe, ist die blöde 104 mit drauf.
    *mist*

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

  • Böse Zungen sagen: wenn Künstler nicht mehr mithalten können, beginnen sie, Mainstream zu meiden und seltene Werke zu spielen, WEIL sie den Vergleich scheuen...


    Das sind eben auch bloß Mainstreamleute, die so einen Quark denken ...


    Mir war es früher stets ein Anliegen, Musik zu komponieren, die meinem Geschmack entspricht (z.b. ein weiteres Mozartlcavierkonzert etc.). - nachdem endlich die angeblich minderbemittelten Zeitgenossen ausgegraben wurden, konnte ich meinen mühseligen Job endlich an den Nagel hängen und mehr dieser Musik hören und genießen.


    :rolleyes:

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

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  • Zitat

    Bei jeder Ausgabe mit nur zwei Haydn-Sinfonien, die ich habe, ist die blöde 104 mit drauf.



    92 & ???



    103 & ???



    102 & ???



    100 & ???



    103 & ???


    *plem*

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

  • es geht mir nicht um das Erscheinen von (Neu-) Aufnahmen, sondern um das reine Hören.


    Dann ist die Sache doch nicht schwer: man hält sich halt bei den Mainstreamwerken zurück... *danke*


    Ich persönlich höre auch nicht andauernd z.B. die Brandenburgischen, obwohl ich sehr viele Einspielungen von denen habe. Dadurch halte ich sie mir frisch fürs Ohr. Andererseits höre ich bei den Tschaikowski-Symphonien am Liebsten 4-6, besonders Letztere. Aber trotz vieler Einzelaufnahmen läuft sie auch nicht mehrmals die Woche.


    Daß andere Hörer das so nicht sehen und lieber die zwanzigste Einspielung von Beethovens 9. laufen lassen, ist halt deren Hörweise. Ist ja auch die Frage, wo sie ihre Aufnahmen herhaben und von wo sie ihre Hörinspirationen ziehen. Ich persönlich hatte durch die Foren im Internet so ein breit aufgestelltes Repertoire vor die Nase gesetzt bekommen, daß ich immer wieder zu neuen Werken geführt wurde. Sowas war vorher ohne das Internet nicht möglich.


    Und dann die Frage: Breiten- oder Tiefenhörer? Manche wollen halt ihren Tellerrand nicht überschauen. Aber es ist deren Entscheidung... *hä*



    jd :wink:

  • Dann ist die Sache doch nicht schwer: man hält sich halt bei den Mainstreamwerken zurück...


    Das ist es ja, was Ulli meint: man kann ihnen kaum entgehen.
    Wenn man irgendwas Interessantes findet, dann liegen da mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Mainstream-Klamotten bei. Und das ist schade.
    Dass es anders geht, beweist zum Beispiel Renaud Capuçon mit seinem Konzeptalbum zu Violinkonzerten des XXI. Jahrhunderts (an anderer Stelle empfohlen).

    Lucius Travinius Potellus
    Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (B.Franklin)

  • Also geht es doch um die aufgenommenen Werke auf der CD.


    Dagegen war doch noch nie ein Kraut gewachsen. Das ist halt der Markt, da kann man nicht immer alles so bekommen, wie man es sich wünscht (ist halt eine finanzielle Entscheidung). Dann müssen die Sachen auf der CD halt übersprungen werden.



    jd :wink:

  • Dann müssen die Sachen auf der CD halt übersprungen werden.


    Was das geringere Problem ist ... bezahlt werden will's aber dennoch.

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790