Vergleichsmarathon: Festetics vs. Festetics

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    Hallo,


    nach Weihnachten werden Tschabrendeki und ich in zeitlich loser Folge die "alten" Festetics Einspielungen (TomTom ex Quintana) mit den "neuen" (ARCANA) vergleichen. Es wird so ablaufen, daß wir beide die Quartette, die bei beiden Labels erschienen sind in der unten abgebildeten Folge parallel vergleichshören und unsere Eindrücke pro Quartett unabhängig voneinander posten werden:


    vs.
    Quartette op. 9


    vs.
    Quartette op.. 33 & 42


    vs.
    Quartette opp. 64 & 65


    vs.
    Quartette opp. 77 & 103


    Ich bin selbst auf das Ergebnis gespannt.

  • Ich fange mal gleich beim ersten Quartett des ersten eingespielten Opus an:



    Hungaroton (aufgenommen 1989) vs. Arcana (aufgenommen 1998)


    Im Überblick kann man sagen, dass die beiden Annäherungen sowohl vom Ensembleklang (natürlich), wie auch von der Interpretation nach nah verwandt sind. Zwischen den beiden Einspielungen sind 9 Jahre vergangen. Die Hungaroton-Aufnahme ist im Klangbild etwas klarer, was bei den Mittelsätzen gut überkommt und sie ist auch etwas leiser, die Arcana-Aufnahme hat viel mehr von dem etwas erdigen Klang der Istrumente des Festetics Quartetts einfangen können, was mich vor allem in den Ecksätzen besser anspricht.


    I. Moderato (Hung. 7:30 vs Arc. 7:28)
    Die Tempi sind in beiden Aufnahmen nahezu gleich, die Arcama-Aufnahme wirk aber flüssiger - auch dank manch feiner Rubato vor den Wiederholungszeichen, so wird man in die Wiederholungen glatt eingesogen. Dieser schöner Effekt fehlt von der älteren Aufnahme. Auch sonst wirkt die neuere Aufnahme hier runder, transparenter und mehr anziehend.


    II. Menuetto (Hung. 5:32 vs Arc. 5:43)
    Das Tempo ist bei der Hungaroton-Aufnahme ganz leicht schneller, und Dank des etwas klareren Klanges kommt das Menüett hier viel mehr grazil und tänzerisch rüber, als bei der neueren Aufnahme, wo es im Vergleich für mich etwas grob wirkt. Dem Trio kommt diese mehr stampfende Art der Arcana-Aufnahme aber zugute, das ist bei der Hungaroton-Aufnahme wieder etwas kraftlos geworden (nur im Vergleich zum anderen, versteht sich).


    III. Adagio. Cantabile ((Hung. 5:11 vs Arc. 5:14)
    Der Spieldauer zeigt das nicht an, aber die ältere Aufnahme klingt langsamer gespielt, als die neuere, und auch der etwas aufgeklärter Klang hilft hier dabei den kantablen, opernhaften des Satzen besser herauszustellen.


    IV. Finale. Presto (Hung. 3:54 vs Arc. 3:54)
    Die ältere Aufnahme ist vielmehr Presto, als die neuere, jedoch ist letztere im Ausdruck doch kraftvoller und mitreißender. Einzig diese Läufe der ersten Violine stören mich etwas in der neueren:



    Da sie dort immer etwas zögernd, und danach leicht beschleunigend gespielt werden - in der älteren sind sie dann vehementer und flüssiger gespielt. Diese Lösung gefällt mir mehr.


    Aufgrund dieser eines Quartetts kann ich noch keinen "Gewinner" festmachen, da mich beide zu etwa 50% für sich gewinnen konnten - beide gefallen mir sehr, und etwa die Hälfte gefällt mir hier, die andere Hälfte dann wieder da mehr.


    Aber mal schauen, wie's weitergeht! *sante*


    LG
    Tamás
    *castor*

    Alle Wege führen zum Bach,
    .................................... wo der kleine Biber lebt!

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    Danke, Tamás, für den gelungenen Einstieg :)


    In der Tat sind die Interpretationen sehr ähnlich; einen deutlichen Unterschied macht allerdings die nach meinem Empfinden bei ARCANA sehr viel audiophilere Aufnahme aus: die Aufnahme ist sehr viel direkter, man hört fast jeden Bogenstrich, gelegentlich auch das angestrengte oder erleichtert seufzende Atmen der Musiker - ich mag das sehr, da es mehr authentisch ist. In der Folge sind auch die vier Einzelstimmen transparenter eingefangen, so hört man beispielsweise im Adagio cantabile das Violoncello deutlicher.


    Der Sound des Ensembles ist aber in beiden Aufnahmen sehr vollmundig; gelegentlich habe ich das Gefühl, daß ARACANA geerdeter ist. Da ich aber bereits ein wenig vorschüssig vergleichend gehört habe, weiß ich bereits, daß mir einige der älteren Aufnahmen aus gewissen Gründen von der Interpretation her punktuell besser gefallen - dazu aber bei den entsprechenden Quartetten mehr.

    • Offizieller Beitrag

    I. Moderato (Hung. 8:23 vs Arc. 8:15)
    Für mein Empfinden wirkt die Hungaraton-Aufnahme divertimentohafter; das kann aber auch bloß daran liegen, daß diese ältere Aufnahme von einem Hauch mehr Hall umgeben ist, den ich allerdings als nicht sehr störend empfinde: dadurch wirken die Musiker auf mich entfernter als bei der direkteren ARCANA-Aufnahme.


    II. Menuet. Un poco Allegro (Hung. 3:33 vs Arc. 3:43)
    In beiden Fällen empfinde ich die Vorschläge als nicht korrekt ausgeführt:



    Violine I T3 und vergleichbare Stellen


    Der Vorschlag müsste wesentlich kürzer sein und das f gehört vor dem e abgesetzt, da der Legatobogen erst beim e beginnt; in beiden Fällen wird eine durchgehende Legato-Linie aus gleichwertigen Achteln gespielt. Das Menuett könnte durch markantere Vorschläge (auch in anderen Fällen, z.B. Te. 5, 7, 9 und 11) deutlich an Spritzigkeit gewinnen.


    III. Adagio (Hung. 6:47 vs Arc. 7:08)
    In beiden Fällen gehen die Festetics mit den dynamischen Vorschriften eher frei um; der erste Teil bis zur Wiederholung wird in beinah durchgehend gleicher Lautstärke präsentiert, eine Unterscheidung zwischen f, p und pp (wie es zumindest in der Trautweinausgabe vorgesehen ist; wie authentisch ist die?) gibt es so gut wie nicht. Ein wenig mehr differenziert ist die Hungarotonausgabe. Insgesamt ist die ARCANA-Version deutlich träger.


    IV. Finale. Presto (Hung. 3:56 vs Arc. 4:17)
    Auch im Finale ist Hungaroton più presto, der transparentere Sound bei ARCANA rockt aber mehr: da tanzen die Parkettdielen.


    Ich finde, daß dieses C-Dur-Quartett allgemein eine große Affinität zu Mozarts "Linzer"-Sinfonie hat (oder eher umgekehrt): ich höre Ähnlichkeiten im Menuett, im langsamen Satz und vor allem im Kopfthema des Finalsatzes, das jener Passage bei Mozart (T. 28ff.) sehr ähnlich ist.


    :)

  • In beiden Fällen empfinde ich die Vorschläge als nicht korrekt ausgeführt


    László Somfai schreibt lange mit Bezug auf C.P.E. Bachs "Versuch" über kurze und lange Vorschläge, und wie diese bei Haydn auszumachen sind. Er warnt dabei auch vor diversen Ausgaben, da Haydns originale Vorschriften in der Regel verfälscht worden seien. Da die Festetics immer nach der kritischen Ausgabe spielen (wenn vorhanden) und dabei stets auch mit László Somfai konsultieren, habe ich Zuversicht in der authentischer Ausführung solcher solcher "Manieren" in deren Interpretationen.


    Aber ich bin kein Experte.


    LG
    Tamás
    *castor*

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    • Offizieller Beitrag

    Ich gehe einmal davon aus, daß die oben zitierte Stelle korrekt wiedergegeben ist, denn anders würde man das kaum notieren... (leider ist die Passage weder bei Rosen noch bei Feder abgebildet, so daß mir ein Vergleich fehlt und die krit. Ausgabe besitze ich leider (noch) nicht). Wichtiger sind aber m. E. die anderen Takte mit den 16tel Vorschlägen (wie bei Mozarts á la turca...); insofern scheint das nicht im Sinne von CPE wiedergegeben worden zu sein. Aber mit dieser Meinung bin ich ja ohnehin fast allein in diesem Universum unterwegs...


    Aber darum geht es in diesem Thread vielleicht auch gar nicht so besonders; jedenfalls spielen es die Festetics in beiden Aufnahmen gleich (richtig/falsch).

  • Das Festetics Quartett hat in beiden Fällen die Quartette nach der originalen, wahrscheinlich Ihrer Entstehung nach geordneter Reihenfolge auf, wie sie in Haydns eigenhändigem "Entwurf-Katalog" aufgezählt sind. Die übliche Nummerierung folgt einer französischen Ausgabe, die ohne Aufsicht Haydns gedruckt wurde.


    Diese originale Reihenfolge ist: I. Nr.4 d-moll; II. Nr.1 C-Dur; III. Nr.3 G-Dur; IV. Nr.2 Es-Dur; V. Nr.5 B-Dur; VI. Nr.6 A-Dur


    Ich möchte jetzt also auch mit Nr. 3 an Ulli ansetzen.


    einen deutlichen Unterschied macht allerdings die nach meinem Empfinden bei ARCANA sehr viel audiophilere Aufnahme aus: die Aufnahme ist sehr viel direkter, man hört fast jeden Bogenstrich, gelegentlich auch das angestrengte oder erleichtert seufzende Atmen der Musiker - ich mag das sehr, da es mehr authentisch ist.


    Das stimmt in ganzer Linie im Vergleich der Hungaroton- und der Arcana-Aufnahme, also auch hier. Nicht desto trotz ist auch der Qualität auch bei der ungarischen Aufnahme nicht schlecht, wenn auch etwas halliger und von einer größeren Entfernung aufgenommen. Bei der Arcana-Aufnahme hat man tatsächlich den Eindruck dass man unmittelbar an den Musikern sitzt, was auch mir sehr-sehr gut gefällt.


    I. Moderato (Hung. 6:35 vs Arc. 6:58)


    Doch führt bei diesem concertohaften Satz der oben beschriebener Klang der früheren Aufnahme zu einem etwas diffusen Ergebnis, wo die Klarheit der rhythmischen Transparenz verlorengeht. Laut Stoppuhr ist die neuere Aufnahme etwas langsamer, aber das Gefühl hat man garnicht, gerade am Anfang wirkt die neuere sogar in dynamischen Duktus sogar etwas schneller, oder - besser - vorwärtsdrängender.


    II. Menuet. Allegretto (Hung. 2:51 vs Arc. 2:56)


    Wieder einmal bestätigt aber die alte Aufnahme, dass die aber trotz Schwächen auch stärkere Seiten hat - zumindest gefällt mir das Menuett wieder etwas besser in der alten Aufnahme: sie ist feiner, dynamisch und rhythmisch abschattierter. Die neuere wirkt dann bei der Wiederholung des Menuett-Teils schon etwas mechanisch, während die alte auch hier noch glänzend und grazil wirkt.


    III. Largo (Hung. 4:48 vs Arc. 5:33)


    Im Gefühl ist die neure Aufnahme eigentlich einen Hauch langsamer, und die transparentere, direktere Aufnahme macht sich auch hier bezahlt. Der ganze Satz wirkt intimer, im Ausdruck vielfarbiger, als die alte. Hier möchte ich einen großen Nachteil der alten Aufnahme erwähnen, dass die zweite Violine (und die Bratsche erst recht) viel leiser ist, als das nötig wäre, was zum Beispiel bei diesen Sechzentel-Triolen-Läufen



    die dann von der ersten Violine thematisch weitergeführt werden, und in der alten Aufnahme kaum hörbar sind, in der neueren aber perlend glänzen, besonders schwer gegen die Hungaroton-Aufnahme spricht.


    Die beiden Kandenzen werden in der neueren breiter ausgesponnen, als im älteren, wo die erste nur kurz, und erst die zweite etwas breiter angelegt wird. Dieser Unterschied mach den Großteil des Unterschieds in der Spieldauer aus.


    IV. Finale. Presto (Hung. 3:33 vs Arc. 3:40)


    Vielleicht ist die hungaroton-Aufnahme etwas im Duktus schneller, aber da könnte ich mich auch täuschen. Sonst gefallen mir hier beide sehr gut: die Arcana-Aufnahme ist auch hier transparenter, direkter im Klang, die Hungaroton-Aufnahme etwas diffuser, die Mikrophonedürften wohl weiter weg gewesen sein. Aber hier stört das garnicht, und es kommt auch hier zu einem Ergebnis, der durchaus gefällt.


    Aufgrund mancher aufnahmetechnischer Probleme ziehe ich hier eindeutig die neuere Aufnahme vor, auch wenn das kurze Menuett mir in der älteren lieblicher und herzvoller eingespielt scheint.


    LG
    Tamás
    *castor*

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    Es fällt mir nicht leicht, hier großartige Unterschiede herauszustellen.


    I. Moderato (Hung. 9:48 vs Arc. 10:07)
    Der Beginn der "Durchführung" (Hung. 3:39 / Arc. 3:45) ist bei der hungaroton-Aufnahme für mein Empfinden insgesamt più misterioso gelungen, dazu gereicht u.a. auch ein leichtes Anschwellen der Lautstärke; bei ARCANA eher harmlos - im direkten Vergleich sogar fad.


    II. Menuet. (Hung. 3:05 vs Arc. 2:59)
    -/-


    III. Adagio cantabile (Hung. 4:31 vs Arc. 4:42)
    -/-


    IV. Finale. Allegro di molto (Hung. 3:25 vs Arc. 3:29)
    Das Finale wirkt trotz weniger Mehr-Sekunden bei ARCANA heiterer, beschwingter.

  • I. Poco Adagio (Hung. 7:38 vs Arc. 8:00)
    Dieser Variationssatz (dessen Thema mich auf Bibers "Katz" aus der Sonata representativa erinnert - siehe unten) wird in der Arcana-Einspielung nur ganz poco mehr adagio gespielt, aber das und die bessere transparenz macht schon aus, dass ich die besser mag. Besonders bei der zweiten Variation macht das viel aus.


    Biber:


    Haydn:


    II. Menuet. Allegretto (Hung. 2:55 vs Arc. 2:45)
    Der Menuet-Teil wird bei der älteren Aufnahme etwas langsamer und graziler gespielt, was mich hier wieder etwas mehr anspricht, als die neuere Einspielung.


    III. Largo. Cantabile (Hung. 8:50 vs Arc. 9:18)
    Die neuere Einspielung profitiert wieder von der besseren Transparenz des Klanges. Der Tempounterschied ist kaum hörbar.


    IV. Finale. Presto (Hung. 5:11 vs Arc. 5:37)
    Die ältere ist vielleicht etwas schneller, jedoch die neuere hat mehr Charakter.


    LG
    Tamás
    *castor*

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    • Offizieller Beitrag

    Nun denn, nehme ich das "Stiefkind" :)


    I. Presto (Hung. 6:05 vs Arc. 6:15)
    Die direktere ARCANA-Aufnahme macht auch diesen Kopfsatz im Vergleich etwas erdiger und greifbarer. Interpretationsunterschiede höre ich ansonsten keine nennenswerten.


    II. Menuetto (Hung. 5:05 vs Arc. 5:33)
    Bei der jüngere ARCANA-Einspielung werden in den Wiederholungsteilen öfters winzige Auszierungen in der 1. Violine vorgenommen, was für etwas Auflockerung des ansonsten eher etwas sturen und trockenen Ansatzes der Hungaroton-Aufnahme sorgt. Außerdem gefällt mir bei der neueren Aufnahme das leichte Rubato z.B. in T. 15. Ansonsten bin ich nachwievor der Meinung, daß die Vorschläge nicht korrekt wiedergegeben sind.


    III. Adagio. (Hung. 6:02 vs Arc. 9:10)
    In T. 7 wird bei Hungaroton der Vorschlag in der 1. Violine erstmals richtig gespielt. Auch hier wird bei ARCANA im jeweiligen Wiederholungsteil vorsichtig und auflockernd ausgeziert, was mir sehr gefällt. Das evidente Delta in den Spielzeiten beruht auf der Wiederholung des B-Teils, der bei Hungaroton fehlt: nach einer übersichtlichen, aber definitiv wirkenden Cadenz der 1. Violine ist der Abschluß ohne Wiederholung dennoch logisch und sorgt dafür, daß das Adagio im Gesamtengagement des Quartetts nicht übergewichtig wird. Bei ARCANA beschränkt sich die Cadenz im ersten Durchlauf auf einen einfachen Triller, erst im zweiten Durchlauf wird die Cadenz ausführlicher und führt zur Finalisierung; dieser Ansatz ist ebenso nachvollziehbar.


    IV. Finale. Presto (Hung. 1:27 vs Arc. 1:52)
    Der Finalsatz steht in "typischer" Boccherini-Kehraus-Manier wie z.B. bei dessen op. 33 Nr. 5 e-moll; er ist so kurz, daß man meint, der B-Teil würde fehlen. Bedingt durch die Auskostung des Adagio in der neueren ARCANA-Edition darf der Finalsatz dort nicht zu abgerissen wirken: entsprechend wird das Presto hier etwas langsamer gegeben, außerdem wird die Themenvorstellung (Te. 1 bis 8) wiederholt, was bei Hungaroton nicht der Fall ist und die Dauer damit künstlich - aber wohl legal - verlängert. Vorgesehen ist diese Wiederholung allerdings zumindest im mir vorliegenden Notentext nicht.


    Fazit:
    Insgesamt betont die Hungaroton-Ausgabe bei op. 9 Nr. 6 den eher divertimentohaften Charakter, während bei ARCANA der Versuch glückt, ein "wirkliches Quartett" darzubieten.

  • Zusammenfassend können wir, glaube ich, sagen, dass interpretatorisch keine großen Unterschiede zwischen den zwei Einspielungen gibt, am deutlichsten ist der Unterschied in der Klangqualität.


    In der bei Hungaroton erschienene Aufnahme bevorzugen die Festetics leicht schnellere Tempi, was allerdings eher nur in den Presto Schlusssätzen zum tragen kommt, und teilweise auch in den Menuetten. Sonst ist aber die spätere Aufnahme ausgereifter, und weil auch klanglich besser, eher zu empfehlen.


    Wer aber nur die Hungaroton-Aufnahme hat, braucht sich auch nicht dafür zu schämen.


    Heute Nachmittag mache ich dann mit op. 33 weiter - ich bin schon gespannt, ob da größere Unterschiede zu Tage kommen!


    LG
    Tamás
    *castor*

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  • Die Festetics haben bei beiden CD-Ausgaben die Quartette in der vermeintlichen Originalreihenfolge eingespielt, also:


    1. Nr. 5 G-Dur; 2. Nr. 2 Es-Dur; 3. Nr. 1. h-moll; 4. Nr. 3 C-Dur; 5. Nr. 6 D-Dur; Nr. 4 B-Dur; und als 7. Op. 42 d-moll



    Die frühere Aufnahme erschien beim ehemaligen ungarischen Sublabel "Quintana" von harmonia mundi france in 1991. Die Aufnahmen sind zwischen Dezember 1990 und Januar 1991 entstanden. Die neuere bei Arcana wurde in Frühling 2006 aufgenommen, erschien aber erst 2009. Mehr als 15 Jahre trennen die beiden Aufnahmesitzungen.


    Und nicht nur das: die Klangqualität trennt hier vielleicht noch mehr, als bei Hungaroton. Wenn die Mikrophone bereits bei der Hungaroton-Aufnahme etwas zu weit weg waren, so waren sie bei der Aufnahmesitzung für Quintana vielleicht gar in einem anderen Zimmer als die Musiker. Die Mittelstimmen kann man nur erahnen und sonst klingt das ganze sehr verschwommen und ungenau. Die beiden Aufnahmen lassen sich in puncto Klang garnicht zu vergleichen.


    I. Vivace assai (Quint. 6:47 vs Arc. 6:46)
    Die Tempi sind zumindest gleich. Ob es da Unterschiede gibt, weiß ich ehrlich gesagt nicht: die ältere Aufnahme klingt so verschwommen, dass man es garnicht richtig einschätzen, wie da gespielt wird.


    II. Largo e cantabile (Quint. 4:22 vs Arc. 4:25)
    Die Tempi wieder fast deckungsgleich, eventuell gibt es bei der Quintana-Aufnahme im Mittelteil eine kleine Beschleunigung, was ich in der Arcana-Einspielung nicht gehört habe. Der Klang der alten Aufnahme ist in diesem Satz etwas besser, zumindest sind die Mittelstimmen besser zu hören, als im ersten Satz. Etwa Hungaroton-Qualität - sprich: Arcana ist immer noch um weiten besser.


    III. Scherzo. Allegro (Quint. 3:13 vs Arc. 3:08)
    Gleiche Interpretation, bei der älteren sehr schwache Klangqualität.


    IV. Finale. Allegretto - Presto (Quint. 5:15 vs Arc. 5:30)
    Der Klang ist wieder etwas erträglicher bei der älteren Aufnahme wegen des langsameren Tempos - und siehe da: einen ersten Pluspunkt kann ich vergeben: die ältere wirkt am Anfang verspielter, flüssiger, als die neue - die aber beim Presto-Teil aufholt. Der wirkt nämlich bei der älteren etwas zu forsch und wegen des verwaschenen Klangs etwas unpünktlich.


    Fazit: es ist zwar interessant zu hören, dass das Festetics Quartett bereits 1991 seine Interpretation dieses Quartetts erarbeitet hat, diese Interpretation wird aber erst in der Arcana-Aufnahme auch im Detail genießbar.


    LG
    Tamás
    *castor*

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    • Offizieller Beitrag

    I. Allegro moderato (Quint. 8:32 vs Arc 8:48)
    Die dynamischen Abstufungen zwischen sforzato, fortissimo, sotto (mezza) voce, piano vs. pianissimo kommen bei der neueren Arcana-Aufnahme nicht so scharf heraus. Wie auch bisher, ist der Klang der älteren Quintana-Ausgabe etwas fraglich: der Sound ist im direkten Vergleich zunächst weit entfernt, man gewöhnt sich aber schnell daran. Ein leichtes crescendo ist am Satzanfang durchaus zu vernehmen, aber auch hier ist dynamisch wenig Output. Die Violinkaskaden im DF-Teil T. 44ff. werden in der Quintana-Ausgabe nicht legato gespielt, ganz anders bei Arcana.


    II. Scherzo. Allegro di molto (Quint. 2:26 vs Arc. 2:48)
    Wirkt bei Quintana etwas gehetzt, setzt sich aber durch das Trio, dessen Tempo hörbar zurückgenommen ist, deutlicher ab; klanglich klar im Vorteil: Arcana.


    III. Andante (Quint. 8:42 vs Arc. 8:29)
    Haltebogen a-a in der 1. Violine T. 13/14: Fehlanzeige, wird in beiden Vergleichsinterpretationen abgesetzt. Dafür ein schönes dolce ab 17 bei Quintana. Die Staccati im stimmführenden Vc. ab 9 (auftaktig) sind schön herausgearbeitet, um das zu hervorzuheben (?), spielen die übrigen drei Streicher portato wo staccato notiert ist. Dynamisch auch bei Arcana: Fehlanzeige - ein piano vs sforzato ist hier nicht zu vernehmen, auch stellenweise portato an Stelle von staccato.


    IV. Presto (Quint. 3:43 vs Arc. 6:15)
    Der Triller in 6 (Vl. I) wird in beiden Aufanhmen nicht gespielt, dafür eine Umspielung (?). Eklatant mehr Presto ist die alte Quintanaaufnahme unterwegs, die erste Wiederholung wird gespielt, die zweite nicht mehr, was den Zeitunterschied von rund 2 1/2 Minuten ausmacht. Das Tempo scheint mir hier angemessener, wenn auch leider die Bariolagen etwas darunter leiden.