Currentzis, Teodor (*1972)

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    Aus dem Cosí-fan-tutte-Thread hierher ausgegliedert.


    Gut isser ja, aber genial ...


    Gehype mag ich auch überhaupt nicht und schreckt mich eher ab. Ausnahmen sind jedoch der geniale Currentzis und die exotische Kermes, denn beide habe ich z.T. mehrfach live erleben können - deswegen kann ich ausnahmsweise das Gehype um deren Leistungen definitiv unterstreichen. Auf Tonträger ist das naklar alles nochmal anders, z.T. detailliert nachbearbeitet - aber das tut der Genialität keinen Abbruch.


    Und wenn das Gerücht sich als Wahrheit entpuppen sollte, daß sich Currentzis und Kermes gefunden haben, dann haben sich da wohl die absolut Richtigen zusammengetan... Eine Hexenküche wäre ein Dreck dagegen!


    :thumbup:

  • Gehype mag ich auch überhaupt nicht und schreckt mich eher ab.


    Höre ich den Figaro, höre ich die Cosi, höre ich das Requiem, höre ich die Rameau-Suite, höre ich die 14. von Schostakowitsch, höre ich Purcell ...


    Muss ich mir keine Gedanken über Gehype machen. Das ist mir dann zu theoretisch.


    Speziell der Figaro und die Cosi waren für mich Offenbarungen. Alles was ich an historischen OMIs oder modernen HIP-Einspielungen daneben stellen kann, hört sich einfach nur lau an. Ich bin inzwischen sicher, wenn der Giovanni kommt, werde ich den alten Furtwängler endlich einmotten können.


    :thumbup:

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    Höre ich den Figaro, höre ich die Cosi, höre ich das Requiem, höre ich die Rameau-Suite, höre ich die 14. von Schostakowitsch, höre ich Purcell ...

    Die beiden Mozart-Opern, ja; die sind gut; aber nicht besser als die anderer. Das Requiem ist Geschmackssache, ich mochte die Rallye, kann aber verstehen, dass andere das ablehnen; Rameau fand ich eher schwach; Purcell und Schostakowitsch kenne ich noch nicht.


    Muss ich mir keine Gedanken über Gehype machen. Das ist mir dann zu theoretisch.

    Wie gesagt, bei Currentzis ein Glücksfall, dass der Hype mal den Richtigen traf. Aber wie oft ist das nicht so?

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    Gehype mag ich auch überhaupt nicht und schreckt mich eher ab. Ausnahmen sind jedoch der geniale Currentzis und die exotische Kermes, denn beide habe ich z.T. mehrfach live erleben können - deswegen kann ich ausnahmsweise das Gehyüe um deren Leistungen definitiv unterstreichen. Auf Tonträger ist das naklar alles nochmal anders, z.T. detailliert nachbearbeitet - aber das tut der Genialität keinen Abbruch.

    Das ist natürlich noch einmal etwas anderes. Ich kenne ja nur die CDs und da habe ich bei Currentzis schon das Gefühl, das Studio und den unbedingten Willen zur Perfektion herauszuhören. 8-)

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    Gerade eben wollte ich den Thread aufmachen! *yes*

    Zitat

    http://de.wikipedia.org/wiki/Teodor_Currentzis


    Ich mache den Thread mal auf, damit die vielen Fans hier sich dann zusammenhängend und erschöpfend zu äußern vermöchten. :)

    Bislang steht die Diskographie ja noch nicht auf so breiten Füßen: Zwei Mozart-Opern, das Requiem, einmal Purcell, einmal Schostakowitsch, ein Rameau-Sampler ... 8-)

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    Ich kenne ja nur die CDs und da habe ich bei Currentzis schon das Gefühl, das Studio und den unbedingten Willen zur Perfektion herauszuhören.


    Das tut aber der Genialität m. E. keinen Abbruch... :rolleyes:

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    Die beiden Mozart-Opern, ja; die sind gut; aber nicht besser als die anderer.


    Das ist aber Deine persönliche Ansicht. Für mich waren das Offenbarungen, die besten Mozart-Operineinspielungen, die ich je gehört habe. Ich habe ernsthaft überlegt, den Rest von meiner Platte zu werfen — aber letztlich fressen die ja kein Brot (mehr).

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    Das ist aber Deine persönliche Ansicht.

    Na klar, nur ich bin ja ich. :) Aber ich kenne einige, auch hier im Forum, die das ähnlich sehen.


    Ich habe ernsthaft überlegt, den Rest von meiner Platte zu werfen — aber letztlich fressen die ja kein Brot (mehr).

    Ich nehme ihn. Und bei mir gibt es nicht nur kein Brot ... :)

  • Die beiden Mozart-Opern, ja; die sind gut; aber nicht besser als die anderer.

    Ulli hat seine Wertschätzung der Cosi ja nun auch begründet. Ich schließe mich dem an und würde vielleicht noch hinzufügen. Die Art in der das Hammerklavier in den Rezitativen den Gesang begleitet und kommentiert begeistert mich, auch im Vergleich z.B. zu der Gardiner-Einspielung. Wie sehr Currentzis mit seinen Musikern die Sicht auf diese Oper neu begründet - wie zum ersten Mal erschafft - zeigt sich bereits in der Ouvertüre, da er sich, zumindest, so wie ich das höre und anhand der Noten verstehe, eine Freiheit nimmt und in den drei Takten des Übergangs vom Andante zum Presto bereits annähernd auf Presto beschleunigt. Dadurch entsteht ein enormer Effekt und das "Die-Zügel-schießen-lassen", das diese Ouvertüre ausmacht, wird noch einmal deutlich gesteigert. Mit anderen Worten: Currentzis vollzieht nicht nur den Notentext, sondern er interpretiert auch und das in einer Weise, die - für mein Hören - tatsächlich ein geschlossenes Ganzes ergibt. Die Einspielungen, mir denen ich vergleichen kann und auch stellenweise vergleichend gehört habe, sind die von Fritz Busch (1935), Kuijken aus der Brilliant-Box, Gardiner.


    Vielleicht - lieber Yorick - möchtest auch du Gründe dafür nennen, warum du die Einspielung von Currentzis für nichts Besonderes hältst, den so verstehe ich deine oben angeführte Aussage.


    Eine Erläuterung dazu, was dir an der Rameau-Einspielung nicht zusagt, fände ich auch spannend. Ich habe die Stücke einmal mit den Einspielungen von Les Arts Florissants - William Christie verglichen und ich hatte den Eindruck. Wow - da holt Currentzis deutlich mehr Klang und Ausdruck aus der Musik heraus. Zu Schostakowitschs Nr. 14 habe ich mich an anderer Stelle geäußert.
    :wink:

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    Ulli hat seine Wertschätzung der Cosi ja nun auch begründet. Ich schließe mich dem an und würde vielleicht noch hinzufügen. Die Art in der das Hammerklavier in den Rezitativen den Gesang begleitet und kommentiert begeistert mich,


    Hatte ich das wirklich nicht? Ich pflichte dem jedenfalls bei; vielleicht war meine Beschreibung der Hammerflügelkultur zu sehr fixiert auf die Begleitung der Ensemblestücke, was ja auch nicht ganz alltäglich ist, aber wohl den Gepflogenheiten des 18. Jahrhunderts zumindest dem Prinzip nach sehr entspricht (auch, wenn Currentzis selbst die Ausübung der HIP per se negiert resp. behauptet, sie nicht gezielt einzusetzen oder eingesetzt zu haben - selbst wenn man dem Glauben schenkt, hat er das dann doch intuitiv "richtig" gemacht und dem Werk - wie auch den anderen - Leben eingehaucht).

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    Vielleicht - lieber Yorick - möchtest auch du Gründe dafür nennen, warum du die Einspielung von Currentzis für nichts Besonderes hältst, den so verstehe ich deine oben angeführte Aussage.

    Später gerne, obwohl ich es ja für die Opern an mehreren Stellen schon angedeutet habe. Überdies halte ich sie schon für besonders gut, die Opern; nur eben nicht für genial. Aber ansonsten will ich Cosi und Figaro noch einmal hören, für erstere habe ich schon zahlreiche Vergleichsaufnahmen (siehe den entsprechenden Thread) gehört, für zweitere noch nicht. Das Requiem gefällt mir, ist aber natürlich zu schnell; Rameau muss ich noch andere Aufnahmen dagegenhalten, ich kenne ihn einfach zu wenig. Schostakowitsch werde ich sicher nicht noch eine Aufnahme anschaffen, bei Purcell überlege ich noch.

  • Das Requiem gefällt mir, ist aber natürlich zu schnell


    Empfinde ich übrigens nicht so. Für mich sind dann eher andere Einspielungen zu langsam. :D


    "Dies irae" muss schon fetzen... Und das verlangt dann natürlicherweise andere Tempoverhältnisse.


    LG
    Tamás
    *castor*

    Alle Wege führen zum Bach,
    .................................... wo der kleine Biber lebt!

  • Später gerne, obwohl ich es ja für die Opern an mehreren Stellen schon angedeutet habe. Überdies halte ich sie schon für besonders gut, die Opern; nur eben nicht für genial.

    Die Spanne zwischen "besonders gut" und "genial" ist für mich jetzt gar nicht so leicht zu ermessen. Wenn ich mich an Ullis Definition von "genial" richtig erinnere (so in etwa: alles, was ich nicht kann), dann finde ich "besonders gut" eigentlich sogar aussagekräftiger. Aber es kommt natürlich darauf an, was jeder Einzelne darunter versteht. Von daher harre ich gespannt der Dinge, die da kommen werden. Es wäre ja auch schon einmal ein Anfang, die "Andeutungen" etwas zusammenzufassen.


    Was das Requiem betrifft, ist mir allerdings gar nicht aufgefallen, dass es von Currentzis & Co. zu schnell gespielt wird. Von daher vielen Dank für den Hinweis.
    :wink:

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    Was das Requiem betrifft, ist mir allerdings gar nicht aufgefallen, dass es von Currentzis & Co. zu schnell gespielt wird. Von daher vielen Dank für den Hinweis.

    Ne, ne; das ist nur meine Auffassung nach den bisher gehörten Aufnahmen, die ja vielleicht alle zu langsam waren.

    • Offizieller Beitrag

    Was steht denn in der Partitur?


    Allegro assai.


    P.S. Ham wir nen Thread zu dem Werk?


    Naklar.


    "Dies irae" muss schon fetzen...


    Eben; und Currentzis ist nicht mal der schnellste im dies iræ: da gibt es noch Spering...


    :thumbup:

  • Also die Schnelligkeit ist auch für mich nicht das hervorstechende Merkmal dieser Requiem- Einspielung,sondern ihre existenzielle Wucht. Nicht der kultivierte Schönklang , von mir aus auch nicht mal die penible Partiturtreue sind das Maß der Dinge.Die überragende Qualität macht für mich ganz klar Currentzis' kompromisslose Bereitschaft aus, das Wesen dieser Musik, ja natürlich auch der Textgrundlage zur Geltung zu bringen:


    Und hier geht es nun mal um Leben und Tod...!

    Ich sitze hier und trinke mein gutes Wittenbergisch Bier und das Reich Gottes kommt von ganz alleine.


    Dr. Martin Luther

  • Also die Schnelligkeit ist auch für mich nicht das hervorstechende Merkmal dieser Requiem- Einspielung,sondern ihre existenzielle Wucht. Nicht der kultivierte Schönklang , von mir aus auch nicht mal die penible Partiturtreue sind das Maß der Dinge.Die überragende Qualität macht für mich ganz klar Currentzis' kompromisslose Bereitschaft aus, das Wesen dieser Musik, ja natürlich auch der Textgrundlage zur Geltung zu bringen:


    Und hier geht es nun mal um Leben und Tod...!


    Genau so sehe ich das auch.
    :wink:

  • Ich kann den Hype um Currentzis durchaus verstehen, wenn ich ihn auch nicht teile. Ich hatte hier ja von dem Konzert in der Philharmonie letztes Jahr berichtet, Händels Dixit und Purcells Dido. Das war schon wahnsinnig beeindruckend und unglaublich perfekt, aber für meinen Geschmack übers Ziel hinaus. Zu krass. Der Purcell auch in den Chören fast schon zu romantisch, die Ballette zu geschleckt, um bei mir wirklich zu grooven.


    Die Rameau-CD ist total gut, aber das war's irgendwie auch schon. Currentzis ist auch hier in meinen Ohren zu perfekt. Mir fehlt aber der Schmelz und der Swing. Auf die Improvisationseskapaden nach Pluharscher Art hätte ich auch lieber verzichtet. Die CD kann bei mir nicht gegen die Rameau-Sammelprogrammme von Savall, Minkovsky und Rousset anstinken. Ich habe sie aber trotzdem gern in meiner Sammlung!