BWV 232 - Messe h-moll: DVDs (omi)

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    Biller (Aufnahme vom 28. Juli 2000)



    Solisten: Ruth Holton, Sopran
    Matthias Rexroth, Alt
    Christoph Genz, Tenor
    Klaus Mertens, Bass


    Gewandhausorchester Leipzig
    Thomanerchor Leipzig unter der
    Georg Christoph Biller (Thomaskantor)


    Irgendwie komme ich mit dieser Aufnahme nicht zurecht! Irgendetwas stört mich, fehlt mir ...

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    Karl Richter, 1969


    Gundula Janowitz
    Hertha Töpper
    Hermann Prey
    Münchener Bach-Chor
    Münchener Bach-Orchester
    Karl Richter


    Wenn ich heute zur Ruhe kommen will, ohne ganz der Schönheit zu entsagen; sehe ich mir die Aufzeichnung von Bachs h-Moll-Messe mit dem Münchner Bach-Chor und dem Münchner Bach-Orchester unter Karl Richter an, die in der barocken Stitfskirche von Dießen am Ammersee in Oberbayern in Bild und Ton aufgenommen wurde: Ich bin ja eher ein Freund von Romanik und Gotik und gar nicht des Barock, aber hier passte es irgendwie und die Bildführung innerhalb des Sakralbaus korrespondierte der herrlichen Musik und lässt mich umgehend entspannen und sogar ein wenig transzendentieren.

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    Diese drei visuellen Umsetzungen sind mir näher bekannt und der Begriff trägt schon, weil keine der drei h-Moll-Messen nur abgefilmt wurde.


    Karl Richter mit gewohnt breiter Brust und vollem Klang - allein die Solisten empfinde ich heute als zu opernhaft in der Stimmführung - hat mit der barocken Stitfskirche von Dießen am Ammersee in Oberbayern eine Location zur Verfügung, die auf den ersten Blick überwältigt und eine BIldführung, die Details der Architektur und Ausstattung unterstützend einzusetzen gewillt ist. Trägt Hoch- und Spätbarock den strengen lutherischen Meister, fragt man sich und scheint doch gerade Richters schwere Interpretation das Umfeld der Aufführung zu konterkarieren. Aber ganz im Gegenteil mildert die farbenfrohe Pracht den allzu strengen Gestus des Thomaskantors und trägt bei zu vollkommener Einkehr. Das Bild ist aus heutiger Sicht wohl schlechter zu nennen, der Ton recht gut auf beiden Kanälen.


    Georg Christoph Biller drängt sich wie stets mit seinen Thomanern auf der Empore, so dass man Angst hat, sie möchten allesamt herunterpurzeln bei zu großer Emphase. Der Klang ist naturgemäß heller und "unprofessioneller" als bei anderen Aufnahmen; dafür sorgen die Buben für ein Quäntchen Naivität und Gotteskindschaft mehr, als dass je ein Adulter vermöchte. Wenn dann auch noch der Dirigent selber mitsingt, fühlt man sich lokalpatriotisch und bachhörig im siebten Himmel und vergisst verwaschene Artikulationen und zuweilen weichen Klang. Der Thomaskirche merkt man ihr Heimspiel nicht wirklich an; man braucht wenigstens das erste Viertel, ehe man den Raum akzeptiert und liebgewinnt. Es mag aber auch der Bildführung geschuldet sein, die wenig geschickt oder einfach unbesorgt um weltlichen Tand dessen Vorzüge zu selten ausspielt. So schließt man dennoch die Augen, wenn die Kleineren overacting betreiben mit ihren Mündern und die Adoleszenten optisch sehr deutlich in der Pubertät sich befinden. Das Bild ist für die wenigen Jahre her sehr schwach, der Ton nur mäßig.


    Peter Dijkstra kann aus dem Vollen schöpfen: Er selbst dirigierte das Werk schon mehrfach, der Chor mehr als nur erfahren, das Orchester hiper Profi und die Solisten allesamt keine Anfänger. Der eigentliche Star aber ist die Nürnberger Lorenzkirche und ein visuelles Konzept, das zumindest mich überzeugte. Was allein Aufstellung von Chor, Orchester und Solisten vermögen; die Nähe zum Zuhörer und die Dualität von Licht und Dunkel, kann man hier sprachlos bestaunen. Man müsste der Gerechtigkeit halben diese Interpretation tatsächlich nur mit gesunkenen Lidern noch einmal hören, um sagen zu können; welche Eindrücke dem mystischen Geschehen vor den Augen geschuldet sind und welche der "reinen" Musik. Aber das ist natürlich Unsinn, auch Richter und Biller funktionieren auf DVD nur über die Einheit von Bild und Ton. Letztere sind beide von exzellenter Qualität, zumindest in meinem Fernsehmitschnitt.

  • Mit Deiner musikalischen Einschätzung zu Peter Dijkstra hälst Du Dich aber merklich zurück. Gilt immer noch Dein Bonmot, dass Bach und Dijkstra nicht zusammenpassten? Ich muß mal nachschauen, wo und wann Du das geschrieben hast, :) .

  • Den Karl gibt es auch hier:


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    • Offizieller Beitrag

    Mit Deiner musikalischen Einschätzung zu Peter Dijkstra hälst Du Dich aber merklich zurück. Gilt immer noch Dein Bonmot, dass Bach und Dijkstra nicht zusammenpassten? Ich muß mal nachschauen, wo und wann Du das geschrieben hast, :) .


    Ich habe mich ja bereits hier positiv geäußert. Ansonsten sprach ich an mehreren Stellen davon, dass ich weder mit seinem Bach noch seinem Händel oder Mozart so richtig warm wurde. Bislang sah ich ihn aber nur in Konzertsälen, nie in der Kirche.

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    Die atmosphärische Dichte des musikalischen Geschehens, die auch durch den Ort der Aufführung vermittelt wird, ist schon sehr beeindruckend - und erst der hippe Schlagwerker in Reinform, insbesondere im Dona nobis pacem - im Hintergrund ab etwa 1:43:44 - einzigartig.


    Wäre ein eigenes Thema, dieses Ineinander von Musik und Raum, gerade bei sakraler Musik empinde ich Konzertsäle als atmosphärisches Todesurteil. Allgemeiner dazu hier: Audiovisuelle Medien und Klassische Musik - Vor-und Nachteile


    P.S. Das scheint die erste DVD mit ansprechenden Damen im Chor. 8-) In dem Punkt vermögen Richter und Co. wenig. *yes*

  • Weitere DVD-Produktionen der Messe, allerdings ohne Cover:


    Muti, 2000
    Müller-Brühl, 2003
    Cura, 2009
    Biller, 2013
    Guttenberg, 1998
    Kubelik, 1974 (?)
    Gardiner? Rillng? Luks? Corboz? Ozawa? Ortner? Reuss - sehr ansehenswert -? (insoweit lassen sich filmische Aufzeichnugen bei YT finden)
    Lutz?
    Suzuki?
    Harnoncourt?
    etc.

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    BWV 232 - Messe h-moll: DVDs


  • Ich habe mich ja bereits hier positiv geäußert. Ansonsten sprach ich an mehreren Stellen davon, dass ich weder mit seinem Bach noch seinem Händel oder Mozart so richtig warm wurde. Bislang sah ich ihn aber nur in Konzertsälen, nie in der Kirche.


    Sicher? Die nachfolgende Aufnahme wurde in der St. Lorenz-Kirche in Nürnberg produziert :). Und wahrscheinlich gibt es sogar eine DVD-Veröffentlichung, die man beim BR erwerben kann.


    Zitat

    Peter Dijkstra leitet die Aufführung in der Nürnberger St. Lorenzkirche mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks, dem Originalklangensemble Concerto Köln und den Solisten Christina Landshamer, Anke Vondung, Maximilian Schmitt und Andreas Wolf.

    klick


    [Habe gerade noch die Bewertung hervorragend abgegeben.]


    BTW, hast Du bemerkt mit welcher Begeisterung der Cellist/Kontrabassist ab etwa 1:43:23 im Dona nobis pacem mitsingt? Große Klasse.