10. - Oktett F-Dur D803: Einspielungen (opi)

    • Offizieller Beitrag

    Wirkliche Oktette gibt es nicht gerade sehr viele und die Definition eines solchen fällt mir auch etwas schwer; dieses Schubert-Oktett hat doch durchaus auch noch etwas vom herkömmlichen Divertimento aus Schuberts Geburtsjahrhundert oder einer Serenade aus derselben Zeit: dafür sprechen die beiden "Menuette" (okay, das erste ist als "Scherzo" tituliert) und die Sechsätzigkeit. Dafür spricht auch, daß die Sätze 4 und 5 bei der Erstausgabe (bei C. A. Spina, Wien, März 1853) ausgelassen wurden.


    Das Scherzo als solches gefällt mir überaus gut und ich muß hier stets an die reifen Sinfonien 6 und 7 denken, wenn ich dieses Scherzo höre: harmonisch und rhythmisch ist es dem der 6. Sinfonie sehr ähnlich und ich höre auch etwas von "Das lustige Zusammensein der Landleute" aus Beethovens "Pastorale" op. 68 heraus: harmonisch wandert das F-Dur des Beginns in beiden Fällen stur und schamlos zum d-moll.


    Der Finalsatz ist mir - trotz der unheimlichen langsamen Einleitung, die mich an die "Fierrabras"-Ouvertüre erinnert - dann für Schubert doch etwas zu primitiv, auch das Stretto am Schluß reißt es nicht wirklich und wirkt mir insgesamt zu gekünstelt und zu gewollt. Der Satz fällt besonders gegen das Adagio, Scherzo und den Variationensatz deutlich ab; sollte wohl soetwas wie das Finale von Mozarts Jupiter-Sinfonie werden, reichte aber nur zum Dorfmusikantensextett...


    Die oben gezeigte Interpretation vom Edding Quartet & Northernlight Winds gefällt mir sehr gut, das Tempo des Finalsatzes ist allerdings doch gewagt und ein Drahtseilakt, was sich sowohl bei den Bläsern als auch bei den Streichern in den Triolen zum Staunen des Hörers bemerkbar macht: sie meistern das mit Bravour! Der zweite Satz ist sehr elegisch dargeboten und man erschrickt beim Pizzicato des Cellos und Contrabasses in T. 151 (kurz vor Schluß) regelrecht.


    *yepp*

  • Academy of Ancient Music Chamber Ensemble (1990)


    (P) 1990 Decca / L'Oiseau-Lyre "Florilegium" 425 519-2 [59:50]

    rec. 29. September - 01. Oktober 1988 (Concert Hall of the University Music School, Cambridge)


    The Academy Of Ancient Music Chamber Ensemble:

    Monica Huggett

    [Violine: Rowland Ross (1987) - nach Amati (1688)]

    Pavlo Beznosiuk

    [Violine: Rowland Ross (1976) - nach Stradivarius (1721)]

    Martin Kelly

    [Viola: David Rubio (1988) - nach Montegnana (ca. 1725)]

    Timothy Mason

    [Violoncello: Giovanni Grancino (ca. 1700)]

    Barry Guy

    [Kontrabaß: J.F. Lott (1840)]

    Anthony Pay

    [Klarinette: in B - Héronard Frères (1830) & in C - Proff (1800)]

    Felix Warnock

    [Fagott: Savary Jeune (1820)]

    Anthony Halstead

    [Horn: R. Paxman (1983) - nach French (1800)]


    Das ist die älteste opi-Aufnahme des Oktetts, welche ich ermitteln konnte - eine frühere ist mir nicht bekannt.


    Was mir persönlich sehr imponiert, wie sehr sich die damaligen Protagonisten der HIP-Bewegung in die zeitgenössische Aufführungstradition hineingearbeitet haben, um wirklich etwas Überzeugendes (neu) zu kreieren, welches solange verschütt gegangen war: die feinen Klangfarben, die präzise Abstimmung der einzelnen Stimmen, die fragile Dynamik und das wohlklingende Zusammenspiel. Der Kopfsatz eröffnet mit einem kräftigen Tutti, das Trio jauchzt und tänzelt mit würdiger Freude, das Andante schreitet erlesen dahin. Wie unspektakulär das Ganze sich anhören mag, so steckt dahinter doch eine wohldurchdachte Interpretation mit viel Sinn fürs Klangliche. Es ist Kammermusik im wahrsten Sinne des Wortes: für den kleinen Kreis, für den subtilen Genießer - und die Mikros haben nur einfach die Funktion der kleinen Maus übernommen, die still und heimlich lauscht.


    Herrlich... :jubel:


    CD bei Discogs

  • Hier noch eine:




    (P) 1996 Sony Classical "Vivarte" SK 66264 [60:47]

    rec. 23.-26. Januar 1995 (American Academy of Arts and Letters, New York City)


    Mozzafiato:

    Charles Neidich (Klarinette)

    Dennis Godburn (Fagott)

    William Purvis (Naturhorn)


    L'Archibudelli:

    Vera Beths & Linda Quan (Violine)

    Jürgen Kussmaul (Viola)

    Anner Bylsma (Violoncello)

    Marji Danilow (Kontrabaß)


    Mich beschlich seit einiger Zeit, daß ich eigentlich eine weitere kennen müßte - nun fand ich sie in der zweiten Vivarte-Box:


    CD 46


    Die beiden Ensembles haben sich hier zusammengetan und spielen ausgewogen und gut aufeinander abgestimmt. Es entsteht ein transparenter Klang mit Dynamik und feiner Klangkultur. Klangqualität ist ausgezeichnet - wie man es von Wolf Erichson und Stephan Schellmann stets erwarten darf.


    Fein... *yepp**yepp**yepp**yepp*

    • Offizieller Beitrag

    Erstens mit "Schubert Oktett EMI" und Auswahl 1990er: https://www.discogs.com/de/Fra…n-F-Major/release/9786213


    Dann mit Barcode zweitens: https://www.amazon.de/Oktett-F…8-1&keywords=077775411829


    *sante*


  • "English chamber orchestra Hausmusik London, founded in 1986 to perform the chamber repertoire of the late 18th and early 19th centuries and was the first British chamber ensemble to perform Romantic music on period instruments."

    • Offizieller Beitrag

    Vielen Dank an iFelplatz für diese Nominierung:



    AnimÆterna Brugge


    Jakob Lehmann aka Archæopteryx, Violine

    László Paulik, Violine

    Lisa Shklyaver Clarinette

    Ulrich Hübner, Horn

    Lisa Goldberg, Fagott

    Bernadette Verhagen, Viola

    Davit Melkonyan, Violonzell

    Beltane Ruiz Molina, Contrebaß