Capricci ZWV 182-185; 190: Einspielungen (opi)


  • Jan Dismas Zelenka (1679-1745)
    Capricci ZWV 182-185,190


    Bach Sinfonia
    Daniel Abraham


    Wer Bio-Hörner mag, kommt hier auf seine Kosten... *yorick*

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

  • Ich erlaube mir, auszugsweise aus Michaels Rezension in seinem Forum zu zitieren:


    aficionado54 schrieb:

    Abraham lässt sich in seinem Begleittext ausführlich über Zelenkas Leben und Werk und besonders die Capricci aus, und die schwierigen Hornpartien. Nach Diskussionen mit seinen beiden Hornisten R.J. Kelley und Alexandra Cook wurde beschlossen, die Partien ohne Hilfe der linken Hand, die durch Einführen in den Trichter die Intonation unterstützen kann, auszuführen. Die beiden Musiker sind dafür zu bewundern, dass sie sich dieser Herausforderung gestellt haben, aber im Vergleich mit Sonnentheil Aufnahme klingen nicht nur die Hörner, sondern auch die Streichergruppe so, als ob sie leichte Probleme mit der Intonation haben, die man nicht mit mit der historischen Stimmung und einer versuchten Anpassung an die Naturtonreihe der Hörner erklären kann; auch die Abstimmung mit den Oboen erscheint nicht immer lupenrein. Hört man Sonnentheils Aufnahmen im Vergleich, muss man zum Schluss kommen, dass es sauberer geht, unter Bewahrung der Eigenarten der Naturtoncharakteristika der Jagdhörner. Die Höfe des frühen 18. Jahrhunderts verfügten über die besten Hornisten ihrer Zeit, und die dürften sauber geblasen haben.


    Insofern ist diese Neaufnahme ein wenig enttäuschend, auch wenn sie sehr lebendig und mit viel Engagement gespielt ist, und man erheblichen aufnahmetechnischen Aufwand getrieben hat


    Grundsätzlich schließe ich mich dem an, wobei Michael das sehr diplomatisch und floral umschrieben hat: mein erster Eindruck war so - dennoch bin ich auch der Meinung, daß etwaige Schwierigkeiten in den Ausführungen durchaus auch einmal hörbar sein dürfen; manch ein Erwerber dieser Aufnahme mag sich über die schiefen Töne aufregen und das als "Mist" oder "Zumutung" deuten - ich finde aber, daß darin ja keine Absicht liegt sondern viel mehr der Versuch, diese virtuose Musik möglichst ohne moderne Hilfsmittel darzustellen. Daß das vielleicht auch besser ging/geht, steht dabei sicher außer Frage. Zweifelsohne freut sich mein Ohr aber auch über "zufällig" (?) gelungene Stellen, die im Ansatz kritisch zu werden schienen.


    *trööt*


    Dennoch mag ich gerade dieses quasi "Hinter-die-Kulissen-Hören": wie schwer eigentlich Naturhorn zu spielen ist, kann man nur entweder durch Selbstspielen oder durch solche Aufnahmen in glaubhafte Erfahrung bringen. So wie vor noch garnicht allzu langer Zeit die Farinelli zugeeigneten Arien seines Bruders als unsingbar galten, müssen wohl auch diese Capricci derzeit als weitestgehend unspielbar gelten (wobei ich die von Michael genannte Vergleichsaufnahme nicht kenne, die dann wohl eher die Ausnahme sein dürfte). Es gibt noch viel zu tun auf dem Gebiet.


    Deswegen mag ich diese Darbietung.

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790