02 - Sonaten für Violoncello und Clavier: Einspielungen (opi)

  • Als erste HIP-Einspielung Beethovenscher Kammermusik gilt diese:


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    Die Einspielung durch Zoltan Racz auf einem 'Violoncello in alter Mensur' von Matteo Gofriller (Venedig 1711) und Rolf Junghanns auf einem Hammerflügel von Michael Rosenberger (Wien c1818, restauriert von Rudolf Dobernecker, Freiburg) stammt aus dem Jahre 1978 und enthält folgende Werke:


    Sonate Nr. 3 A-Dur für Violoncello und Klavier op. 69
    Sieben Variationen Es-Dur WoO 46 über Mozarts 'Bei Männern, welche Liebe fühlen'
    Zwölf Variationen F-Dur op. 66 über Mozarts 'Ein Mädchen oder Weibchen...'


    Rolf Junghanns studierte an der MH Freiburg historische Tasteninstrumente bei Fritz Neumeyer (1900-1983) und wurde Spezialist auf diesem Gebiet. Nach dem Tod seines Lehrers erbte er dessen Sammlung historischer Tasteninstrumente, welche er zusammen mit dem australischen Cembalisten Bradford Tracey (1951-1987) betreute und die nach Junghanns' Ableben sich heute unter der Bezeichnung Sammlung Neumeyer-Junghanns-Tracey im Schloß Bad Krozingen präsentiert. Das Schloß ist im Besitz von Frau Klaraliese von Gleichenstein, einer Nachfahrin von Beethovens Freund Ignaz Freiherr von Gleichenstein (1778-1828). Diesem Freund widmete Beethoven seine 1807/1808 komponierte Sonate für Violoncello und Hammerclavier A-Dur op. 69.


    Mir gefällt die Einspielung außerordentlich gut, leider scheint sie momentan vergriffen zu sein; ich fand sie damals preiswert am Wühltisch im Stuttgarter Einklang. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, daß ein Experiment (was es damals wohl war) derart gut gelingen kann. Das benutzte Hammerklavier klingt in höheren Partien durch den Einsatz des Moderators teilweise wie eine Harfe. Mich wundert allerdings, warum die herrlichen Es-Dur-Variationen 'nur' WoO geblieben sind und die für meinen Geschmack weit weniger gelungenen Variationen F-Dur eine Opuszahl erhielten?


    :wink:

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)


  • Cellosonate op. 69 / Variationen
    Christophe Coin, Patrick Cohen



    Sonaten für Violoncello und Klavier [Doppel-CD]
    Anner Bylsma, Jos Van Immerseel


    Ich habe beide Einspielungen, die zweite in der Box-Version. Leider finden sich keine Informationen über die verwendeten Instrumente (vielleicht gibt es das bei der Bylsma/Immerseel-Aufnahme in der Einzelausgabe?)

  • Kurze Rezension zu meinem Neuzugang:



    Ludwig van Beethoven (1770-1827)
    Sonate C-Dur op. 102 Nr. 1
    Sonate D-Dur op. 102 Nr. 2
    Sonate A-Dur op. 69
    (Sechs Bagatellen op. 126)


    Tanya Tomkins, Violoncello Joseph Panormo, London 1811
    Eric Zivian, Hammerflügel Salvatore Lagrassa, Wien 1815


    Gefällt mir gut und ist trotzdem sehr anstrengend zu hören. Zunächst fällt das unglaubliche Feuer auf, mit dem die Interpreten um sich werfen. Das Violoncello ist extrem exponiert und beide Musiker spielen auch extrem maniriert, fast schon überbetont - die ebenfalls sehr rasanten Tempi sind zwar zum Teil sehr mitreißend, aber man kommt gedanklich kaum hinterher: entspannend ist dies nicht, macht aber dennoch Spaß diese Hetzjagd.


    Die Opera 102 Nrn. 1 & 2 waren für mich ziemliches Neuland. Ich bleibe zunächst bei meiner Meinung, daß op. 69 meine Lieblings-Cello-Sonate Beethovens bleibt, aber eine andere Einspielung könnte dies durchaus noch ändern, da ich natürlich auch opp. 102 (zunächst) sehr gelungen finde. Allerdings ist mir das harmonischere Spiel von Junghanns und Racz im Moment doch angenehmer. Besonders gefällt mir das in den hohen Lagen Quäkende Violoncello bei den Sonaten opp. 102.


    :wink:

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

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  • Ab Ende des Monats:



    Sonate für Violoncello und Clavier Nr. 1 F-Dur op. 5 Nr. 1
    Sonate für Violoncello und Clavier Nr. 2 g-moll op. 5 Nr. 2
    12 Variationen über ein Thema aus Händels Judas Maccabäus G-Dur WoO 45


    Jarosław Thiel, wiolonczela Bastian Muthesius, 2004 nach Stradivarius „Servais”, 1701
    Katarzyna Drogosz, fortepiano anonyme Kopie nach Joh. Andreas Stein c1780


    Booklet

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    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


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    Sonaten F-Dur op. 5 Nr. 1 und g-moll op. 5 Nr. 2


    Kenneth Slowik, Violoncello Carlo Antonio Testore, Milano, 1708

    James Weaver, Fortepiano Thomas & Barbara Wolff, 1987, nach Johann Schantz c1800


    Leider ist diese Aufnahme nicht wirklich günstig und einfach zu beziehen (weshalb ich sie hier zunächst auch nicht publik machte); aber sie ist einfach zu gut - wie alles von der Smithsonian Collection ... ich kann gar nicht sagen, welchen Sound ich hier mehr mag? Das sonore Violonzell oder den verbindlichen Schantz-Klang ...


    Auf dem Titelblatt des Andréschen Drucks von 1845 heißt es "Deux grandes Sonates pour le Pianoforte avec le Violoncelle ou Violon obligé" - eine separate/alternative Violinstimme ist dem Druck beigegeben: möglicher Weise eine verkaufsfördernde Zutat des Herausgebers. Gibt es eine Einspielung von opp. 5 mit Violine?


    Interessanter Weise sind hier die jeweils beiden ersten Sätze in einem Track zusammengefasst.


    Eine ganz wunderbar persönliche, intime und sehr nahe(gehende) Aufnahme! :jubel::umfall:

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  • ... und was Neues: neben einem Violoncello von Jean-Baptiste Vuillaume, Paris, c1840, gespielt von Peter Hörr, erklingt hier ein ziemliches Geflügel-Gulyás:



    Sonaten op. 5, Fortepiano Nannette Streicher, Wien, c1825

    Sonate op. 69, Fortepiano Peter Baerwind, Hildburghausen, c1830

    Sonaten op. 102, Fortepiano Friedrich Hippe (!), Oberweimar, p1820


    Am Keyboard: Liese Klahn


    Ehrlich geschrieben: so einen eklatanten und evidenten Unterschied zu den zuvor genannten Einspielungen höre zumindest ICH da nicht - im Gegensatz zum jpc-Reporter:


    Das klangliche Ergebnis ist durchaus spektakulär. Zwar ist das Spiel auf historischen Instrumenten oder deren Nachbauten längst eine etablierte Konvention im Klassikbetrieb, doch scheint die Klangwelt, in die Peter Hörr und Liese Klahn den Hörer mit den hier verwendeten Instrumenten entführen, nochmal um einiges extremer. Aber: sie ist auch klangfarben- und variantenreicher. Denn wo moderne Flügel heute nicht selten die reinsten Diskantschleudern sind und moderne Celli oftmals zwar lauter aber auch deutlich einförmiger klingen, eröffnet sich hier eine ganz neue Klangwelt. Die zahllosen Abschattierungen, die Klahn mittels Fußpedalen und Anschlag vornehmen kann sind gegenüber einem modernen Flügel mitunter spektakulär, wiewohl die Dynamik nicht so in die Extreme wie bei einem modernen Instrument geht. Und die Nuancierungen, die Hörr seinem Cello entlockt, sind ebenfalls deutlich facettenreicher. Hinzu kommt, dass beide Interpreten die Vorteile ihres historischen Instrumentariums voll auszukosten wissen

    Was hier beschrieben wird, ist genau das, war ich erwartet habe. Also nichts wirklich besonderes; nichtsdestotrazom sicher eine extrem hörenswerte Gesamtaufnahme der Cellosonaten, die in dieser Form bislang nicht exitstierte. Die Reihung der Clavierinstrumente (jedenfalls bemerkenswert: drei verschiedene) kann ich zwar nicht ganz nachvollziehen, aber dennoch goutieren. Die Cellosonaten sind sicher die am meisten unterschätzten Werke des diesjährigen Jubilars.


    Enizig habe ich bei Tomkins/Zivian bei op. 69 ein Cello-Pizzicato vernommen, das mir hier wie bei Junghanns/Racz verborgen blieb; liegt vielleicht an meiner Konzentrationsunfähigkeit (?) ... oder doch nicht; wenn es so eklatant hervorsticht.


    Das "Allegro fugato" (op. 102/2) ist genial - in allen mir bekannten Einspielungen; daß van_B hier explizit in der Satzbezeichnung darauf hinweist, kann nur Häme seyn.

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  • Ganz frisch gebacken aus dem Hause Musica NovAntiqua:


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    Sämtliche Cellosonaten (opp. 5, 69, 102)

    Alessandro Andriani, Violoncello Ferdinando Gagliano 1782

    Mario Sollazzo, Fortepiano Brodmann 1805 & Schanz 1820




    Leider ist beim Download via Amazon kein Digibooklet dabei; eine kurze Anfrage beim Label via Facebook bescherten mir jedoch angenehme Grüße und das Booklet dankenswerter Weise gratis. Daraus waren immerhin die bespielten Instrumente zu entnehmen, nicht jedoch, welches Pfte nun für welche Sonate verwendet wurde. Schade. Aufgenommen wurde am 5. und 9. November 2019 in der Abbazia Di San Martino Delle Scale, Monreale. Der Klang ist bizarr, feucht (also alles andere als trocken, was ich deutlich bevorzugen würde) und für mich leider zu sehr verhallt. Es klingt wie aus einer anderen Welt kommend; das Cello teils eher quiekend statt süffisant-geschmeidig - das rechne ich der eher grottigen Aufnahmetechnik zu. Es lässt sich für mich nur sehr schwer erahnen, wie elegant die beiden Solisten eigentlich spielen: hier wirkt das alles sehr zusammengekloppt: auf Teufel-komm'-raus mit großer Schippe hingeklatscht und rein in den Ofen, damit's ordentlich knallt; hektisch, laut, unabgestimmt, übersteuert, kaum Feinheiten herauszuhören ... für den Moment eher nervtötend; jedenfalls die beiden Sonaten opp. 5.


    Auch op. 69 beginnt direkt mit zu viel Hall beim Celloeinsatz (allein), beim folgenden Claviereinsatz hört es sich dann so an, als sei das Dämpfungsaufhebungspedal komplett bis zum Anschlag durchgetreten; als hallte es nicht schon genug ... soetwas kann mir leider überhaupt nicht gefallen. Für mich wirkt es auch insbesondere bei op. 69 so, als haben beide Interpreten unabhängig voneinander eingespielt, also gar keinen Bezug zu einander - jeder macht sein Ding, aber es mag sich nicht zusammenfügen. Ob das auch hier alles an der Aufnahmetechnik bzw. dem Aufnahmeort liegt? Vor meinem inneren Auge sehe ich hier manchmal das Violoncello auf einer Barke davongleiten und im dunklen Nebel verschwinden ... der Finalsatz hingegen gefällt mir interpretatorisch ausgenommen gut: das Cello ist in den Tiefen ausgesprochen gut wahrnehmbar, das Getriebe des Vogels rappelt ordentlich ... mit etwas weniger Lautstärke minimiert sich auch der nervende Hall, leider wirkt das Allegro vivace dann aber nicht mehr so sprühend.


    tbc

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  • Trotz des kleinen Lichtblicks am Ende von op. 69 ist mir gestern die Lust komplett vergangen, weiter zu hören. Heute schließe ich also die Audition mit den beiden Sonaten opp. 102 ab. Was soll ich sagen? Etwas weniger emotionslos als gestern stimme ich dennoch in das oben bereits in den Schirm gemeißelte ein: ein absonderlich halliger Klangbrei, der aus zerhackenden Sforzati besteht; das ist das einzige, das ich wahrnehmen und daraus mitnehmen kann - und nach wie vor zwei Klangspuren, die sich - als würden sie parallel laufen - nirgends treffen, gegenseitig ignorieren und abstoßen: das Cello und das Clavier. Sehr wohl vernehme ich durchaus interessante Klänge aus den Tiefen der Bässe beider Instrumente, beim Clavier sogar ausgesprochen rein (wenn man den Hall abzieht); leider geht das aber hier völlig unter und tut auch in diesem Kontext nichts weiter zur Sache.


    Am besten: alles in einem Kammermusiksaal nochmals neu aufnehmen.


    Das zu schreiben schmerzt mich wahrlich sehr, aber es tut mir für die beiden Instrumente und deren Lenker sehr leid; wäre dies meine Erstbegegnung mit den Cellosonaten gewesen, ich hätte sie wohl gemieden wie die Pest. Das werde ich fürderhin zumindest mit dieser Aufnahme tun und freue mich bereits jetzt auf die nächste ... es kann nur besser werden.


    8-)

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  • Und da ist sie:


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    Paul Pulford, Violoncello

    Boyd McDonald, Hammerklavier


    CD1:

    Hammerclavier Lawrence Richey (1975) nach Andreas Stein (1784)

    Violoncello Thomas Dodd (1827), Bogen Gerome (c1840)


    Sonate F-Dur op. 5 Nr. 1

    Sonate g-moll op. 5 Nr. 2

    12 Variationen G-Dur WoO45

    12 Variationen F-Dur op. 66


    CD2:

    Hammerclavier Margaret Hood (1988) nach Nanette Streicher (1816)
    Violoncello Thomas Dodd (1827), Bogen Gerome (c1840)


    Sonate A-Dur op. 69

    Sonate C-Dur op. 102 Nr. 1

    Sonate D-Dur op. 102 Nr. 2

    7 Variationen Es-Dur WoO 46



    Nach dem Desaster aus Italien - tut mir immer noch leid - ist dies hier die reinste Erholung: bereits im Aufnahmejahr 1991 (Maureen Forrester Recital Hall, Wilfried Laurier University, Waterloo, Canada) wusste man den Clavierklang entsprechend der Entstehungszeit der Werke unterscheidbar zu machen; geteilt also nach Früh- und Mittel-/Spätwerk. Die Nähe des Steins zu eigentlich eher Mozarts und Haydns Musik macht Beethovens Musik (ausgenommen meinethalben die Variationssätze WoO45 und op. 66) damit noch evident moderner, da das Neue in Beethovens Musik dadurch erst recht ins Ohr springt. Der Klang Beethovenscher Clavierakustik ist doch m. E. heute noch immer deutlich häufiger mit dem modernen Flügel verknüpft als beispielsweise Haydn oder Mozart; man sollte aber eben doch hören können, wie stark Beethoven an die Grenzen des Machbaren auf dem Tasteninstrument seiner Zeit ging.


    Und so sehr unterscheidet sich dann auch der Clavierklang ab der A-Dur-Sonate op. 69; wäre ja auch schlimm, wenn dem nicht so wäre. Trotz daß die Aufnahme in einer „Halle“ aufgezeichnet wurde, ist Gott-sei-Dank von Hall nichts zu spüren; trocken ist die Aufnahme dennoch nicht - es geht also! Zwar hat Beethoven niemals ein Instrument aus dem Hause Streicher besessen, wohl aber geliehen und kannte durch die gute Freundschaft zu den Streichers (Nanette ist - nebenbei erwähnt - eine geborene Stein) diese Instrumente sehr gut und schätzte sie überaus, wie im Booklet zitiert ist:


    Beethoven an Nanette Streicher schrieb:

    Vielleicht bist Du Dir nicht bewußt, daß ich, seit 1809 immer eine besondere Vorliebe für sie habe. Nur Streicher kann mir das Klavier liefern, das ich benötige.

    Und wie sehr dieses Instrument ein wahres Klangwunder ist und sich mit dem Violoncello zu verbinden mag, kann ich gerade in der A-Dur-Sonate, besonders im Scherzo und folgenden Satz, äußerst beglückt zur Kenntnis nehmen. Ein wirklich sehr charaktervolles und charismatisches Instrument, das sehr intim mit dem Violoncello interagiert, ohne daß sich beide Instrumente je gegenseitig ihre besondere Stellung und Gleichberechtigung streitig machen würden. Das Violonzell singt sehr schön, schreit nicht - oder eben nur ganz selten an passender Stelle - und wartet mit einem warmen, herzigen, manchmal belehrenden (z.B. op. 102 Nr. 1,1) und doch bestimmenden (Mutter-)Ton auf: tatsächlich erinnert mich in dieser Interpretation der 1. Satz der C-Dur-Sonate durchaus an ein Streitgespräch zwischen Mutter (Vc) und dem trotzigen Sproß (Fp), aus dem beide mit verschränkten Armen herausgehen ...


    Sehr gelungen!


    *yepp*

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  • Fortepiano anonyme Kopie nach Joh. Andreas Stein c1780

    So nennen die Polen das also ... 8)


    Die Aufnahme Thiel/Drogosz hatte ich hier glatt vergessen zu besprechen. Eine überaus frische, brillante, konzertierende Aufnahme, die sehr schön die Gleichberechtigung beider Instrumente hören lässt (auch insbesondere aufnahmetechnisch, was ich sehr loben möchte: transparenter, frischer und naher Klang ohne unnötigen Hall). Ja tatsächlich: hier klingt besonders die F-Dur-Sonate wie ein kleines Cellokonzert, bei dem das Clavier den gegengewichteten Orchesterpart innehat, aber sehr oft wettstreiten beide Instrumente miteinander; geben, nehmen, teilen, harmonieren; wie Vogelgezwitscher am Morgen. Etwas schade, daß das Duo bislang bloß die ersten beiden Sonaten eingespielt hat, aber vielleicht kommt ja noch etwas nach; das wäre jedenfalls überaus wünschenswert.


    Der Konzertcharakter zeigt sich insbesondere durch die einkomponierte Cadenz am Ende des ersten Satzes (der F-Dur-Sonate). Cadenzen in Sonaten sind m. W. und meiner Erfahrung nach nicht so häufig anzutreffen (Mozart Violinsonate D-Dur KV 306, 3; Claviersonate B-Dur KV 333, 3). Bei van Beethoven selbst ist es mir noch nicht so ins Ohr gesprungen wie hier und heute bei dieser Sonate (Tte. 347-395).


    Diese Platte ist wahrlich ein wiedergefundener 'Stein' im Beethoven-Mosaik; hier auch bezogen auf das verwendete Clavierinstrument, das dem klanglich gelegentlich dominierenden Violonzell in der stürmischen g-moll-Sonate durchaus Paroli zu bieten in der Lage ist: es klingt mit dem großen Atem eines modernen Konzertflügels und ausgebreiteten Armen einladend zuzuhören, zu staunen und zu lieben.


    Top-Teil!


    :love:

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  • Langsam wird es voll hier:



    Nicolas Altstaedt (Guadagnini-Cello 1749)

    Alexander Lonquich (Graf-Fortepiano c1826/27)


    Nur-Graf ist mir im Moment etwas zu wenig kaufanreizend ... aber irgendwann werde ich sie alle haben.

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  • Und noch eine - viel interessanter:



    2mal komplett in omi und opi:


    David Hardy, Violoncello C. G. Testore, Milano 1694 (einmal schlecht und einmal gut strings)

    Lambert Orkis, Dulcken c1788 (Manuf. Wolf), Streicher c1814/20 (Manuf. Wolf), Wien c1830 (Manuf. Regier), Steinway 21. JH


    *yorick* - ich brauche aber nur die *opi*-Hälfte und das zu einem annehmbaren Download-Preis ...

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  • Zum Glück bin ich sowas von gierig; und auf CD2 mit der 'mittleren' Sonate op. 69 und den beiden späten aus op. 102 zeigt sich für mich, wie schnell so ein blödes Vorurteil zernichtet sein kann:


    Op. 69 ist äußerst prickelnd, bei 6:58 im ersten Satz ein kurzes, bislang nie so gehörtes, Drama. Dynamik, Akzentuierung und Rhythmik beeindrucken mich: was für tolle Crescendi (nicht nur) im Finalsatz! Der Bass des Grafen ist berückend und klingt manches Mal wie ein konkurrierendes Cello, so daß - würde ich das Werk nicht inzwischen recht gut kennen - ich nicht wüßte: welche Stimme gehört nun dem Cello, welche dem Clavier? Genau diese Verwechslungkomödien der Instrumente mag ich besonders, da sie ausschließlich auf historischen Instrumenten funktionieren.


    Berückend (ja, ich mag das Wort eben) interpretiert ist op. 102/2/ii - das anschließende Fugato wirkt befremdlich und heimisch zugleich; genial gemacht!


    CD2 könnte durchaus zu einer meiner Lieblinge avancieren ...


    *yepp*


    EDIT: nach nochmaligem Genuß: JA! CD2 mit den Sonaten opp. 69 und 102 (1+2) kann ich nur wärmstens empfehlen! Damit taut mein tiefgefrorenes Herz peu à peu auf. Allerdings, mich stört es nicht; mag aber sein, daß Kopfhörerhörer sich damit nicht anfreunden können: zum Teil sind deutliche Atemgeräusche der Interpreten zu vernehmen. Ohne das würde es aber auch zu steril klingen ... Musik atmet eben.

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  • Oh man, wieder 'was entdeckt:


    *omg*



    Matt Haimovitz, Violoncello

    Christopher O'Riley, Hammerflügel


    Das klingt sehr 'opi' - prima vista:


    jpc schrieb:

    Haimovitz betont im Text zu dieser CD, es habe absichtlich »keine wirkliche Vorbereitung« auf die Aufnahme gegeben, um das Endergebnis so frisch und spontan wie möglich zu erhalten.

    Nur: warum der Download nicht unerheblich teurer ist als die physische CD? Hat sich virtueller Speicherplatz so exorbitant verteuert? :/

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  • op. 69 ist nach gestrigem Ersthören von CD 2 auch mein Favorit; aber das war auch klar, das geht ja ab wie Schmidts Katze. Ansonsten halte ich das Fortepiano schon für recht dominant gegenüber dem auch wieder sehr warmen Cello. Im Übrigen und sozusagen beiseite gesprochen fällt mir bei diesen Sachen für Cello und Klavier der instrumentale Unterschied zu den omis nicht so sehr ins Gehör wie bei denen für Violine und Klavier. Dort hört man das bei der Geige eigentlich sofort, die Entwicklungsgeschichte der Celli scheint homogener.

    "Je edler das Ding und je allmächtiger, desto fürchterlicher und teuflischer ist der Mißbrauch. Brand und Ueberschwemmung, die schädlichen Wirkungen von Feuer und Wasser, sind nichts gegen das Unheil, das die Vernunft stiften wird – wohl zu merken, die Vernunft ohne Gefühl, wie sie nach den Merkmahlen dieser Zeit uns bevorsteht …“ Georg Forster aus Paris an seine Frau am 16. April 1793

  • Eben noch gefunden und als unbekannt erkannt:



    Sonaten opp. 5

    12 Variationen op. 66

    12 Variationen WoO 45


    Rainer Zipperling, Violoncello

    Boris Vodenitcharov, Hammerflügel



    Sonate op. 5 Nr. 1


    Juris Teichmanis, Violoncello

    Hansjacob Staemmler, Fortepiano



    Complete works 4 4-t-π-ano and Violoncello

    + Hornsonate op. 17 (vermutlich mit Vc anstelle der Horns, weil's ja nicht genügend gibt)


    France Spinguel, Violoncello

    Jan Vermeulen, Fortepiano


    Vermeulen? Hm ... hat mich zumindest beim Kollegen Schubert nicht so richtig angemacht. Die anderen beiden sind mir zu incomplete; mindestens op. 69 sollte noch dabei sein - dafür weniger Variationenkram oder Riesling ... (ich mag eher Pinot griggio oder Pinot noir und ohnehin keine CDs mit gemischten Komponisten). Und die generelle Frage: Wo ist der Download? Ah, da ... warum wird das nicht bei 'Alle Formate und Ausgaben anzeigen' angezeigt? Unbefriedigend; so auch der Preis. Ein Digibook (pdflet) ist auch nicht dabei; eigentlich ein Muss (wie z.B. vorbildlich wie bei Accent oder Ars; auch bzgl. des Downloadlinks klappt das dort), wenn entsprechende Angaben zu den Instrumenten nicht auf dem Cover(back) angegeben sind: wann kommt endlich die opi-Cover-Pflichtangaben-Verordnung (oCPfAVo)?


    *sante**wirds*

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  • Uh, noch eine neue komplette:



    Robin Michael, Violoncello nach Matteo Goffriller c1695 (Stephan van Baehr, 2010)

    Daniel Tong, Fortepiano nach Anton Walter c1805 (Paul McNulty)


    Booklet

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