Claviertrios: Einspielungen (opi)


  • Adalbert Gyrowetz (1763-1850)
    Claviertrios


    Sonate Es-Dur op. 23 Nr. 2
    Sonate B-Dur op. 28 Nr. 1
    Sonate d-moll op. 14 Nr. 2
    Sonate A-Dur op. 12 Nr. 1


    Trio Fortepiano
    Miriam Altmann, Hammerflügel nach J. A. Stein c1780
    Julia Huber, Violine Mantuaner Schule c1680
    Anja Enderle, Violoncello Barak Norman, London 1698


    87 Jahre ist auch für das fortgeschrittene 19. Jahrhundert schon ein erstaunliches Alter: entsprechend abwechslungsreich in der Stilistik dürfte Gyrowetz' Œuvre sein. Allerdings kristallisierte sich doch eine erhebliche Skepsis heraus, als ich bei (jp)c im Tracklisting "Triosonate" las... für einen Komponisten, der nach 1750 geboren wurde, wäre das schon sehr ungewöhnlich; nundenn: die jeweils gebündelten


    Trois Sonates pour le Piano=Forte avec l'accompagement d'un Violon & Violoncelle


    erschienen 1795 (op. 12), 1796 (op. 14), 1798 (op. 23) und 1799 (op. 28) und haben mit der als Triosonate bekannten Gattung rein gar nichts mehr zu tun. Vielmehr handelt es sich doch ziemlich eindeutig um das, was Mozart noch als Terzett betitelte und wir heute als Claviertrio bezeichnen. Zwar steht der Clavierpart noch deutlich im Vordergrund (das wird sich auch bis ins Jahr 2.487 wegen der vorherrschenden Penetranz des Tasteninstrumentes sicher nicht ändern), aber die begleitenden Instrumente (Violine und Violoncello) haben sehr häufig solistische Passagen, bei denen sie die Melodieführung übernehmen und vom jeweils anderen Streichinstrument nebst Clavier begleitet werden, wie Mozart das bereits vorgemacht hat.


    Daneben hat Gyrowetz mehr als ein Dutzend Notturni für Claviertriobesetzung komponiert, wobei der Violinpart durch eine Flöte ersetzt werden kann: hier wird ein Menuett nebst Trio/Alternativo von zwei langsamen Sätzen eingerahmt; der Finalsatz mündet oftmals in einem Variationensatz.


    Die hier eingespielten Sonaten für Clavier, Violine und Violoncello vermitteln zunächst ein sehr häusliches Profil, wandern aber durchaus häufig und beinahe zwingend in dramatische Gefilde ab, die durch die Verwendung der historischen Instrumente resp. deren Nachempfindungen besonders zur Geltung kommen. Im Vergleich zu Beethovens parallel veröffentlichten Trios op. 1 (1795) sind Gyrowetz' "begleitete Sonaten" allerdings doch klassischer und weniger progressiv, obgleich "typischer" Beethoven z.B. im Kopfsatz von op. 28 Nr. 1 anklingt; nichtsdestotrotz höre ich zumindest im A-Dur-Trio bereits eine Art Hummel anklingen. Diese Claviertrios stehen wimpernklimpernd etwa in Konkurrenz zu Vanhal und Koželuh. Der Hausmusiker des ausgehenden 18. Jahrhunderts musste technisch schon einiges auf dem Kasten haben, um diese Werke genießbar darzustellen.


    Alle vier vorgestellten Claviertrios (je eines aus opp. 12, 14, 23 und 28) sind dreisätzig in der Folge schnell-langsam-schnell und von dem 1997 gegründeten "Trio Fortepiano" wunderbar vorgetragen. Der 1780er Stein ist hier sicher der richtige Klangtransporter, der sich im mittleren Klangbereich organisch mit den beiden Streichern verbindet und in den höheren Registern perlend abhebt.

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790