Playford, John (1623-1686)


  • John Playford (1623-1686) war ein englischer Musikverleger, der vor allem durch die Publikation "The English Dancing Master" bekannt wurde.


    Neben dieser Tanzsammlung brachte er aber noch viele weitere Musik-Publikationen:

    A Musicall Banquet (1651)


    A Booke of New Lessons for the Cithern & Gittern (1652)


    Musick's Recreation on the Lyra Viol (1652)


    A Breefe Introduction to the Skill of Musick (1654)


    Court Ayres (1655)


    Choice Musick to the Psalmes of David (1656)


    The Whole Book of Psalms (1661)


    Apollo's Banquet for the Treble Violin (1669)


    Psalms and Hymns (1671)


    Musick's Handmaid (1678)


    The Division Violin (1685)



    Es waren grundsätzlich Sammlungen für musikalische Amateure, niemals für ein höfisches Publikum.
    Genauso seine bekannteste Sammlung "The English Dancing Master" Es war eine der ersten Sammlungen mit Tanzchoreographien und Melodien in England und dementsprechend erfolgreich. Insgesamt erschienen 18 (!) Ausgaben zwischen 1651 und 1728. Wobei es sich bei den letzten Ausgaben ausschließlich um Liebhabereditionen handelte, doch dazu später mehr.


    Playford sammelte damals äußert populäre Melodien und einfache Choreographien um eine gut verkäufliche Sammlung an Tänzen für ein einfach gestricktes, bürgerliches Publikum zusammenzustellen. Er griff dabei hauptsächlich auf Stücke zurück die keinesfalls zeitgenössisch waren, sondern meist aus dem 16. Jahrhundert bzw. der Jahrhundertwende um 1600 stammten. Es sind auch keineswegs höfische Tänze, sondern Volksweisen. Erst in späteren Ausgaben wurden auch populäre Melodien von Purcell und anderen höfischen Komponisten übernommen.
    Die ersten Ausgabe wurde noch unter der Hand gehandelt, da in der Ära Cromwell weltliche Musik und erst recht Tanzmusik verboten waren. Im Laufe der Zeit änderte sich auch das Repertoire der verschiedenen Ausgaben, manche beliebte Weise blieb jedoch erhalten (wie z.B. die bis heute berühmte Melodie "Greensleeves").
    Ab der Jahrhundertwende 1700 ließ die Nachfrage jedoch nach, durch die modernen französischen Tänze und die italienische Oper fiel die englische Musik in eine tiefe Krise und spielte im Musikleben Londons kaum noch eine Rolle. Bei Hofe hatte sie nie eine Rolle gespielt, sowohl Charles II. als auch sein Bruder James II. bevorzugten die frz. Musik und richteten die gesamte Hofmusik danach aus.
    Dies änderte sich auch nicht und Queen Mary und Queen Ann - und dann begann bereits die Ära Händel.
    1728 wurde in London, als satirische Antwort auf die Flut von Opern, die Händel dem Publikum vorsetzte, die Beggar's Opera gegeben. Nicht Helden, Götter und Allegorien waren hier die Protagonisten, sondern Zuhälter, Prostituierte, Messerstecher, Diebe und korrupte Beamte - der Bodensatz der Gesellschaft - und anstatt hochartifizieller Musik benutzte man altes englisches Liedgut - ein riesiger Erfolg.
    Und im Zuge dieser Begeisterung wurde noch einmal der "Dancing Master" mit eben diesem Repertoire von Playford aufgelegt - für Liebhaber.


    Heute wird Playfords English Dancing Master vor allem in der "Barockszene" reichlich überstrapaziert. Es finden mehrfach im Jahr "höfische Kostümbälle" statt, mit Tanzkursen, wo stets dieses Repertoire - fälschlicher Weise muss man einwerfen - gelehrt und praktiziert wird.
    Playfords English Dancing Master wurde niemals auf dem Kontinent vertrieben, und schön gar nicht in höfischen Kreisen. Die englischen Auswanderer nahmen die Sammlung jedoch mit in die Kolonien - und diese Musik beeinflusste maßgeblich die Nordamerikanische Musik.
    Man greift darauf zurück, weil die Tänze recht einfach sind und weil es halt irgendwie alt klingt - führt dies dann in Pseudorokoko-Kostümen und meist dann noch in klassizistischen Schlössern auf, für ein bestimmtes Publikum funktioniert dies auch..... aber das führt zu weit.
    Playford war natürlich nicht der Einzige der solche Sammlungen auf den Markt brachte. Für höfische Kreise und die bürgerliche Oberschicht war im 18. Jahrhundert Pierres Rameaus "Maitre de Danser" (1725) maßgeblich. Und ohnehin hatte jeder noch so kleine Hof seine eigenen Komponisten die Tanzmusik schrieben. Im 18. Jahrhundert, als das Verlagswesen ohnehin blühte, wurden unzählige weiterer Tanzsammlungen publiziert - der größte Teil wartet noch auf eine Sichtung und Aufführung.
    Ende des 18. Jahrhunderts kamen im Reich "Anglaisen" in Mode, Tänze nach englischer Art - diese hatten jedoch mit Playfords Sammlung kaum etwas gemeinsam, ähnlich wie die Contredanses nach englischer manier die um 1700 in Frankreich kurzzeitig in Mode waren. Mit dem Aufkommen der Allemande und des sich daraus entwickelnden Walzers waren diese Tänze ohnehin vom Tisch.


    Playfords Dancing Master hat aber unwiderlegbar seinen Reiz, es ist urenglische Musik und lässt eine Welt aufleben, die man fast immer ausblendet: die Straßen Londons, die Tavernen, bürgerliche Feste um 1700 und vieles mehr - es ist die Musik des 3.Stands.

  • Aufnahmen aus der Sammlung "The English Dancing master" gibt es zahlreich, diese nenne ich mein Eigen:




    Playford: Popular Tunes / The English Dancing Master
    The Broadside Band



    Playford: English Country Dances / The English Dancing Master
    The Broadside Band



    Die Broadside Band hat mehrere Aufnahmen mit der Musik aus den Playford Sammlungen gemacht. Es gibt hin und wieder Überschneidungen im Repertoire. Die ältere Aufnahme bei HMF konzentriert sich mehr auf die ersten Ausgaben, entsprechend archaisch ist die Musik.
    Die zweite Aufnahme hat mehr Repertoire um 1700 im Programm. Beide Aufnahmen glänzen durch eine urenglische, fast volksmusikartige Interpretation.





    Oranges and Lemons - Playford's The English Dancing Master
    The Playfords


    Generell ähnlich interpretiert wie es die Broadside Band vorgelegt hat - aber leider durch kleine "Scherzchens" hat man im Grunde die Aufnahme versaut. So entwickelte sich eine der Melodien auf einmal zum Pipi-Langstrumpf-Song, dann bei einem anderen Stück "Alle Vögel sind schon da" dann bei einem anderen "Dvoraks 9." usw... wenn das witzig sein soll, dann bitte dazuschreiben, damit man auf Kommando lachen kann *wait* - soetwas macht vielleicht bei der Live-Aufführung Sinn, auf einer CD ist das jedoch ein absolutes No-Go. Und das ist nur ein paar Beispiele von diesen leider sehr zahlreichen und äußert nervigen "lustigen Einfällen". Einen leichten Jazz-Einfluss muss man auch noch ertragen. *kotz**kotz**kotz*
    Fenster auf und guten Flug !





    Nobody's Jig Mr.Playfords English Dancing Master
    Les Witches


    Großartige CD - allerdings werden hier fast ausschließlich Stücke präsentiert, die man noch nicht kennt. Wären hier noch die populären "Schlager" mit dabei, dann wäre dies sicher mit Abstand beste derzeitige Aufnahme.




    Spanis Gypsies - Mr.Playfords English Dancing Master
    The Harp Consort - Andrew Lawrence King


    Thema dieser CD sind "spanische" Einflüse auf die englische Musik. Eine äußert spielfreudeige CD des Harp Consort.
    Auch hier kommen wieder allerlei selten zu hörende Instrumente zum Zug.




    A Trip to Killburn - Mr.Playfords English Dancing Master
    The Baltimore Consort


    Auch hier eine ähnliche Interpration in der Art der Broadside Band. Interessante Auswahl gute Interpretation.