Wenn Dirigenten in die Eisen steigen - Schluss-Ritardandi

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    Hallo,


    die Idee zu diesem Thread habe ich aus Travinius' folgendem Post rekrutiert:


    Bei mir gab es heute Mozart, CD 1 der Essential Symphonies unter Sir Roger Norrington (KV 551 gleich zweimal).

    Unter dem Strich für mich eine tolle Aufnahme, das beste, was ich auf modernen Instrumenten kenne (noch knapp vor Mackerras).
    Vom Live merkt man nicht viel mehr als den Schlussapplaus.
    Die erste CD spannt einen weiten Bogen von der 1.Symphonie über die "kleine g-moll" (mit korrekten Vorschlägen) bis zur Jupiter. Bei letzterer kulminiert das Finale in ein kurzes aber heftiges Ritardando... ein kleiner Nachteil für mich, der aber durch den Rest der CD wieder mehr als aufgewogen wird (ich weiß, Ulli, Du bist da anderer Meinung).


    So sehr ich Norrington per se und seine Mozart-Interpretationen im Besonderen schätze, hier durchaus auch die sogenannte Jupiter-Sinfonie KV 551 (trotz falscher Vorschläge fesseln Sound und Drive)... aber: wenn er in den letzten Takten des Finales so dermaßen auf die Bremse latscht, daß es nur so qualmt, kann ich bloß heulend in die Kreissäge laufen. Sorry, aber sowas versaut mir komplett das Vergnügen - sowas möchte ich dann lieber nie wieder hören. NoGorrington. Das ist wie auf der Autobahn, wo sinnlos Bremsende einem den Tag versauen...


    *grrr*


    Daß er auch anders kann, hört man in der selben Edition z.B. bei der Linzer-Sinfonie KV 425 oder bei der Prager KV 504... Zack, aus, Schluß, Applaus. So gehört sich das, zumal nirgends irgendwelche Ritardandi notiert sind. Mit einem ganz leichten Hinauszögern des Schlußakkords kann ich unter Umständen gut leben, wenn es die Spannung steigert.


    Daß derlei Ritardandi - zumal nach Wiederholungen - den endgültigen Schluß andeuten sollen, ist mir dabei schon klar. Daß das Stück zu Ende ist, höre ich aber schon selbst, wenn keine Musik mehr ertönt... Ehrlich gesagt, enttäuscht mich dies gerade sehr, daß Norrington bei einer derart "essentiellen" Sinfonie versagt. Ich könnte mir das Gegenteil - wenn es auch mindestens genauso falsch ist - hingegen gut vorstellen: noch mal so richtig das Gaspedal durchtreten - Kickdown!


    Wie hört Ihr das; gerne auch bei anderen Werken und deren Interpreten?


    :wink:

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    Extrem begegnet man dem immer mal wieder bei Mahler. Besonders die ersten Sätze der III. und VII. Symphonien fallen mir da ein.
    Es gibt Dirigenten (ich müsste noch mal reinhören, um mich zu erinnern, wer da was macht), die enden im Tempo, und welche, die extrem bremsen.
    Beides kann seinen Reiz haben, aber unterm Strich, und das gilt natürlich bei mir auch für KV 551, mag ich das ungebremste Ende.
    Mir "versaut" das nur nicht so nachhaltig den Gesamteindruck wie Dir, Ulli...

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    Extrem begegnet man dem immer mal wieder bei Mahler. Besonders die ersten Sätze der III. und VII. Symphonien fallen mir da ein.
    Es gibt Dirigenten (ich müsste noch mal reinhören, um mich zu erinnern, wer da was macht), die enden im Tempo, und welche, die extrem bremsen.


    Das kann durchaus sein; ich habe das lange Zeit als Marotte der 60er- und 70er-Jahre-Interpretationen des vorigen Jahrhunderts betrachtet - und deswegen gemieden. Daß man jetzt damit wieder anfängt, nachdem es mir ausgerottet ad acta gelegt schien, finde ich - vorsichtig gesagt - traurig.

    • Offizieller Beitrag

    Beim Kopfsatz der III. Mahler geht das gar nicht... wenn Du Dir das mal anhörst, weißt Du, was ich meine. Ich glaube, eine Aufnahme, die da bremst, habe ich auch gar nicht mehr.


    Bei der VII. hat beides seinen Reiz.

    • Offizieller Beitrag

    Beim Kopfsatz der III. Mahler geht das gar nicht...


    Im Finale der Jupiter eigentlich* auch gar nicht.


    *Hätte nicht Volker Pispers einmal gesagt: "Das kann man so nicht sagen? Wenn ich's doch grad so gesacht hab'!?"


    *salut*

  • Wie hört Ihr das; gerne auch bei anderen Werken und deren Interpreten?


    Das hängt dan tatsächlich vom Werk/Interpretation ab: aber manchmal mag is schon eine majestätische Verlangsamung vor dem Schluss - vor allem bei geistlichen Werken, wo das eine gewisse Würde dem Werk verleiht. Wenn man so ein Ritardando gut und an der richtigen Stelle macht, kann das durchaus eine schöne Wirkung für mich haben.


    LG
    Tamás
    *castor*

    Alle Wege führen zum Bach,
    .................................... wo der kleine Biber lebt!