Die sogenannte historisch informierte Aufführungspraxis in Statements ihrer Protagonisten

  • Wo wir gerade bei Haydn waren; ein Contragonist (dessen Äußerungen ich im Übrigen durchaus schätze) in Fortsetzung des Lykokoraxschen Duktus:


    Zitat

    Haydns Quartette gehören seit 200 bis 250 Jahren zum Musikleben. Die Frage nach ihrer "historisch" richtigen Interpretation auf "Originalinstrumenten" ist daher nicht unberechtigt. Ein allzugroßer Unterrschied zwischen dem damaligen und dem heutigen Streichquartettklang dürfte bei adäquater Spielweise allerdings nicht bestehen und der Geist, in welchem musiziert wird, wichtiger sein als die Frage, ob der Geigenhals und das Griffbrett kürzer, der Steg flacher oder gebogener und der Bogen mehr gerade als konkav geformt ist, ob auf Schafsdarm- oder Stahlsaiten gespielt und ob der zu Haydns Zeit noch unbekannte Kinnhalter verwendet wird, ob eine kleinere oder größere Bratsche gewählt, ob das Cello zwischen den Waden eingeklemmt oder mit dem im 19. JH eigeführten Stachel auf den Boden gestützt wird und ob der Kammerton nach der heutigen Norm (440 Hz oder etwas höher) oder etwas tiefer (435 Hz), wie aus Haydns Zeit vereinzelt bezeugt, gespielt wird - obwohl all diese Unterschiede sicherlich nicht ohne spieltechnische und klangliche Bedeutung sein dürften. Diese hist. Instrumente und Spielweisen führen nämlich, wie es heißt, zu einem sanfteren Klang, fließenderem Tempo und weniger Vibrato. Dies alles kann aber auch auf modernen Instrumenten nachgeahmt werden. [...bla,bla,blu...]

    Selbst wenn, was ich mit Nachdruck bezweifle, ist es nur eine (aufwändige) Nachahmung, derer es nicht bedarf. Einfacher: gleich richtig machen.


    Also, wer hat 'ne Idee, von wem der Text stammen könnte?

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)

  • Warum man auf modernen Instrumenten den Klang (! - die Spielweise ist nochmal ein eigenes Thema, weshalb wir von opi und von hip sprechen) von alten Instrumenten (und der Unterschied ist in meinen Ohren enorm) nachahmen sollte, erschließt sich mir auch nicht. (Kleben wir halt etwas Alufolie auf die Steinway-Saiten in der Hoffnung, dass es ungefähr wie ein Cembalo klingt. Ha!) Damit nimmt oder beschränkt man den modernen wie den alten Instrumenten einen Teil dessen, was sie können und schafft einen Zwitter-Sound im freien Fall, der für sich genommen vielleicht ganz schön sein kann, zugleich aber nichts Halbes und nichts Ganzes ist, sondern sowas wie ein kopfgeborener Sub-Meta-Klang. Und das alles ohne Not, nachdem über Jahrzehnte so vieles wieder erschlossen wurde und zur Verfügung steht. Es gibt zahlreiche Musiker, die beweglich sind zwischen opi- und modernen Instrumenten - die finde ich sympathisch und sie haben gute Gründe, warum sie wann was wie einsetzen.


    Unterm Strich finde ich allerdings jeden Klangweg potent und ggf. hörenswert, nämlich wenn er einen bereichert, ergreift, beglückt, fesselt oder was sonst so Musik mit einem veranstalten mag. Nur: bitte bewusst und transparent mit den Gründen der Disposition sein, dann findet jede/r, was ihm/ihr behagt und kann auch wissen, warum bzw. herausfischen, was jeweils überzeugt.


    Übrigens gibt es auch gute Gründe für moderne Kompositionen für historische Instrumente - ich mag z.B. die Kollaborationen von John Tavener mit Paul Goodwin/Academy of Ancient Music sehr: hätte man alles auch einfach auf modernem Instrumentarium nachahmen können? Ernsthaft? Eigentlich habe ich nicht viel mehr Lust, weiter über diese Argumentation nachzudenken, als über Rondo Veneziano.


    *sante*

    Es gibt viele, die nicht reden, wenn sie verstummen sollten, und andere, die nicht fragen, wenn sie geantwortet haben.
    Johann Georg August Galletti (1750-1828)

  • Nope ...

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)

  • Wer soll das denn erraten? Da muss man schon googlen.

    Entsprechend Belesene könnten es wissen; kleiner Tip: es stammt aus der Feder von ...

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)

  • Sog i ja ... *opi*


    Bis auf den entsprechenden Passus ist das Buch allerdings wirklich empfehlenswert (entsprechendes Interesse vorausgesetzt) und hier auch an passender Stelle sicher oftmals zitiert und/oder beworben.


    Das Cover der Schweineholz-Edition der Haydn'schen Sinfonien (GA) bietet einen weiteren Anhaltspunkt für den Schöpfer dieser Zeilen (aber sicher eher unbeabsichtigt).

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


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