Ney, Elly (1882-1968): Klavier

  • Neben Beethoven tauchen in der Diskographie so arg viele Titel nicht auf; aber unter anderem mehrfach Brahmens Zweites. Weiß noch nicht, ob immer dasselbe ...





    Ich schaue mal, wie die Klangqualität bei Dutton Lab gegenüber Urania, MELODRAM und Pavil ist.


    Die Ney wird ja immer sehr männlich beschrieben und sicher einen anderen Zugriff haben als beispielsweise die fragile Grimaud.

  • Wohin die abstoßende Verstrickung zwischen Kunst und Zeitgeschichte einerseits, sowie selbst inszeniertes Künstlertum und weihevolle Beethoveninterpretation andererseits letztlich führt, darf man in Maurizio Kagels Beethoven van anhand einer greisenhaften Neymaske satirisch nachvollziehen.


  • Ich verweise hierzu auf meine Einlassungen im entsprechenden Thread bei C und gleichermaßen auf den eben bei T wiederbelebten. Ansonsten, lieber Max, möchte ich mich hier darauf beschränken mitzuteilen, dass ich deine Äußerung für abwegig halte. Auf eine weitere Diskussion werde ich mit Rücksicht auf die Forenregeln und meine Erfahrungen in den beiden großen Foren verzichten. Es sei denn, ich verstehe dich falsch.

  • Elly Ney, Wiener Philharmoniker, Staatskapelle Berlin, Karl Böhm, Willem van Hoogstraten, 1932-1942


    Beethoven: Klavierkonzert Nr. 5; Klaviersonate Nr. 32 op. 111
    +Mozart: Klavierkonzert Nr. 15
    +Schubert: Wandererfantasie D. 760
    +Strauss: Burleske für Klavier & Orchester

  • Es gibt genau eine Aufnahme von Elly Ney, während der sie einen historischen Hammerflügel bespielt - und zwar jenen, der/den Beethoven nie gehört hat:



    Zitat

    Die Aufnahme entstand 1965 und stellt ein einzigartiges Dokument dar, da der Flügel, den man im Beethoven-Haus Bonn besichtigen kann, seither nicht mehr benutzt werden darf.


    Weiterhin wird „geworben" mit:


    Zitat

    ... gestattet einen unmittelbaren Vergleich zwischen dem historischen Hammerflügel und dem modernen Instrument, denn drei Jahre später hat die Künstlerin dasselbe Werk noch einmal aufgenommen.


    Das ist völlig abstrus. Erstens war der Flügel seinerzeit (1965) nicht wirklich restauriert, sondern für mein empfinden lediglich spielbar gemacht worden; klang also - was nachzuhören ist - wie ein 200 Jahre lang nicht bespieltes Instrument: einfach furchtbar. Wer weiß, was die damals mit dem Gerät gemacht haben, Mitte der 1960er war jedenfalls die Hochzeit der Eierschneiderfabrikanten (Richter-Cembali) ... das sagt schon alles.


    Inzwischen wird das Instrument wieder regelmäßig für Konzerte im Beethovenhaus eingesetzt und erklingt nach meinen eigenen Erfahrungen zumindest brauchbar. Ein Vergleich erübrigt sich daher, zumindest die Aufnahmen der Ney betreffend, weil der Hammerflügel den Umständen entsprechend schlecht abschneiden muß ... (Beginn op. 111), außerdem hatte Elly Ney kein Gefühl für das Instrument, man höre nur das stotternde „Nel cor più non mi sento". Da merkt man, daß die Dame keine Erfahrung mit solchen Instrumenten hatte, wie es heutige Spezialisten eben haben. Sie hat einfach mal darauf gespielt. Sicher, eine nette Erfahrung für sie und das damalige Publikum, heute eher abschreckend.

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

  • Da Du ja eh schon vom Tinnitus geplagt bist ... 1965 mag das interessant gewesen sein; aber da werden die Leute auch gedacht haben: „Der arme Beethoven; wie gut, daß er taub war ..."

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


  • Mitte der Sechziger spielte Elly Ney einen Klavierabend im Großen Saal der Laisz-Halle in Hamburg. Das Programmheft habe ich vor ein paar Jahren entsorgt.
    Jan 1944 geboren, habe ich heute auch das Bedürfnis die Erinnerung an dies Konzert zu entsorgen, denn es war arisches Kunstgesäusel.
    Viele sprachen 1965 (?) von der größten Beethoven Interpretin. Ich hatte den Namen gehört, aber keine Platte der Ney. Als sie auf die Bühne kam, sah sie aus wie eine Travestie-Künstlerin im Beethoven-Look. (meine heutige Sicht)
    Damals war ich irgendwie gebannt von dieser mystischen Erscheinung und sehr gespannt auf ihr Spiel. Sie spielte Mozart Köchel 457 oder 475, das weiß ich nicht mehr...aber an ziemlichen tosenden Klangnebel kann ich mich erinnern.
    Gut erinnern kann ich mich an das op.111 von Beethoven. Diese Sonate war neben op.109 in E-Dur damals meine Lieblingssonate.
    Das Spiel der alten Dame ging in die Vollen im mehrfachen Sinn. Es war wie in einem Stummfilm, ihr weißes gewaltiges Wuschelhaarhaupt dominierte die Darstellung. Doch sie spielte in heroischer Art und Weise, in die Vollen, mit enormen Pedal und voll daneben. Ich kann mich erinnern, wie ich genießen und bewundern wollte...aber es mir nicht gelang, da zu viele Töne daneben gingen. Es war fast unwirklich was da passierte...auferstanden im Beethoven Look ala Kolbe, hochbetagt + verkalkt.
    Ich hatte Elly Ney gehört, war 22 Jahre alt und wußte damals nichts über ihren Hintergrund in der Nazi-Zeit.
    Wie mich op. 109 und op.111 begeistern konnten, erfuhr ich ziemlich zur selben Zeit, durch Christoph Eschenbach (Examenskonzert mit op.109) Jakob Gimpel (op.110), Rudolf Serkin (op.111) und Wilhelm Kempff (op.106)


    Arnulfus

  • Im Falle der Ney ist es wahrscheinlich tatsächlich so, dass die Tonkonserven sie über die Zeit hinweg als interessante Interpretin bewahren; über DVD würde das weihevolle halbverrückte Gebaren sicher abschrecken. Im Übrigen kann man auch bei ihr nicht alle Aufnahmen über einen Kamm scheren - sicher spielt sie Beethoven oder Brahms oft männlicher als mancher Mann und prankender als Richter und Gilels zusammen; aber man höre ihr 5. Klavierkonzert von ersteren und staune über die feingliedrige subtile Anlage.


    Jakob Gimpel


    Noch nie gehört ... man lernt eben einfach nicht aus ... *yes*