Russische und sowjetische Komponisten - ein Hörerfahrungsaustausch

  • Liste russischer Komponisten klassischer Musik


    Momentan treiben mich aus verschiedenen Gründen zwanzig russische und sowjetische Komponisten um und ich wäre froh über einen kleinen Hörerfahrungsaustausch. Meine Favoriten:



    Mili Alexejewitsch Balakirew


    Alexander Porfirjewitsch Borodin


    Aram Chatschaturjan


    Andrei Jakowlewitsch Eschpai


    Alexander Konstantinowitsch Glasunow


    Michail Iwanowitsch Glinka


    Dmitri Borissowitsch Kabalewski


    Anatoli Konstantinowitsch Ljadow


    Nikolai Karlowitsch Medtner


    Nikolai Jakowlewitsch Mjaskowski


    Modest Petrowitsch Mussorgski


    Sergei Sergejewitsch Prokofjew


    Sergei Wassiljewitsch Rachmaninow


    Nikolai Andrejewitsch Rimski-Korsakow


    Alfred Schnittke


    Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch


    Alexander Nikolajewitsch Skrjabin


    Igor Fjodorowitsch Strawinski


    Sergei Iwanowitsch Tanejew


    Pjotr Iljitsch Tschaikowski




    An weiteren Namen und diskographischen HInweisen ist mir sehr gelegen, möglichst mit kurzer Begründung, warum euch welches Werk jeweils in den Bann zieht. Ich wäre auch froh über alternative Schreibweisen der Namen zum Finden bei Amazon und jpc.

    „Als ich es zuweilen unternommen habe, die ruhelose Geschäftigkeit der Menschen zu betrachten, wie auch die Gefahren und Strapazen, denen sie sich [...] aussetzen, woraus so viele Streitigkeiten, Leidenschaften, kühne und oft unheilvolle Unternehmungen usw. erwachsen, habe ich häufig gesagt, daß das ganze Unglück der Menschen aus einem einzigen Umstand herrühre, nämlich, daß sie nicht ruhig in einem Zimmer bleiben können.“ (Blaise Pascal: Gedanken, I, )

  • Zum "Ranking":

    Zitat

    Er dürfte der bekannteste Komponist der Reihe sein. Auch der bedeutendste?


    Ich lehne mich sicher nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich diese Namen als die bislang einhellig gängigsten nenne; wobei deren Bedeutung extrem unterschiedlich in zum Beispiel Vorreiterrollen moderner Musik wurzelt oder in einer Art Filmmusik oder in der Focusierung auf das Klavier oder gar in politischen und ideologischen Vereinnahmungen.


    Das Heer der der breiten Masse unbekannteren Komponisten, oft musikhistorisch interessant; natürlich jederzeit erweiterbar.

    „Als ich es zuweilen unternommen habe, die ruhelose Geschäftigkeit der Menschen zu betrachten, wie auch die Gefahren und Strapazen, denen sie sich [...] aussetzen, woraus so viele Streitigkeiten, Leidenschaften, kühne und oft unheilvolle Unternehmungen usw. erwachsen, habe ich häufig gesagt, daß das ganze Unglück der Menschen aus einem einzigen Umstand herrühre, nämlich, daß sie nicht ruhig in einem Zimmer bleiben können.“ (Blaise Pascal: Gedanken, I, )

  • Er dürfte der bekannteste Komponist der Reihe sein. Auch der bedeutendste?

    Tschaikowskis Leben und Werk sind natürlich hollywoodaffin - der große schwule Künstler mit der fernen unnahbaren Gönnerin, der Schlachtrösser komponierte und unter mysteriösen Umständen viel zu früh verstarb. Der unumstrittene Großmeister der Russen ist mir wie den Meisten natürlich besonders über op.23 und op.35 geläufig; ich habe die beiden Konzerte in meiner Jugend viele tausend Mal gehört und kann sie daher kaum noch verknusen und bestenfalls alle paar Jahre oder Jahrzehnte einmal genießen. Die Majorität kennt dann noch die Sinfonien 4-6, ein oder zwei Orchesterwerke wie Capriccio Italien oder Francesca da Rimini, die Ballette Schwanensee und Nussknacker, vielleicht noch die Opern Pique Dame und Eugen Onegin, aus der Kammermusik das Streichsextett. Er hat mit seiner Musik Eingang in die Popkultur gefunden und vielleicht gerade, weil bei ihm die Grenzen zwischen Kunst und Kitsch fließend sind, wird er seinen Primat behaupten können auch in fernerer Zukunft.

    „Als ich es zuweilen unternommen habe, die ruhelose Geschäftigkeit der Menschen zu betrachten, wie auch die Gefahren und Strapazen, denen sie sich [...] aussetzen, woraus so viele Streitigkeiten, Leidenschaften, kühne und oft unheilvolle Unternehmungen usw. erwachsen, habe ich häufig gesagt, daß das ganze Unglück der Menschen aus einem einzigen Umstand herrühre, nämlich, daß sie nicht ruhig in einem Zimmer bleiben können.“ (Blaise Pascal: Gedanken, I, )

  • Ich lehne mich sicher nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich diese Namen als die bislang einhellig gängigsten nenne; wobei deren Bedeutung extrem unterschiedlich in zum Beispiel Vorreiterrollen moderner Musik wurzelt oder in einer Art Filmmusik oder in der Focusierung auf das Klavier oder gar in politischen und ideologischen Vereinnahmungen.

    Ich finde es sehr interessant, wie sehr man doch hier fast alle Genannten mit nur ganz wenigen Werken wirklich verbindet, wenn man von Schostakowitsch absieht; aber selbst der wird vor allem mit seinen Sinfonien (und dort auch nicht mit allen) identifizert und maximal noch mit den Streichquartetten. Chatschaturjan lernte ich als DDR-Bürger natürlich im Musikunterricht kennen und da war es, wie jeder Zoni noch erinnert, der Säbeltanz aus dem Ballett Gayaneh; einige wenige schätzen noch das Ballett Spartakus; wobei es wie beim anderen eher die Suiten sind, die man häufiger findet. Ansonsten ist vom Armenier kaum noch etwas en vogue, die Rhapsodie für Klavier und Orchester hörte ich jüngst von Peter Rösel. Mussorgski wird so fest mit Bilder einer Ausstellung assoziiert, dass nur noch wenige die Oper Boris Godunow kennen, die Sinfonische Dichtung Eine Nacht auf dem kahlen Berge oder die Lieder und Tänze des Todes. Auch Prokofjews Sinfonien mit Ausnahme der 1. und 5. werden selten gespielt und wenn wir ehrlich sind, haben sich auch seine Klavierkonzerte (bis auf das 2., das Virtuosen gerne spielen) kaum durchgesetzt, ebensowenig seine Opern, Ballette, Schauspiel- oder Kammermusiken. Er ist dagegen omnipräsent und zwar vielen seit der Kindheit als der musikpädagogische Schöpfer von Peter und der Wolf, Klavierbegeisterte schätzen die doch häufiger eingespielten Visions Fugitives, Cineasten Filmmusik. Von Rachmaninow kennt und spielt man bis zum Exzess die Klavierkonzerte 2 und 3, die Préludes hört man immer wieder bei Rezitals; der Rest von den Sinfonien, Tondichtungen bis hin zu den Opern hat es schwer im Repertoire. Rimski-Korsakow ist der Komponist der sinfonischen Suite Scheherazade, sonst wird er kaum gespielt; man korrigiere mich bitte, sollte ich irren. Skrjabin verbindet man geradezu autistisch mit dem Klavier und dort vor allem mit den Sonaten, schon die Sinfonien und Sinfonischen Dichtungen werden selten gegeben. Strawinski, vielleicht der wichtigste und bedeutendste Komponist auf dieser Liste, ist dennoch heute vor allem durch die Werke seiner frühen Phase, die drei Ballettmusiken der Jahre 1911-13 berühmt und war ihretwegen seinerzeit berüchtigt: Der Feuervogel (L’Oiseau de feu), Petruschka (Pétrouchka) und Le sacre du printemps (Die Frühlingsweihe).

    „Als ich es zuweilen unternommen habe, die ruhelose Geschäftigkeit der Menschen zu betrachten, wie auch die Gefahren und Strapazen, denen sie sich [...] aussetzen, woraus so viele Streitigkeiten, Leidenschaften, kühne und oft unheilvolle Unternehmungen usw. erwachsen, habe ich häufig gesagt, daß das ganze Unglück der Menschen aus einem einzigen Umstand herrühre, nämlich, daß sie nicht ruhig in einem Zimmer bleiben können.“ (Blaise Pascal: Gedanken, I, )

  • Auch dieser Thread stieß auf wenig Gegenliebe; ich erinnere trotzden daran, nachdem ich gestern Glinka Jetzt auf den Augen (2016) sah und hörte ... :wink:

    „Als ich es zuweilen unternommen habe, die ruhelose Geschäftigkeit der Menschen zu betrachten, wie auch die Gefahren und Strapazen, denen sie sich [...] aussetzen, woraus so viele Streitigkeiten, Leidenschaften, kühne und oft unheilvolle Unternehmungen usw. erwachsen, habe ich häufig gesagt, daß das ganze Unglück der Menschen aus einem einzigen Umstand herrühre, nämlich, daß sie nicht ruhig in einem Zimmer bleiben können.“ (Blaise Pascal: Gedanken, I, )

  • Also von Chatchaturian hab ich Spartakus und Gayaneh, die Sinfonien, sämtliche Konzerte und diverse Filmusiksuiten, von Kabalewski die Sinfonien und Konzerte, von Miaskowski die Sinfonien, fast alle Quartette und das Violinkonzert, Prokofiew bin ich gerade dabei zu vervollständigen, von Schostakowitsch und Strawinski dürfte ich fast alles haben und von Schnittke die Sinfonien, ein paar kleinere Orchesterwerke und seine Quartette.


    Dann fehlen noch Weinberg, von dem ich einen Teil seiner Sinfonien und seine Quartette hab, Gliere, Chrennikow, Schtschedrin, der zweite Tschaikowski, Eschpai und noch ein paar andere, die ebenfalls mit Sinfonien, Konzerten, Balletten u.ä. bei mir vetreten sind.


    Und das schöne ist, ich hör das Zeug auch!


    Die anderen Herren sind mir auch bekannt, jedoch interessieren sie mich im Moment nicht so: falsches Jahrhundert!


    Also leg los, ich bin bereit! :D


    Siegfried

  • Ich habe in meinem Examen die vier Lieder und Tänze des Todes von Mussorgsky gegeben, und danach von Schostakowitsch die "Krokodil"-Lieder.


    Mussorgsky hat es mir als Jugendlicher sehr angetan, wobei mich die Orchesterfassungen von den Bildern gar nicht so anhaltend fasziniert haben, eher die Opern Boris Godunow und Chowanschtschina (die anderen kenne ich nicht). Mussorgsky packt mich immer wieder, obwohl das von der musikalischen Epoche ja gar nicht (mehr) mein Ding ist. Aber das ist schon sehr toll, sehr eigen (auch wegen der zuweilen aus der Volksmusik entlehnten modalen Harmonik), sehr berührend oft auch und genial.


    Schostakowitsch ist dagegen nicht so meins, und Tschaikowski eigentlich auch nicht. Habe mir wegen Currentzis ja das Violinkonzert gekauft und kürzlich beim Baumabschmücken angehört. Und ich denke die ganze Zeit: Was ist denn das? Muss das sein? Geht es nicht auch ein bisschen weniger dick aufgetragen? Macht doch mal halblang! Aber das war halt wohl die Zeit, die hat das gemocht. Immer größere Städte, immer mehr Industrie, breitere Boulevards, Weltausstellungen, Prunk, Protz, Werbung, und immer geilere Uniformen, so klingt dann halt auch die Musik. Ist absolut faszinierend, aber klanglich für mich auch sehr irritierend. Seltsamerweise finde ich das bei Mussorgsky nicht so massiv, obwohl der ja zur selben Generation gehörte.


    Eigentlich schade, dass mich ein Großteil der Musik nach 1800 inzwischen vor allen anstrengt.


    Oh, bei Rimsky-Korsakoff entspreche ich voll dem Klischee. Ich kenne nur die Sheherazade. (Aber immerhin!)

  • Mussorgsky packt mich immer wieder, obwohl das von der musikalischen Epoche ja gar nicht (mehr) mein Ding ist.


    Lieber Mordent,


    bei Mussorgsky geht es mir wie dir! Sein Boris Godunow und seine Chowanschtschina höre ich immer wieder gerne und zwar egal welche Fassung.
    Vom Boris hab ich sogar eine Aufnahme, in der alles, was Schaljapin 1911 bis 1923 daraus aufgenommen hat, eingefügt ist. Der Rest besteht aus den Fragmenten einer Bolschoi-Aufführung unter Golovanow aus dem Jahr 1948 und einer 51er Aufnahme unter Nebolsin.
    Sie klingt zwar ein bisschen gruftig, aber das passt schon, gibt das doch noch zusätzlich einen besonderen Reiz ab (Patina!), zumal es der Musik nichts von ihrer Wucht nimmt.



    Und nach wie vor bin ich immer noch hinter einer Aufnahme dieser Oper in der Orchestrierung von Schostakowitsch her. Vielleicht könnt ihr mir ja da weiterhelfen.


    Siegfried

  • Ganz interessant fand ich ja diese Box:



    als Schnupperkurs... so wirklich begeistert hat mich davon allerdings nichts wirklich. Liegt vielleicht auch an den uninspirierten Interpreten?

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)

  • Ich liebe russische uns sowjetische Musik. Passt irgendwie zu meiner persönlichen seelischen Disposition.


    Rachmaninow begleitet mich seit meiner Jugend, vor allem sein 2. Klavierkonzert und seine 2. Symphonie.
    Die Symphonischen Tänze (die inoffizielle vierte Symphonie) gehören zu meinen absoluten Lieblingsstücken.


    Prokofjew und Schostakowitsch gehören zu meinen meistgehörten Komponisten, Tschaikowski ist ein Dauerbrenner, und die russische Symphonik zwischen 1870 und 1920 ist einfach nur genial in ihrer Epik und Schwere.

    Lucius Travinius Potellus
    Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (B.Franklin)

  • Yorick schrieb:

    Momentan treiben mich aus verschiedenen Gründen zwanzig russische und sowjetische Komponisten um und ich wäre froh über einen kleinen Hörerfahrungsaustausch. Meine Favoriten:


    An weiteren Namen und diskographischen HInweisen ist mir sehr gelegen, möglichst mit kurzer Begründung, warum euch welches Werk jeweils in den Bann zieht. Ich wäre auch froh über alternative Schreibweisen der Namen zum Finden bei Amazon und jpc.



    Auf Wikipedia ist zu lesen:

    Zitat

    César Antonovich Cui (Russisch: Цезарь Антонович Кюи; 18. Januar [OS 6. Januar] 1835-13 März 1918) [2] war ein russischer Komponist und Musikkritiker der Französisch und litauischer Abstammung. [3] Sein Beruf war als Armeeoffizier ( Er stieg in den Rang eines Ingenieur-General (im Vergleich zu Voll allgemeinen) der russischen kaiserlichen Armee) und ein Lehrer der Befestigungsanlagen, und seine nebenberufliche Leben hat in der Geschichte eine besondere Bedeutung Musik. In dieser Seitenlinie ist er als Mitglied der bekannten The Five, einer Gruppe von russischen Komponisten unter der Leitung von Mily Balakirev, um die Herstellung einer speziell gewidmet Russian Art von Musik.


    Alexander Tcherepnin (1899-1977)ist auf JPC mit gut einem DUTZEND Aufnahmen vertreten
    Die 3. Symph von ihm "die Chinesische" höre ich öfter

  • Dann fehlen noch Weinberg, von dem ich einen Teil seiner Sinfonien und seine Quartette hab, Gliere, Chrennikow, Schtschedrin, der zweite Tschaikowski, Eschpai und noch ein paar andere, die ebenfalls mit Sinfonien, Konzerten, Balletten u.ä. bei mir vetreten sind.


    Wenn ich die Suchfunktion nutze, komme ich bei mir auf einen Eintrag: Jetzt im Ohr (2017)


    Und auch wieder ein Komponist mit hundert Schreibweisen, schwer zu finden unter Umständen; von Aussprache ohne Körperverletzung mal abgesehen und alphabetischem Kopfzerbrechen beim Einordnen ins Komponistenforum.

    „Als ich es zuweilen unternommen habe, die ruhelose Geschäftigkeit der Menschen zu betrachten, wie auch die Gefahren und Strapazen, denen sie sich [...] aussetzen, woraus so viele Streitigkeiten, Leidenschaften, kühne und oft unheilvolle Unternehmungen usw. erwachsen, habe ich häufig gesagt, daß das ganze Unglück der Menschen aus einem einzigen Umstand herrühre, nämlich, daß sie nicht ruhig in einem Zimmer bleiben können.“ (Blaise Pascal: Gedanken, I, )

  • „Als ich es zuweilen unternommen habe, die ruhelose Geschäftigkeit der Menschen zu betrachten, wie auch die Gefahren und Strapazen, denen sie sich [...] aussetzen, woraus so viele Streitigkeiten, Leidenschaften, kühne und oft unheilvolle Unternehmungen usw. erwachsen, habe ich häufig gesagt, daß das ganze Unglück der Menschen aus einem einzigen Umstand herrühre, nämlich, daß sie nicht ruhig in einem Zimmer bleiben können.“ (Blaise Pascal: Gedanken, I, )