Empfehlenswerte Aufnahmen des Bachischen Orgelwerkes: Einzel-, Teil- oder Gesamtaufnahmen

  • Ich nehme die Diskussioen hier zum Anlass, weil das Bachsche Orgelwerk für mich noch eher Neuland ist.


    Ich habe nur diese alte Gesamtaufnahme der Orgelwerke mit Wolfgang Stockmeier:



    Aber ich weiß auch nicht so, recht wie diese zu beurteilen ist, und wünsche mir eine Vergleichsaufnahme - wenn möglich mit histroscher Spielweise auf historischen Orgeln...


    Koopman ist da natürlich ein Favorit, ich kenne aber nur seine Buxtehude-Aufnahmen:



    Aber was ist z.B. von dieser Box zu halten? Es spielen mehrere Oranisten, darunter Wolfgang Zerer und Andrea Marcon:



    Wie wären eure Empfehlungen?


    LG
    Tamás

  • Guten Tag


    z.B.:



    Johann Sebastian Bach


    " Sämtliche Orgelwerke "


    Von Gerhard Weinberger an verschiedenen Orgeln eingespielt.



    Gruß :wink:


    aus der Kurpfalz


    Bernhard

  • Meine Erstbegegnung und ich schwor drauf, die CDs liefen hunderte Male bei mir ...


    Otto Winter

    „Als ich es zuweilen unternommen habe, die ruhelose Geschäftigkeit der Menschen zu betrachten, wie auch die Gefahren und Strapazen, denen sie sich [...] aussetzen, woraus so viele Streitigkeiten, Leidenschaften, kühne und oft unheilvolle Unternehmungen usw. erwachsen, habe ich häufig gesagt, daß das ganze Unglück der Menschen aus einem einzigen Umstand herrühre, nämlich, daß sie nicht ruhig in einem Zimmer bleiben können.“ (Blaise Pascal: Gedanken, I, )

  • Ich habe mich jetzt für diese GA entschieden:



    Eine aktuelle Aufnahme (2012), die Schnipsel klingen klasse, und das Label ist mir äußerst sympatisch.


    Auf der Liste steht noch Koopman für die Zukunft.


    LG
    Tamás
    *castor*

  • Ich verweise auch auf die von JD dankenswerter Weise zusammengetragenen Ausgaben von Hans Fagius innerhalb der Bach-Edition, BACH JS: Das Gesamtwerk (Brilliant Classics 2006), die er für Amazon auflistet, die es alle aber auch bei jpc gibt:


    Hans Fagius (Orgel)





    ---- -----


    Boxen:

    „Als ich es zuweilen unternommen habe, die ruhelose Geschäftigkeit der Menschen zu betrachten, wie auch die Gefahren und Strapazen, denen sie sich [...] aussetzen, woraus so viele Streitigkeiten, Leidenschaften, kühne und oft unheilvolle Unternehmungen usw. erwachsen, habe ich häufig gesagt, daß das ganze Unglück der Menschen aus einem einzigen Umstand herrühre, nämlich, daß sie nicht ruhig in einem Zimmer bleiben können.“ (Blaise Pascal: Gedanken, I, )

  • In meinem Besitz finden sich folgende Gesamteinspielungen:



    Lionell Rogg



    Ton Koopmann



    Wolfgang Stockmeier




    Olivier Vernet



    Marie Claire Alain



    Helmut Walcha



    Peter Hurford


    sowie die Box aus der Hänssler-Edition




    Ich werde in nächster Zeit mal kurze Eindrücke zu en Gesamtboxen schreiben, momentan fehlt dafür Zeit

  • Wie kommt es, dass es so gewaltige Unterschiede in der CD-Anzahl der GAs gibt?


    Von 12 CDs (Rogg) bis zu 22 CDs (Weinberger) gibt es fast alles. Gibt es so viele zweifelhafte Werke?


    LG
    Tamás
    *castor*

  • Nun, es gibt einige Erklärungsansätze:

    • In den älteren Ausgaben fehlen zwangsläufig einige Werke, die erst nach Erscheinen der Einspielung gefunden wurden
    • zum Teil wurden die Gesamtausgaben als eine Folge von Orgelrecitals aufgenommen, die thematische, zeitliche, tonartliche oder andere Bezüge haben. Dann läßt sich logischerweise nicht immer die volle Spieldauer einer CD ausnutzen
    • Viele Gesamtausgaben sind zuerst als eine Abfolge von Einzel-CDs (oder LPs) erschienen. Manchmal machte sich die Plattenfirma nicht die Mühe, die ursprünglichen Zusammenstellungen in Hinsicht auf die maximal mögliche Dauer einer CD zu optimieren und beließ es bei der ursprünglichen Zusammenstellung.


    Auch da kann ich mal versuchen, meine Gesamtaufnahmen zu vergleichen und Unterschiede herauszuarbeiten. Allerdings benötigt das vermutlich viel Zeit ...

  • Überhaupt sind Bewertungen von Orgelwerken, nicht nur bei Bach, extrem schwierig, da es hier so viel auf das Instrument und dessen Klangraum ankommt und diese eben so viel unterschiedlicher untereinander sind, als es Klavier oder Geige je sein könnten. Man sehe auch diesen Thread: Orgel-Audiophilie

    „Als ich es zuweilen unternommen habe, die ruhelose Geschäftigkeit der Menschen zu betrachten, wie auch die Gefahren und Strapazen, denen sie sich [...] aussetzen, woraus so viele Streitigkeiten, Leidenschaften, kühne und oft unheilvolle Unternehmungen usw. erwachsen, habe ich häufig gesagt, daß das ganze Unglück der Menschen aus einem einzigen Umstand herrühre, nämlich, daß sie nicht ruhig in einem Zimmer bleiben können.“ (Blaise Pascal: Gedanken, I, )

  • Überhaupt sind Bewertungen von Orgelwerken, nicht nur bei Bach, extrem schwierig, da es hier so viel auf das Instrument und dessen Klangraum ankommt

    Ja, aber wir rezensieren ja hier nicht die Orgelwerke, also die Orgelkompositionen und auch nicht die Orgelwerke, was auch an ein heute nicht mehr so gebräuchlicher Ausdruck für Orgel an sich ist, sondern die Aufnahmen der Interpreten. Da halte ich es nicht für schwieriger, Orgelaufnahmen zu rezensieren als Aufnahmen für andere Instrumente/ Besetzungen.


    Natürlich braucht man eine geeignete Orgel für das entsprechende Werk. Bach auf einer romantischen französischen Orgel etwa von Cavaille-Colle wird eben so wenig funktionieren wie Widor auf einer Arp-Schnittger-Orgel. Die Wahl des richtigen Instrumentes ist zwingender Teil der Interpretation und muß vom Künstler gerechtfertigt werden. Das Problem stellt sich mir als Blockflötisten ja auch. Es wäre schön, wenn ich alle für eine Altblockflöte komponierten barocken Sonaten auf der gleichen barocken Altblockflöte spielen könnte. Geht aber nicht, weil ich so den Kompositionen nicht gerecht werden kann. Wenn ich also eine Interpretation beurteile, dann beurteile ich natrülich auch immer das verwendete Instrumentarium. Das mag bei einer Orgel unter Umständen vielleicht etwas "hörfälliger" sein, aber keineswegs zwingend anders als bei einer Beethoven-Sinfonie oder einer Mozart-Oper.

  • Die Wahl des richtigen Instrumentes ist zwingender Teil der Interpretation und muß vom Künstler gerechtfertigt werden.


    Sehe ich auch so! *yepp*


    Und bei einer Beurteilung von GAs kommen dann auch Aspekte zum tragen, wie Übersichtlichkeit und Konzeption der Anordnung der einzelnen Werke.


    LG
    Tamás
    *castor*

  • Ja, aber wir rezensieren ja hier nicht die Orgelwerke, also die Orgelkompositionen und auch nicht die Orgelwerke, was auch an ein heute nicht mehr so gebräuchlicher Ausdruck für Orgel an sich ist, sondern die Aufnahmen der Interpreten. Da halte ich es nicht für schwieriger, Orgelaufnahmen zu rezensieren als Aufnahmen für andere Instrumente/ Besetzungen.

    8-) :) :wink:


    Du hast völlig Recht. Dennoch kommt meines Erachtens zu den reinen Fragen der Interpretation schon noch dazu, ob ich in einer kleinen Schlosskapelle, einer Dorfkirche, einer gewaltigen Kathedrale oder in einem weltlichen Konzertsaal die entsprechende Orgel höre. Sicher, der Organist muss aus den Möglichkeiten in der Situation sein begründbar Bestes machen, aber ich als Rezipient habe schon ein paar Unbekannte mehr als bei einem x-beliebigen Allerweltskonzert in einer gewöhnlichen Philharmonie. Oder?


    Natürlich braucht man eine geeignete Orgel für das entsprechende Werk. Bach auf einer romantischen französischen Orgel etwa von Cavaille-Colle wird eben so wenig funktionieren wie Widor auf einer Arp-Schnittger-Orgel. Die Wahl des richtigen Instrumentes ist zwingender Teil der Interpretation und muß vom Künstler gerechtfertigt werden. Das Problem stellt sich mir als Blockflötisten ja auch. Es wäre schön, wenn ich alle für eine Altblockflöte komponierten barocken Sonaten auf der gleichen barocken Altblockflöte spielen könnte. Geht aber nicht, weil ich so den Kompositionen nicht gerecht werden kann. Wenn ich also eine Interpretation beurteile, dann beurteile ich natrülich auch immer das verwendete Instrumentarium. Das mag bei einer Orgel unter Umständen vielleicht etwas "hörfälliger" sein, aber keineswegs zwingend anders als bei einer Beethoven-Sinfonie oder einer Mozart-Oper.

    Unterschreib! Ich würde nur den letzten Satz kluftiger sehen ... *yes*




    Sehe ich auch so! *yepp*

    Ich auch! *yes*


    Und bei einer Beurteilung von GAs kommen dann auch Aspekte zum tragen, wie Übersichtlichkeit und Konzeption der Anordnung der einzelnen Werke.

    Und wieder richtig! :jubel:

    „Als ich es zuweilen unternommen habe, die ruhelose Geschäftigkeit der Menschen zu betrachten, wie auch die Gefahren und Strapazen, denen sie sich [...] aussetzen, woraus so viele Streitigkeiten, Leidenschaften, kühne und oft unheilvolle Unternehmungen usw. erwachsen, habe ich häufig gesagt, daß das ganze Unglück der Menschen aus einem einzigen Umstand herrühre, nämlich, daß sie nicht ruhig in einem Zimmer bleiben können.“ (Blaise Pascal: Gedanken, I, )

  • Du hast völlig Recht. Dennoch kommt meines Erachtens zu den reinen Fragen der Interpretation schon noch dazu, ob ich in einer kleinen Schlosskapelle, einer Dorfkirche, einer gewaltigen Kathedrale oder in einem weltlichen Konzertsaal die entsprechende Orgel höre. Sicher, der Organist muss aus den Möglichkeiten in der Situation sein begründbar Bestes machen, aber ich als Rezipient habe schon ein paar Unbekannte mehr als bei einem x-beliebigen Allerweltskonzert in einer gewöhnlichen Philharmonie. Oder?

    Die Wahl der Orgel ist ja auch eine Wahl der Kirche. Der Interpret wird auch hier darauf achten müssen, daß der Raum zum Programm paßt. Ich kann auch nicht alle meine Programme in allen Räumen spielen. Bei der Konzertvorbereitung kläre ich ab, wie der Raum akustisch beschaffen ist, wie groß er ist, etc. und entscheide dann gemeinsam Norden Veranstalter, was für ein Programm es wird oder täusche Werke in einem Programm aus. Ich will also widersprechen, du hast als Hörer nicht mehr Unbekannte, der Interpretist dafür verantwortlich, daß das Gesamtpaket Konzert bzw. Aufnahme paßt.
    Dazu kommt noch, daß die Aufnahme die Originalakkustik ja nicht entsprechend transportieren kann, dein Hörraum wird nie wie der Raum klingen, in dem aufgenommen wurde.

  • Die Wahl der Orgel ist ja auch eine Wahl der Kirche. Der Interpret wird auch hier darauf achten müssen, daß der Raum zum Programm paßt. Ich kann auch nicht alle meine Programme in allen Räumen spielen. Bei der Konzertvorbereitung kläre ich ab, wie der Raum akustisch beschaffen ist, wie groß er ist, etc. und entscheide dann gemeinsam Norden Veranstalter, was für ein Programm es wird oder täusche Werke in einem Programm aus. Ich will also widersprechen, du hast als Hörer nicht mehr Unbekannte, der Interpretist dafür verantwortlich, daß das Gesamtpaket Konzert bzw. Aufnahme paßt.

    Also drehe ich die Aussage und sage: Der Interpret an der Orgel hat möglicherweise mehr Verantwortung als der Pianist oder Violinist, weil er doch noch ein paar Aspekte mehr zu beachten hat?


    Dazu kommt noch, daß die Aufnahme die Originalakkustik ja nicht entsprechend transportieren kann, dein Hörraum wird nie wie der Raum klingen, in dem aufgenommen wurde.

    Ok, das gilt ja für alle Aufnahmen. Früher nannte man das Schallplattenästhetik im Gegensatz zum Konzerterlebnis. Aber auch hier fällt das sicher bei Orgel und Hallenkirche mehr auf, wenn ich das im heimischen Wohnzimmer höre ...


    P.S. Kann und darf man irgendwo nachlesen, wo man dich live zu hören vermöchte?

    „Als ich es zuweilen unternommen habe, die ruhelose Geschäftigkeit der Menschen zu betrachten, wie auch die Gefahren und Strapazen, denen sie sich [...] aussetzen, woraus so viele Streitigkeiten, Leidenschaften, kühne und oft unheilvolle Unternehmungen usw. erwachsen, habe ich häufig gesagt, daß das ganze Unglück der Menschen aus einem einzigen Umstand herrühre, nämlich, daß sie nicht ruhig in einem Zimmer bleiben können.“ (Blaise Pascal: Gedanken, I, )

  • Dennoch kommt meines Erachtens zu den reinen Fragen der Interpretation schon noch dazu, ob ich in einer kleinen Schlosskapelle, einer Dorfkirche, einer gewaltigen Kathedrale oder in einem weltlichen Konzertsaal die entsprechende Orgel höre.


    Die von Dir aufgeworfene Frage ist natürlich breitgefächert, so dass es schwer fällt drauf konkret zu antworten.


    Tipp:


    schau einmal hier - dort findest Du sämtliche Artikel der Zeitschrift für Instrumentenbau von 1880 bis 1943 in digitalisierter Form


    http://www.sim.spk-berlin.de/z…_instrumentenbau_818.html


    mit einem Index, was orgelrelevante Artikel anbetrifft, hier:


    http://www.orgelauskunft.de/files/ZfI_Index.pdf


    Dort findest Du Artikel zu Themen, wie Klangideale, Klanganalysen, Klangspektren, Intonation, Orgelgeschichte und vieles mehr. Vieles mag inzwischen nicht mehr auf dem aktuellen Stand sein, gleichwohl macht es mE Spaß dort zu stöbern.


    Und so nebenbei, schau Dir mal bei Gelegenheit die Seite von Joachim Winkler an. Dort findest Du profunde Analysen der freien, d.h. nicht choralgebundenen, Orgelwerke Bachs.


    http://www.bachs-orgelwerke.de/


    Und falls es Dich einmal nach Paris verschlagen sollte und Du darauf aus bist eine Orgeltour zu unternehmen, lohnt es sich vorab dort einmal zu lesen:


    http://www.orgelauskunft.de/orgeln_paris_text.html

  • Berichte Doch einmal, lieber Tscha, bei Gelegenheit von Deinen Höreindrücken zu dieser Aufnahme, die mir bislang völlig unbekannt war.

  • Ist noch nicht eingetroffen, wahrscheinlich erst am nächsten Diensttag (am Montag bin ich auf Dienstreise) - ich werde natürlich berichten! *yepp*


    LG
    Tamás
    *castor*

  • Wie kommt es, dass es so gewaltige Unterschiede in der CD-Anzahl der GAs gibt?


    Von 12 CDs (Rogg) bis zu 22 CDs (Weinberger) gibt es fast alles. Gibt es so viele zweifelhafte Werke?


    LG
    Tamás
    *castor*


    Diese Frage hat sich der Autor des nachfolgenden Blogs auch gestellt:


    http://ionarts.blogspot.com/20…of-bach-organ-cycles.html


    Interessanterweise werden einige complete- oder near complete-Aufnahmen gleich mitgeliefert, incl. entsprechender Links auf Amazon DE, UK und FR. Das ist natürlich nur eine ausschnitthafte Darstellung. Etwas vollständiger, allerdings längst auch hier nicht abschließend, dort:


    http://www.bach-cantatas.com/NVD/Organ-Complete.htm

  • Berichte Doch einmal, lieber Tscha, bei Gelegenheit von Deinen Höreindrücken zu dieser Aufnahme, die mir bislang völlig unbekannt war.


    Ist noch nicht eingetroffen, wahrscheinlich erst am nächsten Diensttag (am Montag bin ich auf Dienstreise) - ich werde natürlich berichten! *yepp*


    LG
    Tamás
    *castor*


    Konntest Du Dich inzwischen in Jacques Amadés Sichtweisen auf das Orgelwerk des Thomaskantors einhören? Deine Eindrücke interessieren mich nach wie vor, lieber Tamás.


    Frohe Grüße

  • Ja, viele CDs habe ich schon daraus mir angehört. Der erste Eindruck ist positiv, aber ich habe nur wenig Vergleichsmaterial. Werde aber versuchen, noch die Woche etwas ausführlicher mich dazu äußern!


    LG
    Tamás
    *castor*